95 % der jungen Personaler achten auf Berufserfahrung – ältere setzen andere Schwerpunkte
Berufserfahrung, Fachwissen oder soziale Kompetenzen? Eine Umfrage zeigt, worauf Personaler verschiedener Altersgruppen bei Bewerbungen achten.
Bei der Personalauswahl zählt praktische Erfahrung – doch ältere Personaler setzen andere Schwerpunkte.
Foto: Smarterpix/scornejor
Berufserfahrung ist für die jüngsten Personalverantwortlichen offenbar wichtiger als für ihre älteren Kollegen. Ausgerechnet die Altersgruppe, die selbst noch vergleichsweise am Anfang ihrer Karriere stehen kann, legt bei Bewerbern besonders großen Wert auf praktische Erfahrung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage unter 500 Entscheidungsträgern im Personalmanagement in Deutschland.
Während 18- bis 29-jährige Personaler besonders häufig praktische Erfahrung nennen, gewinnen in anderen Altersgruppen fachliche Qualifikationen und soziale Kompetenzen an Gewicht. Beim Hochschulabschluss spielt dagegen eine andere Frage kaum eine Rolle: Ob er von einer privaten oder staatlichen Hochschule stammt, ist für die Mehrheit der Befragten unerheblich.
Die Analyse wurde vom Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der BSBI School of Business and Innovation durchgeführt.

Berufserfahrung ist jungen Personalern besonders wichtig
95 % der Personalentscheider zwischen 18 und 29 Jahren messen praktischer Erfahrung eine besonders große Bedeutung bei. Fachliche Qualifikationen beziehungsweise die im Studium erworbenen Inhalte wurden in dieser Altersgruppe dagegen nur von 1,7 % genannt.
Für Berufseinsteiger ist das ein bemerkenswerter Befund: Gerade ihnen fehlt naturgemäß umfangreiche Berufserfahrung. Praktika, Werkstudententätigkeiten oder erste Projekte können deshalb helfen, praktische Erfahrung im Bewerbungsprozess sichtbar zu machen.
Bei den 30- bis 39-jährigen Personalverantwortlichen zeigt sich eine andere Gewichtung. 71 % nennen fachliche Qualifikationen und Studieninhalte als relevantes Auswahlkriterium. Praktische Erfahrung bleibt mit 55 % ebenfalls wichtig.
Warum die Angaben zwischen den beiden jüngsten Altersgruppen so stark auseinanderliegen, geht aus den veröffentlichten Ergebnissen der Befragung nicht hervor.
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Ältere Personaler setzen andere Schwerpunkte
Auch bei den 40- bis 49-Jährigen gehören fachliche Qualifikationen zu den häufig genannten Kriterien. Gleichzeitig spielt die Abschlussnote mit 29 % eine größere Rolle.
Bei den 50- bis 64-Jährigen werden Theorie und Praxis laut der Befragung nahezu gleich bewertet. Noch einmal anders fällt die Gewichtung bei den über 65-jährigen Personalverantwortlichen aus: 84 % nennen soziale Kompetenzen, gefolgt von fachlichen Qualifikationen mit 72 % und praktischer Erfahrung mit 58 %.
Die Umfrage zeigt damit deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten Altersgruppen. Je nach Alter der Personalverantwortlichen können unterschiedliche Eigenschaften einer Bewerbung stärker ins Gewicht fallen. Ob dahinter tatsächlich Generationeneffekte stehen oder andere Faktoren wie Berufserfahrung und Position eine Rolle spielen, lässt sich aus der Befragung nicht ableiten.
Privater oder staatlicher Hochschulabschluss? Für die Mehrheit kein Unterschied
Eine klare Gemeinsamkeit gibt es beim Hochschulabschluss. Ob Bewerber an einer privaten oder staatlichen Hochschule studiert haben, beeinflusst die Einstellungsentscheidung für die Mehrheit der Befragten offenbar nicht.
Mehr als 60 % antworteten auf die Frage, ob ein Abschluss an einer privaten Hochschule eher für oder gegen eine Einstellung spricht, mit „es macht keinen Unterschied“. 13,6 % positionierten sich klar gegen die Einstellung von Absolventen privater Hochschulen.
Auch bei den vermittelten Kompetenzen sehen viele Befragte keine wesentlichen Unterschiede zwischen privaten und staatlichen Hochschulen. Wo Unterschiede wahrgenommen werden, werden private Hochschulen häufiger mit Praxisnähe (22,4 %) und Digitalkompetenz (23,2 %) verbunden. Staatliche Hochschulen werden dagegen häufiger mit sozialen Kompetenzen (15,2 %) assoziiert.
Für Bewerber bedeutet das zunächst: Der Hochschultyp allein scheint für viele Personalverantwortliche kein ausschlaggebendes Kriterium zu sein. Welche Kenntnisse, Fähigkeiten und praktischen Erfahrungen Bewerber tatsächlich mitbringen, spielt bei der Personalauswahl ebenfalls eine wichtige Rolle.
„Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich die Bewertungskriterien im Recruiting verschieben: Für Arbeitgeber zählen heute vor allem fachliche Qualifikationen, praktische Erfahrung und soziale Kompetenzen“, kommentiert Professor Dr. Kyriakos Kouveliotis, Provost und Chief Academic Officer der Wirtschaftsschule BSBI.
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