Transformation 10.06.2022, 15:17 Uhr

Jobs von Morgen: Welche Berufe sind in der Zukunft gefragt?

Extremes Spezialistentum wird in Zukunft bei der Karriere oft eher hinderlich sein. Derweil wächst der Bedarf an KI-Spezialisten und Datenanalysten. Routine-Jobs spielen bald indes kaum noch eine Rolle.

Welche Jobs haben in der Zukunft Potenzial? Foto: Panthermedia.net/dima_sidelnikov

Welche Jobs haben in der Zukunft Potenzial?

Foto: Panthermedia.net/dima_sidelnikov

Die Zeichen stehen auf Umbruch: Klimawandel, Digitalisierung, zwei Jahre Pandemie und der riesige Wunsch nach Neuanfang sind die Treiber eines Wandels, der durchaus mit den Dimensionen der Industriellen Revolution verglichen werden kann. In den nächsten Jahren wird sich sehr viel tun: Neue Jobs werden entstehen, andere für immer wegfallen – und dann ist da ja noch das Metaverse, das den Anspruch hat, das neue Internet zu werden. Womit müssen wir rechnen in der Zukunft? Wie können wir uns vorbereiten?

Martin Klaffke ist Professor für BWL an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Für ihn ist klar: Viele der bestehenden Berufsbilder halten insgesamt mit der Entwicklung nicht mit: „Im Umgang mit den Folgen des Klimawandels werden neue Umweltschutztechnologien gebraucht. Ganz neue Berufsbilder, sogenannte Green Jobs, wird es in den nächsten Jahren vor allen Dingen im Bereich der KI-Forschung geben.“

Welche Jobs sind nicht mehr gefragt?

Über den Wegfall von Berufen zu sprechen sei zwar problematisch, weil die technologische Entwicklung in der Regel eher zu einer Veränderung von Tätigkeitsprofilen führe und nicht zum Aussterben eines ganzen Berufs. Aber: „Wegfallen werden sicherlich Routine-Tätigkeiten, die nicht auf sozio-emotionale Kompetenzen, kreativ-schöpferische Prozesse oder manuelle Fertigkeiten angewiesen sind, wie etwa im Bereich der Buchhaltung oder anderen Administrations- und Sachbearbeitungsberufen. Auch reines Wissen angehäuft zu haben, gehört nicht zu den Future Hot Skills.“ Der Konkurrenzdruck für Unternehmen, gut ausgebildete Talente zu gewinnen, werde in den nächsten Jahren jedenfalls immer größer werden – während sich gut ausgebildete Fachkräfte die besten Jobs aussuchen können.

Extremes Spezialistentum wird in Zukunft aber nicht gefragt sein, glaubt Marian Benner-Wickner. Er ist Professor für Technische Informatik an der IU Internationale Hochschule und Studiengangsleiter für den Fernstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen Industrie 4.0 und sagt: „In der Industrie findet ein konstanter Wandel hin zu neuen Technologien statt. Die Branche ist vom einen hohen Innovationsgrad und immer komplexer werdenden Produkten geprägt. Allerdings gibt es aktuell wenige Fachkräfte, die die großen Herausforderungen vorantreiben können, ohne dabei den wirtschaftlichen Aspekt aus dem Blick zu verlieren.“

Breit angelegtes technisches Verständnis wird wichtiger

Fachkräfte müssten sich inhaltlich damit auseinandersetzen, dass in der Fertigung zunehmend komplexe Maschinen eingesetzt werden: „In der modernen Industrie suchen sich die Werkstücke in der Produktion nun selbstständig den für sie schnellsten Weg zur Maschine, rüsten sich die Maschinen durch Informationen über das Werkstück eigenständig um und können automatisch Ersatzteile bestellen und von Drohnenschwärmen anliefern lassen.“ Für die Planung, Beschaffung und Integration solch komplexer Systeme sei ein breit angelegtes technisches Verständnis erforderlich – daraus wiederum entstehen neue Jobs beziehungsweise neue Profile.

Warum jetzt der perfekte Zeitpunkt für IT-Fachkräfte ist

Roman Dumitrescu, Direktor am Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM, glaubt, dass das nur mit einem systemischen Ansatz gelingen kann. „Deutschland gehört immer noch zu den Innovationstreibern. Aber was ist mit den Herausforderungen der Zukunft? Es ist zweifelhaft, ob unsere Art und Weise zu arbeiten ihnen gerecht wird“, sagt Dumitrescu, der selbst Elektrotechnik studiert und in Maschinenbau promoviert hat und heute als Professor im Bereich Informatik lehrt. „In Deutschland bilden wir sehr disziplinorientiert aus. Es gibt den Maschinenbauingenieur, die IT-Ingenieurin, den Elektroingenieur, das ist schon im Studium sehr strikt getrennt und es ist sehr unüblich, zwischen den Disziplinen zu wechseln“, so Dumitrescu.

Welche Ziele hat interdisziplinäre Zusammenarbeit?

Das Problem: Interdisziplinäres Arbeiten würden viele erst in der Praxis kennenlernen. „Die Stereotypen werden im Studium schon herausgebildet. Man erkennt nach zwei Minuten Gespräch, ob jemand Maschinenbau oder Informatik studiert hat. Beide Gruppen haben unterschiedliche Herangehensweisen an Probleme und nutzen unterschiedliche Begriffe. Das ist hinderlich, wenn beide am selben Projekt arbeiten.“

Das Prinzip System Engineering werde deshalb in Zukunft immer wichtiger. „Es geht darum, Systeme ganzheitlich zu entwickeln. Jeder sollte bei einem Projekt das Gesamtsystem verstehen und sich nicht nur auf sein Spezialgebiet konzentrieren. Bildlich ausgedrückt: Wer eine Wand mauert, sollte wissen, dass sie Teil eines Hauses sein wird, und das Haus in einem Viertel stehen wird, das wiederum Teil einer Stadt ist.“ Zudem werde eine hohe Datenkompetenz für Ingenieurinnen und Ingenieure ein unerlässliche Grundfähigkeit sein. „Wir bekommen viel mehr Daten als früher, weil zum Beispiel Maschinen mit immer mehr Sensoren bestückt sind. Entwicklungsingenieurinnen oder -ingenieure müssen in der Lage sein, diese Daten zu deuten und sinnvolle Schlüsse daraus zu ziehen.“

Welche Jobs werden in der Zukunft gefragt sein?

Das deckt sich mit dem jüngsten Bericht „Future of Jobs“ des Weltwirtschaftsforums. KI- und Data Analytics-Berufen wird darin ein besonders hoher Stellenwert attestiert. „Es wird im Zusammenhang mit der Transformation der Industrie aber auch eine gezielte Qualifizierung von Berufsbildern wie zum Beispiel dem Internet-of-Things-Specialist angeregt“, weiß Marian Benner-Wickner. „Damit solche Fachkräfte auch an der Schnittstelle zwischen Technik und Wirtschaft wirken können, erfordert es ein entsprechend breit angelegtes Studium.“

Metaverse: Jobs mit hohem Gehalt – aber es gibt einen Haken

Derweil wachsen die analoge und die digitale Welt immer mehr zu einer Einheit zusammen. Noch ist das sogenannte Metaverse ein Hype, doch das Internet wird sich schon bald massiv verändern, da sind sich Expertinnen und Experten sicher. „Die großen Tech-Player stellen sich derzeit auf, um den noch diffusen Begriff des Metaverse mithilfe von Standards, Anwendungen und Content mit Leben zu füllen“, Sibylle Kunz, Professorin im Fernstudium der IU Internationale Hochschule im Fachbereich IT und Technik und Studiengangleiterin für Medieninformatik. „Wir werden hier neue Geschäftsmodelle und einen neuen Stellenwert für digitale und digital gehandelte Güter erleben, aber auch die Notwendigkeit, im Rahmen der so genannten Corporate Digital Responsibility (CDR) neue rechtliche, soziale und ethische Spielregeln zu schaffen.“ Dafür brauche es Fachkräfte, die technisch in der Lage sind, solche neuen Inhalte in virtuellen Realitäten für Branchen wie Architektur, Bauingenieurwesen, Maschinenbau oder auch Bildung und Unterhaltung zu entwickeln. „Gefragt sind nicht nur Programmierkenntnisse, sondern auch ein Gespür dafür, auf welche Weise digitale Inhalte den Konsumenten einen Mehrwert liefern“, so Kunz.

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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