Beruf und Familie

Betriebskindergarten: Wie Ingenieure und Arbeitgeber profitieren

Durch einen firmeneigenen Betriebskindergarten unterstützen immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung. Sie wollen so attraktiver werden und ihre Mitarbeiter in Zeiten des Fachkräftemangels binden – langfristig profitieren beide Seiten.

Gebäude mit vielen Bastelarbeiten in den Fenstern und Hof davor, vermutlich ein Kindergarten

Foto: panthermedia.net/Colette Planken-Kooij

 

Wer sich als Ingenieur oder Informatiker nicht um die tägliche Betreuung der Kinder sorgen muss, der ist konzentrierter, arbeitet entspannter und bleibt länger im Unternehmen. Vor allem Frauen profitieren davon, dass immer mehr Firmen einen eigenen Betriebskindergarten betreiben und ihre Mitarbeiter so bei der Kinderbetreuung unterstützen. Mütter und Väter können früher in ihre Jobs zurückkehren, mehr Arbeitsstunden leisten und haben kürzere Wege – denn die Wege zur Arbeit und zur Betriebskita sind in der Regel zumindest für ein Elternteil identisch.

Betriebskindergarten: Nicht nur für Mitarbeiterkinder

Bei einem Betriebskindergarten handelt es sich um eine Form der externen Kinderbetreuung. Sie konzentriert sich auf die Betreuung von Kindern, deren Eltern im jeweiligen Unternehmen beschäftigt sind. Es können jedoch auch Kinder betreut werden, deren Eltern nicht für das Unternehmen tätig sind. Im weiteren Sinne zählen auch universitäre Kindergärten für Studierende zu den Betriebskitas. Ziel jeder betrieblichen Kinderbetreuung ist es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

Und die Betriebskita kann eine Betreuungslücke schließen: Zwar haben Bund und Länder die Kinderbetreuung für Kinder unter Jahren 3 Jahren kontinuierlich ausgebaut: Die Betreuungsquote hat sich im Bundesdurchschnitt seit März 2006 von 13,6 % auf 32,7 % im März 2016 erhöht. Der aktuelle Bedarf der Eltern liegt aber trotzdem noch höher: Rund 44 % der Eltern von Kindern unter 3 Jahren wünschen sich einen Betreuungsplatz für ihre Kinder.

Je nach Alter der betreuten Kinder unterscheidet man

  • Betriebskinderkrippe für Kinder ab wenigen Monaten bis unter 3 Jahren
  • Betriebskindergarten für Kinder ab 3 Jahren bis zur Einschulung, wobei auch hier Angebote für Kinder unter 3 Jahren möglich sind.

Außerdem sprechen die Unternehmen von einem Betriebskindergarten, wenn

  • deren Träger mit der jeweiligen Firma kooperieren und Belegplätze in örtlichen Einrichtungen für die Mitarbeiter dieser Firma vorhalten oder
  • es sich bei der Betriebskita um eine Einrichtung handelt, die durch den Betrieb selbst getragen wird.

 

Betriebskindergarten: Kürzere Wege, mehr Zeitersparnis

Wird der Betriebskindergarten vom Unternehmen selbst betrieben, so liegt ein erster Vorteil für Ingenieure und Informatiker auf der Hand: Der zusätzliche Weg zum Kindergarten entfällt, denn der Weg zur Arbeit und der Weg zur Betriebskita sind identisch. Sie sparen also Wegstrecke und Zeit. Zudem öffnet ein Betriebskindergarten oft früher seine Pforten als etwa städtische Kindergärten, so dass berufliche Termine wie Meetings früher machbar sind.

Der selbstgeführte Betriebskindergarten kann seine Öffnungszeiten den Arbeitszeiten des Unternehmens anpassen. Auch die Ferien- und Schließungszeiten orientieren sich in der Regel an den beruflichen Rahmenbedingungen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Als Ingenieur oder Informatiker gilt es hier jedoch immer, das Wohl der eigenen Kinder im Auge zu behalten. Denn nicht immer ist klar, ob die angebotene Betriebskita nicht vor allem dem Unternehmen nutzt, dass über einen möglichst umfassenden Zeitraum über seine Mitarbeiter verfügen möchte – und weniger den Eltern und ihren Kindern.

Vorteile für Unternehmen mit Betriebs-Kiga

Für die Unternehmen ist die Verfügbarkeit der Mitarbeiter mit Sicherheit einer der Gründe, aber nicht der Hauptgrund für den anhaltenden Boom an Betriebskindergärten. Denn auch in der Betriebskita werden die Kinder normalerweise nicht länger als 9 Stunden pro Tag betreut. Eine längere externe Betreuungszeit ist aus Sicht von Experten schädlich für die Entwicklung der Kinder, sodass sich auch die meisten Betriebskindergärten an diese Empfehlung halten.

Betriebskindergarten: Eine Reaktion auf den Fachkräftemangel?

Vielmehr reagieren die Unternehmen mit der Einrichtung eines Betriebskindergartens auf den demographischen Wandel und den daraus resultierenden Mangel an Fachkräften. Sie müssen für ihre Angestellten und potenziellen neuen Mitarbeiter attraktiver werden und bleiben. Dazu zählt auch, die Work-Life-Balance zu verbessern, deren wesentlicher Aspekt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist. Ein Betriebskindergarten zählt also durchaus zu den „Benefits“ oder „Goodies“, die für eine langfristig stabile Belegschaft sorgen können. Vor allem gilt es, den Verlust von weiblichen Fach- und Führungskräften gering zu halten. Denn viele qualifizierte Frauen gehen dem Unternehmen verloren, da sie nach der Mutterzeit spät, in Teilzeit oder gar nicht mehr zurückkehren.

Doch löst der Betriebskindergarten dieses Problem? Ja, sagen zumindest Arbeitgeber wie Daimler, Bosch oder die Max-Planck-Gesellschaft. Sie alle haben in Betriebskindergärten investiert und sind überzeugt, dass sich die Investition auszahlt. Für Mütter bedeutet das, dass sie nach der Entbindung schneller wieder in den Beruf einsteigen, mehr berufliche Erfahrung sammeln und zügiger in der Jobhierarchie aufsteigen können. Das kann übrigens auch dazu beitragen, die Verdienstlücke zu männlichen Kollegen zu schließen.

Durch einen Betriebskindergarten können zudem beide Elternteile nach der Elternzeit schneller in den Job zurückkehren. Das ist nicht nur für Sie als Eltern lukrativ. Es spart auch dem Unternehmen Kosten. Denn in Folge der kürzeren Abwesenheit sind weniger Fortbildungen notwendig und die Einarbeitung nach dem Wiedereinstieg wird beschleunigt. Zudem verkürzt sich die Suche nach neuem Personal, weil sowohl weniger Mitarbeiter aus familiären Gründen kündigen als auch der Betriebskindergarten den Arbeitgeber für neue Mitarbeiter attraktiver macht.

Höhere Zufriedenheit durch Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Denn ein Betriebskindergarten kann die Zufriedenheit von Fach- und Führungskräften erhöhen, die Kinder haben, indem er die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert. Dieser Faktor steht vor allem bei jungen Frauen an erster Stelle – zusammen mit dem Wunsch nach beruflicher Sicherheit. Er ist größer als das Bedürfnis, Karriere zu machen und steht noch vor dem Wunsch nach guter Bezahlung. Der Betriebskindergarten geht auf genau dieses Bedürfnis ein.

Betriebskindergarten – betreut durch externe Anbieter

Dennoch gibt es Gründe, die gegen einen eigenen Betriebskindergarten sprechen – vor allem aus Sicht des Unternehmens. An erster Stelle stehen hier die Kosten, die bei etwa 30.000 Euro pro Kind und Jahr liegen. Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen wirft das die Frage auf, ob diese Investition möglich ist und ob sie sich mittel- und langfristig rentiert. Oftmals tragen zwar auch die Eltern ihren Teil zur Finanzierung bei, allerdings bleiben die Kosten hoch. Gerade für kleinere Unternehmen bietet sich hier die Möglichkeit, sich mit anderen Firmen zusammenzuschließen oder mit städtischen oder kommunalen Kindergärten zu kooperieren, um Kosten zu sparen.

Und die Unternehmen stehen bei der Einrichtung eines Betriebskindergartens nicht alleine. So können Betriebskitas durch externe Anbieter, zum Beispiel Educcare, organisiert und geführt werden. Der Anbieter betreut etwa die Betriebskitas von BASF und Evonik. Auch diese Anbieter orientieren sich bei der Kinderbetreuung an den Empfehlungen zur maximalen Betreuungszeit. Sie haben jedoch in der Regel länger geöffnet, etwa von 7 bis 18 Uhr. In dieser Zeit können Eltern ihre Kinder flexibel bringen und abholen. Für die Betreuung von Kindern zwischen 6 Monaten bis 3 Jahren müssen die Einrichtungen zusätzliche pädagogische Fachkräfte für die Betreuung abstellen.

Dieses Modell hat sich bewährt: Mittlerweile führen die meisten Unternehmen ihren Betriebskindergarten nicht in Eigenregie, sondern beauftragen externe Anbieter. Neben gewerblichen Anbietern mischen hier auch soziale Träger und Vereine mit, zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz oder der Stuttgarter Verein Kind e.V.

Kommt ein eigener Betriebskindergarten für ein Unternehmen (noch) nicht in Frage, so kann er mit verschiedenen anderen Unternehmen einen Verbundkindergarten gründen. Alternativ oder zusätzlich kann sich der Arbeitgeber Plätze in einem anderen Betriebskindergarten buchen. Egal auf welchem Weg Ihr Arbeitgeber den Betriebskindergarten führt, Sie als Mitarbeiter werden sich wohler fühlen, wenn Sie Gewissheit haben, dass Ihr Kind gut versorgt ist und dass es in der Nähe ist.

Alternative Angebote für Eltern

Elternzimmer und Bedarfsbüros

Doch eine Betriebskita ist nicht das Einzige, was Arbeitgeber tun können, um Eltern zu unterstützen. So genannte „Elternzimmer“ oder „Bedarfsbüros“ können neben dem Betriebskindergarten eine Unterstützung bei der Kinderbetreuung während des Jobs bieten.

Hier können Mütter zum Beispiel ihre Kinder stillen. Auch können Eltern hier getrennt von den Kollegen arbeiten, wenn ihr Kind einmal nicht zu Hause oder in der Kinderbetreuung bleiben kann. Das kann der Fall sein, wenn die Betriebskita einmal geschlossen hat oder die Tagesmutter bzw. Großmutter, die normalerweise das Kind betreuen, krankheitsbedingt ausfallen. Manchmal ist es auch einfach geraten, das eigene Kind mit zur Arbeit zu nehmen, weil es gerade eine schwierige Phase in seiner Entwicklung durchmacht und die enge Bindung zu seinen Eltern sucht.

Home Office und Gleitzeit für mehr Flexibilität

Das zeitweise Arbeiten im Home Office kann zudem eine hilfreiche Unterstützung und Ergänzung zum Betriebskindergarten sein. Gleiches gilt für Gleitzeitregelungen, die den Beginn und das Ende des Arbeitstages flexibler machen. Wir bieten Ihnen einen Überblick über flexible Arbeitszeiten. Alle Maßnahmen zur Unterstützung machen deutlich: Eltern müssen vor allem spontan reagieren können, selbst wenn sie Vollzeit im Beruf eingebunden sind. Denn jeder, der Kinder hat, weiß, dass das Leben mit Kindern unstet, unvorhersehbar und voller Überraschungen ist.

Die Arbeit muss sich danach richten lassen und Unternehmen können hier helfen, indem sie eine Betriebskita betreiben, das Arbeiten von zu Hause erlauben und eine individuelle Zeiteinteilung ermöglichen. Idealerweise können Sie alternativ oder zusätzlich Netzwerke etablieren, die Ihnen als Eltern helfen, Tagesmütter, Babysitter oder Haushaltshilfen zu finden. Auch ein Kinderbetreuungszuschuss hilft Familien weiter und hat für Mitarbeiter wie Unternehmen den Vorteil, dass keine Sozialabgaben anfallen.

Betriebskindergarten: Mögliche Nachteile bei Arbeitgeberwechsel

Im Falle einer Kündigung beim aktuellen Arbeitgeber kann der zugehörige Betriebskindergarten oder allgemein die betriebliche Kinderbetreuung ein Nachteil sein. Denn unter Umständen verliert Ihr Kind durch die Kündigung seinen Betreuungsplatz, vor allem dann, wenn das Unternehmen selbst die Betriebskita betreibt. Selbst wenn Ihr Kind auch nach der Kündigung als „externes Kind“ seinen Betreuungsplatz sicher hätte, kann es für Sie als Eltern organisatorisch schwierig werden. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn der Betriebskindergarten des ehemaligen Arbeitgebers nicht mehr in der Nähe des neuen Arbeitsplatzes liegt.

 

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