Tipps für die Bewerbung

Diskretion in der Personalabteilung?

Möglicherweise fragen auch Sie sich vor Ihrer nächsten Bewerbung oder dem anstehenden Vorstellungsgespräch, wie diskret die Personalabteilung Ihre Bewerbung behandelt. Sickert irgendetwas von der Bewerbung an den aktuellen Arbeitgeber durch?

Personalabteilung: Meistens diskret.

Personalabteilung: Meistens diskret.

Foto: panthermedia.net/DOC-Photo

Insbesondere derjenige, der auf einem sicheren Arbeitsplatz sitzt, möchte sich sein gutes Verhältnis zum Arbeitgeber nicht verderben und schlafende Hunde wecken, die ihm zukünftig das Leben erschweren. Bei Führungskräften stellt sich stärker die Frage, ob vor einem Vertragsangebot nicht zwangsläufig die Personalabteilung beim aktuellen Arbeitgeber nachfragt. Und was sagt dann der aktuelle Arbeitgeber? Würdigt er die Leistungen angemessen oder schmälert der die Leistungen des Kandidaten, damit letztendlich der andere Arbeitgeber das Interesse verliert?

Obige Fragen lassen bei einigen Bewerbern Unruhe aufkommen oder sie schrecken gar vor einer Bewerbung zurück. Im Regelfall brauchen sich die Kandidaten keine Sorgen zu machen. In der Personalabteilung der meisten Unternehmen und bei den Personalberatern wird professionell und diskret gearbeitet. Aber die Ausnahme von der Regel zeigt, dass die Bedenken mancher Bewerber nicht unberechtigt sind.

In den meisten Fällen ist die Personalabteilung diskret

Gerade in Zeiten, in denen sich auch Personalberater und -referenten um den eigenen Arbeitsplatz sorgen, möchte niemand etwas falsch machen. So kann sich beispielsweise ein unsicherer Referent in der Personalabteilung aus reiner Angst, einen Fehler zu machen, beim aktuellen Arbeitgeber eines interessanten Bewerbers rückversichern. Aber auch persönliche Interessen von Personal-Mitentscheidern, die in den Fachabteilungen sitzen, können die Tour vermasseln.

Da ist in einem chemisch-pharmazeutischen Unternehmen soeben ein Mitarbeiter zum Gruppenleiter aufgestiegen. Er erhält eine Initiativbewerbung direkt in seine Abteilung. Nun möchte sich der neue Gruppenleiter bei seinem Chef beweisen – ohne Umweg über die Personalabteilung. Der laufende Bewerbungsfall kommt ihm gerade entgegen. Es bewirbt sich ein Kandidat mit guten Zeugnissen aus einem renommierten Großkonzern. Das scheint dem Gruppenleiter höchst verdächtig. Er spielt Detektiv, über persönliche Drähte stellt er einen Kontakt in den Konzern her und erfragt Details zu dem Bewerber.

Nicht immer ist das Problem die Personalabteilung

Mit den Details zum Kandidaten glänzt dann er bei seinem Vorgesetzten – von dem Kandidat ist jetzt wiederum in seiner jetzigen Firma bekannt, dass er sich bei anderen bewirbt. Eine Personalabteilung hätte vermutlich diskreter gehandelt. Dumm gelaufen – kommentierte auch ein Logistikmanager seine verfahrene Situation nach einer Bewerbung. Auf sein Stellengesuch in einem renommierten Medium meldete sich ein branchenspezialisierter Personalberater. Unglücklicherweise zählte zu seinem Kundenkreis auch der Arbeitgeber des Logistikleiters. Den Rest kann man sich ausmalen. Der Logistikleiter geriet jedenfalls beim eigenen Arbeitgeber massiv unter Druck.

Sicherlich sind die oben beschriebenen Fälle Ausnahmen. Doch wer kann sicher sein, nicht zum nächsten Ausnahmefall zu gehören? Der beste Schutz sind vorbeugende Maßnahmen bei Bewerbungen. Wer nicht unter Wechseldruck steht, sollte in der schriftlichen Bewerbung das Unternehmen des aktuellen Arbeitgebers (Branche, Größenordnung u.a.) umschreiben. Wo der Ort des Absenders einen direkten Schluss auf den Arbeitgeber zulässt, ist abzuwägen, ob nicht ersatzweise mit dem Absender von Freunden oder Bekannten gearbeitet wird. Auch bei anschließenden Telefonaten oder Interviews mit der Personalabteilung sollte genau überlegt werden, wann der Name des aktuellen Arbeitgebers offenbart wird.

Der Personalabteilung nicht sofort alle Infos geben

Schließlich sollten anfänglich seitens der Personalabteilung eher Fähigkeiten, Erfahrungen und Qualifikationen des Kandidaten interessieren. Wenn der Bewerber größeres Vertrauen zum Personaler gefasst hat und die Stelle wirklich interessant ist, dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, Ross und Reiter zu nennen. Führungskräfte müssen eher mit Nachfragen rechnen, zumindest dann, wenn es Unklarheiten zur letzten Stelle gibt.

Wer beispielsweise beim letzten Arbeitgeber nur über eine kurze Verweilzeit verfügt, jedoch keine gewichtigen Gründe für einen erneuten Wechsel in Bewerbung und Vorstellungsgespräch vermitteln konnte, den darf eine kleine Nachfrage durch die Personalabteilung nicht wundern. Dennoch, kein Personaler der Welt hat Zeit, im großen Stile und zu jeder Bewerbung beim aktuellen Arbeitgeber nachzufragen. Nur in begründeten Ausnahmefällen und bei den wirklich für die Position interessanten Kandidaten dürfte nachgehakt werden – wenn überhaupt.

 

Von Bernd Andersch, Karrierecoach, Aachen

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