Zwei Drittel weniger Einstiegsjobs seit 2022: Wo die Krise als Erstes zuschlägt
Seit 2022 ist das Angebot an Einstiegsjobs in Deutschland um mehr als zwei Drittel eingebrochen, am stärksten in IT und Marketing. Wer gerade Studium oder Ausbildung abschließt, spürt die schwache Wirtschaft zuerst. Welche Rolle KI dabei spielt, ist noch offen.
Der Berufseinstieg wird schwieriger: Seit 2022 ist das Angebot an Einstiegsjobs deutlich zurückgegangen.
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Für viele junge Menschen beginnt das Berufsleben derzeit mit einer schwierigen Jobsuche. Seit 2022 ist die Zahl der ausgeschriebenen Einstiegsjobs in Deutschland um mehr als zwei Drittel gesunken. Besonders stark ist der Rückgang bei IT, Marketing und Projektmanagement.
Das geht aus einer aktuellen Analyse von Indeed hervor. Das Unternehmen hat dafür Stellenausschreibungen in Deutschland von 2019 bis Juli 2026 ausgewertet. Neben Einstiegsjobs wurden Praktika, Werkstudierendenstellen sowie Ausbildungsplätze einschließlich dualer Studiengänge untersucht.
Inhaltsverzeichnis
- Einstiegsjobs gehen stärker zurück als der Gesamtmarkt
- Marketing, IT und Projektmanagement besonders betroffen
- KI verändert den Berufseinstieg
- Ausbildungsplätze bleiben deutlich stabiler
- Ausbildungsberufe sind seltener stark von KI betroffen
- Ausbildung oder Studium: unterschiedliche Wege in den Beruf
- Schwieriger Start kann lange nachwirken

Einstiegsjobs gehen stärker zurück als der Gesamtmarkt
Bis 2022 war das Angebot an Einstiegsjobs kräftig gewachsen. Im Juli 2022 lag es 75 % über dem Niveau von 2019. Danach ging die Zahl der Ausschreibungen deutlich zurück.
Im Juli 2026 lagen die Einstiegsjobs 46 % unter dem Wert von 2019. Seit dem Höchststand 2022 hat sich das Angebot damit um mehr als zwei Drittel verringert. Der gesamte Stellenmarkt entwickelte sich ebenfalls rückläufig. Seit 2022 ging er um 39 % zurück. Im Juli 2026 lag er aber noch 8 % über dem Niveau von 2019.
Für Praktika und Werkstudierendenstellen fiel der Rückgang ebenfalls deutlich aus. Ihr Angebot lag im Juli 2026 um 24 % unter dem Wert von 2019.
Dr. Virginia Sondergeld, Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin bei Indeed, warnt vor möglichen Folgen für junge Menschen. Wer heute ins Berufsleben starte, habe deutlich weniger Stellen zur Auswahl als noch vor einigen Jahren. Eine längere Arbeitslosigkeit am Anfang des Berufslebens könne sich später bemerkbar machen, etwa durch geringere Gehälter.
Marketing, IT und Projektmanagement besonders betroffen
Der Rückgang betrifft fast alle untersuchten Berufsgruppen. In 26 von 28 Gruppen gab es seit 2022 weniger Einstiegsjobs. In 23 Gruppen fiel der Rückgang stärker aus als auf dem jeweiligen Gesamtmarkt.
Besonders stark betroffen sind Wissens- und Bürojobs. Im Marketing sank die Zahl der Einstiegsjobs seit 2022 um 75 %. Bei IT-Anwendungen und IT-Lösungen waren es 77 %, im Projektmanagement 60 %.
Auch bei Praktika und Werkstudierendenstellen ging das Angebot in diesen Bereichen zurück. Im Marketing betrug der Rückgang seit 2022 55 %, im Projektmanagement 56 % und im Tech-Bereich 54 %.
Zwei Berufsgruppen entwickelten sich anders: In Pflege, Medizin und Pharmazie stieg die Zahl der Einstiegsjobs um 18 %. Bei Lebensmittel, Gastronomie und Hotellerie waren es 10 %. In diesen Bereichen erfolgt der Berufseinstieg allerdings häufig über eine Ausbildung.
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KI verändert den Berufseinstieg
Der starke Rückgang bei vielen Wissensberufen fällt in eine Zeit, in der Unternehmen ihre Arbeit durch Künstliche Intelligenz verändern. Indeed hat deshalb auch untersucht, wie stark die Tätigkeiten in den verschiedenen Berufsgruppen von KI betroffen sein könnten.
Bei Berufsgruppen, bei denen mehr als 60 % der Fähigkeiten und Aufgaben durch KI unterstützt oder übernommen werden können, gab es im Juli 2026 nur noch etwa halb so viele Einstiegsjobs sowie Praktika und Werkstudierendenstellen wie 2019. Bei Berufsgruppen mit einem KI-Transformationspotenzial von weniger als 40 % lag das Angebot dagegen noch auf oder über dem Niveau von 2019.
Ein direkter Zusammenhang lässt sich daraus nicht ableiten. Der Rückgang bei den Einstiegsjobs begann bereits im Frühjahr 2022. ChatGPT wurde erst Ende November desselben Jahres veröffentlicht.
Sondergeld hält es dennoch für möglich, dass KI eine Rolle spielt. Routineaufgaben, die früher häufig von Berufseinsteigern übernommen wurden, könnten zunehmend von KI-Systemen erledigt werden. Nach ihrer Einschätzung lässt sich dieser Effekt mit den derzeit verfügbaren Daten aber noch nicht belegen.
Auch die wirtschaftliche Entwicklung dürfte eine Rolle spielen. Unternehmen halten sich bei Neueinstellungen zurück, wenn die Konjunktur schwach ist. Junge Menschen bekommen diese Zurückhaltung besonders schnell zu spüren, weil Unternehmen bei Nachwuchsstellen weniger einstellen können oder wollen.
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Ausbildungsplätze bleiben deutlich stabiler
Bei den Ausbildungsplätzen ist die Entwicklung eine andere. In der Ausbildungssaison 2025/26, also von August 2025 bis Juli 2026, wurden rund 50 % mehr Ausbildungsplätze ausgeschrieben als 2019.
Seit der Saison 2023/24 ist das Angebot zwar leicht zurückgegangen. Es liegt aber weiterhin deutlich über dem Niveau von 2019.
Auch im direkten Vergleich mit den Einstiegsjobs schneiden Ausbildungsplätze anders ab. In 20 von 23 untersuchten Berufsgruppen entwickelte sich das Angebot an Ausbildungsplätzen seit 2019 besser als das Angebot an Einstiegsstellen für Menschen mit abgeschlossener Qualifikation.
Das lässt sich an der Softwareentwicklung ablesen. Dort sank die Zahl der Einstiegsjobs seit 2019 um 70 %. Die Zahl der ausgeschriebenen Ausbildungsplätze lag zuletzt dagegen 27 % über dem Wert von 2019.
Ausbildungsberufe sind seltener stark von KI betroffen
Ein Grund für den Unterschied dürfte auch in den Berufen liegen, die über eine Ausbildung oder über ein Studium erreicht werden.
Bei nur 15 % der Ausbildungsstellen liegt das KI-Transformationspotenzial laut Indeed bei mehr als 60 %. Bei den Einstiegsjobs sind es 42 %, bei Praktika und Werkstudierendenstellen 33 %.
37 % der Ausbildungsplätze haben dagegen ein niedriges KI-Transformationspotenzial von weniger als 40 %. Bei den Einstiegsjobs sind es nur 9 %.
Viele Ausbildungsberufe finden sich zudem in Bereichen mit einem hohen Anteil praktischer Tätigkeiten, etwa im Handwerk oder im Gesundheitswesen. Dort lassen sich Aufgaben weniger leicht durch digitale Systeme ersetzen oder unterstützen.
Die Zahlen erklären allerdings nicht vollständig, warum Ausbildungsplätze stabiler geblieben sind. Auch die Zusammensetzung der Berufsgruppen und die Nachfrage der Unternehmen spielen eine Rolle.
Ausbildung oder Studium: unterschiedliche Wege in den Beruf
Ausbildung und Hochschulabschluss führen auf unterschiedlichen Wegen ins Berufsleben. Sondergeld weist deshalb darauf hin, dass ein Ausbildungsplatz nicht einfach mit einem Einstiegsjob für Hochschulabsolventen gleichgesetzt werden kann.
In einer schwachen Wirtschaft könne es für Schulabgänger trotzdem interessant sein, beide Möglichkeiten miteinander zu vergleichen. Während einer Ausbildung sammeln junge Menschen von Beginn an praktische Erfahrung in einem Betrieb. Unternehmen können ihren Nachwuchs für den eigenen Bedarf qualifizieren und übernehmen Auszubildende anschließend häufig.
Auch bei diesem Weg verändert KI die Anforderungen. Ausbildungsinhalte müssten mit der technischen Entwicklung Schritt halten, sagt Sondergeld. Auszubildende sollten nicht dauerhaft Tätigkeiten lernen, die wenige Jahre später von Maschinen übernommen werden könnten.
Schwieriger Start kann lange nachwirken
Ein fehlender Einstieg kann für junge Menschen mehr bedeuten als einige Monate Jobsuche. Wer nach dem Studium keine passende Stelle findet, sammelt zunächst weniger Berufserfahrung. Auch der Einstieg in das gewünschte Berufsfeld kann sich dadurch verschieben.
Sondergeld verweist auf Studien, nach denen Arbeitslosigkeit am Anfang des Berufslebens langfristige Folgen haben kann. Dazu gehören unter anderem geringere Einkommen, die später nur schwer wieder aufgeholt werden.
Ob der aktuelle Rückgang der Einstiegsjobs tatsächlich zu einem solchen Effekt für eine ganze Generation führt, lässt sich heute noch nicht beurteilen.
Fest steht: Der Berufseinstieg hat sich seit 2022 verändert. Wer heute nach dem Studium eine erste Stelle sucht, trifft auf deutlich weniger ausgeschriebene Einstiegsjobs als noch vor vier Jahren. Gleichzeitig gibt es auf dem Ausbildungsmarkt weiterhin mehr Angebote als 2019.
Für Unternehmen stellt sich damit auch die Frage, wie sie junge Menschen in einer Zeit des technologischen Wandels an den Beruf heranführen. Denn auch wenn sich Tätigkeiten durch KI verändern, müssen Nachwuchskräfte weiterhin die Möglichkeit bekommen, Berufserfahrung zu sammeln.
Zur Methodik
Indeed hat für die Analyse Stellenausschreibungen in Deutschland von 2019 bis Juli 2026 ausgewertet. Bei den Einstiegsjobs wurden unter anderem Stellen mit Bezeichnungen wie „Junior“, „Trainee“, „Graduate“ oder „Absolvent“ berücksichtigt. Zusätzlich untersuchte Indeed Praktika, Werkstudierendenstellen und Ausbildungsplätze einschließlich dualer Studiengänge.
Das KI-Transformationspotenzial beschreibt, bei welchem Anteil der in einer Stellenanzeige genannten Fähigkeiten und Aufgaben KI-Technologien unterstützend eingesetzt oder Tätigkeiten übernommen werden könnten. Es handelt sich dabei nicht um eine Messung tatsächlich eingesetzter KI.
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