2103 € für ein Ingenieurpraktikum? Was hinter der Zahl steckt
2103 € im Monat zahlen Unternehmen im Schnitt für ein Ingenieurpraktikum, zeigt eine Auswertung der Plattform JobTeaser. Aber: Nur 3 % der Anzeigen dort nennen überhaupt ein Gehalt.
Laut einer aktuellen Analyse der Karriereplattform JobTeaser verdienen Praktikanten im Ingenieurwesen im Durchschnitt 2103 € brutto monatlich. Was hat es mit dieser Zahl auf sich?
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Im Durchschnitt werden Praktika in Deutschland mit 1713 € monatlich vergütet. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Plattform JobTeaser. Überdurchschnittlich hoch ist allerdings die Vergütung im Engineering-Bereich: Im Schnitt verdienen Praktikantinnen und Praktikanten im Ingenieurwesen 2103 € im Monat.
Die Zahlen haben jedoch einen entscheidenden Haken: Sie decken nur Praktika ab, bei denen die Arbeitgeber ihr Gehalt bereits in der Stellenanzeige offengelegt haben. Und das ist nur bei einem Bruchteil der Praktikumsangebote der Fall.
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Was Praktikanten im Ingenieurwesen verdienen
Für die Analyse wertete die Jobplattform insgesamt 1201 Praktikumsangebote mit einer Gehaltsangabe im Zeitraum vom 1. Januar 2025 bis zum 30. Juni 2026 aus. Folgende Ergebnisse sind dabei entstanden:
| Berufsfeld | Durchschnittliche Vergütung |
| Ingenieurwesen | 2103 € |
| Sales & Business Development | 1932 € |
| Management & Consulting | 1816 € |
| Marketing & Digital | 1780 € |
| Produktion & Operations | 1718 € |
| Durchschnitt insgesamt | 1713 € |
Unter den von JobTeaser ausgewerteten Berufsfeldern weist das Ingenieurwesen damit die höchste durchschnittliche Vergütung auf. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass Ingenieurpraktika generell die bestbezahlten Praktika in Deutschland sind.
Wie aussagekräftig sind die 2103 € wirklich?
Die Auswertung basiert auf insgesamt 1201 Praktikumsangeboten mit Gehaltsangabe, die im Zeitraum zwischen Januar 2025 und Juni 2026 auf JobTeaser veröffentlicht wurden. Das ist keine repräsentative Erhebung aller ausgeschriebenen Praktika in Deutschland.
Für ein umfassendes Bild der Praktikumsvergütung im Ingenieurwesen fehlen allerdings wesentliche Informationen:
- Es fehlen Stellen ohne Gehaltsangabe. Die Analyse deckt lediglich Stellenanzeigen ab, die eine Vergütung ausweisen.
- Die Analyse berücksichtigt ausschließlich Praktikumsangebote, die auf JobTeaser veröffentlicht wurden. Eine einzelne Plattform kann den Praktikumsmarkt nicht vollständig abbilden.
- Die Auswertung unterscheidet nicht zwischen Pflichtpraktika und freiwilligen Praktika.
Gerade der letzte Punkt ist spannend, da sich die Vergütung beider Gruppen deutlich unterscheiden kann.
Andere Erhebungen kommen auf niedrigere Werte
Die Jobplattform Glassdoor weist für „Praktikant Ingenieur“ in Deutschland derzeit ein durchschnittliches Grundgehalt von 1448 € brutto im Monat aus. Die angegebene Spanne reicht von 800 € bis 1854 € monatlich. Damit liegt der Durchschnittswert rund 650 € unter den 2103 €, die JobTeaser für Praktikumsangebote im Engineering ermittelt hat.
Daten des CLEVIS Future Talents Report aus dem Jahr 2023 zeigen ebenfalls, wie stark die Vergütung variieren kann: Über alle Fachrichtungen hinweg erhielten Teilnehmende bei Pflichtpraktika im Schnitt 1021,60 €, bei freiwilligen Praktika dagegen 1506,72 €. Für den Report wurden rund 2950 Praktikantinnen, Praktikanten und Werkstudierende befragt. Die CLEVIS-Daten stammen allerdings aus einer Zeit, in der der Mindestlohn noch bei höchstens 12 € lag.
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Die Zahlen lassen sich auch deshalb nur eingeschränkt miteinander vergleichen, da sie auf unterschiedlichen methodischen Ansätzen beruhen. JobTeaser wertet ausgeschriebene Praktikumsstellen mit veröffentlichter Gehaltsangabe auf der eigenen Plattform aus, während die Angaben von Glassdoor auf von Nutzerinnen und Nutzern gemeldeten Gehältern basieren. Der CLEVIS Future Talents Report wiederum beruht auf einer Befragung von aktuellen und ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten. Unterschiede bei Stichprobe, Erhebungszeitraum und Datengrundlage können daher einen Teil der teils deutlichen Abweichungen erklären.
Warum Pflichtpraktikum und freiwilliges Praktikum einen Unterschied machen
Wie hoch ein Praktikum vergütet wird, hängt auch davon ab, um welche Art von Praktikum es sich handelt. Denn nicht alle Praktikantinnen und Praktikanten haben Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn. Seit Januar 2026 liegt dieser bei 13,90 € brutto pro Stunde.
Bei einem Pflichtpraktikum, das beispielsweise durch eine Studien- oder Ausbildungsordnung vorgeschrieben ist, besteht grundsätzlich kein Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn. Das gilt unabhängig davon, ob das Praktikum drei oder sechs Monate dauert. Unternehmen können eine Vergütung zahlen, sind aufgrund des Mindestlohngesetzes aber nicht zur Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns verpflichtet.
Anders sieht es bei freiwilligen Praktika aus. Dienen sie der Orientierung vor einer Berufsausbildung oder einem Studium, greift bis zu einer Dauer von drei Monaten eine Ausnahme vom Mindestlohn. Das Gleiche gilt grundsätzlich für freiwillige Praktika, die begleitend zu einer Berufs- oder Hochschulausbildung absolviert werden. Bei ausbildungs- oder studienbegleitenden Praktika gilt die Ausnahme allerdings nur, wenn zuvor nicht bereits ein solches Praktikumsverhältnis mit demselben Arbeitgeber bestanden hat.
Dauert ein solches freiwilliges Orientierungs- oder Begleitpraktikum länger als drei Monate, besteht dagegen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn, und zwar für die gesamte Praktikumsdauer ab dem ersten Tag. Auch freiwillige Praktika, die nicht unter die genannten Ausnahmen fallen, sind grundsätzlich mindestlohnpflichtig.
Die Unterscheidung ist für Gehaltsvergleiche relevant: Werden Pflichtpraktika und freiwillige Praktika gemeinsam ausgewertet, können sehr unterschiedliche rechtliche Voraussetzungen und damit auch Vergütungsniveaus in einem Durchschnittswert zusammenfallen. Eine getrennte Auswertung würde deshalb besser zeigen, wie aussagekräftig die durchschnittliche Praktikumsvergütung tatsächlich ist.
Gehaltsangabe bringt offenbar mehr Bewerbungen
Neben der Höhe der Vergütung hat JobTeaser auch untersucht, wie viele Bewerbungen Stellenanzeigen mit und ohne Gehaltsangabe erhalten. Dabei zeigt sich ein deutlicher Unterschied.
Praktikumsangebote, die ein Gehalt angeben, erhalten im Schnitt 34 % mehr Bewerbungen als Anzeigen ohne eine Gehaltsangabe. Allerdings nennen nur 3 % der 2026 auf JobTeaser veröffentlichten Praktikumsangebote eine Vergütung. In der Realität bleibt daher oftmals unklar, wie hoch die Vergütung von Praktikanten tatsächlich ausfällt.
Auffällig ist bei den Ergebnissen auch, dass kleine und mittelständische Unternehmen den Großunternehmen voraus sind, was die Gehaltstransparenz angeht. 17 % der Praktikumsangebote kleiner und mittelgroßer Unternehmen enthalten eine Gehaltsangabe, während der Anteil bei Großunternehmen lediglich 2 % beträgt.
„Transparenz kann gerade für kleinere Arbeitgeber auch eine Chance sein. Im Wettbewerb um junge Talente verfügen sie häufig nicht über die Bekanntheit und Employer-Branding-Budgets großer Konzerne“, erklärt Michaël Giaj, Insight Manager bei JobTeaser.
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