„Finde einen Job mit 70.000 € und Homeoffice“: Wie KI die Jobsuche übernimmt
Auf immer mehr Plattformen schildern Jobsuchende einer KI, was sie wollen – und erhalten von ihr Stellen und Bewerbungstipps und Interviewtraining. Doch wer entscheidet, welche Jobs überhaupt sichtbar werden? Indeed, LinkedIn, Stepstone und Adzuna im Vergleich.
KI statt Suchmaske: Jobbörsen werden zu digitalen Karriereassistenten.
Foto: champlifezy/Smarterpix
„Ich bin Maschinenbauingenieur und habe fünf Jahre Berufserfahrung. Finde mir eine Stelle im technischen Vertrieb im Raum Köln mit Homeoffice-Möglichkeit und mindestens 70.000 € Jahresgehalt.“ Statt Jobtitel, Standort und einzelne Filter in eine Suchmaske einzugeben, können Jobsuchende ihre Vorstellungen inzwischen auch einfach einer KI schildern.
Indeed bringt dieses Prinzip mit seinem Career Scout nun nach Deutschland. Die Plattform steht beispielhaft für eine Entwicklung, die auch bei LinkedIn, Stepstone und Adzuna zu beobachten ist: Aus klassischen Jobbörsen werden zunehmend KI-gestützte Karriereassistenten.
Für Jobsuchende verspricht das weniger Suchaufwand und passendere Treffer. Gleichzeitig verschiebt sich damit eine wichtige Entscheidung: Nicht mehr allein die Nutzerinnen und Nutzer bestimmen über Suchbegriffe und Filter, welche Stellen sie sehen. Auch das Empfehlungssystem entscheidet mit, welche Angebote als relevant gelten.
Inhaltsverzeichnis
- Indeed bündelt Jobsuche und Bewerbung im KI-Dialog
- Stepstone: Bereits 2023 Gesprächs-KI vorgestellt
- LinkedIn bietet ebenfalls KI-Unterstützung
- KI bewirbt sich direkt mit dem Tool ApplyIQ
- Spezialisierte Jobbörsen mit fachlicher Eingrenzung
- Wenn der Algorithmus entscheidet, welche Stellen sichtbar werden
- Mehr Jobs durch KI?
- Quellen
Indeed bündelt Jobsuche und Bewerbung im KI-Dialog
Mit dem Career Scout können Bewerbende ein Bewerbungsgespräch simulieren, bei dem die KI antwortet, Rückfragen stellt und im Anschluss auch Feedback gibt. Die Gesprächssituation ist auf die konkrete Stellenausschreibung zugeschnitten, ohne dass man im Voraus erklären muss, worum es überhaupt geht. Career Scout nutzt die Daten der Stellenanzeige, des eigenen Nutzerprofils samt Fähigkeiten und Erfahrungen sowie den bisherigen Chatverlauf, um auf dieser Basis benutzerdefinierte Tipps zu geben.
Für Jobsuchende bündelt Career Scout verschiedene KI-gestützte Funktionen in einer dialogbasierten Oberfläche.
- Berufsfelder finden, die auf die eigenen Kompetenzen und Interessen zugeschnitten sind
- Relevante Stellenangebote inklusive Gehaltsspannen und erfahren, warum das eigene Profil zu der Position passt
- Arbeitgeber vor der Bewerbung recherchieren, von der Gehaltsstruktur über die Unternehmenskultur und Größe bis zum Arbeitsklima
- Lebenslauf erstellen und gezielt auf einzelne Stellenanzeigen anpassen
- Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und Gehaltsverhandlungen in einem mündlichen Probe-Interview mit dem KI-Assistenten.
Statt einer Trefferliste auf Basis einer Schlagwortsuche entsteht ein Austausch. Jobsuchende können die Suche durch weitere Angaben im Dialog Schritt für Schritt verfeinern.
Auch allgemeine KI-Assistenten können bei der Karriereorientierung, den Bewerbungsunterlagen oder dem Interviewtraining helfen. Der wesentliche Unterschied zu Career Scout liegt im direkten Zugriff auf die Daten der Jobplattform: Indeed kann Stellenanzeigen mit Informationen aus dem Nutzerprofil, hinterlegten Fähigkeiten und dem bisherigen Dialog verknüpfen.
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Stepstone: Bereits 2023 Gesprächs-KI vorgestellt
Bereits im Jahr 2023 hat die Stellenbörse Stepstone als eines der ersten Unternehmen ein eigenes ChatGPT-Plugin für den deutschen Markt entwickelt, wie aus einer Pressemitteilung des Unternehmens hervorgeht. „Die Jobsuche wird zum Gespräch“, hieß es schon vor drei Jahren.
Nutzerinnen und Nutzer konnten in natürlicher Sprache mit der KI nach passenden Stellen suchen und personalisierte Ergebnisse erhalten. Das damalige OpenAI-Plugin-System existiert in dieser Form nicht mehr. Auf der aktuellen Stepstone-Jobsuche findet sich keine vergleichbare dialogbasierte Suche. Stattdessen bietet die Plattform mehrere KI-gestützte Einzelwerkzeuge an:
- KI-gestütztes Jobmatching
- Lebenslauf-Generator
- KI-gestützte Anpassung des Lebenslaufs an Stellenausschreibungen
- Anschreiben-Generator
- Mündliches KI-Interview Coaching
LinkedIn bietet ebenfalls KI-Unterstützung
Noch näher am Ansatz von Indeed liegt die KI-Jobsuche von LinkedIn. Nutzerinnen und Nutzer können dort ebenfalls in natürlicher Sprache beschreiben, welche Stelle sie suchen, statt Jobtitel und Filter einzeln festzulegen.
Mit der KI-Suchfunktion lassen sich beispielsweise detaillierte Suchanfragen formulieren, die das eigene Profil, die Kenntnisse und persönlichen Präferenzen berücksichtigen:
- „Einstiegsstellen für Maschinenbauingenieure im Raum Köln, die in der letzten Woche ausgeschrieben wurden“
- „Stellen für Elektroingenieure in der Energiebranche mit Homeoffice-Möglichkeit“
- „Projektleiter-Stellen für Ingenieure in meinem Netzwerk mit weniger als 10 Bewerbern“
Bei der personalisierten Suche kann man genau angeben, welchen Standort man bevorzugt, welche Berufserfahrung man mitbringt und in welcher Branche man arbeiten möchte.
Laut eigenen Angaben nutzten Anfang 2026 mehr als 1,3 Mio. Mitglieder die KI-Jobsuche bei LinkedIn täglich, mehr als 25 Mio. Suchanfragen wurden pro Woche gezählt.
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KI bewirbt sich direkt mit dem Tool ApplyIQ
Das Tool ApplyIQ der britischen Jobplattform Adzuna geht noch einen Schritt weiter: Nutzerinnen und Nutzer laden ihren Lebenslauf hoch, geben Zielberufe, Standorte und Gehaltsvorstellungen an und die KI kann auf Basis dieser Angaben Bewerbungen für den Nutzer vorbereiten und automatisiert einreichen. Konkret funktioniert es wie folgt:
- ApplyIQ sucht auf Basis der Informationen nach passenden Jobangeboten
- Die gefundenen Stellen werden nach ihrer Übereinstimmung mit dem Profil bewertet.
- Die KI erzeugt ein Anschreiben.
- Bei einem ausreichend guten Match kann ApplyIQ die Bewerbung automatisch im Namen des Nutzers einreichen.
Spezialisierte Jobbörsen mit fachlicher Eingrenzung
Einen anderen Ansatz verfolgen bislang spezialisierte Jobbörsen, bei denen das Stellenangebot bereits fachlich eingegrenzt ist. Die Jobbörse von ingenieur.de etwa richtet sich gezielt an Ingenieurinnen und Ingenieure. Stellen lassen sich dort klassisch nach Jobtitel, Region, Fachbereich und Arbeitsmodell – etwa Vollzeit, Teilzeit oder Homeoffice – filtern. Ergänzt wird die Stellensuche durch Karriereangebote wie Gehaltsrechner, Bewerbungsguide und Karriere-Newsletter. Einen dialogbasierten KI-Assistenten, der wie der Indeed Career Scout die Jobsuche und Karriereorientierung übernimmt, gibt es für Jobsuchende bislang nicht.

Wenn der Algorithmus entscheidet, welche Stellen sichtbar werden
Eine wissenschaftliche Review der Johannes-Kepler-Universität Linz hat solche Empfehlungssysteme für Jobs sowohl technisch als auch rechtlich untersucht. Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass solche KI-gestützten Jobempfehlungen besonders anfällig für geschlechtsspezifische Verzerrungen und stereotype Berufszuschreibungen sind. Gleichzeitig betonen sie, dass verschiedene Vorstellungen davon existieren, was ein „faires“ Empfehlungssystem überhaupt ist.
Wie sich solche Verzerrungen konkret auswirken können, untersuchten Shuo Zhang und Peter Kuhn vom National Bureau of Economic Research (USA) anhand von vier großen Jobplattformen in China. Sie erstellten vergleichbare fiktive Bewerberprofile und variierten unter anderem das Geschlecht. Frauen und Männern wurden daraufhin teilweise unterschiedliche Stellen empfohlen. Die für Frauen vorgeschlagenen Jobs waren im Durchschnitt etwas schlechter bezahlt und verlangten weniger Berufserfahrung.
Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass auch Career Scout, LinkedIn oder andere hier untersuchte Angebote dieselben Verzerrungen aufweisen.
Mehr Jobs durch KI?
Es existiert auch Forschung, die zeigt, wie wertvoll KI-Empfehlungen bei der Jobsuche auf Kandidaten- und Recruiter-Seite sein können. Forscher der Bocconi University, des schwedischen Arbeitsmarktforschungsinstituts IFAU und weiterer europäischer Forschungseinrichtungen untersuchten in einem groß angelegten Feldexperiment 59 Millionen personalisierte Jobempfehlungen auf der größten schwedischen Online-Jobbörse.
Das System lernte unter anderem aus den Stellenanzeigen, die Jobsuchende zuvor angesehen hatten. Auf Arbeitsmarktebene führte das Empfehlungssystem zu einem Anstieg der Beschäftigung um 0,4 % innerhalb weniger Monate. Die Autoren argumentieren daher, dass solche Empfehlungssysteme Informations- und Suchfriktionen auf dem Arbeitsmarkt reduzieren kann.
KI-gestützte Jobsuchen können Stellen sichtbar machen, nach denen Bewerbende selbst womöglich nicht gesucht hätten. Gleichzeitig überlassen Nutzerinnen und Nutzer einen Teil der Vorauswahl einem Empfehlungssystem. Je stärker Jobbörsen zu persönlichen Karriereassistenten werden, desto wichtiger wird deshalb die Frage, nach welchen Kriterien diese Systeme entscheiden und welche beruflichen Möglichkeiten sie ihren Nutzerinnen und Nutzern zeigen.
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