Steuerer digitaler Planung

Wie wird man BIM-Manager?

Building Information Modeling (BIM) wird unter Bauherren immer beliebter. Experten für die digitalen 3D-Modelle sind jedoch selten. Einen klassischen Ausbildungsweg gibt es noch nicht, entscheidend ist die Praxiserfahrung. Studentenjobs sind ein guter Einstieg.

BIM verbindet Architekten und Ingenieure mit ihren Bauherren. Es verbindet aber auch die verschiedenen Planungsprozesse der Architektur, der Statik und der Gebäudetechnik. Darum muss es einen geben, der das mächtige Tool managt.

BIM verbindet Architekten und Ingenieure mit ihren Bauherren. Es verbindet aber auch die verschiedenen Planungsprozesse der Architektur, der Statik und der Gebäudetechnik. Darum muss es einen geben, der das mächtige Tool managt.

Foto: panthermedia.net / AllaSerebrina

Die Wirtschaft sucht den BIM-Manager. Er soll Projekte aus den Bereichen Automotive, Bau und Healthcare leiten, Strategien für individuelles BIM entwickeln und schließlich die Qualität der eingesetzten BIM-Methoden analysieren. Wer mit BIM umgehen kann, hat im Baubereich derzeit einen klaren Wettbewerbsvorteil – ob als Bewerber oder als selbstständiger Planungsingenieur. Doch wer eignet sich für derartige Aufgaben und wie wird man eigentlich BIM-Experte?

Beim Building Information Modeling, kurz BIM, dreht sich alles um ein digitales 3D-Modell. Darauf können alle Projektbeteiligten zugreifen und darin sind die Daten für ein Vorhaben hinterlegt. Koordiniert wird das Modell vom BIM-Manager. „Er ist für den gesamten Prozess verantwortlich. Er hält über das gesamte Vorhaben hinweg die Fäden in der Hand und prüft etwa regelmäßig, ob die mit dem Kunden vereinbarten Ziele eingehalten werden“, erklärt Frank Walter, Leiter Geschäftsentwicklung Generalplanung Zentraleuropa bei Arcadis. Er ist selbst BIM-Manager.

„Eine klassische Ausbildung gibt es nicht“

„Der BIM-Manager ist sozusagen der digitale Bauleiter. Er vereint das Wissen auf der konstruktiven Seite und ist die Schnittstelle zu den Projektbeteiligten und dem Bauherrn“, ergänzt Carlos Vicente, Inhaber der Cavicon GmbH. Vicente betreut Bauprojekte in der Planungs- und Ausführungsphase. Er selbst bezeichnet sich als BIM-Spezialisten, d.h. er übernimmt auch weitere Aufgaben aus dem Umfeld. So verknüpft er etwa die Baustellenrealität mit dem CAD-Modell mithilfe von 3D-Scanner, Drohnen, 3D-Drucker und moderner Software.

Bei seiner Tätigkeit kommen ihm seine Ausbildung zum Energieberater, zum technischen Zeichner und zum Gebäudetechniker zugute. Das nötige Wissen zum Thema BIM hat er sich durch die tägliche Praxis und Schulungen über einige Jahre angeeignet. „Eine klassische Ausbildung gibt es nicht“, hält er fest.

Der Koordinator ist Herr in seinem Bereich

In seiner Funktion als BIM-Manager prüft Vicente die verschiedenen Gebäudemodelle auf mögliche Konflikte. Für die drei Bereiche Architektur, Gebäudetechnik und Statik gibt es nämlich eigene Modelle. Meistens werden sie in der Praxis jeweils von einem eigenen digitalen Leiter gemanagt. „Diese drei Modelle müssen natürlich kompatibel sein. So ist z.B. zu prüfen, ob das Architekturmodell mit dem des Statikers harmoniert, oder ob der Wanddurchbruch die Stabilität des Gebäudes gefährdet“, erklärt Christoph Großmann, BIM-Manager beim Architektur- und Ingenieurbüro IPROconsult. Die Leiter dieser einzelnen Gewerke würden häufig als BIM-Koordinatoren bezeichnet. „Oft werden die Bezeichnungen BIM-Manager und BIM-Koordinator auch synonym verwendet. Oder die Berufsbilder gehen ineinander über. Das Thema BIM ist noch so neu, dass diesbezüglich eine große Unsicherheit herrscht“, so Großmann. Lange Zeit war der Ingenieur im Projektgeschäft tätig. Nun ist er in den administrativen Bereich gewechselt. Dem zweiten potenziellen Betätigungsfeld eines BIM-Managers.

Softwareschulung und Schnittstellenoptimierung

Großmann ist für die Einführung von BIM bei seinem Arbeitgeber verantwortlich. Er beschafft die notwendige Software, organisiert Mitarbeiterschulungen und ist Ansprechpartner bei technischen Fragen. Bei Schnittstellenproblemen schreibt er auch mal ein kleines Programm, um das Problem zu lösen. Ursprünglich hat Großmann Vermessungstechnik studiert und an der HTW Dresden den Master of Engineering im Bereich Geoinformatik angehängt. Großmann kam bereits während seines Studiums über Projektarbeiten und Werkstudententätigkeiten mit BIM in Berührung. Auch die Abschlussarbeit verfasste er zu dem Thema. Nach seinem Studium heuerte er direkt bei IPROconsult an. Damals als Koordinator. Das nötige Wissen für seine Position als BIM-Manager hat er sich während und nach seiner Hochschulausbildung durch das Studium von Fachliteratur und durch praktische Arbeit selbst angeeignet.

Ein BIM-Manager muss überzeugen können

„Praxiserfahrung ist das A und O“, meint auch Frank Walter vom Planungs- und Beratungsunternehmen Arcadis. Der Architekt und Diplom-Ingenieur organisiert Mitarbeiterschulungen und rekrutiert Talente innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Darüber hinaus schult er die Beteiligten auf Dienstleisterebene und auf Kundenseite. Dabei muss er immer wieder den Mehrwert von BIM kommunizieren. Denn wie bei anderen Change-Management-Prozessen stößt auch BIM mitunter auf große Widerstände innerhalb einer Organisation.

Bei der Einstellung von Mitarbeitern ist für ihn entscheidend, dass ein Bewerber die Prozesse innerhalb eines BIM-Vorhabens kennt, und dass er sich auch im Bereich Projektmanagement auskennt. Bei Walter bewerben sich immer wieder Ingenieure, die in der Theorie zwar fit sind, teilweise haben sie sogar zu dem Thema promoviert. Aber in der praktischen Umsetzung haben viele Bewerber keinerlei Erfahrung. „Wir brauchen keine Theoretiker, die uns strategische Konzepte zur Einführung präsentieren. Bei uns geht es darum, konkrete Projekte umzusetzen“, lautet sein Fazit. Walter selbst begann als Architekt und hat sich sukzessive in das Thema eingearbeitet.

Auch im Ausland sind BIM-Manager mit Berufserfahrung aus deutschen Landen gern gesehen. „Im Vergleich zum angelsächsischen Raum wird in Deutschland eine detailliertere Planung an ausführende Firmen übergeben. In den angelsächsischen Ländern wird die Detailplanung oft von den ausführenden Generalunternehmern erstellt“, erklärt Walter.

Vom Modeler zum Manager

Bei Arcadis beginnen die Einsteiger meist als Modeler. „Der Modeler setzt das Gebäude nach den Kundenvorgaben als 3D-Modell um“, so Walter. Er betont, dass dabei auch kommunikative Fähigkeiten wichtig sind. „Durch das Modelling in der Cloud sind wir in der Lage, weltweit zu arbeiten. Für den Modeler bedeutet das, dass er mit Kollegen, die an ganz unterschiedlichen Standorten sitzen, kommunizieren muss“. Die nächste Karrierestufe ist bei Arcadis meist der BIM-Koordinator. Die beste BIM-Managerin im Team ist übrigens eine Kollegin jenseits der 50, die eine hohe Affinität zu Themen wie Software, Prozessen und Effizienz hat. Und die sich ständig weiterbildet. Auch das ist wichtig in diesem Beruf. Denn die Programme, Normen, Standards und Trends ändern sich bekanntlich ständig.

 

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