Emotionen im Beruf 01.07.2026, 15:30 Uhr

Jeder Fünfte kämpft über ein Jahr emotional mit den Folgen einer Entlassung

Die Folgen einer Entlassung wirken lange: Studie zeigt Wut auf Führungskräfte, emotionale Belastung über ein Jahr und Chancen für Neuanfang.

Ein mann sitzt auf der Treppe - er wurde eben gekündigt.

Nach einer Kündigung dominieren bei vielen Beschäftigten starke Gefühle – von Erleichterung bis hin zu Wut, Angst und Selbstzweifeln.

Foto: Smarterpix/khosrork

Eine Kündigung durch den Arbeitgeber endet für viele Beschäftigte nicht mit dem letzten Arbeitstag. Für viele Betroffene wirken die emotionalen Folgen noch Monate oder sogar Jahre später nach. Besonders auffällig: Wut richtet sich häufig nicht nur gegen das Unternehmen, sondern auch gegen Führungskräfte. Die Ursachen beginnen oft schon vor der eigentlichen Entlassung. Darauf weist der Kündigungsreport 2026 des HR-Software-Unternehmens HR WORKS hin.

Grundlage ist eine standardisierte Online-Befragung unter 6093 Beschäftigten in Deutschland. 825 von ihnen gaben an, in den vergangenen fünf Jahren entlassen worden zu sein.

Die Ergebnisse machen deutlich, wie belastend eine Kündigung für viele Betroffene ist: Mehr als die Hälfte empfindet Wut gegenüber dem Arbeitgeber. Konkret nennen 53 % das Unternehmen selbst und 49 % ihre direkte Führungskraft. Auch Kolleginnen und Kollegen bleiben davon nicht unberührt: 29 % berichten von negativen Gefühlen gegenüber dem eigenen Team.

Auffällig ist auch die Dauer der emotionalen Belastung. Bei 21 % wirken die Folgen länger als ein Jahr nach oder bestehen bis heute. Nur 14 % geben an, dass sie die Entlassung emotional nicht getroffen hat.

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Emotionen nach einer Kündigung: Zwischen Erleichterung und Belastung

Direkt nach einer Entlassung erleben viele Betroffene sehr unterschiedliche Gefühle. Die Befragten sollten ihre drei stärksten emotionalen Reaktionen nennen. Das Ergebnis zeigt: Neben Erleichterung prägen vor allem belastende Emotionen die Zeit nach einer Kündigung.

  • 32 % empfinden zunächst Erleichterung
  • 29 % berichten von Wut
  • 25 % nennen Schock
  • 24 % sprechen von Existenzangst
  • 21 % empfinden Angst
  • 18 % nennen Trauer

Die Zahlen machen deutlich: Eine Kündigung löst oft mehrere starke Gefühle gleichzeitig aus – und längst nicht nur negative.

Ärger über Führungskräfte beginnt oft schon vor der Entlassung

Die Gründe für Ärger und Enttäuschung liegen häufig nicht allein in der Kündigung selbst. Entscheidend scheint oft zu sein, wie Beschäftigte bereits vor der Trennung begleitet wurden.

Von den Befragten, die starke Wut gegenüber ihrer Führungskraft empfinden, hätten sich 53 % während ihrer Beschäftigung mehr Unterstützung gewünscht. 44 % sagen rückblickend sogar, sie hätten den Eindruck gehabt, dass ihre Führungskraft auf die Entlassung hingearbeitet habe. 29 % hätten sich nach der Kündigung mehr Zuspruch und Unterstützung gewünscht.

Auch Kolleginnen und Kollegen spielen eine wichtige Rolle. Unter denjenigen, die Wut gegenüber ihrem Team empfinden, hätten sich 58 % mehr Rückhalt während der Beschäftigung gewünscht. 36 % vermissten Trost und Unterstützung nach der Entlassung.

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Zwischen Selbstzweifeln und beruflichem Neuanfang

Eine Kündigung beeinflusst häufig nicht nur die berufliche Situation, sondern auch das Selbstbild vieler Betroffener.

Mehr als die Hälfte der Entlassenen (51 %) gibt an, sich nach der Kündigung ersetzbar zu fühlen. Für 49 % hat sich das Sicherheitsgefühl im Job dauerhaft verändert. 47 % berichten zudem, sich als Mensch nicht ausreichend wahrgenommen gefühlt zu haben. 35 % sprechen von einem geschwächten Selbstvertrauen.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass eine Entlassung nicht ausschließlich negativ verarbeitet wird. 52 % fühlen sich zu einem beruflichen Neuanfang motiviert, während 46 % angeben, gestärkt aus der Erfahrung hervorgegangen zu sein.

Die Befragung zeigt die subjektive Sicht entlassener Beschäftigter. Sie bewertet nicht, ob einzelne Kündigungen arbeitsrechtlich oder wirtschaftlich gerechtfertigt waren.

„Eine Entlassung ist kein reiner Verwaltungsakt. Betroffene erinnern sich genau daran, wer im Raum saß und was gesagt wurde. Wie eine Führungskraft die Trennung vorbereitet und ausspricht, prägt maßgeblich, wie der Einschnitt emotional verarbeitet wird. Kündigungskultur ist deshalb immer auch Führungskultur“, sagt Ivana Baumann, Director HR & Recruiting bei HR WORKS.

Der Kündigungsreport 2026 von HR WORKS untersucht, wie Beschäftigte in Deutschland Entlassungen erleben und bewerten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Unternehmen den Trennungsprozess gestalten und welche Folgen dies für Betroffene hat.

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Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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