
Es wiegt 121 kg, besteht zu großen Teilen aus Carbon und erreicht 130 km/h. Seit Frühjahr 2026 wird das ungewöhnliche Elektrozweirad Novus One aus Braunschweig an Kunden ausgeliefert. Nun haben Investoren einen zweistelligen Millionenbetrag bereitgestellt. Das Geld soll auch die Entwicklung eines günstigeren Modells ermöglichen.
Vom ungewöhnlichen Prototyp zum Serienfahrzeug: Das Braunschweiger Start-up Novus hat einen weiteren Schritt geschafft. In einer Finanzierungsrunde sammelte das Unternehmen im Oktober 2026 einen zweistelligen Millionenbetrag in US-Dollar ein. Angeführt wird die Runde von der Risikokapitalgesellschaft 468 Capital. Auch ehemalige Führungskräfte von Tesla, Lucid Motors und dem Schweizer Sportartikelhersteller On gehören zum Investorenkreis.
Mehr als 30 Geldgeber stehen inzwischen hinter Novus. Das Unternehmen will mit dem Kapital seine Produktion ausbauen, weitere europäische Märkte erschließen und Ende 2027 in die USA expandieren. Gleichzeitig arbeitet der Hersteller an einem zweiten Elektrozweirad, das deutlich günstiger werden soll.
Das Novus One selbst ist längst auf der Straße. Seit Frühjahr 2026 liefert der Hersteller erste Exemplare an europäische Kunden aus. Für die Version mit 130 km/h Höchstgeschwindigkeit verlangt Novus allerdings mindestens 29.155 €.
Inhaltsverzeichnis
- Ein Fahrrad ohne Pedale, das wie ein Motorrad fährt
- Warum das Novus One nur 121 kg wiegt
- Der Motor sitzt direkt im Hinterrad
- 45 oder 130 km/h: Zwei Versionen, zwei Preise
- Wie weit kommt das elektrische Lightbike?
- Vom Prototyp aus dem Wohnzimmer zur Serienfertigung
- Millionen von Investoren – und ein günstigeres Novus Two
- Was bedeutet das für die Zukunft des Lightbikes?
Ein Fahrrad ohne Pedale, das wie ein Motorrad fährt
Das Novus One besitzt zwei große Räder, einen schlanken Rahmen und eine Sitzposition, die an ein Fahrrad erinnert. Pedale sucht man allerdings vergeblich. Im Hinterrad steckt ein Elektromotor, der das Fahrzeug in der stärkeren Ausführung in 1,9 Sekunden aus dem Stand auf 50 km/h beschleunigen soll.
Gründer René Renger bezeichnet das Konzept als „Lightbike“. Es soll sich so unkompliziert bedienen lassen wie ein E-Bike, zugleich aber die Fahrleistungen eines Motorrads bieten. Auf eine Kupplung und eine manuelle Gangschaltung verzichtet der Hersteller.
Im europäischen Zulassungsrecht gibt es allerdings keine eigene Fahrzeugklasse für Lightbikes. Je nach Ausführung gehört das Novus One zu den Kleinkrafträdern oder Leichtkrafträdern.
Novus will damit vor allem Menschen erreichen, die bisher überwiegend Auto fahren. In einem Interview mit dem Technologieportal Tech.eu vom 19. Oktober 2026 erläuterte Mitgründer und Strategiechef Hannes A. H. Krieger, was die bisherigen Probefahrten gezeigt hätten:
„For them, an e-bike wasn’t fast enough, a scooter wasn’t exciting enough, and a conventional motorcycle was too heavy or intimidating.“ Übersetzt: „Für sie war ein E-Bike nicht schnell genug, ein Roller nicht aufregend genug und ein herkömmliches Motorrad zu schwer oder einschüchternd.“
Das Unternehmen versucht also, eine Zielgruppe anzusprechen, die sich bislang weder für einen klassischen Motorroller noch für ein Motorrad entschieden hat.
Warum das Novus One nur 121 kg wiegt
Eine Besonderheit ist die Konstruktion aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK). Rahmen, Gabel, Schwinge und Felgen bestehen aus diesem Verbundwerkstoff. Carbonfasern nehmen dabei einen großen Teil der Belastungen auf, während die umgebende Kunststoffmatrix die Fasern zusammenhält und Kräfte zwischen ihnen überträgt.
Damit lassen sich Bauteile herstellen, die bei vergleichsweise geringem Gewicht hohe mechanische Belastungen aufnehmen können. Voraussetzung ist allerdings, dass die Fasern passend zur jeweiligen Beanspruchung angeordnet werden.

Beim Novus One übernimmt der großflächige Carbonrahmen die tragende Funktion. Er prägt zugleich die Gestaltung des Fahrzeugs. Wo bei einem herkömmlichen Motorrad häufig Tank, Motor und Verkleidung sitzen, bleibt eine auffällige Öffnung.
Das fahrfertige Gewicht beträgt nach Herstellerangaben 121 kg. Zum Vergleich: Viele konventionelle Motorräder wiegen deutlich mehr. Der geringe Materialeinsatz bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Herstellung einfacher oder günstiger wäre. Gerade Bauteile aus CFK erfordern aufwendige Fertigungsverfahren.
Der Motor sitzt direkt im Hinterrad
Auch beim Antrieb geht Novus einen anderen Weg als viele klassische Motorräder. Statt eines zentral eingebauten Motors mit Kette oder Riemen kommt ein elektrischer Radnabenmotor zum Einsatz.
Er überträgt seine Kraft direkt auf das Hinterrad. Eine konventionelle mechanische Sekundärübersetzung entfällt. Das spart Bauteile und schafft zusätzlichen Platz in der Fahrzeugmitte.

Radnabenmotoren sind allerdings keine neue Erfindung. Bereits um 1900 beschäftigte sich Ferdinand Porsche mit dieser Antriebsform. Warum das Konzept heute wieder interessant wird und welche technischen Schwierigkeiten es mit sich bringt, zeigt unser Beitrag über die Rückkehr des Radnabenmotors.
Eine konstruktive Herausforderung ist die zusätzliche ungefederte Masse im Rad. Sie beeinflusst, wie das Fahrwerk auf Unebenheiten reagiert. Wie gut Novus diesen Zielkonflikt gelöst hat, lässt sich nicht allein aus den technischen Daten beurteilen.
45 oder 130 km/h: Zwei Versionen, zwei Preise
Das Novus One wird in zwei Leistungsklassen angeboten. Beide verwenden grundsätzlich dieselbe Fahrzeugplattform, unterscheiden sich aber in der freigegebenen Motorleistung und Höchstgeschwindigkeit.
Die Pure-Version ist auf 45 km/h begrenzt und gehört zur Klasse L1e. Die stärkere Ausführung heißt God und erreicht laut Hersteller bis zu 130 km/h. Sie wird als Leichtkraftrad der Klasse L3e-A1 eingestuft.
| Merkmal | Novus One Pure | Novus One God |
| Höchstgeschwindigkeit | 45 km/h | 130 km/h |
| Spitzenleistung | 7 kW | 25 kW |
| Beschleunigung 0–50 km/h | Nicht anwendbar wegen 45-km/h-Begrenzung | 1,9 Sekunden |
| Reichweite laut Hersteller | bis 150 km | bis 135 km |
| Fahrerlaubnis in Deutschland | AM oder B | A1, A2, A oder B196 |
| Einstiegspreis inkl. 19 % MwSt. | 25.347 € | 29.155 € |
Für Pure genügt in Deutschland grundsätzlich der Autoführerschein Klasse B, da dieser die Klasse AM einschließt. Bei God ist eine entsprechende Motorradfahrerlaubnis erforderlich. Auch die nationale Erweiterung B196 kann genutzt werden, sofern die für A1 geltenden technischen Voraussetzungen erfüllt sind.
Interessant ist der Unterschied zwischen Dauer- und Spitzenleistung. Bei der stärkeren God-Ausführung gibt Novus eine Nenndauerleistung von 11 kW an. Kurzzeitig kann der Elektromotor laut Hersteller bis zu 25 kW abgeben. Solche Leistungsspitzen ermöglichen die hohe Beschleunigung, ohne dass die Nenndauerleistung entsprechend hoch ausfallen muss.
Die Leistung wird elektronisch geregelt. Dass beide Varianten auf einer gemeinsamen Plattform basieren, bedeutet allerdings nicht, dass Besitzer eigenständig zwischen den Zulassungsklassen wechseln dürfen. Dafür sind die jeweils gültigen Genehmigungs- und Zulassungsanforderungen maßgeblich.
Wie weit kommt das elektrische Lightbike?
Der Akku des Novus One speichert laut Hersteller 6,2 kWh elektrische Energie. Bei der auf 45 km/h begrenzten Pure-Version nennt das Unternehmen eine Reichweite von bis zu 150 km. Für die schnellere God-Ausführung sind bis zu 135 km angegeben.
Dabei handelt es sich um Reichweiten unter günstigen Bedingungen, insbesondere bei niedrigen Geschwindigkeiten im Stadtverkehr. Bei höheren Geschwindigkeiten steigt der Energiebedarf. Vor allem der Luftwiderstand macht sich dann bemerkbar.
Der Akku ist fest im Fahrzeug eingebaut. Zum Laden muss das Novus One deshalb in der Nähe eines geeigneten Stromanschlusses stehen. Wer keinen entsprechend ausgestatteten Stellplatz besitzt, muss das bei der Anschaffung berücksichtigen.

Geladen wird über einen 230-V-Anschluss. Das serienmäßige Ladegerät arbeitet laut ADAC mit 2 kW. Damit dauert das Laden von 0 auf 80 % rund dreieinhalb Stunden. Ein optionales Ladegerät mit 3 kW verkürzt diese Zeit nach ADAC-Angaben auf etwa anderthalb Stunden.
Eine Besonderheit bleibt die einfache Bedienung. Das Fahrzeug benötigt keine manuelle Gangschaltung. Der Fahrer regelt die Beschleunigung über den Gasgriff, während die Leistungselektronik den Motor steuert.
Vom Prototyp aus dem Wohnzimmer zur Serienfertigung
Die Entwicklung des Novus One begann lange vor dem aktuellen Finanzierungserfolg. Bereits 2010 arbeitete René Renger an ersten Entwürfen. Der spätere Novus-Gründer war unter anderem als Designer bei Volkswagen tätig.
Die Idee nahm während seines Designstudiums Gestalt an. Aus den ersten Zeichnungen entstand ein Prototyp, den Renger mit Unterstützern in einer umfunktionierten Wohnung aufbaute. 2019 gründete er schließlich das Unternehmen Novus.

Bis zur Serienfertigung war es allerdings ein langer Weg. Unter anderem mussten geeignete Zulieferer gefunden und zahlreiche Komponenten für das ungewöhnliche Fahrzeugkonzept angepasst werden.
Welche Schwierigkeiten bereits der Motor verursachte, schilderte Renger im Interview mit Tech.eu vom 19. Oktober 2026. Nach seinen Angaben veranschlagte Bosch für die Entwicklung eines Motors mit den gewünschten Eigenschaften zunächst rund 1,5 Mio. €.
Heute erfolgen Entwicklung und Endmontage nach Unternehmensangaben in Braunschweig. Wichtige Komponenten kommen aus verschiedenen europäischen Ländern. Das erste Serienmodell wird in kleinen Stückzahlen produziert, unter anderem als auf 100 Exemplare limitierte Founders Edition.
Millionen von Investoren – und ein günstigeres Novus Two
Mit der neuen Finanzierung will Novus den nächsten Entwicklungsschritt angehen. Zu den Unterstützern gehört Eric Bach, der zuvor als Chief Engineer bei Lucid Motors und als Director of Engineering bei Tesla tätig war. Er beteiligt sich als Investor und Berater.
Auch Martin Hoffmann, früher CFO und Co-CEO des Schweizer Sportartikelherstellers On, gehört zum Investorenkreis. Rennfahrerin Sophia Flörsch ist ebenfalls an Novus beteiligt.
Gründer René Renger beschrieb die Ziele des Unternehmens im Oktober gegenüber dem österreichischen Wirtschaftsmedium brutkasten so:
„Unser Ziel ist nicht, den Motorradmarkt zu elektrifizieren oder nur ein weiteres Zweirad zu bauen. Unser Ziel ist, urbane Mobilität neu zu verteilen. Investoren dieses Kalibers an Bord zu haben, zeigt mir, dass der Markt das genauso sieht.“
Ein Teil des Kapitals fließt in die Entwicklung des Novus Two. Dieses zweite Modell soll bei einem niedrigeren Einstiegspreis in größeren Stückzahlen gefertigt werden. Der Produktionsstart ist für Ende 2027 vorgesehen.
Auch der internationale Vertrieb soll wachsen. Erste Fahrzeuge wurden bereits nach Deutschland und Spanien ausgeliefert. Weitere europäische Länder sollen folgen. Ende 2027 plant das Unternehmen außerdem den Einstieg in den US-Markt, zunächst in Kalifornien.
Was bedeutet das für die Zukunft des Lightbikes?
Das Novus One ist technisch ein ungewöhnliches Elektrozweirad. Der großflächige Carbonrahmen, der Radnabenmotor und das geringe Gewicht unterscheiden es von vielen konventionellen Motorrädern. Die Beschleunigungswerte der stärkeren Ausführung sind für ein Leichtkraftrad bemerkenswert.
Der Preis begrenzt bislang allerdings die Zielgruppe. Mit mindestens 25.347 € für die gedrosselte Pure-Version und 29.155 € für God liegt das Fahrzeug weit oberhalb vieler konventioneller Motorroller und Leichtkrafträder.
Auch die Alltagstauglichkeit hängt von den persönlichen Anforderungen ab. Das Lightbike bietet keinen Wetterschutz, nur begrenzte Transportmöglichkeiten und benötigt wegen des fest eingebauten Akkus einen Stromanschluss am Stellplatz.
Der nächste Schritt für Novus ist deshalb nicht allein die Expansion in weitere Länder. Mit dem günstigeren Novus Two will das Unternehmen zeigen, dass sich das Konzept auch für eine breitere Kundengruppe anbieten lässt. Ein konkreter Verkaufspreis oder vollständige technische Daten für das zweite Modell liegen bisher noch nicht vor.
Quellen
- Novus – offizieller Konfigurator: Preise, Höchstgeschwindigkeiten, Reichweiten und Leistungsdaten der Pure- und God-Ausführung.
- ADAC – Fahrbericht vom 13. Mai 2026: Fahrverhalten, Carbonrahmen, Antrieb, Ladezeiten und Batterie.
- Tech.eu – Interview vom 19. Oktober 2026: Finanzierung, Produktionsstrategie, Investoren und Novus Two.
- Startbase – Bericht vom 20. Oktober 2026: Finanzierungsrunde und internationale Expansionspläne.
- brutkasten – Bericht vom 20. Oktober 2026: Investoren und Originalzitat von René Renger.




























