Kündigungsreport 2026: Viele Entlassungen kommen ohne Vorwarnung
Kündigungsreport 2026: Kündigungen in Deutschland nehmen stark zu. Viele Entlassungen erfolgen überraschend, kurz und oft ohne Abfindung.
Kündigungen gehören für viele Beschäftigte zum Arbeitsalltag – oft überraschend, häufig ohne klare Vorzeichen und mit spürbaren Folgen für Karriere und Lebensqualität.
Foto: Smarterpix/depositedhar
Berufliche Trennungen gehören für viele Beschäftigte inzwischen zum Arbeitsalltag. Das zeigt der Kündigungsreport 2026 des HR-Software-Unternehmens HR WORKS. Für die Studie wurden mehr als 6000 Beschäftigte in Deutschland befragt. Die Ergebnisse geben Einblicke in Kündigungsgründe, den Ablauf von Entlassungen und die Folgen für die Betroffenen. Besonders auffällig: Viele Beschäftigte erleben ihre Kündigung überraschend, erhalten kaum Gelegenheit zur Stellungnahme und verlassen das Unternehmen ohne Abfindung.
Inhaltsverzeichnis
- Entlassungen nehmen deutlich zu
- Die Verteilung im Überblick:
- Betriebsbedingte Gründe dominieren Entlassungen
- KI wird zunehmend zum Kündigungsfaktor
- Beratung, Immobilien und Energie mit hohen Trennungsquoten
- KMU stärker von Trennungen betroffen als Großunternehmen
- Kommunikation scheitert oft schon vor der Kündigung
- Nach der Kündigung: Zwischen Erleichterung und Wut
- Abfindungen: selten Standard, oft ohne Verhandlung
30 % der Beschäftigten haben in den vergangenen fünf Jahren mindestens eine berufliche Trennung erlebt. 16 % kündigten selbst. Bei 14 % ging die Initiative vom Arbeitgeber aus.
Entlassungen nehmen deutlich zu
Die Entwicklung ist klar: Entlassungen häufen sich – und das Tempo zieht an.
Besonders auffällig ist der starke Anstieg seit 2021. Fast die Hälfte aller erfassten Entlassungen (46 %) entfällt allein auf die Jahre 2024 und 2025.
Die Verteilung im Überblick:
- 2025: 24 % der Entlassungen
- 2024: 22 %
- 2023: 15 %
- 2022: 10 %
- 2021: 19 %
Damit konzentriert sich ein Großteil der Kündigungen auf die jüngste Vergangenheit. Die Zahlen zeigen: Der Druck auf dem Arbeitsmarkt wächst – und Entlassungen werden häufiger.
Betriebsbedingte Gründe dominieren Entlassungen
Bei arbeitgeberseitigen Kündigungen zeigen sich klare Muster: Vor allem betriebsbedingte Gründe stehen im Vordergrund.
38 % der Betroffenen geben an, dass ihre Entlassung mit betrieblichen Ursachen begründet wurde. Im Jahr 2025 lag dieser Anteil sogar bei 43 %.
Personenbezogene Gründe spielen eine deutlich geringere Rolle:
- 12 %: Leistung der Mitarbeitenden
- 12 %: zwischenmenschliches Verhalten
Auffällig ist zudem: Jeder siebte Entlassene (ca. 14 %) berichtet, keine Begründung für die Kündigung erhalten zu haben.
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KI wird zunehmend zum Kündigungsfaktor
Auffällig ist die wachsende Bedeutung von künstlicher Intelligenz als Grund für Trennungen. Während der Anteil 2021 noch bei gut 1 % lag, ist er bis 2025 auf rund 8 % gestiegen.
Im Durchschnitt geben 6 % der Entlassenen an, dass ihre Stelle durch Entwicklungen im Bereich der KI überflüssig geworden ist.
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Beratung, Immobilien und Energie mit hohen Trennungsquoten
Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen den Branchen: In einigen Bereichen ist die Trennungsrate besonders hoch.
Am stärksten betroffen ist die Beratungs- und Consultingbranche. Dort berichten 34 % der Beschäftigten von einer arbeitgeberseitig initiierten Trennung in den vergangenen fünf Jahren. Gleichzeitig ist auch die Selbstkündigungsquote mit 27 % die höchste im Branchenvergleich.
Ebenfalls hohe Werte zeigen sich in weiteren Bereichen:
Die Energiebranche und die Immobilienwirtschaft liegen jeweils bei 30 %. In der IT sind es 27 %, im Handwerk sowie im Maschinenbau jeweils 25 %.
Auch bei den Selbstkündigungen bleiben bestimmte Branchen auffällig:
Nach Beratung und Consulting folgen die Immobilienbranche mit 24 %, Gesundheit und Pflege mit 20 %, die IT mit 19 % sowie der Handel mit 18 %.
KMU stärker von Trennungen betroffen als Großunternehmen
Auch die Unternehmensgröße spielt eine zentrale Rolle bei Kündigungen und Entlassungen.
In großen Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden berichten 11 % der Beschäftigten von einer arbeitgeberseitigen Trennung in den vergangenen fünf Jahren.
Deutlich höher fallen die Werte in kleinen und mittleren Unternehmen aus. In Betrieben mit 101 bis 300 Mitarbeitenden liegt die Quote bereits bei 21 %. In Unternehmen mit 51 bis 100 Beschäftigten steigt sie sogar auf 25 %.
Kommunikation scheitert oft schon vor der Kündigung
Viele Betroffene erleben die Entlassung völlig überraschend: Mehr als jeder Vierte berichtet, dass es keinerlei Warnsignale gab – weder Feedbackgespräche, noch Abmahnungen oder Hinweise.
Auch im Kündigungsgespräch selbst zeigt sich ein klares Muster: Der Prozess ist häufig stark formalisiert und kurz gehalten.
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Zentrale Ergebnisse:
- 53 % der Kündigungsgespräche verlaufen rein formal
- 34 % können ihre Sicht darstellen
- 40 % dauern weniger als fünf Minuten
- Weniger als die Hälfte fühlt sich respektvoll behandelt
Dabei macht es kaum einen Unterschied, wer das Gespräch führt – ob Führungskraft, Geschäftsführung oder HR. Nur rund jeder Zweite erlebt den Umgang als respektvoll.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht einzelne Personen das Hauptproblem sind, sondern der Ablauf des Trennungsprozesses selbst.
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Nach der Kündigung: Zwischen Erleichterung und Wut
Die emotionalen Reaktionen nach einer Entlassung sind überraschend gespalten – und teils deutlich intensiver, als viele erwarten würden.
Am häufigsten berichten Betroffene sogar von Erleichterung. 32 % geben an, nach dem Kündigungsgespräch erleichtert gewesen zu sein. Das deutet darauf hin, dass viele ihre berufliche Situation bereits zuvor als belastend empfunden haben. Fast die Hälfte sagt rückblickend sogar: Die Lebensqualität hat sich durch die Entlassung verbessert.
Gleichzeitig zeigt sich eine zweite, gegenteilige starke Emotion: Wut. Fast jeder Dritte reagiert wütend auf den Arbeitgeber oder die direkte Führungskraft. Häufigster Auslöser ist aus Sicht der Befragten fehlende Unterstützung im Arbeitsalltag. Ebenso oft entsteht der Eindruck, dass die Führungskraft die Entlassung gezielt vorbereitet oder darauf hingearbeitet hat.
Besonders deutlich wird der Einfluss der Kommunikation: Wird die Kündigung nur schriftlich übermittelt, bleiben die emotionalen Nachwirkungen deutlich stärker. Betroffene berichten mehr als doppelt so häufig von Wut, Kränkung oder Selbstzweifeln als Personen, die das Gespräch persönlich geführt haben (27 % vs. 11 %).
Abfindungen: selten Standard, oft ohne Verhandlung
Abfindungen sind in Deutschland keineswegs selbstverständlich. 47 % der Entlassenen erhalten keinen finanziellen Ausgleich – in Kleinbetrieben liegt dieser Anteil sogar bei 60 %.
Wenn eine Abfindung angeboten wird, bleibt kaum Zeit für Entscheidungen. Kündigungsgespräche dauern meist höchstens zehn Minuten. Dennoch unterschreiben bereits 26 % direkt im Gespräch eine erste Vereinbarung. Weitere 36 % stimmen zunächst mündlich zu und unterzeichnen kurz darauf. Insgesamt akzeptieren fast zwei Drittel das Erstangebot ohne Verhandlung.
Ob diese Schnelligkeit sinnvoll ist, bleibt fraglich. Jeder vierte Betroffene mit Abfindung bewertet die Summe im Rückblick als zu niedrig. Trotzdem landen nur wenige Fälle vor Gericht: Lediglich 8 % der Trennungen enden in einem gerichtlichen Vergleich.
Die Mehrheit nimmt die Bedingungen also hin – auch dann, wenn sie im Nachhinein als unfair empfunden werden.
Über die Studie
Der Kündigungsreport 2026 von HR WORKS untersucht, wie Entlassungen in Deutschland aus Sicht der Beschäftigten ablaufen. Im Mittelpunkt stehen Kommunikation im Trennungsprozess und die Auswirkungen auf Betroffene.
Für die Studie wurden im April 2026 insgesamt 6.093 Beschäftigte in Deutschland im Rahmen einer standardisierten Online-Umfrage durch das Marktforschungsinstitut Bilendi befragt. 825 Personen gaben an, in den vergangenen fünf Jahren entlassen worden zu sein.
Die Befragten waren zwischen 18 und 69 Jahren alt, das Durchschnittsalter der Betroffenen lag bei 45 Jahren. Abgedeckt wurden Unternehmen aller Größen – von kleinen Betrieben bis hin zu Großunternehmen.
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