Kunst der Kommunikation 09.06.2026, 13:30 Uhr

Entlassen in zehn Minuten: So erleben Beschäftigte ihre Kündigung

Wie Beschäftigte ihre Kündigung erleben: Studie zeigt kurze Gespräche, Kritik an Kommunikation und warum persönliche Kündigungen deutlich besser bewertet werden.

symbolbild Kündigung. Ein Mitarbeiter geht

Kündigungsgespräche in Deutschland dauern häufig weniger als zehn Minuten und werden von Beschäftigten je nach Kommunikationsform sehr unterschiedlich als fair und respektvoll wahrgenommen.

Foto: Smarterpix/ArturVerkhovetskiy

Kündigungen kommen für viele Beschäftigte in Deutschland überraschend schnell und oft ohne großes Gespräch. In zahlreichen Fällen dauert das Kündigungsgespräch nicht länger als zehn Minuten. Das zeigt der aktuelle Kündigungsreport 2026 des HR-Softwareunternehmens HR WORKS.

Für die Studie wurden 6093 Beschäftigte in Deutschland befragt, darunter 825 Personen, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre eine Entlassung erlebt haben. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie knapp viele Arbeitgeber den Trennungsprozess gestalten: Bei 63 % der Betroffenen war das Kündigungsgespräch nach spätestens zehn Minuten beendet.

Auch bei der Art der Übermittlung zeigen sich deutliche Unterschiede. Zwar wurde die Mehrheit der Kündigungen persönlich ausgesprochen, doch längst nicht alle Arbeitgeber wählen diesen Weg. 59 % der Befragten erhielten ihre Kündigung in einem direkten Gespräch. 22 % wurden schriftlich über die Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses informiert. Weitere 11 % erfuhren von ihrer Entlassung in einem digitalen Videogespräch, während 8 % die Kündigung telefonisch mitgeteilt wurde.

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Persönliche Kündigung wird deutlich positiver bewertet

Wie Beschäftigte eine Kündigung wahrnehmen, hängt maßgeblich davon ab, auf welchem Weg sie ausgesprochen wird. Die Ergebnisse des Kündigungsreports 2026 zeigen: Persönliche Kündigungsgespräche werden von Betroffenen deutlich besser bewertet als schriftliche oder telefonische Entlassungen.

Besonders das direkte Gespräch schneidet bei der Bewertung am besten ab:

  • 64 % der Beschäftigten halten eine persönlich ausgesprochene Kündigung für angemessen.
  • Bei einer schriftlichen Kündigung sinkt dieser Wert auf 34 %.
  • Gleichzeitig bewerten 55 % der Betroffenen eine schriftliche Entlassung als unangemessen.
  • Am schlechtesten werden telefonische Kündigungen wahrgenommen: Nur 28 % halten diese Form für angemessen.
  • 49 % der Beschäftigten empfinden eine Kündigung per Telefon als unangemessen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Art der Kommunikation einen erheblichen Einfluss darauf hat, wie fair und respektvoll Beschäftigte den Trennungsprozess erleben. Für Arbeitgeber kann ein persönliches Kündigungsgespräch daher entscheidend sein, um auch in schwierigen Situationen Professionalität und Wertschätzung zu vermitteln.

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Kurze Kündigungsgespräche hinterlassen oft ein formales Erlebnis

Die sehr kurze Dauer vieler Trennungsgespräche spiegelt sich deutlich in der Wahrnehmung der Gesprächsqualität wider. Für zahlreiche Beschäftigte bleibt vor allem der Eindruck eines formalen, wenig persönlichen Austauschs.

Die Ergebnisse zeigen ein klares Stimmungsbild:

  • 53 % der entlassenen Beschäftigten beschreiben das Kündigungsgespräch rückblickend als rein formal.
  • Nur 45 % berichten, dass sie sich im Gespräch respektvoll behandelt fühlten.
  • Lediglich etwas mehr als ein Drittel (34 %) hatte die Möglichkeit, die eigene Sichtweise darzustellen.
  • Die Gründe für die Entlassung wurden für 42 % der Betroffenen nachvollziehbar erklärt.
  • Gleichzeitig widersprechen 26 % dieser Einschätzung und empfinden die Begründung als nicht ausreichend oder unklar.

Wer führt Kündigungsgespräche – und wie fair werden sie erlebt?

Eine zentrale Rolle im Entlassungsprozess übernehmen in Deutschland meist die direkten Führungskräfte. Sie sind nicht nur häufig anwesend, sondern sprechen die Kündigung in vielen Fällen auch selbst aus.

Die Daten zeigen die Verteilung im Überblick:

  • In 54 % der Fälle ist die Führungskraft beim Kündigungsgespräch anwesend.
  • In 40 % der Fälle spricht sie die Entlassung auch selbst aus.
  • Ein Mitglied der Geschäftsführung ist in rund 34 % der Gespräche beteiligt und übernimmt in 33 % der Fälle die Kommunikation der Trennungsentscheidung.
  • Die Personalabteilung ist ebenfalls nur in etwa jedem dritten Gespräch vertreten und spricht die Entlassung lediglich in 22 % der Fälle aus.
  • Ein Betriebsratsmitglied ist nur in 11 % der Fälle anwesend.
  • Ebenfalls 11 % berichten, dass ein Kollege oder eine Kollegin am Gespräch teilgenommen hat.

„Trennungsgespräche gehören zu den schwierigsten Aufgaben für Führungskräfte. Genau deshalb sollten Unternehmen Führungskräfte und HR-Verantwortliche darauf vorbereiten. Wer eine Entlassung ausspricht, muss klar sein, aber auch respektvoll, nachvollziehbar und offen für die Perspektive des Entlassenen. Ein rein formaler Ablauf wird der Situation oft nicht gerecht“, erklärt Ivana Baumann, Director HR & Recruiting bei HR WORKS.

Emotionale Qualität: gemischte bis kritische Wahrnehmung

Neben den formalen Abläufen spielt auch die emotionale Wahrnehmung eine wichtige Rolle. Hier fällt die Bewertung der Betroffenen insgesamt zurückhaltend bis kritisch aus:

Die Ergebnisse im Detail:

  • Wertschätzung: 37 % bewerten das Verhalten positiv, 29 % negativ
  • Empathie: nur 28 % empfinden die Gesprächsführung als empathisch, 37 % negativ
  • Fairness: 29 % sehen das Verhalten positiv, 38 % negativ

Während Führungskräfte die operative Verantwortung im Kündigungsprozess tragen, wird die emotionale Qualität der Gespräche von vielen Betroffenen kritisch bewertet – insbesondere in Bezug auf Empathie und Fairness.

Der Kündigungsreport 2026 von HR WORKS untersucht, wie Beschäftigte in Deutschland Entlassungen erleben und wie Unternehmen im Trennungsprozess kommunizieren.

Für die Studie führte das Marktforschungsinstitut Bilendi im April 2026 eine standardisierte Online-Befragung durch. Insgesamt wurden 6093 Beschäftigte befragt, darunter 825 Personen, die in den vergangenen fünf Jahren eine Kündigung erhalten haben.

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Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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