Hohe Einkommen, trotzdem wechselwillig: Was Fachkräfte in Bau und Energie erwarten
Die Energiewirtschaft zahlt Fach- und Führungskräften deutlich mehr als das Baugewerbe. Wechselwillig sind dennoch viele Beschäftigte – besonders Projektleitende.
Foto: PantherMedia / Randolf Berold
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Zwischen Baugewerbe, Anlagenbau, Ingenieurbüros und Energiewirtschaft bestehen deutliche Gehaltsunterschiede. Die höchsten durchschnittlichen Einkommen erzielen Fach- und Führungskräfte in der Energiewirtschaft. Das Baugewerbe liegt im Branchenvergleich am unteren Ende. Gleichzeitig können sich viele Beschäftigte einen Arbeitgeberwechsel vorstellen, wenn sie dadurch mehr verdienen. Das geht aus dem „Gehaltsreport Bau und Energie 2026“ des Personaldienstleisters Hays hervor.
Inhaltsverzeichnis
- Energiewirtschaft zahlt Fachkräften 8400 € mehr
- Branchenübergreifend beträgt das Fixgehalt 56.700 €
- Projektleitende führen den Gehaltsvergleich an
- Führungskräfte verdienen in der Energiewirtschaft am besten
- Bereichsleitende kommen auf 99.500 €
- Qualifikation und Unternehmensgröße beeinflussen das Gehalt
- In Westdeutschland liegen die Einkommen höher
- Mehrheit wünscht sich transparente Gehaltsstrukturen
Grundlage des Reports ist eine Onlinebefragung von 1160 Fach- und Führungskräften in technischen Berufen im ersten Quartal 2026. Darunter waren 254 Teamleitende, die zusätzlich Angaben zu Gehältern und Zusatzleistungen in ihren Teams machten. Befragt wurden Beschäftigte aus dem Baugewerbe, der Energiewirtschaft, dem Anlagenbau und aus Ingenieurbüros.
Energiewirtschaft zahlt Fachkräften 8400 € mehr
Die höchsten durchschnittlichen Fixgehälter erhalten Fachkräfte in der Energiewirtschaft. Sie kommen dort auf 62.000 € im Jahr. In Ingenieurbüros sind es 57.400 €, im Anlagenbau 56.800 €. Das Baugewerbe liegt mit durchschnittlich 53.600 € am unteren Ende des Branchenvergleichs.
Zwischen Energiewirtschaft und Baugewerbe beträgt die Differenz damit 8400 € bzw. knapp 16 %. Im Baugewerbe verdient das untere Viertel der befragten Fachkräfte weniger als 42.000 € im Jahr.
Der Report unterscheidet zwischen dem durchschnittlichen Fixgehalt und dem Gesamtgehalt einschließlich variabler Bestandteile. Da nicht alle Befragten Boni oder andere variable Zahlungen erhalten, sind diese Werte nicht unmittelbar gleichzusetzen.
Variable Vergütungen sind in den vier Branchen unterschiedlich verbreitet. Im Baugewerbe erhält laut Report knapp jede dritte Fachkraft eine solche Zahlung. In der Energiewirtschaft trifft dies auf 52 % zu. Je nach Unternehmen kann der variable Anteil dort zwischen 5 % und 30 % des Fixgehalts ausmachen. Der Höchstwert gilt daher nicht generell für alle Beschäftigten.
Branchenübergreifend beträgt das Fixgehalt 56.700 €
Über alle vier untersuchten Branchen hinweg kommen Fachkräfte ohne Personalverantwortung auf ein durchschnittliches Fixgehalt von 56.700 €. Der Median liegt bei 55.000 €. Eine Hälfte der Befragten verdient damit mehr, die andere weniger als diesen Betrag.
Unter Einbeziehung variabler Bestandteile beträgt das aktuelle Gesamtgehalt der Fachkräfte durchschnittlich 59.700 €. Diese Werte fassen die Ergebnisse aus Baugewerbe, Energiewirtschaft, Anlagenbau und Ingenieurbüros zusammen. Sie sind daher nicht als Gehaltswert einer bestimmten Branche zu verstehen.
Auch die Angaben zur Gehaltszufriedenheit und Wechselbereitschaft werden im Report für die Fachkräfte insgesamt ausgewiesen. 28 % sind mit ihrem gegenwärtigen Einkommen zufrieden oder sehr zufrieden. Gleichzeitig können sich 61 % einen Wechsel vorstellen, wenn die angebotene Vergütung ihren Erwartungen entspricht.
Im Durchschnitt müsste ein neuer Arbeitgeber 72.000 € bieten. Das wären rund 21 % mehr als das aktuelle Gesamtgehalt. Selbst unter den Fachkräften, die ihr Einkommen positiv bewerten, sind dem Report zufolge rund 40 % wechselbereit. Eine klare Verbindung zwischen Unzufriedenheit und Wechselbereitschaft lässt sich daraus nicht ableiten.
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Projektleitende führen den Gehaltsvergleich an
Neben der Branche beeinflusst vor allem die Position das Einkommen. Im branchenübergreifenden Vergleich verdienen Fachkräfte in der Projektleitung am meisten. Ihr durchschnittliches Fixgehalt beträgt 71.900 €. Unter Berücksichtigung variabler Bestandteile kommen sie auf ein aktuelles Gesamtgehalt von durchschnittlich 75.600 €.
Bauleitende erzielen im Mittel ein Fixgehalt von 67.900 €, Architektinnen und Architekten 58.500 €. Deutlich niedriger liegen die Einkommen in der Montage und im technischen Service. Dort werden durchschnittlich rund 45.000 € gezahlt.
Unter den untersuchten Fachkräftepositionen weist die Projektleitung zugleich die höchste Wechselbereitschaft auf. Bis zu 84 % der befragten Projektleitenden würden laut Hays einen Wechsel in Betracht ziehen, wenn das angebotene Jahresbruttogehalt mindestens 84.800 € beträgt. Das wären rund 12 % mehr als ihr aktuelles Gesamtgehalt.
Martin Honerbom, Experte für die Bau- und Energiewirtschaft bei Hays, erklärt: „Besonders gut verdienen jetzt diejenigen, die diese Transformationen als Projektleitende und Experten verantworten – doch genau diese Gruppen sind auch besonders wechselbereit, da sie aktuell sehr gute Angebote bekommen.“
Führungskräfte verdienen in der Energiewirtschaft am besten
Bei den Führungskräften liegt die Energiewirtschaft im Branchenvergleich ebenfalls vorn. Das durchschnittliche Fixgehalt beträgt dort 80.000 €. Im Baugewerbe sind es 67.200 €. Führungskräfte in der Energiewirtschaft verdienen damit im Mittel 12.800 € bzw. rund 19 % mehr.
Auch variable Bestandteile können das Einkommen erhöhen. In der Energiewirtschaft erhält mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte eine variable Vergütung. Auf Basis der im Report genannten möglichen Zuschläge ergibt sich dort eine Spanne von 84.000 € bis 104.000 €. Dabei handelt es sich um rechnerische Werte auf Grundlage des durchschnittlichen Fixgehalts und der angegebenen variablen Anteile – nicht um die tatsächliche Einkommensspanne aller Befragten.
Die Branchenwerte fassen unterschiedliche Tätigkeitsfelder und Hierarchieebenen zusammen. Sie beantworten daher nicht die Frage, wie viel beispielsweise eine Bereichsleitung eines Energieunternehmens im direkten Vergleich mit einer Bereichsleitung im Baugewerbe verdient.
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Bereichsleitende kommen auf 99.500 €
Über alle untersuchten Branchen hinweg steigt das Einkommen mit der Hierarchieebene. Teamleitende erhalten ein durchschnittliches Fixgehalt von 63.700 €, Abteilungsleitende 70.900 € und Bereichsleitende 99.500 €.
Werden variable Bestandteile einbezogen, liegen die aktuellen Gesamtgehälter im Mittel bei 67.600 € für Teamleitungen, 78.200 € für Abteilungsleitungen und 109.800 € für Bereichsleitungen.
Nach Tätigkeitsfeldern betrachtet, erzielen Standort- und Niederlassungsleitungen mit durchschnittlich 85.300 € das höchste Fixgehalt. Davon zu unterscheiden ist die Hierarchieebene: Bereichsleitende kommen unabhängig von ihrem Tätigkeitsfeld im Mittel auf 99.500 €.
Die Wechselbereitschaft beträgt bei Teamleitenden 67 %, bei Abteilungsleitenden 64 % und bei Bereichsleitenden 77 %. Für einen Wechsel streben sie durchschnittlich 77.200 €, 91.200 € bzw. 124.800 € an. Auch diese Ergebnisse beziehen sich auf alle untersuchten Branchen zusammen.
Qualifikation und Unternehmensgröße beeinflussen das Gehalt
Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung verdienen branchenübergreifend durchschnittlich 46.500 €. Mit einem Meister- oder Technikerabschluss steigt das Einkommen auf 56.100 € – ein Plus von rund 21 %.
Bachelorabsolventinnen und -absolventen kommen auf 59.100 €, Beschäftigte mit Master- oder Diplomabschluss auf 65.100 €. Wie stark sich ein Abschluss innerhalb der einzelnen Branchen auf das Gehalt auswirkt, schlüsselt Hays nicht auf.
Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle. In Betrieben mit weniger als 50 Beschäftigten verdienen Fachkräfte durchschnittlich 50.700 €. Unternehmen mit mindestens 1000 Mitarbeitenden zahlen im Mittel 62.400 €. Die Differenz beträgt 11.700 € im Jahr.
Variable Vergütungen sind in größeren Unternehmen ebenfalls verbreiteter: In kleinen Betrieben erhalten sie 23 % der Fachkräfte, in Unternehmen mit mindestens 1000 Mitarbeitenden 55 %. Ein direkter Vergleich zwischen kleinen Energieunternehmen und großen Bauunternehmen ist anhand der veröffentlichten Daten jedoch nicht möglich.
In Westdeutschland liegen die Einkommen höher
Über die Branchen hinweg verdienen Fachkräfte in Westdeutschland laut Report durchschnittlich 13 % mehr als Beschäftigte im Osten. Besonders hohe Mittelwerte weist die Befragung für Baden-Württemberg mit 62.600 €, Bayern mit 61.900 € und Hamburg mit 60.700 € aus. Thüringen liegt mit 42.400 € am unteren Ende des Ländervergleichs.
Auch zwischen Frauen und Männern bestehen Unterschiede. Bei Fachkräften mit Berufsausbildung verdienen Frauen durchschnittlich 9 % weniger als Männer. Unter den Beschäftigten mit Master- oder Diplomabschluss beträgt die Differenz 11 %. Frauen dieser Qualifikationsgruppe kommen auf durchschnittlich 60.200 €, Männer auf 67.100 €.
Dabei handelt es sich um unbereinigte Unterschiede. Ob und in welchem Umfang Branche, Position, Berufserfahrung oder Unternehmensgröße die Abstände erklären, geht aus der Studie nicht hervor.
Mehrheit wünscht sich transparente Gehaltsstrukturen
55 % der Fachkräfte halten transparente Gehalts- und Entgeltstrukturen für wichtig oder sehr wichtig. Unter den Frauen sind es 62 %, unter den Männern 52 %. Bei Beschäftigten mit Master- oder Diplomabschluss steigt der Anteil auf 63 %.
Die Praxis bleibt teilweise hinter diesen Erwartungen zurück: 27 % der Fachkräfte bewerten die Gehaltsstrukturen ihres Arbeitgebers als wenig oder gar nicht transparent. Bei den Führungskräften sind es 22 %.
Der Report belegt damit vor allem erhebliche Unterschiede bei der Vergütung: Die Energiewirtschaft zahlt Fach- und Führungskräften im Durchschnitt mehr als das Baugewerbe. Zugleich ist die Bereitschaft zu einem Arbeitgeberwechsel unter den Befragten hoch. In welcher der vier untersuchten Branchen besonders viele Beschäftigte wechseln würden, lässt sich aus den veröffentlichten Daten jedoch nicht ablesen.
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