Beratung 14.08.2015, 00:00 Uhr

Bewerben und arbeiten als Ingenieur in der EU – ein Kompass

Ob Händedruck oder Bewerbungsbild, bei der Bewerbung kann viel schieflaufen. Auf was im europäischen Ausland geachtet wird, zeigt ein kleiner Ratgeber.

Oft nicht einfach, bewerben in der EU.

Oft nicht einfach, bewerben in der EU.

Foto: iStock / Thinkstock

Als Ingenieur in Wien arbeiten? Kein Problem. Die sprachliche Barriere ist größtenteils überwindbar und es gibt gut honorierte Stellen, die auch aus Deutschland heraus auffindbar sind. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit regelt darüber hinaus, dass Europäer in allen EU-Mitgliedstaaten wohnen und arbeiten dürfen. Einige Dinge gibt es dennoch zu beachten, wenn beim Arbeitsplatzwechsel Ländergrenzen übertreten werden. Denn jedes Land hat nach wie vor eine eigene Kultur, nach der Stellen angeboten und Bewerbungen angenommen werden. Ein kleines Handbuch, erstellt vom europäischen Beschäftigungsnetz Eures, hilft bei der ersten Orientierung. Wir stellen es vor.

Was bringt europäische Arbeitserfahrung für Ingenieure?

Als Bürger der EU kann man in der ganzen Union arbeiten. Für den einen mag das spannend klingen, der andere fragt sich, wozu das gut sein soll. Neben neuen Erfahrungen im beruflichen wie im privaten Bereich bringt die europäische Arbeitserfahrung zwei große Vorteile für Ingenieure: Der Pool an Stellenangeboten, aus dem Sie Ihren persönlichen Traumjob fischen können, wächst explosionsartig an. Allein die eigene Sprachkompetenz kann nun noch Grenzen ziehen, die Angebote aber sind da. Darüber hinaus kann einem die gesammelte Erfahrung keiner mehr nehmen. Angesichts der starken wirtschaftlichen Vernetzung innerhalb der EU, bei der die Geschäftsbeziehungen über jede nationale Grenze hinwegsehen, ist die internationale Arbeitserfahrung ein schlagendes Argument – für die spätere Rückkehr auf den deutschen Arbeitsmarkt oder die weitere Durchkreuzung Europas.

Bewerbung und Vorstellungsgespräche in der EU

Sie haben sich schon oft beworben und nichts kann Sie mehr schocken? Täuschen Sie sich nicht. In Belgien beispielsweise, wo eine große Nachfrage nach IT-Kräften besteht, sitzt der Bewerber im ersten Gespräch meist einem Psychologen gegenüber. In der Tschechischen Republik, in der die Unternehmen Ingenieure, Techniker und Maschinenbediener suchen, ist Probearbeiten gesetzeswidrig. In Norwegen, wo IT-Arbeitskräfte und Ingenieure, insbesondere in den Bereichen Mineralöl und Geowissenschaften, gefragt sind, wird am Ende des Lebenslaufs eine kleine Auflistung mit Referenzgebern erwartet.

Anders als in Deutschland haben sich Referenzen in vielen Ländern der EU bereits durchgesetzt. So auch in Irland, dessen Wirtschaftszweige der Biotechnologie, der pharmazeutischen Industrie, der medizinischen Geräte und der grünen Energie insbesondere für Naturwissenschaftler und Maschinenbauer interessant sein dürfte. Ein möglicher Grund für das große Interesse an Referenzgebern: In Irland gelten sehr strenge Antidiskriminierungsgesetze, sodass sich der potenzielle Arbeitgeber üblicherweise Referenzen zur Persönlichkeit des Bewerbers und zu seinen professionellen Fähigkeiten einholt. Zeugnisse dagegen verlangen die wenigsten Länder der EU als Teil der Bewerbungsunterlagen. Häufig reichen den europäischen Unternehmen das Anschreiben und ein Lebenslauf.

Bedeutung sozialer Medien für den Arbeitsmarkt

Eigenwerbung stinkt? Nicht bei der internationalen Arbeitssuche via sozialen Netzwerken. Wenn der potenzielle neue Arbeitgeber Hunderte Kilometer entfernt sitzt, gibt es für ihn zwei schnelle Wege, die Fähigkeiten des unbekannten Bewerbers einzuschätzen: das Portal der engineerING Card, auf dem Ingenieure ihre Kenntnisse, Zeugnisse und Abschlüsse hinterlegen und bewerten lassen können, und das professionelle Social-Media-Profil des Kandidaten.

Der eigene Auftritt in sozialen Netzwerken sollte also zielführend gestaltet sein. Stellen Sie Ihre Stärken heraus, machen Sie klar, wo Sie schon überall gearbeitet oder wo Sie ausgebildet wurden und achten Sie darauf, dass Ihre Profile einheitlich sind. Mehrere Profile bedeuten auch mehr Aufwand. Im europäischen Kontext sind vor allem Linkedin, Twitter und Google+ beliebt. Bei ersterem können übrigens ohne großen Aufwand Referenzen eingeholt und online präsentiert werden. Wer eine internationale Karriere anstrebt, sollte diese allerdings auf Englisch einholen.

Neben dem eigenen Profil gibt es die Möglichkeit, sich durch Unternehmens- oder Branchennachrichten auf dem Laufenden zu halten oder sich aktiv in Online-Communities zu engagieren. Dabei lernt man nicht nur Kollegen aus anderen Ländern direkt kennen, man kann sich mit ihnen auch direkt über aktuelle Entwicklungen oder Marktneuheiten austauschen. Und vielleicht lernt man bei dieser Gelegenheit einen interessanten Kollegen aus Wien kennen, der gerade Verstärkung für ein neues Projekt sucht.

Fazit

Der Ratgeber gibt einen ersten Einblick in die Lebens- und Arbeitsbedingungen der verschiedenen EU-Staaten, der Schweiz, von Norwegen, Liechtenstein und Island. Er nennt auch die landesspezifischen Ansprechpartner, Arbeitsverwaltungen und Bewerbungsformen. Insofern ist es interessant, sich mal durch die Länder zu klicken oder die Tipps anzusehen, wie man soziale Netzwerke für die internationale Arbeitssuche nutzen kann.

Wer allerdings schon kurz vorm Koffer packen ist, sollte sich entweder direkt an die Eures-Berater wenden oder durch das vielfältige Onlineangebot des Beschäftigungsnetzes klicken.

Die Broschüre „Lust auf Veränderung?“ gibt es als E-Book, als PDF und als Printausgabe hier. Der Bezug ist kostenfrei.

Von Lisa Schneider

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