Fachkräftemangel 28.03.2023, 09:30 Uhr

Berufsfelder Technik und Fertigung attraktiver machen

Eine neue Studie von Essentra hat branchenweite Probleme bei der Mitarbeitersuche aufgezeigt. Deshalb besteht Handlungsbedarf für die Berufsfelder Technik und Fertigung. Vor allem der Ruf des Berufsfelds muss verbessert werden.

Probleme bei der Mitarbeitersuche

Der Berufsfeld Technik und Fertigung muss attraktiver gestaltet werden, um den Mangel an qualifizierten Fachkräften zu bekämpfen.

Foto: PantherMedia / Monkeybusiness

HR-Manager müssen daher handeln, um angehende Talente für diese Branchen zu gewinnen. Das haben die Ergebnisse einer Umfrage gezeigt. Die Studie von Essentra wurde mit dem Ziel erstellt, die wichtigsten Herausforderungen aufzudecken, denen Ingenieure in der Fertigungsbranche gegenüberstehen.

Das falsche Bild von der Fertigungsbranche

Der Umfrage zufolge gilt die Branche immer noch fälschlicherweise als Anlaufstelle für ungelernte Arbeitskräfte. Oshin Cassidy, Chief People & Culture Officer bei Essentra PLC, erklärte z. B., dass Jobs und Karrieren für hochqualifizierte Arbeitskräfte wegen des falschen Bildes, das viele von der Fertigungsbranche haben, häufig völlig übersehen werden. Das wirkt sich negativ auf den Zulauf neuer Talente aus. „Die nächste Generation von Arbeitskräften will nicht in der Produktion und Fertigung arbeiten, vor allem aufgrund des schlechten Rufes, aber unter Umständen auch aufgrund der Auswirkungen von Kurzarbeit und neuen Arbeitsmodellen. Teilweise liegt es aber auch an mangelnder Bildung“, fasst Oshin Cassidy das Problem zusammen.

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Essentra Components hat das The Engineer Magazin beauftragt, einen Bericht über den Stand der Fertigung im Jahr 2023 zu erstellen. Laut einer Umfrage unter Ingenieuren haben mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Befragten angegeben, dass ihre Unternehmen Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen. Darüber hinaus erfüllen 71 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber nicht die Anforderungen der Arbeitgeber. In Großbritannien liegt diese Zahl bei jeweils 77 und 74 Prozent.

Neben den 400 befragten Ingenieuren aus Großbritannien wurden auch jeweils 100 Ingenieure aus Deutschland und den Niederlanden für den Bericht befragt. Die Studienteilnehmer wiesen einen vergleichbaren demografischen Hintergrund auf und arbeiteten in Unternehmen der Automobil-, Elektronik- sowie Chemie- und Pharmaindustrie.

Mehr Gehaltserhöhungen für Ingenieure in Großbritannien als in Deutschland?

39 Prozent der Ingenieure, die in Deutschland oder den Niederlanden arbeiten, haben angegeben, dass sie in den letzten 12 Monaten eine Gehaltserhöhung erhalten haben. In Großbritannien waren es hingegen fast die Hälfte der Ingenieure (47 Prozent). Dieser Unterschied könnte darin begründet sein, dass Unternehmen in Deutschland und den Niederlanden weniger Schwierigkeiten haben, Mitarbeiter zu finden als die Unternehmen in Großbritannien und deshalb weniger motiviert sind, ihren Mitarbeitern Gehaltserhöhungen zu geben.

Der Befragung zufolge haben nur 39 Prozent der deutschen und niederländischen Ingenieure*innen in den letzten zwölf Monaten eine Gehaltserhöhung erhalten, während es in Großbritannien 47 Prozent sind.

Kündigungen stellen jedoch ein kontinuierliches Problem dar und verschärfen den bereits bestehenden Mangel an Ingenieuren. 41 Prozent der Befragten gaben an, dass sie vermehrt Kündigungen auf der Manager-Ebene beobachtet haben und dass ihnen die Besetzung der entstandenen Lücken Sorgen bereitet (im Vergleich zu 32 Prozent in Großbritannien).

Der Bericht zeigte zudem, dass hybride Arbeitsmodelle in Großbritannien wesentlich beliebter sind als in Deutschland und den Niederlanden. Während 63 Prozent der britischen Befragten angaben, dass ihr Unternehmen ein hybrides Arbeitsmodell anbietet, trifft dies nur auf 35 Prozent der Befragten aus Deutschland und den Niederlanden zu.

Führungskräfte von morgen fehlen auch

Einige Unternehmen haben gezeigt, dass sie in der Lage sind, talentierte Mitarbeiter zu rekrutieren und zu halten. „Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften betrifft nicht nur die Fertigungsebene, sondern auch die Führungskräfte von morgen“, erklärt Oshin Cassidy.
Schon vor COVID-19 gab es eine Generation von Führungskräften, die zwar in der Lage waren, Mitarbeiter zu führen, jedoch nicht über die notwendige Durchhaltekraft verfügten, um auch in schwierigen Zeiten zu bleiben. Viele auf der mittleren Managementebene haben die Pandemie als zu große Herausforderung empfunden und sind aus der Branche ausgestiegen.

Das Berufsfeld Technik und Fertigung ist von entscheidender Bedeutung für die moderne Industrie. Auch hier gibt es einen Mangel an qualifizierten Fachkräften. Um dieser Herausforderung entgegenzuwirken, ist es wichtig, das Berufsfeld Technik und Fertigung attraktiver zu gestalten. Und zwar über alle Ebenen hinweg.

 

 

 

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Redakteurin beim VDI-Verlag. Nach einem Journalistik-Studium an der TU-Dortmund und Volontariat ist sie seit mehreren Jahren als Social Media Managerin, Redakteurin und Buchautorin unterwegs.  Sie schreibt über Karriere und Technik.

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