Fachkräftemangel 06.04.2023, 09:15 Uhr

Windenergie: Bremst Fachkräftemangel die Energiewende aus?

Die Windenergiebranche steht vor großen Herausforderungen, um die ehrgeizigen Ausbaupläne der Bundesregierung zu realisieren. Dazu gehört auch der Kampf um begrenzte Ressourcen und Fachkräfte.

Fachkräfte für Windanlagen

Allein in der Solar- und Windenergiebranche fehlen etwa 216.000 Fachkräfte.

Foto: PantherMedia / juanbuades

In Zeiten der Energiekrise hat der Ausbau der Erneuerbaren Energien eine enorme Bedeutung. Aber gibt es genug Fachkräfte dafür? Allein um die Ziele des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Wind- und Solarenergie bis zum Jahr 2030 zu erreichen und den schnelleren Ausbau von Wind- und Solarenergie zu forcieren, muss auch die Zahl der einzusetzenden Fachkräfte in diesen Bereichen steigen.

Eigentlich galt die Windenergiebranche als potenzieller Jobmotor, doch dann geriet der Ausbau der Windenergieanlagen ins Stocken. Nun hat die Bundesregierung ehrgeizige Ausbaupläne geschmiedet – doch damit es klappt, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein.

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Signifikanter Personalzuwachs erwartet

Jetzt sucht die Branche nach Arbeitskräften für den Ausbau erneuerbarer Energien. Denn: Wie der Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie, Wolfram Axthelm gegenüber der dpa erklärte, gehe die erwartete Verdoppelung der installierten Windkraftleistung bis 2030 nicht ohne Aufstocken des Personals. „Es wird einen signifikanten Personalzuwachs geben“, fügte er hinzu. „Wir reden über mehrere Zehntausende“.

Und diese mehrere Zehntausende müssen erstmal gefunden und für das Unternehmen gewonnen werden. Die Suche nach Talenten wird zu einem immer größeren Kampf, da Unternehmen sich um begrenzte Ressourcen bemühen. Zum einen setzen immer mehr Unternehmen auf Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung und -entwicklung, um ihre Fachkräfte zu halten und zu fördern. Zum anderen suchen sie gleichzeitig verstärkt nach neuen Talenten, indem sie ihre Arbeitgebermarke stärken und in gezielte Rekrutierungsstrategien investieren. Der Wettbewerb um Fachkräfte wird in Zukunft noch weiter zunehmen, da der demografische Wandel und der technologische Fortschritt den Fachkräftemangel verschärfen werden.

Man muss sich anstrengen, um Leute zu finden

„Fast alle in der Branche stellen zur Zeit neue Leute ein und merken dann vor allem, dass man in Wettbewerb mit anderen tritt, dass man sich anstrengen muss, Leute zu finden“, sagte Axthelm. Darüber hinaus kämpfen die Unternehmen der Windindustrie noch mit Auswirkungen des enormen Personalabbaus der vergangenen Jahre.

„Wir haben in den Jahren 2019/2020 ungefähr 50 000 Beschäftigungsverhältnisse über die ganze Breite der Branche verloren“, erklärte Axthelm und verglich die Lage mit der Situation in der Gastronomiebranche. „Das ist jetzt unser schwerer Rucksack, den wir mit uns herumtragen. Da geht es uns so ähnlich wie der Gastronomie. Wer einmal weg ist und einen neuen Job gefunden hat, da kann ich nicht mit dem Finger schnipsen und der kommt wieder zurück.“ Dabei wies er darauf hin, dass jeder der ehemaligen Beschäftigten „bei diesem erzwungenen Abschied aus der Branche wahrscheinlich zehn Leuten erzählt, wie schlecht das alles ist, dass er seinen Job verloren hat, so dass wir jetzt erst wieder Vertrauen aufbauen müssen, was die Politik uns eingebrockt hat“. Mit anderen Worten: es ist keine gute Voraussetzung, um diese Fachkräfte für sich gewinnen zu können.

Bringt die Energiewende ein Beschäftigungsplus?

Deshalb plädiert der Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie dafür, dass die Branche lernen muss, „dass wir uns sichtbarer machen – und man nicht mehr einfach sagen kann, wir werden schon die Leute finden über Mund-zu-Mund-Propaganda aus der eigenen Belegschaft heraus.“ Dabei verwies er auf ein Projekt, in dem die Windbranche seit rund einem Jahr mit dem Energieunternehmen Leag in der Lausitz zusammenarbeitet: „Da geht es darum, dass wir mal definieren, was haben die für Berufsbilder, was brauchen wir künftig für Berufsbilder“, erklärte Axthelm. „Ganz oft hören wir ja, die Energiewende unter dem Strich bringe ein Beschäftigungsplus, aber das nutzt niemandem in der Lausitz. Die wollen wissen, wie habe ich persönlich eine Perspektive. Da haben wir gesagt, da müssen wir uns als Branche auch selber stärker in die Verantwortung nehmen lassen, um den Leuten in ihrer Heimatregion eine Perspektive zu geben.“

In der Solar- und Windenergiebranche fehlen 216.000 Fachkräfte

In der KoFa (Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung) Studie wurde u.a. untersucht, welche Fachkräfte dafür benötigt werden und was noch interessanter ist, ob sie auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind. Schließlich muss man die bereits passend qualifizierten Mitarbeitenden für die Wind- und Solarenergie nicht nur akquirieren können, sondern auch weitere Fachkräfte qualifizieren und Nachwuchskräfte gewinnen und sie auch ausbilden.

„Die Studie macht vor allem deutlich, dass in der Energiewende eine große Chance liegt. Die Branchen der Erneuerbaren Energien bieten quer über alle Ausbildungsniveaus hinweg zahlreiche, sichere Arbeitsplätze in zukunftsfesten Bereichen“, kommentierte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands WindEnergie BWE die Ergebnisse der Studie. Wegen der dezentralen Strukturen der Erneuerbaren seien die Arbeitsplätze nicht nur auf die Metropolregionen konzentriert, sondern über das ganze Land verteilt. Allein in der Solar- und Windenergiebranche fehlen etwa 216.000 Fachkräfte.

In der KOFA-Studie 3/2022 wurde unter anderem untersucht, welche Berufsbilder für den Ausbau der Solar- und Windenergie notwendig sind. Wichtig dabei ist auch die Frage, wie es derzeit in diesen Branchen mit den Fachkräften aussieht. Es wurden dabei 190 Berufe identifiziert, die für den Ausbau der Solar- und Windenergie benötigt werden. Für die Hälfte davon wurde bereits jetzt ein Fachkräftemangel festgestellt.

Offene Stellen können nicht besetzt werden

Der Studie zufolge gibt es über alle relevanten Berufe hinweg in vielen Branchen sehr viele offene Stellen, die bereits heute nicht besetzt werden können. Denn: In ganz Deutschland gibt es dafür unter den Arbeitslosen keine passend qualifizierten Kräfte.

Ein Beispiel: Mittlerweile wünschen sich viele Hausbesitzer eine Solaranlage auf das Dach ihrer Häuser installieren zu lassen. Für den Ausbau der Solarenergie in Privathaushalten werden in erster Linie Handwerker eingesetzt. Die Anlagen auf Dachflächen werden vor allem von Dachdeckern oder Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikern installiert, während Elektriker die Anlagen ans Stromnetz anschließen. Geht es dabei um einen größeren Solarpark, kommen zusätzlich Ingenieure und Ingenieurinnen zum Einsatz.

Große Fachkräftelücken über alle Branchen hinweg

Beim Ausbau der Windenergie werden vor allem Ingenieure, Servicetechniker und Fachkräfte aus Bauberufen benötigt. Der Bau einer Windkraftanlage erfordert viele Fachkräfte sowohl mit beruflichen als auch akademischen Abschlüssen aus den Bereichen Metallbau, Hochbau, Tiefbau, Beton- und Stahlbau, Wasserbau und Bauelektrik. Für den Betrieb und die Wartung von Anlagen seien Servicetechniker und Servicetechnikerinnen nötig. Sie verfügen meist über einen technischen oder handwerklichen Berufsabschluss (z. B. Elektro- und Energietechnik, Mechanik, IT). Für die Wartung und den Betrieb kommen auch IT-Experten und Ingenieure (z. B. aus den Fachrichtungen Maschinenbau oder Elektrotechnik) zum Einsatz.

Elektrik-Fachkräfte – Nadelöhr für die Energiewende

Besonders wichtig seien der Studie zufolge in der Wind- und Solarenergie-Branche Elektrik-Fachkräfte. Sie werden sogar als „Flaschenhals“ bezeichnet. Grund dafür sei ihre Qualifikation, die aufgrund der gesetzlichen Regelungen und des Arbeitsschutzes für die Arbeiten mit Starkstrom alternativlos ist. Sie werden auch stark in anderen Bereichen nachgefragt.

Aber auch die Bereiche Informatik, Bauplanung, Maschinenbau und Mechatronik sind dieser Studie zufolge stark nachgefragt. Außerdem wurden in der Studie große Fachkräftelücken in der Bauelektrik, der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie der Informatik festgestellt.

Wie kann man dem Fachkräftemangel entgegenwirken?

Die Studie spricht verschiedene Handlungsempfehlungen an: sowohl für Unternehmen als auch für die Politik. Dabei kann man auf folgende Maßnahmen setzen:

  • In Berufsorientierung investieren
  • Frauen für die Solar- und Windenergieberufe begeistern
  • Attraktive Arbeitsbedingungen gestalten
  • Imagekampagne für die Branche aufsetzen
  • An- und Ungelernte über Teilqualifikationen qualifizieren
  • Ausbildungsmarketing für Solar- und Windenergieberufe ausbauen
  • Matching zwischen Auszubildenden und Ausbildungsstellen verbessern
  • Stabile Rahmenbedingungen für die Branche schaffen
  • Gesellschaftliche Akzeptanz des Ausbaus der erneuerbaren Energien weiter verbessern
  • Betriebe beim Einstieg in die erneuerbaren Energien unterstützen
  • Aus- und Weiterbildung für die Energiewende fördern
  • Interesse für Technik fördern und Berufsorientierung früh beginnen
  • Mehr Fachkräfte in Genehmigungsbehörden einsetzen
  • Internationale Fachkräfte sowie Auszubildende und Studierende gewinnen

Erneuerbare Energien als Jobgarant

„Der Ausbau der Erneuerbaren Energien, insbesondere der beiden Leistungsträger Windenergie und Photovoltaik, wird in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Die Bundesregierung hat hier auf Jahrzehnte hinweg ambitionierte Ziele gesetzt. Das macht die Erneuerbaren in vielerlei Hinsicht zu Zukunftsbranchen: notwendig für den Aufbau eine unabhängigen und nachhaltigen Energieinfrastruktur, aber auch auf Jahre hinweg ein sicherer Jobgarant in allen Bereichen des starken Wertschöpfungsnetzwerkes“, kommentierte Albers. Die Politik muss daran arbeiten, diese Potenziale zu entfesseln. „Der ambitionierte Ausbau der Erneuerbaren Energien liefert Wertschöpfungs- und Beschäftigungschancen“, resümierte Präsident des Bundesverbands WindEnergie BWE.

 

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Redakteurin beim VDI-Verlag. Nach einem Journalistik-Studium an der TU-Dortmund und Volontariat ist sie seit mehreren Jahren als Social Media Managerin, Redakteurin und Buchautorin unterwegs.  Sie schreibt über Karriere und Technik.

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