Karrierestrategie

Fünf Sätze, die nicht in ein Exit-Interview gehören

Die bessere Bezahlung beim Wettbewerber, die flexiblere Gleitzeitregelung, die schnellere Verkehrsanbindung – es gibt viele externe Gründe, den Arbeitsplatz zu wechseln. Wenn der Grund allerdings in der absoluten Unzufriedenheit mit der jetzigen Stelle liegt, sollten Sie bei einem Exit-Interview vorsichtig sein. 

Bestimmte Sätze sollten in einem Exit-Gespräch auf keinen Fall gesagt werden. Gut Überlegen!

Bestimmte Sätze sollten in einem Exit-Gespräch auf keinen Fall gesagt werden. Gut Überlegen!

Foto: panthermedia.net/WavebreakmediaMicro

Ein Abschlussgespräch ist keine Einladung zum verbalen Schlagabtausch. Doch es gibt mindestens zehn gute Gründe für ein Exit-Gespräch, wenn es ordentlich geführt wird. Denn auch der letzte Eindruck hinterlässt Spuren. Solche, die man später nicht mehr verwischen kann. Folgende Sätze sind daher absolut tabu, wenn der Arbeitgeber zum Exit-Interview bittet. Und zwar aus eigenem Interesse.

„Mein Wissen gehört mir“

Häufig nutzen Arbeitgeber Exit-Interviews, um gemeinsam mit dem Mitarbeiter für die verbleibende Zeit zwischen dem Eingang der Kündigung und dem Austritt aus dem Unternehmen einen Wissensaustausch zu organisieren. Sie sehen aber nicht ein, wieso Sie Ihren Nachfolger einarbeiten sollten? Alles, was Sie können, haben Sie sich schließlich auch selbst beigebracht? Diese Verweigerungshaltung muss nicht sein. Denn keiner kann Ihnen Ihr Wissen nehmen. Wer seinen Arbeitsplatz an einen Nachfolger übergibt, kann nur Grundsätzliches vermitteln, beispielsweise die Macken einer bestimmten Maschine aufzeigen oder fixe Arbeitsabläufe skizzieren. Technisches und innerbetriebliches Wissen dagegen, die Schätze langjähriger Arbeitserfahrung, lassen sich nicht durch zweiwöchige Einarbeitung weitergeben. Insofern ist die Bitte, jemanden einzuarbeiten, kein Absaugen persönlicher Informationen.

Dazu sollte man sich überlegen, wem all das Wissen, das sich an einem Arbeitsplatz ansammelt, „gehört“. Der Stelleninhaber empfängt es üblicherweise als Vertreter des Unternehmens und nicht als Person. Eine Einarbeitung des Nachfolgers abzuschlagen, ist daher nicht nur aus menschlicher, sondern auch aus sachlicher Perspektive unangebracht.

„Schauen Sie nur, wie Sie ohne mich zurechtkommen“

Bescheidenheit ist eine Tugend, die dem ein oder anderen schwer fällt. Insbesondere, wenn man die Abteilung mit aufgebaut, das erfolgreiche Projekt ursprünglich initiiert und dafür all die Jahre nicht einmal ein müdes Dankeschön vom Arbeitgeber erhalten hat. Dennoch sagt die Aussage „Schauen Sie nur, wie Sie ohne mich zurechtkommen“ mehr über Sie selbst aus als über Ihren Arbeitgeber. Der Satz sprüht vor Selbstbeweihräucherung und ein Gesetz der freien Marktwirtschaft bleibt, dass grundsätzlich jeder Arbeitnehmer zu ersetzen ist. Manchmal ist das einfacher und manchmal komplizierter – zugegeben. Aber spätestens nach einem solchen Satz wird sich das Unternehmen bemühen, die Kommunikation zu Ihnen abreißen zu lassen.

„Das Gehalt hier ist doch lächerlich“

Sie haben es in den Mitarbeitergesprächen mehrfach angemahnt, aber es ist nichts passiert. Ihr Gehalt beim jetzigen Arbeitgeber ist seit Jahren wie erstarrt, keine Sonderzulagen, keine Einmalzahlungen, kein Entgegenkommen. Nun haben Sie gekündigt und der Wettbewerber bietet Ihnen nicht nur mehr Gehalt, sondern auch den lang ersehnten Dienstwagen. Das würden Sie Ihrem Arbeitgeber gerne im Exit-Interview auf die Nase binden. Dann macht der Ton die Musik. Das Unternehmen frontal anzugreifen und damit all Ihre Unzufriedenheit auszudrücken, ist unklug.

Kritik lässt sich auch anders anbringen. Möchten Sie unbedingt zu Ihrem Gehalt Stellung nehmen, verweisen Sie auf die Verbesserung der eigenen finanziellen Lage durch den Wechsel zum Wettbewerber. Damit greifen Sie das Unternehmen nicht direkt an und stellen klar, dass Ihnen ein persönlicher Vorteil aus dem Wechsel entsteht. Schließlich geht es bei jeder selbst eingereichten Kündigung in erster Linie um Sie. Den Rückschluss auf die eigene Gehaltsstruktur wird der jetzige Arbeitgeber im Zweifel selbst bewerkstelligen können.

„Klaus Knebel hat vom Führen von Mitarbeitern keine Ahnung“

Persönliche Abrechnungen sind ebenso unangebracht wie Angriffe auf das Unternehmen. Vor einem Exit-Interview sollte man sich klar machen, wozu dieses Gespräch dienen soll und ob man in naher Zukunft wieder in Kontakt zu dem Unternehmen kommen könnte. Ein Abschied, bei dem man sich noch in die Augen sehen kann, sollte in jedem Fall angestrebt werden. Daher sind Sätze wie „Klaus Knebel hat vom Führen von Mitarbeitern keine Ahnung“ oder „Mit der Kollegin Klara Kleingeist lässt sich einfach nicht zusammenarbeiten“ absolut tabu.

Die Aussage zeigt: Da kam jemand mit seinem Vorgesetzten, beziehungsweise seiner Kollegin nicht klar und tritt jetzt noch einmal richtig nach. Der Grund dafür könnte jedoch ebenso bei Ihnen liegen. Vielleicht hatten Sie den leitenden Posten selbst einmal angestrebt, vielleicht fällt es Ihnen schwer, sich unterzuordnen? Jedenfalls sind Sie es, der geht, und die anderen bleiben. Die Sympathien dürften daher nicht in vollem Umfang bei Ihnen liegen.

Wer dennoch Kritik am Führungsstil des ehemaligen Vorgesetzten äußern möchte, aus einem persönlichen Wunsch heraus oder um den verbleibenden Kollegen einen Gefallen zu tun, sollte seine Worte gut abwägen. Ein konkretes Beispiel, an dem man die schwierige Zusammenarbeit zwischen Belegschaft und Chef deutlich machen kann, sagt hier mehr als ein Frontalangriff. Ebenso professionell sollte man im Exit-Interview mit Aussagen über Kollegen umgehen – selbst wenn die allgemein als Low Performer bekannt sind.

„Der Laden geht doch eh vor die Hunde“

Eine Kündigung kann von Resignation zeugen. Die hat im Exit-Interview aber nichts verloren. Denn Sie haben keinerlei Vorteile, wenn Sie ihren Arbeitgeber nun niedermachen. Ganz im Gegenteil: Kein Vorgesetzter (und die erfahren unter Garantie von solchen Verbalattacken) wird Ihnen jemals wieder eine positive Referenz für einen neuen Arbeitgeber ausstellen. Denn es ist die Kompetenz der verbleibenden Kollegen und der Führungsriege, die Sie mit dieser Aussage nicht nur anzweifeln, sondern für nichtig erklären. Mit Sicherheit wird Ihnen so auch keine Rückkehr-Option mehr angeboten. Selbst dann nicht, wenn Sie in fünf Jahren erkennen, dass die Bezahlung doch nicht so schlecht, die Organisation ganz ordentlich und die Kollegen eigentlich liebenswert waren.

 

Zehn Gründe für ein Exit-Interview

 

Von Lisa Schneider

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