Großanlagenbau

Der Großanlagenbau blickt in Deutschland, gerade was die Nachkriegszeit betrifft, auf eine bemerkenswerte Erfolgsstory zurück. Dies verwundert nicht, denn zahlreiche Fabrikationsstätten in Deutschland und Europa waren zerstört und mussten neu aufgebaut werden. Dieser Zustand bot den gut ausgebildeten Ingenieuren und Technikern umfangreiches Potenzial und die entsprechenden Betätigungsfelder. So wurden komplette Werke und Produktionsanlagen etwa Stahlwerke, Chemieanlagen, Pharmaproduktionen oder große logistische Einrichtungen (z.B. Förderanlagen für den Bergbau) projektiert, geliefert oder vor Ort aufgebaut.

Einführung

Allgemeines zum Großanlagenbau für Ingenieure

Der deutsche Anlagenbau besetzte seinerzeit weltweit die Spitzenposition und trug wesentlich zum nationalen wirtschaftlichen Wachstum bei. Er prägte das Qualitäts- und Gütesiegel „Made in Germany“ entscheidend mit.Durch die fortschreitende technologische Entwicklung hat auch die Komplexität von Großanlagen immer weiter zugenommen. Neben der Maschinen- und Anlagentechnik spielen daher heute die Verfahrenstechnik, Elektrotechnik, Elektronik, Versorgungstechnik, Umwelttechnik, Bautechnik u.a. ebenfalls eine wesentliche Rolle. Großanlagen beeindruckten die Menschen schon seit jeher. Heute gleicht eine Großanlage nach wie vor einem Wunderwerk der Technik und nur wenige Unternehmen beherrschen das Handwerk, solche Anlagen zu konzipieren und zu realisieren. Der Großanlagenbau kann für Ingenieure insofern nicht nur in Deutschland sondern weltweit als „geschlossene Gesellschaft“ betrachtet werden. Zu ihm gehören reine Engineeringunternehmen wie auch Unternehmen, die neben dem Engineering wesentliche Teile der Großanlage selbst bauen.

Großanlagenbau in Deutschland

Die deutschen Bauer von Großanlagen bzw. Engineeringunternehmen sind nach wie vor Weltspitze. Die Angebotspalette wurde allerdings gegenüber den früheren Jahren erweitert, wobei die Energiebranche mit ihren Kraftwerken und sonstigen Energieanlagen eine wichtige Stellung einnimmt. Begriffe wie Turn-Key Projekt oder Lump-Sum-Turn-Key Projekt spielen heute im Großanlagenbau gleichfalls eine große Rolle. Bei Turn-Key Projekten handelt es sich um schlüsselfertige Großanlagen „mit allem drum und dran“), Lump-Sum-Turn-Key Projekte sind entsprechende Lösungen zum Festpreis. Der Anlagenbauer bzw. das Engineeringunternehmen übernimmt dann die Generalunternehmerschaft (General Contractor).

Über den aktuellen Stand der Branche und deren Zukunft gibt die AGAB (Arbeitsgemeinschaft organisierter Großanlagenbauer im VDMA) regelmäßig Auskunft. Profitierte der Großanlagenbau 2007/2008 (dies waren die Rekordjahre des Großanlagenbaus) stark von der „Geldschwemme“ der Erdöl produzierenden Länder im nahen Osten und der Aufrüstung Chinas zu einer der führenden Wirtschaftsnationen der Welt. Zudem nahm die Bedeutung der Länder Indien, Russland, Brasilien, Türkei und Mexiko zu.

Enormer Export beim Großanlagenbau

Auch der weltweit steigende Energiebedarf hinterließ in dieser Branche seine Spuren und dokumentierte sich in der Nachfrage nach deutscher (fossiler) Kraftwerkstechnik. Darüber hinaus spielten Anlagen für die chemische Industrie, Hütten- und Walzwerke bei der internationalen Nachfrage eine wichtige Rolle. Erfreulicherweise gab es in den Vorjahren aber auch eine Beflügelung der Inlandsnachfrage, wobei auch hier das Kraftwerkgeschäft dominierte. Zudem konnten die Anbieter für elektrotechnische Ausrüstungen gute Auftragseingänge verbuchen. Offensichtlich sah das produzierende Gewerbe optimistisch in die Zukunft und die besehenden Kapazitäten waren entsprechend ausgelastet. Entscheidende Impulse kamen jedoch für den Großanlagenbau in der Vergangenheit meist von den Auslandsmärkten.

Die Exportquote im Großanlagenbau lag bei sage und schreibe rund 80%. Die Branche war daher schon immer international aufgestellt und befand sich seit den letzten Jahren in Rekordlaune, was Auftragseingänge und Umsätze betraf. Das Jahr 2009 war für die Branche erwartet schwierig, doch schon in den nachfolgenden Jahren ging es wieder bergauf. Im Jahr 2011 kam es zu einem Auftragseingang von rund 25 Mrd. Euro, was ein Plus von rund 10% gegenüber dem Vorjahr bedeutete. Allerdings ist man von den Rekordwerten von 2007 und 2008 von über 30 Mrd. Euro noch weit entfernt. Ohnehin dürfte es schwierig sein, in naher Zukunft die Höchstmarken zu überbieten. Dafür sorgt die zunehmende Konkurrenz aus China und Südkorea aber auch die Verschiebung der Märkte in Richtung Asien. Auf den asiatischen Märkten haben die Chinesen und Koreaner traditionell Heimvorteile, die andererseits auf den technologischen Vorsprung der deutschen Großanlagenbauer treffen.

Branchenportrait

Der Arbeitsmarkt für Ingenieure im Großanlagenbau

Vor der Entscheidung, den Berufsweg im Großanlagenbau zu starten oder fortzusetzen, ist es nicht verkehrt, sich anhand von Zahlen, Fakten und Aussagen ein Bild über den aktuellen und zukünftigen Stand der Branche zu verschaffen. Zwar kann ein Fehlgriff nie ausgeschlossen werden und Prognosen können falsch sein, dennoch gilt: Je spezieller die Produkte oder Dienstleistungen einer Branche, je kleiner die Branche und je schlechter ihre Zukunft erscheint, umso größer ist das Karriererisiko. Die Branche bietet dann Berufseinsteigern wenig Karrierepotenzial und sie muss wahrscheinlich früher oder später verlassen werden. Für den gestandenen Ingenieur, der in die Branche wechselt, kann sie im schlimmsten Falle zum Karriereaus führen.

Eckdaten im Großanlagenbau für Ingenieure

Was die Bedeutung des Großanlagenbaus angeht, so liefert der VDMA bzw. die AGAB (Arbeitsgemeinschaft organisierter Großanlagenbauer im VDMA) wichtige Eckdaten der Branche: Demnach erzielten in Deutschland im Jahre 2008 ca. 40 Unternehmen im Großanlagenbau (die auch in der AGAB vertreten sind) mit 60.000 Beschäftigten einen Auftragseingang von insgesamt 32,8 Mrd. Euro. Aktuell liegt der Auftragseingang bei 25 Mrd. Euro (2011).Von der guten Wirtschaftslage dürften die Ingenieure im Großanlagenbau in der Vergangenheit in erheblichem Maße profitiert haben. Hauptsächlich waren Ingenieure des Maschinenbaus, der Elektrotechnik/Elektronik, der Verfahrenstechnik und des Bauingenieurwesens im Großanlagenbau gefragt. Ingenieure waren aber auch in der Zulieferindustrie begehrt, die ihrerseits rund 150.000 Mitarbeiter beschäftigte. Das hohe Bestellvolumen wurde aber nicht nur in Deutschland beschäftigungswirksam. Im Rahmen des Baus von Großanlagen wurden viele Zulieferer und Dienstleister eingespannt, die im Zuge des Global Sourcing und Global Engineering weltweit gesucht und gefunden wurden. Die Finanzkrise, die insbesondere auch dem Großanlagenbau traf, dürfte die Zahl der Beschäftigten und somit auch der Ingenieure zurückgegangen sein.

Arbeitsplätze für Ingenieure im Großanlagenbau

Auch hierzu äußerte sich Dieter Rosenthal: „2007 hatten 38 Prozent aller im Großanlagenbau Beschäftigten eine ingenieurwissenschaftliche Ausbildung. Verglichen mit der Ingenieur-Quote des gesamten Maschinen- und Anlagenbaus von 16,5 Prozent ist dieser Wert beeindruckend hoch. Die Differenz ist darauf zurückzuführen, dass der Großanlagenbau nur in geringem Umfang gewerbliches Personal beschäftigt. Die Kernkompetenz … liegt in der Entwicklung, Planung und Umsetzung komplexer Industrieanlagen.“ Hinzu kommen Beschäftigte, die im Zulieferbereich für den Großanlagenbau arbeiten. Sie sind im Detail nur schwer zahlenmäßig zu fassen, was die Stellenangebote angeht und sind i.d.R. ohnehin anderen Branchen zugeordnet. Sie liefern Maschinen, Anlagen, Informationstechnologien, Dienstleistungen usw., wobei nur ein Teil ihres Angebotes (Teil)Lösungen für den Großanlagenbau ausmacht.

Eine weitere Besonderheit beim Großanlagenbau stellt die Lokalisierung dar. Eine Reihe der Unternehmen verfügt über Niederlassungen oder Tochtergesellschaften im Ausland. Über diese wird dann entsprechend qualifiziertes Personal (auch Ingenieure und Techniker) für die Projekte herangezogen.

Der verdeckte Arbeitsmarkt für Ingenieure im Großanlagenbau

Selbst, wenn die Zahl der Stellenangebote für den Großanlagenbau konkret auf dem Tisch läge, gäbe es einen Punkt zu bedenken. Sie würde nur ansatzweise die Zahl der wirklich zu besetzenden Stellen der Branche wiedergeben. In schwierigeren Arbeitsmarktzeiten rechnen die Unternehmen mit vielen Initiativbewerbungen, die zu Stellenbesetzungen führen. Zudem werden Vakanzen oft unternehmensintern besetzt. Diese Stellen treten am Arbeitsmarkt nicht in Form von Jobanzeigen in Erscheinung.

In den Augen der Ingenieure rangiert der Maschinen- und Anlagenbau zwar ganz oben, wenn es um die Wunschbranche für den Berufseinstieg oder einen Stellenwechsel geht. Dies beweisen viele Ingenieure, die sich in die Bewerberdatenbank von ingenieurkarriere.de eingetragen haben. Immerhin 33% von ihnen weisen Berufserfahrungen in der Branche nach. Etwa die Hälfte davon hatte bereits schon einmal Berührung mit dem Anlagenbau, in welchem Ausmaß davon speziell der Großanlagenbau betroffen war, wurde nicht erhoben.

Aussichten für Ingenieure im Großanlagenbau

Auch hier ist aufgrund der fehlenden Zahlen für den Großanlagenbau kaum eine Aussage möglich. Dennoch kann vermutet werden, dass der Großanlagenbau, unter Berücksichtigung des aktuellen Auftragsvolumens, nach wie vor eine gewisse Zahl zu besetzender Stellen bietet. In schwierigen Zeiten sind aber stets eher Spezialisten als Generalisten gefragt. Die Stellenangebote stoßen, wie oben festgestellt, auf ein hohes Kandidateninteresse. Allerdings gehört der Großanlagenbau, was die Gesamtzahl der Beschäftigten angeht, eher zu den kleinen Branchen. Es ist daher anzunehmen, dass eine ordentliche Kandidatenkonkurrenz um die offenen Stellen vorhanden ist, die den Bewerbungserfolg erschweren dürfte.

Wichtige Unternehmen im Großanlagenbau

  • ABB – abb.de – Energie, Chemie, Petrochemie
  • Babcock-Hitachi – bb-powersystems.de – Energie, Kraftwerke
  • Chemieanlagenbau Chemnitz GmbH – cac-chem.de – Chemie, Petrochemie, Öl, Gas
  • Hitachi Power Europe GmbH – hitachi-power.com – Energie, Kraftwerkstechnik
  • KHD Humboldt Wedag GmbH – humboldt-wedag.de – Kohle, Zement, Mineralien
  • Lentjes GmbH – lentjes.de – Energie, Entsorgung
  • Linde – linde.de – Chemie, Petrochemie, Gas, Pharma, Umwelt
  • Lurgi GmbH – lurgi.com – Raffinerie, Gaserzeugung/behandlung, Petrochemie, Polymere, Biofuels, Oleochemie
  • Lurgi Zimmer GmbH – Polymere, deren Weiterverarbeitung und Recycling
  • MAN Ferrostaal – manferrostaal.com – Petrochemie, Gas, Öl, Baustoffe, Aluminium, Eisen, Stahl, Energie
  • Siempelkamp Maschinen- und Anlagenbau GmbH & Co. KG – siempelkamp.de – Holz
  • SMS Siemag AG – sms-siemag.com – Hüttenwerke, Walzwerke
  • Uhde GmbH – uhde.biz – Chemie, Petrochemie, Pharma, Polyester, Polymere
  • Voith AG – voith.de – Papier

Branchengliederung im Großanlagenbau

Die Gesamtzahlen der Unternehmen, Beschäftigten und Umsätze im Großanlagenbau sind zwar interessant. Sie lassen eine generelle Aussage zur Bedeutung einer Branche und dem daraus folgenden Karrierepotenzial zu. Letztlich entscheidet aber die Homogenität der Unterbranchen darüber, welches Karrierepotenzial wirklich in der Branche für den speziellen Ingenieur vorhanden ist. Bei großer Homogenität der Produkte, Dienstleistungen, Werkstoffe und Technologien ist das Potential an Arbeitgebern für einen eventuell beabsichtigten oder erforderlichen Stellenwechsel höher als bei heterogener Vielfalt. Natürlich spielt auch die Größe der jeweiligen Unterbranche eine Rolle. Je größer die Unterbranche desto höher das Potenzial.

Die Branche lässt sich in verschiedene Unterbranchen gliedern, wenn man die Abnehmerbranchen betrachtet (die späteren Betreiber), die die Großanlagen nachfragen (siehe unter 2.3). Andererseits sind viele Großanlagenbauer nicht eindeutig einer Unterbranche zuzurechnen sondern stellen Anlagen für die verschiedensten Anwendungen her. Insgesamt lassen sich aber grundsätzlich zwei sehr unterschiedliche Großanlagenbauer unterscheiden: Großanlagenbauer, die die Anlage oder Teile der Anlage selbst als Hersteller liefern und zudem das Engineering für die Gesamtanlage erbringen, Engineeringunternehmen, die alle Engineeringleistungen als Dienstleistung im Großanlagenbau erbringen, ohne selbst Hersteller zu sein.

Vor- und nachgelagerte Branchen im Großanlagenbau

Zudem ist es wichtig, sich mit vor- und nachgelagerten Branchen zu beschäftigen. Vorgelagerte Branchen beliefern die betrachtete Branche Großanlagenbau mit Produkten, Dienstleistungen, Werkstoffen, Technologien usw. Nachgelagerte Branchen sind hingegen die abnehmenden Branchen des Großanlagenbaus. Die Überlegungen sind daher wichtig, um festzustellen, wie einfach es ist, die Branche wieder zu verlassen. Je größer die vor- und nachgelagerten Branchen sind, desto eher besteht die Wahrscheinlichkeit, hier den Berufsweg fortsetzen zu können. Die wesentlichen vorgelagerten Branchen des Großanlagenbaus sind die Zulieferer der einzelnen Objekte der Großanlage:

  • Maschinen- und Anlagenbau
  • Fördertechnik im Großanlagenbau
  • Armaturen, Pumpen, Verdichter
  • Geräte- und Apparatebau
  • Energie- und Antriebstechnik
  • Automatisierungstechnik
  • Mess- und Regeltechnik
  • Bauwirtschaft, Architektur
  • Gebäudetechnik, Versorgungstechnik
  • Umwelttechnik

Großanlagenbau und die späteren Besitzer/ Betreiber der Anlage

  • Petrochemie
  • Chemie
  • Kohlenbergbau
  • Eisen, Stahl, NE-Metalle
  • Holz, Papier, Zellstoff
  • Verarbeiter von Steinen und Erden (Baustoffe)
  • Umwelt
  • Großanlagenbau und Energiegewinnung
  • Pharmaindustrie
  • Nahrungs- und Genussmittelindustrie
  • Gummi-, Kautschuk-, Kunststoffindustrie
  • Glasindustrie

Aus gleichen Gründen sollte recherchiert werden, welche Branchen dem Großanlagenbau wohl wesensverwandt sind und für einen eventuellen Stellenwechsel zur Verfügung stehen. Der Großanlagenbau ist in seiner Komplexität und in seinem Umfang einzigartig. Wesensverwandte Branchen gibt es hierzu nicht.

Produkte, Werkstoffe, Technologien im Großanlagenbau

Bevor der Großanlagenbau für den Stellenwechsel eines Ingenieurs in Betracht gezogen bzw. ausgeklammert wird, sollte man sich einen Überblick zu den Produkten, Dienstleistungen, Technologien der Branche machen. Gerade bei der Branchenauswahl leben viele Bewerber von Halbwissen und Vorurteilen. Es wird dabei weniger auf eine lückenlose Darstellung oder wissenschaftliche Gliederung wert gelegt. Viel mehr sind Begriffe aneinandergereiht, die beim Überfliegen dem Leser einen guten Eindruck vermitteln sollen, was in der Branche los ist. Er soll danach entscheiden, ob er zur Branche passt oder nicht. Hier wurden die gelieferten Großanlagen nach den Zielbranchen untergliedert (Betreiberbranchen, Abnehmer der Anlagen).

  • Petrochemie (Raffinerie- und Gastechnik)
  • Anlagen zur Gewinnung von Erdgas/Erdöl, Ethylen, Propylen, Acetylen, Terephtalsäure, Phthalsäureanhydrid, Erdöl-/Erdgasaufbereitung, Ölschlammaufbereitung, Speicherung für Gas, Entschwefelung, Destillation, Hydrocracker, Schwefelrückgewinnungsanlagen
  • Biokraftstoffe
  • Großanlagenbau zur Herstellung von Biodiesel, Bioethanol
  • Chemie (Industriegase, Wasserstoff)
  • Anlagen zur Herstellung von Ammoniak, Methanol, Wasserstoff, Kohlenmonoxid, Butadien
  • Chemie (Kunststoffe in Primärformen)
  • Anlagen zur Herstellung von Polyethylen, Polypropylen, Polyvinylchlorid, Polyester, Polyamide
  • Chemie (Mineralsäuren, Düngemittel)
  • Anlagen zur Herstellung von Schwefelsäure, Salpetersäure, Schwefelsäure, Düngemittel
  • Kohlebergbau
  • Bagger, Bandanlagen, Schachtförderanlagen, Aufbereitungsanlagen, Kokereien
  • Eisen und Stahl
  • Großanlagenbau für die Erzaufbereitung, Roheisenerzeugung, Rohstahlerzeugung, Elektrostahlwerke, Sauerstoff-Blasstahlwerke, Herstellung von Kohlenstoffstahl, Rostfreistählen, Edelstahl, Spezialstahl, Walzwerke (Warmwalzen, Kaltwalzen), Gießereien (Stranggießen, Bandgießen)
  • NE-Metalle
  • Anlagen für die Erzaufbereitung, Metallerzeugung und –verarbeitung (Kupfer, Aluminium, Blei, Zink), Gießereien
  • Papier, Zellstoff, Holz
  • Anlagen für die Herstellung von Sekundärfasern, Zellstoff, Karton, graphischen Papieren, Tissue, Spanplatten, Faserplatten, Gipsfaserplatten etc.
  • Baustoffe
  • Anlagen zur Herstellung von Zement, Blasbitumen (Baustoff im Straßenbau)
  • Pharmazie
  • Großanlagenbau für die Produktion der Pharmaunternehmen
  • Umwelt
  • Anlagen für Müll-/Abfallverbrennung, Abwasser, Wasseraufbereitung, Abgas- und Abluftreinigung, Recycling
  • Energie
  • Kraftwerke (Gas-/Dampfturbinen, Nutzung der Erdwärme, Wind, Solar)

Positionen für Ingenieure im Großanlagenbau

Für den Großanlagenbau sind aus den Anzeigen reine Fachaufgaben wie Konstruktion, Entwicklung, Berechnung und Auslegung zu entnehmen, insbesondere bei den Unternehmen, die die Anlagen oder Teile davon selbst bauen. Diese beziehen sich in der Regel auf die jeweilige Ingenieurdisziplin wie Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Elektrotechnik, Bautechnik etc. Zudem gibt es reine Engineeringpositionen, die in ihrer Bezeichnung entweder die Ingenieurdisziplin, konkrete Aufgaben oder Projektphasen aufführen, in denen der gefragte Ingenieur zum Einsatz kommen soll, z.B. Ingenieur Technische Auslegung, Ingenieur elektrische Berechnungen, Projektierungsingenieur Prozesstechnik, usw. Schließlich gibt es Führungspositionen der Projekt- und der Linienorganisation. Nachfolgend finden sich Beispiele, die einen kleinen Einblick in die Positionsbezeichnungen der Branche bringen.

Ingenieuraufgaben im Großanlagenbau

Konstrukteur im Großanlagenbau (z.B. für Maschinentechnik, MSR, Turbinenkonstruktionen), Entwicklungsingenieur (z.B. für biotechnische Anlagen, Hochspannungstechnik, Stahlbau), Software (Senior)Engineer Prozessleittechnik, Ingenieur (z.B. Prozesstechnik, Kunststofftechnik, Thermodynamik), SPS-Fachkraft (z.B. für Förderanlagen), Ingenieur für Berechnung und Auslegung (z.B. für Verfahrenstechnik, Elektrotechnik, Maschinentechnik, Wärmekreislauf), Bauingenieur (z.B. Siedlungswirtschaft, Hochbau), Ingenieur für die Inbetriebsetzung (z.B. der Automatisierungstechnik), Supervisor (z.B. Maschinenbau, Elektrotechnik), Teamleiter (z.B. Maschinentechnik, Elektrotechnik, Bautechnik usw.)

Engineering-Aufgaben für Ingenieure im Großanlagenbau

Projektingenieur (z.B. für Bioverfahrenstechnik, Gebäudeautomation), Projektierungsingenieur/Forward Engineer (z.B. für Prozesstechnik, Verfahrenstechnik, Leit- und Automatisierungstechnik), Auftragsingenieur (z.B. für Bau und Stahlbau, Elektrotechnik), Projekteinkäufer/Material Manager Engineering, Controls Engineer, Scheduler/Terminplaner, Termin Controller, Ingenieur Claimmanagement, Projektingenieur (z.B. Sales, Projektierung, Basic-Engineering), Prozessingenieur (z.B. Energietechnik, Umwelttechnik)

Führungsaufgaben

(Project)Engineering Manager, Projektleiter Engineering, Projektleiter Abwicklung, Projektleiter (z.B. Verfahrenstechnik, Maschinentechnik), Projektleiter Validierung, Leitender Projektingenieur, Leitender Validierungsingenieur, Angebotsleiter, Lead Expeditor, Subcontract Manager, Lead Planner, Project Controls Manager, Lead Engineer (z.B. Apparatetechnik, Piping), Gruppenleiter (z.B. Projektierung, Qualifizierung), Teamleiter (z.B. Maschinentechnik, Facility Management, Stahlhochbau), Manager (z.B. Mechanical Engineering), Abteilungsleiter im Großanlagenbau (z.B. Verfahrenstechnik, Maschinentechnik), Abteilungsleiter (z.B. Engineering, Projektmanagement)

Berufsfelder für Ingenieure im Großanlagenbau

Letztlich nützt es wenig, wenn eine Branche zwar interessant ist, für das eigene Berufsfeld (Konstruktion, Vertrieb, Produktmanagement usw.) in der Branche aber keine großen Arbeitsmöglichkeiten bestehen. Berufsfelder, in denen im Großanlagenbau verstärkt neue Ingenieure gesucht werden(alphabetisch geordnet):

  • Forschung und Entwicklung
  • Instandhaltung/Wartung/Inbetriebnahme
  • Konstruktion
  • Planung/Beratung/Dienstleistung (Engineering)
  • Projektmanagement
  • Prüfung/Abnahme im Großanlagenbau
  • Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement

Anforderungen

Abschlüsse für Ingenieure im Großanlagenbau

Hinsichtlich der Abschlüsse Bachelor, Master, Diplom (FH, BA, TU, TH) wird bei den Stellenausschreibungen für Ingenieure im Großanlagenbau so gut wie nicht differenziert. Es wird im Anforderungsprofil eher sehr allgemein ein Studium des Maschinenbaus, der Verfahrenstechnik, der Umwelttechnik etc. angesprochen. Techniker haben in der Branche Maschinen- und Anlagenbau durchaus beachtenswerte Chancen. Promovierte Ingenieur werden so gut wie nicht ausdrücklich in den Anzeigen angesprochen.

Studienfächer im Großanlagenbau

Generell kommen im Großanlagenbau folgende Studienfächer bzw. -richtungen am besten an: Maschinenbau, Elektrotechnik, Konstruktionstechnik, Wirtschaftsingenieurwesen, Vertriebsingenieurwesen, Mechatronik. Je nach Schwerpunkt der Unternehmen werden allerdings auch häufiger Ingenieure mit anderen Studienfächern und -richtungen gesucht wie: Architektur/Bauingenieurwesen, ‚Verfahrenstechnik/Chemietechnik, Informatik, Konstruktiver Ingenieurbau, Kunststofftechnik, Umwelttechnik. Relativ oft werden die Studienfächer bzw. -richtungen in den Anzeigen nur beispielhaft angeführt und auch Bewerber mit „vergleichbaren“ Fächern und Richtungen „zugelassen“.

Berufspraxis der Ingenieure im Großanlagenbau

Was die Berufserfahrungen angeht, ist der Großanlagenbau anspruchsvoll. Die Branche zeigt klare Präferenzen für gestandene Praktiker mit mehrjähriger, einschlägiger Berufserfahrung. Generelle Erfahrungen reichen nur dort aus, wo es um Stellen geht, die keine oder nur geringe Berufserfahrungen benötigen, im Grunde Stellen für Absolventen. Gefragt sind sonst Berufserfahrungen aus den Betreiberbranchen (Abnehmer der Anlagen) oder den vorgelagerten Branchen (Zulieferer) und/oder dem gleichen Funktionsbereich und/oder der gleichen Hierarchieebene. Bei Führungspositionen haben allerdings nur Bewerber mit mehrjähriger einschlägiger Fach- und Führungserfahrung eine Chance. Eher selten werden in Stellenanzeigen des Großanlagenbaus Hochschulabsolventen angesprochen.

Zusatzwissen für den Großanlagenbau

Gefragte Zusatzqualifikationen sind für Ingenieure im Großanlagenbau weit gestreut, wobei sie in erster Linie davon abhängen, ob der Ingenieur eher maschinen-, elektro-, verfahrens-, bautechnisch usw. arbeiten soll. Unabhängig von der Ausrichtung sind Erfahrungen in Projektarbeit/Projektmanagement/Projektteamführung und generell im Anlage- bzw. Großanlagenbau am stärksten gefragt. Je nach Schwerpunkt kommen spezifischen Kenntnisse hinzu, wobei hier in erster Linie die Gebiete genannt werden: Projektierung, Rohrleitungskonstruktion/-technik, Prozessoptimierung, Apparatetechnik, EMR-Technik und Verfahrenstechnik.

EDV im Großanlagenbau

Im Großanlagenbau reichen zunächst allgemein gute Kenntnisse in der PC-Welt und in MS-Office aus. Öfters gefragt sind zudem Kenntnisse in SAP und CAD. Wer außerhalb des Engineering an der direkten Realisierung der Anlagenkomponenten beteiligt ist (Konstruktion, Entwicklung, Fertigung), muss die gefragten EDV-Kenntnisse seines speziellen Berufsfeldes mitbringen.

Internationalität (Sprachen) im Großanlagenbau

Der Großanlagenbau ist traditionell international aufgestellt, was in einer Exportquote von rund 80% zum Ausdruck kommt. Die meisten Ingenieure dieser Branche bringen daher eine nicht unerhebliche Arbeitszeit im Ausland zu. Englischkenntnisse sind daher unabdingbar. Mittelmäßige Englischkenntnisse reichen im Regelfall nicht aus. Der Großanlagenbau fordert ausdrücklich in erster Linie sehr gute (verhandlungssichere) Englischkenntnisse, in zweiter Linie gutes Englisch. Aber auch die Beherrschung einer zweiten Fremdsprache dürfte in den Bewerbungen Pluspunkte bringen. Relativ häufig werden in den Anzeigen zudem interkulturelle Kompetenzen verlangt.

Softskills im Großanlagenbau

Wer seine berufliche Zukunft in der Branche Großanlagenbau sieht, sollte in hohem Maße über die folgenden Persönlichkeitsmerkmale verfügen: Teamorientierung und Teamfähigkeit, Mobilität und Reisebereitschaft, Engagement und Leistungsbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit, Kundenorientierung, Ziel- und Ergebnisorientierung, Flexibilität, Organisationstalent. Führungskräfte sollten neben den eigentlichen Führungsqualitäten in hohem Maße über Entscheidungsstärke/ Entscheidungsfreude verfügen.

Weiterbildung für Ingenieure im Großanlagenbau

Die Weiterbildung kann fachlich- oder persönlichkeitsorientiert ausgerichtet werden. Was die Persönlichkeit angeht, sollten die oben genannten Softskills für die Weiterbildungsplanung im Großanlagenbau herangezogen werden. Von der fachlichen Seite scheinen folgende Weiterbildungsmaßnahmen prinzipiell sinnvoll: Aufgrund der engen Verzahnung insbesondere von Maschinen-/Anlagentechnik, Verfahrenstechnik und Elektrotechnik sollten sich die Ingenieure neben der laufenden Weiterbildung auf dem eigenen Fachgebiet auch in den Nachbardisziplinen grundlegend schlau machen. Dies gilt insbesondere auch für die Bauingenieure im Großanlagenbau.

Da im Großanlagenbau die Prozessgestaltung eine große Rolle spielt und es immer auch darum geht, die Prozesse zu optimieren, sollten sich technische Fach- und Führungskräfte auch diesbezüglich weiterbilden. Wegen der Bedeutung der englischen Sprache sollte an den eigenen Kenntnissen immer wieder gefeilt und nachgebessert werden. Betrachtet man die absolvierten Weiterbildungen von Ingenieuren, die im Großanlagenbau arbeiten, so liegen die Schwerpunkte eindeutig im Projektmanagement. Aber auch Kenntnisse in den betriebswirtschaftlichen Funktionen Einkauf, Verkauf, Kalkulation, Controlling werden immer wichtiger. Weiterbildungen in den Ingenieurdisziplinen: Anlagenplanung, Entwicklungs- und Konstruktionsmanagement, Kalibriertraining, CAD, CAE, EMR-Technik im Anlagenbau, Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit, Schweißfachingenieur (SFI/EWE)

Betriebswirtschaft für Ingenieure im Großanlagenbau

Sales:

Verkaufstraining – vom Erstkontakt zum Auftrag, Verhandlungsführung, Vertragsgestaltung, ausgewählte Vertragsaspekte, Claimmanagement

Management, Betriebswirtschaft im Großanlagenbau:

Projektmanagement, Internationales Projektmanagement, Projektbearbeitung und Finanzierung, Termin-Controlling, Aufgaben/Zuständigkeiten im Auftragsteam, MS-Project und andere Projektmanagement-Systeme, Betriebswirtschaft für technische Fach- und Führungskräfte, Kostencontrolling, Angebotskalkulation, SAP R/3, Global Sourcing, Global Engineering, Aufbaustudien wie Wirtschaftsingenieur, Bachelor of Engineering, MBA, Executive MBA

Spezielle Weiterbildung je nach Branche (Beispiele) im Großanlagenbau:

Grundlagen der biologischen Abwasserreinigung, Verfahrenstechnik der Klärschlammentwässerung, Klärschlammbehandlung, -verwertung und –beseitigung, Wasserstofftechnologie, Wasseraufbereitung, Technik im GMP Bereich, Zusammenarbeit Stahlbau und Anlagenplanung, Ausbildung Prozesssimulation ChemCAD

Fremdsprachen: Englisch / Technisches Englisch / Vertragsenglisch

Bewerbung

Bewerbungsstrategie für Ingenieure im Großanlagenbau

Die Branche Großanlagenbau ist sehr übersichtlich. Nicht einmal 100 Unternehmen gehören ihr an. Meist handelt es sich um die allseits bekannten Unternehmen. Sie bieten auf den eigenen Websites ausführlich ihre offenen Positionen an, zumindest für Nachwuchs- und Fachkräfte, untere und mittlere Führungskräfte. Wer in dieser Branche seine berufliche Zukunft sieht, sollte daher auf jeden Fall im ersten Schritt die entsprechenden Websites der Unternehmen besuchen. Nachstehend werden verschiedene Bewerbungswege dargestellt und auf ihre branchenspezifische Eignung hin überprüft. Die Suche nach Stellenangeboten in Print- und Onlinemedien liegt auf der Hand. Zunächst kommt man dabei auf die VDI nachrichten, die FAZ und die SZ als Printmedien, die Stellenangebote für Ingenieure in großer Zahl enthalten. Wesentlich mehr Stellenausschreibungen finden sich heute allerdings in den Online-Stellenmärkten.

Stellengesuche, Datenbanken, Netzwerke im Großanlagenbau: Das Stellengesuch ist ein effektives Instrument, um Fach- und Führungskräften Arbeitsmarktpotentiale aufzuzeigen. Das Eigeninserat in überregionalen Medien oder Fachmedien bringt Inserenten direkt mit Personalberatern und Arbeitgebern in Kontakt. Stellengesuche machen Sinn, um Personalberater und –entscheider der großen Branchen anzusprechen. Nach dem Gesetz der großen Zahlen vertraut man darauf, dass zumindest einige Berater bzw. Entscheider die entsprechenden Printmedien lesen. Bei kleinen Branchen ist das Risiko eher groß, dass Stellengesuche nicht gelesen werden. Schade um das Geld, das investiert wurde. Das Stellengesuch ist daher für die überschaubare Branche des Großanlagenbaus wenig geeignet, um auf diese Weise Personalentscheider bzw. Personalberater anzusprechen.

Bewerberdatenbanken und der Großanlagenbau

Der kostenlose Eintrag in die Bewerberdatenbanken der allgemeinen Jobbörsen und in spezielle Datenbanken für Ingenieure gehört heute zur Pflichtübung von Ingenieure im Großanlagenbau. Wer sich in eine Bewerberdatenbank einträgt, bekommt entsprechende Jobofferten unterbreitet. Dabei werden in einem Matchingprozess offene Stellen mit den Bewerberdaten abgeglichen und der Kandidat auf die herausgefilterten Stellenangebote aufmerksam gemacht. Zudem sind viele Bewerberdatenbanken für Personalberater und – entscheider zugänglich. Sie suchen dann in anonymisierten Profilen nach passenden Kandidaten. Dieser Weg der Kandidatensuche gewinnt an Bedeutung.

Ein weiterer, häufig gewählter Weg, ist heute die Präsenz in den vielen bekannten Online-Netzwerken. Sie ersetzen in gewisser Weise das Stellengesuch. Da es sich um eine sehr öffentliche Darstellung der eigenen Person handelt, kommt es sehr stark auf die richtige Präsentation, Wortwahl und Dokumentation der eigenen Absichten an, will man auf diesem Weg als Ingenieur im Großanlagenbau erfolgreich sein.

Direktansprache der Arbeitgeber im Großanlagenbau

Eine andere Bewerbungsstrategie ist die Direktansprache potenzieller Arbeitgeber im Großanlagenbau per Brief, Telefonat oder persönlichem Dialog. Initiativbewerbungen können sehr gezielt an wenige Unternehmen gerichtet werden, bei denen der Kandidat schon immer arbeiten wollte. Aufgrund der geringen Zahl der Unternehmen, die sich in der Branche Großanlagenbau bewegen, bietet sich für die gesamte Branche eine „flächendeckende“ Initiativbewerbungsaktion an. In diese Aktion können dann „fast alle“ Arbeitgeber der Branche einbezogen werden.

Um an die Namen der Arbeitgeber im Großanlagenbau zu kommen, gibt es verschiedene Wege. Zum einen können die großen Nachschlagewerke, Wer liefert was?, ABC der deutschen Wirtschaft, Hoppenstedt usw. herangezogen werden. Es existieren aber auch branchenspezifische Pools: VDMA.org (unter Branchen – Großanlagenbau, umfassendes Verzeichnis der „Großen“) und IWR.de (Internationales Wirtschaftsforum Regenerative Energien, entsprechende Unternehmen)

Messen und Ausstellungen für Ingenieure im Großanlagenbau

Zudem können Kataloge bzw. Ausstellerverzeichnisse der branchenspezifischen Messen und Ausstellungen gewälzt werden. Messen und Ausstellungen dienen zudem der persönlichen Ansprache von Arbeitgebern. Hier treffen Jobsuchende in geballter Form auf eine Menge verschiedener Unternehmen und können mit relativ geringem Aufwand ihre Arbeitsmöglichkeiten ausloten. Hier eine Auswahl von Messen- und Ausstellungen, auf denen sich unter vielen anderen auch aus dem Großanlagenbau zeigen.

  • ACHEMA – Chemische Technik, Umweltschutz, Biotechnologie – Frankfurt
  • Aluminium – Herstellung und Verarbeitung – Essen
  • E-World Water&Energy – Wasser- und Energiewirtschaft – Essen
  • Energy – Leitmesse für erneuerbare und konventionelle Energieerzeugung – Hannover
  • EuroBlech – Internationale Technologiemesse für Blechbearbeitung – Hannover
  • Glasstec – Maschinen, Anwendungen, Produkte – Düsseldorf
  • Hannover Messe – Elektrotechnik, Automatisierungstechnik, Energie – Hannover
  • IFAT – Leitmesse für Umwelt und Entsorgung – München
  • Intersolar – Größte Fachmesse für Solartechnik in Europa – Freiburg
  • Powtech – Fachmesse für mechanische Verfahrenstechnik und Analytik – Nürnberg

Brancheninsider im Großanlagenbau

Wer sich als Brancheninsider bewirbt, sollte vorsichtig agieren. In relativ kleinen Branchen besteht in der Regel ein reger Informationsaustausch. Es besteht die Gefahr, dass der eigene Arbeitgeber früher von einem beabsichtigten Stellenwechsel erfährt, als dies dem Kandidaten lieb ist. Je höher die Position aufgehängt ist, desto höher das Risiko. Brancheninsider sollten überlegen, ob sie nicht von einem Dritten den Arbeitsmarkt nach Jobalternativen innerhalb dem Großanlagenbau abscannen lassen. Ihr Name tritt somit nicht in Erscheinung, wohl aber die berufliche Zielsetzung und das berufliche Profil. So können Unternehmen angesprochen werden, ohne dass der Name des Bewerbers breit getreten wird.

Brancheninsider, die in weniger exponierten Positionen arbeiten, können „freier“ agieren. Sie sollten in Anschreiben und Lebenslauf zumindest den Namen des aktuellen Arbeitgebers ersetzen durch „Aktueller Arbeitgeber“. Werden im Lebenslauf Aufgaben und Projekte beschrieben, sollten diese nicht unweigerlich auf den Namen des Arbeitgebers schließen lassen. Etwaige Zwischenzeugnisse oder Seminarbescheinigungen, die den Namen des augenblicklichen Arbeitgebers tragen, können dann der Bewerbung natürlich nicht beigefügt werden. Kandidaten, die sich innerhalb der Branche Großanlagenbau verändern wollen, sollten sich die soeben beschriebene Vorgehensweise durch den Kopf gehen lassen.

Beispiel:

2009 – heute ABC-Großanlagenbau, Dortmund

Projektingenieur mit den Aufgaben:

– Basic- und Detail-Engineering Methanolanlagen

– …….

Besser:

2009 – heute Aktueller Arbeitgeber – renommierter Großanlagenbauer

Projektingenieur mit den Aufgaben:

– Basic- und Detail-Engineering Chemieanlagen

– …….

Ingenieure als Quereinsteiger im Großanlagenbau

Wie gelingt es einem Ingenieur als Quereinsteiger, sich für den Großanlagenbau interessant zu machen? Branchenfremde Bewerber sollten in erster Linie in Anschreiben und Lebenslauf in der Branche übliche Vokabeln zu verwenden. So soll beim Leser die Phantasie entstehen, der Bewerber passt zur Branche und Position. Um ein Gefühl für das „richtige Vokabular“ zu bekommen, sollten sich Quereinsteiger über die Branche und passende Stellenanzeigen hinreichend informieren. Wer aus einer anderen Branche kommt, sollte auf jeden Fall Begrifflichkeiten vermeiden, die außerhalb der eigenen Branche nichts sagend oder sehr stark interpretationsbedürftig sind. Mit der Bewerbung wird dann der verkehrte Branchenbezugvermittelt. Wer im Großanlagenbau eine Stelle sucht, sollte insbesondere seine Erfahrungen im Engineering unterstreichen:

  • Projektarbeit, Projektmanagement, Engineering
  • Projektdefinition, Basic-Engineering
  • Einbindung und Kontrolle von Zulieferern und Partnern
  • Zusammenarbeit mit Banken, Juristen, Behörden
  • Projektierung, Detail-Engineering, Zusammenarbeit mit Kunden
  • Projektplanung und Projektsteuerung
  • Führung von Projektteams, Mitarbeit in Projektteams
  • Konstruktion, Entwicklung, Fertigung von Anlagen/Anlagenteilen der jeweiligen Branche

Weiter oben wurde bereits festgestellt, dass sich die Branche Großanlagenbau gegenüber Quereinsteigern relativ offen zeigt. Leicht haben es dabei Quereinsteiger aus den vor- bzw. nachgelagerten Branchen. Quereinsteiger aus völlig anderen Branchen dürften sich hingegen schwer tun.

Absolventen im Großanlagenbau

Absolventen sollten in der Bewerbung einen Bezug zum Großanlagenbau herstellen. In einem Anschreiben könnte sich etwa die Passage wieder finden: „Durch meine Ausbildung zum Anlagentechniker bei der ABC AG in Oberhausen gewann ich Interesse am Bau von Großanlagen. Meine Diplomarbeit befasste sich mit der Projektierung von Kraftwerken. Zusätzlich belegte ich neben dem Studium bei der GPM ein Seminar Projektmanagement im Anlagenbau, da sich mein Ziel, im Großanlagebau zu arbeiten, verfestigte.“

Aber auch mit Hobbys kann im Großanlagenbau gepunktet werden. Wer sich z.B. als angehender Bauingenieur, der im Großanlagenbau arbeiten möchte, in der Freizeit mit dem Umbau des elterlichen Mietwohnhauses befasste, hat ein passendes und branchenbezogenes Hobby, das im Lebenslauf nicht fehlen sollte. Auch hier musste er wahrscheinlich schon jede Menge Behördenarbeit, Koordination der Umbauarbeiten und Handwerksbetriebe etc. leisten.

Gehalt für Ingenieure im Großanlagenbau

Zum Thema Gehalt sei an dieser Stelle auf die Gehaltsstudie von ingenieurkarriere.de verwiesen. Zwar findet sich hier die Branche Großanlagenbau nicht direkt. Dennoch lässt sich recht gut von den dort aufgeführten Gehältern aus dem Anlagenbau auf den Großanlagenbau schließen. Es finden sich u.a. Jahresgehälter nach Position und Tätigkeitsbereich. An diesen Gehältern können sich Bewerber für den Großanlagenbau recht gut orientieren. Aufgrund der Vielzahl der Auslandseinsätze und des besonders hohem Engagements dürften die Gehälter im Großanlagenbau wahrscheinlich leicht über den genannten Gehältern anzusiedeln sein.

Beispiele – Positionen

Fachpositionen für Ingenieure im Großanlagenbau

Projektingenieur (Abwasseraufbereitungsanlagen)

  • Planung und Auslegung der Anlagen
  • Kalkulation, Angebotserstellung, Vertragsverhandlungen
  • Lieferantenauswahl, Lieferantenbewertung
  • Projektbetreuung, Koordination mit dem Kunden
  • Inbetriebnahme, Kundenschulung im Großanlagenbau

Terminplaner/Scheduler (Pharmaanlagen)

  • Terminplanung und Reporting
  • Begeleitung aller Phasen: Engineering bis Inbetriebnahme
  • Einsatz entsprechender Projektmanagement-Tools
  • Termincontrolling/-abstimmung mit den beteiligten Subunternehmen

MSR-Konstrukteur (Energieanlagen)

  • Projektierung und Planung von Regelungen und Steuerungen
  • Bearbeitung/Programmierung parametrierbarer Regler
  • Erstellen von Spezifikationen, Funktionsplänen, Logiken
  • Erstellen von Regelungskonzepten, Planungsunterlagen, Betriebsanleitungen
  • Schnittstellenkoordination: Projektmanagement, Zulieferer, Kunden
  • Baustellenbetreuung

Auftragsingenieur Bau- und Stahlbau (Engineeringunternehmen)

  • Projektierung, Bauentwurfsplanung, Massen- und Kostenermittlung
  • Angebotseinholung und Bewertung der Angebote im Großanlagenbau
  • Verantwortlich für die Auftragsabwicklung, Koordination aller Beteiligten
  • Termin- und Kostenkontrolle, Bauüberwachung

Maschinenbauingenieur (Chemieanlagen)

  • Entwickeln, erfassen, bewerten, optimieren der Anlagenkonzepte
  • Entwickeln verfahrenstechnischer Fließbilder, Prozesslayouts
  • Schnittstellenkoordination aller beteiligter Gewerke
  • Begleitung der Arbeit der Systemlieferanten
  • Begleitung der Qualifizierung

Projektingenieur Verfahrenstechnik (Engineeringunternehmen)

  • Ausarbeiten von Konzepten für Prozessanlagen, Basic-Engineering
  • Konzeptvergleiche nach technischen Aspekten, Kosten- und Nutzenaspekten
  • Verfahrenstechnische Bearbeitung der Nebenanlagen im Basic- und Detail-Engineering
  • Koordination aller Beteiligten im Großanlagenbau
  • Unterstützung bei Sales, Inbetriebnahme und Abnahme der Anlagen

Führungspositionen für Ingenieure im Großanlagenbau

Abteilungsleiter Verfahrenstechnik (Engineeringunternehmen)

  • Leitung der Mitarbeiter der Abteilung
  • Weiterentwicklung der Verfahrenstechnologien
  • Unterstützung bei Vertriebsaktivitäten im Großanlagenbau
  • Personalplanung für besehende Aufträge und Angebote
  • Projektleiter Verfahrenstechnik (Pharmaanlagen)
  • Projektierung (Schema, Anordnung) incl. Behörden-Engineering
  • Projektkoordination Verfahrenstechnik, Maschinen-/Apparatetechnik, Bau/Stahlbau,
  • Reinraumtechnik, Rohrleitung, Montagleitung, Inbetriebnahme
  • Kundenakquise, Angebotserarbeitung/-präsentation, Kundenbetreuung
  • Verantwortung für die Abwicklung der Projekte
  • Führung der Projektteams im Großanlagenbau

Lead Engineer Bautechnik (Engineeringunternehmen)

  • Auftragskoordination und Prüfung von Ingenieurleistungen
  • Erstellen von Spezifikationen und Leistungsverzeichnissen
  • Planen und steuern von Arbeitsabläufen, Terminen, Personaleinsätzen
  • Führen der Projektteams
  • Angebote einholen, Lieferanten auswählen
  • Bewerten von Risiken und erstellen von Kostengerüsten
  • Erarbeiten von Angeboten, führen der Vertragsverhandlungen bis zum Abschluss

Leiter Maschinentechnik (Energieanlagen)

  • Planung, Auslegung, Berechnung der Anlagen gemäß Kundenwunsch
  • Technische Beschaffung der Anlagen/Teilanlagen
  • Einhaltung von Budgets, Terminen, Qualität, Meilensteinen
  • Kommunikation mit Kunden, Projektleitung, Bauleitung, Lieferanten usw.
  • Fachliche Führung der dem Projekt zugeordneten Mitarbeiter

Project Controls Manager (Engineeringunternehmen)

  • Projektplanung mit den entsprechenden Tools
  • Integration der Zuliefererpläne in den Plan
  • Kostenkontrolle, Risikoanalyse (Risikosimulation) im Großanlagenbau
  • Cash-Flow Projektionen

Kommentar zum Großanlagenbau

Die gewählten Aufgabenbeschreibungen für den Großanlagenbau sind lediglich Beispiele. Sie sind weder repräsentativ noch bilden sie die gesamte Bandbreite des Großanlagenbaus ab. Fakt ist, dass im Großanlagenbau die Berufsfelder sehr umfangreich sind. So zeigen sich sowohl die klassischen Funktionen von Fertigungsunternehmen verschiedenster Branchen als auch die Funktionen des Engineerings und des Projektmanagements.

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