Berufsprofile

Was macht ein technischer Einkäufer?

Ob Automobilindustrie oder Gebäudetechnik, ob IT oder Pharmabranche – sobald ein Unternehmen technische Produkte benötigt, ist das eine Aufgabe des technischen Einkäufers. Seine Aufgaben sind vielfältig und reichen von der Bedarfsermittlung bis hin zur Beschaffung der Waren. Lesen Sie hier mehr über die Tätigkeiten eines technischen Einkäufers.

Zwei Männer Meeting Touchpad

Technische Einkäufer im Berufsprofil.

Foto: panthermedia.net/pressmaster

Allgemeiner Überblick über die Tätigkeiten

Die Gewinnmaximierung eines Unternehmens beginnt mit der Beschaffung von Technik und Materialien. Technische Einkäufer planen und organisieren die Beschaffung technischer Produkte aller Art, etwa von Maschinen und Anlagen, Bau- und Ersatzteilen oder Roh- und Betriebsstoffen. War die Beschaffung früher kein großes Thema für die Industriebetriebe der Ingenieurbranche, hat sich das gewandelt. Es wird nicht mehr einfach gekauft, was benötigt wird – man orientiert sich bei der Beschaffung heutzutage am Markt. Dabei sind in hohem Maß technische, logistische, qualitative und wirtschaftliche Trends zu berücksichtigen.

Im Zuge der Globalisierung hat sich die Komplexität des Themas Einkaufsoptimierung beständig erhöht. Gerade in hochtechnologischen Unternehmen müssen auch die Einkäufer ein entsprechendes Verständnis der zu beschaffenden Produkte haben. Schon kleine Einsparungen bei den Materialkosten können große Auswirkungen auf den Umsatz haben. Eine Beispielrechnung: ein Unternehmen macht 100.000 Euro Umsatz und hat eine Umsatzrendite von 5 Prozent (entsprechend 5.000 Euro). Die Materialkosten liegen bei 40 Prozent, die übrigen Kosten bei 55 Prozent. Würden sich die Materialkosten um nur 2 Prozent auf 38 Prozent reduzieren bei gleichbleibenden übrigen Kosten, entspräche das einer Umsatzsteigerung von 40 Prozent. Das zeigt, warum die Bedeutung des technischen Einkaufs stetig steigt. Steigt der Kostendruck, kann der technische Einkäufer schnell zur Rationalisierungsabteilung werden.

Der technische Einkäufer ist jedoch nicht nur für die Beschaffung der Produkte zuständig. Er muss zuvor den Bedarf seines Unternehmens ermitteln, um dann passgenau die notwendigen Materialien zu besorgen. Seine Aufgabe ist es, den Betrieb mit Waren aller Art, aber auch mit Dienstleistungen zu versorgen. Technische Einkäufer sind gestaltende Einkäufer. Das bedeutet, zu ihren Aufgaben gehören auch die Optimierung des Preis-Leistungs-Verhältnisses, Marktforschung vor der Beschaffung, Angebotsvergleiche und Verhandlungen bei der Vergabe von Dienstleistungen. Das Gegenteil wäre ein verwaltender Einkäufer, der lediglich die reine Bestelltätigkeit ausführt.

Dabei spielt nicht nur der Kostenfaktor eine Rolle, sondern auch der zeitliche Aspekt. Die Arbeit eines technischen Einkäufers ist sehr terminabhängig. Er muss nicht nur die richtigen Waren zu einem idealen Preis beschaffen, sondern auch noch das ganze zur richtigen Zeit in der richtigen Menge – kommt die Ware zu spät, könnten Produktionsabläufe unterbrochen werden. Wird zu früh geliefert, könnten die Lagerkapazitäten nicht ausreichen. Dabei ist der technische Einkäufer stets im Zwiespalt zwischen Kosten und Qualität. Die Kosten sollen so gering wie möglich gehalten werden, die Qualität aber so hoch wie möglich. Dafür sind zwingend nicht nur Kenntnisse im kaufmännischen Bereich nötig, sondern auch solche im ingenieurwissenschaftlichen. Denn nur dann lässt sich auch die Qualität des Materials bestmöglich bewerten.

Zusammengefasst gehören zu den Tätigkeiten des technischen Einkäufers folgende Kernpunkte:

  • Verhandlungen von Preisen, Verträgen, Zahlungsbedingungen und Lieferkonditionen
  • Bedarfsermittlung
  • Analyse des (globalen) Beschaffungsmarktes
  • Einholen von Angeboten
  • Auswahl und Betreuung der Lieferanten und Dienstleister
  • Abwicklung von Bestellungen, Vertragsabschlüsse
  • Koordination der Materialbedürfnisse und der Einkäufe
  • Lagerbestandsermittlung
  • Lagerbestandsüberwachung
  • Bestimmung der Logistikstrategie
  • Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen wie Vertrieb, Produktmanagement, Buchhaltung und Technik
  • Reklamationsabwicklung

Zu den Eigenschaften und Softskills, die technische Einkäufer mitbringen sollten, um in ihrem Beruf erfolgreich zu sein, gehören:

  • Verständnis für das zu erstellende Produkt
  • Verständnis für das benötigte Material (Qualität und Menge)
  • Wirtschaftliches / kaufmännisches Verständnis (Kalkulation)
  • Fremdsprachenkenntnisse (globaler Beschaffungsmarkt)
  • gegebenenfalls Reisebereitschaft (Überprüfung von Waren noch vor der Lieferung vor Ort)
  • juristische Grundkenntnisse für die Aushandlung von Verträgen
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Organisationstalent
  • Eigeninitiative
  • Verhandlungsgeschick
  • Durchsetzungsvermögen
  • Teamfähigkeit
  • Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen
  • EDV-Kenntnisse
  • Kenntnisse im Umgang mit ERP-Systemen

Wie wird man technischer Einkäufer?

Eine direkte, anerkannte Ausbildung zum technischen Einkäufer gibt es (noch) nicht. Zur Tätigkeit des technischen Einkäufers kann man demnach über verschiedene Umwege kommen. Im Bereich technischer Einkauf ist es relativ unbedeutend, an welcher Hochschulform ein Ingenieurabschluss erreicht wurde. Fachhochschulabschlüsse sind nicht weniger begehrt als Universitätsabschlüsse. In kaum einer Stellenanzeige wird ein Unterschied zwischen Absolventen der Fachhochschule, Universität oder technischen Hochschule gemacht. Deshalb dürften auch Absolventen der Berufsakademien bei Bewerbungen gute Chancen haben.

In der Regel wird bei der Besetzung einer entsprechenden Stelle entweder eine kaufmännische Ausbildung in Kombination mit hoher technischer Affinität gefordert oder ein abgeschlossenes technisches oder betriebswirtschaftliches Studium. Aber auch Techniker mit betriebswirtschaftlichem Verständnis gehören im technischen Einkauf durchaus zum gefragten Personenkreis.

Sehr gute Chancen auf Top-Positionen in diesem Beruf haben Wirtschaftsingenieure. Gleiches gilt für Bewerber, die bereits fundierte Erfahrungen im strategischen Einkauf sowie Markt- und Branchenkenntnisse nachweisen können. Technische Einkäufer ohne Studienabschluss mit kaufmännischer Ausbildung haben eher in kleinen und mittelständischen Unternehmen Chancen. Große Konzerne setzen in der Regel ein abgeschlossenes Studium der Ingenieurswissenschaften voraus.

Die Wahl des Studienfaches spielt für den Beruf des technischen Einkäufers keine direkte Rolle – es sollte jedoch ein ingenieurwissenschaftlicher Abschluss sein. Deutlich wichtiger ist die Berufserfahrung in eben diesem Bereich. In Stellenanzeigen werden zwar auch konkret Ingenieure der Fachrichtungen Maschinenbau und Elektrotechnik sowie Wirtschaftsingenieure genannt, meist wird die Studienrichtung jedoch offen gelassen, sodass sich alle Ingenieure angesprochen fühlen dürfen.

Deutlich wichtiger als der Studiengang ist ein hohes Maß an betriebswirtschaftlichem Verständnis, das der Ingenieur oder Informatiker mitbringen muss. Bei den meisten Ausschreibungen für den technischen Einkauf stehen Ingenieure in direkter Konkurrenz zu Betriebswirtschaftlern. Bei diesen wiederum wird umgekehrt ein hohes technisches Verständnis erwartet.

Geht es um die Besetzung von Führungspositionen, erwarten viele Unternehmen noch einmal Zusatzwissen. Betriebswirtschaftliches Wissen wird dann nicht nur gewünscht, sondern ausdrücklich gefordert. Technische Einkäufer handeln Verträge aus und schließen diese auch ab oder sind zumindest daran beteiligt. Gefragt sind daher juristische Kenntnisse im Vertragsrecht. Sinnvoll ist es auch, wenn man als technischer Einkäufer Vorwissen im Projektmanagement nachweisen kann. Im Zuge der Globalisierung muss man, wenn man den Beruf des technischen Einkäufers ausüben will, auch Kenntnisse im Bereich der internationalen Beschaffungsmärkte haben. Hinzu kommen je nach Branche spezifische Kenntnisse bezüglich Technologien, Produkten und Werkstoffen. Gegebenenfalls müssen sich technische Einkäufer bei einem Unternehmenswechsel in eine andere Branche solche Kenntnisse selbst per kostenpflichtiger Weiterbildung aneignen.

Wo arbeiten technische Einkäufer?

Technische Einkäufer können in sämtlichen Branchen der Ingenieurswissenschaften arbeiten:

  • Fahrzeugbau
  • Automobilindustrie / -zulieferer
  • Maschinenbau
  • Energieerzeugung / -versorgung / -handel
  • Elektronik / Mess- und Regeltechnik / Halbleiter
  • Technischer Einkauf für Anlagenbau
  • Elektrotechnik / Automatisierungstechnik
  • Chemische-/pharmazeutische Industrie / Raffinerien
  • Technische Dienstleistung
  • Luft- und Raumfahrttechnik
  • Ingenieurbüros
  • Getriebe- und Antriebstechnik / Lager
  • Konsum- und Gebrauchsgüter
  • Metallverarbeitung
  • Technischer Einkauf für Nutzfahrzeuge
  • Consulting / Beratung
  • Kunststoffindustrie
  • Sonstige
  • Architektur / Bau / Bauindustrie / Gebäudetechnik
  • IT / EDV / Telekommunikation

Im Normalfall arbeiten technische Einkäufer vor Ort in der Konzernzentrale – stets in enger Zusammenarbeit mit Technik, Vertrieb, Lager und Buchhaltung. In einigen Branchen kann es nötig sein, dass der Einkäufer auch verreist. Je nach Vernetzung des Unternehmens kommen auch Auslandsreisen infrage. Insbesondere im Maschinenbau, in der Luft- und Raumfahrttechnik und im Anlagenbau kann es nötig sein, dass der technische Einkäufer große Maschinen und Bauteile vor dem Vertragsabschluss vor Ort begutachtet und überprüft. Gleiches kann aber auch für jedwede anderen Materialien nötig sein. Vor allem, weil eine spätere Reklamation in fast allen Fällen teurer ist, als die vorherige Kontrolle.

Das verdient man als technischer Einkäufer

Die Gehälter für technische Einkäufer haben eine hohe Spanne und liegen zwischen 40.000 Euro für Berufsanfänger und 80.000 Euro für Ingenieure mit mehreren Jahren Berufserfahrung pro Jahr. Einen Unterschied macht es, ob der Ingenieur eine Tätigkeit als technischer Verkäufer in einem Großkonzern hat oder in einem mittelständischen Unternehmen. Denn auch die Größe des Unternehmens spielt beim Gehalt eine Rolle. Je größer die Firma, desto mehr Gehalt kann der Ingenieur oder Informatiker als technischer Einkäufer bekommen. Gleiches gilt für die Art des Abschlusses, den Standort und die Branche des Unternehmens oder den genauen Aufgabenbereich – auch diese Faktoren können Einfluss auf das Gehalt nehmen.

So werden beispielsweise in den Bereichen Chemie und Pharma sowie Elektrotechnik höhere Gehälter gezahlt, als in der Metall-, der Automobil- oder der Konsumgüterindustrie. In der Pharmabranche werden Gehälter von bis zu 72.000 Euro pro Jahr erzielt, in der Elektrobranche 68.000 Euro und in der Automobilbranche sind es 63.000 Euro. Dazwischen liegen der Metallbereich, in dem technische Einkäufer 64.000 Euro pro Jahr verdienen können sowie die Konsumgüterindustrie mit 65.000 Euro. Am besten verdient der technische Einkäufer im Maschinenbau: Das Jahresgehalt liegt dort durchschnittlich bei 76.000 Euro. Neben dem Grundgehalt werden in den meisten Unternehmen die üblichen Zulagen und Sonderzahlungen wie 13. Monatsgehalt (Weihnachtsgeld) und Urlaubsgeld gezahlt.

Technische Einkäufer werden gesucht, aber weit weniger händeringend als beispielsweise Vertriebsingenieure. Dementsprechend haben Ingenieure und Informatiker, die sich als technischer Einkäufer bewerben, nicht allzu viel Verhandlungsspielraum in Sachen Gehalt. Allerdings ist der Beruf des technischen Einkäufers bei Ingenieuren auch nicht allzu gefragt. Die Prozentzahlen derer, die sich dafür interessieren, liegen im einstelligen Bereich. Das mag auch daran liegen, dass sie im Verhältnis zu den klassischen Tätigkeiten in der Branche als technischer Einkäufer weniger verdienen.

Dennoch liegt das Interesse der Ingenieure an Stellen für den technischen Einkauf über der Zahl der angebotenen Posten. Das bedeutet, dass Ingenieure und Informatiker sich im Bewerbungsprozess absolut professionell positionieren müssen. Auch die Zusatzqualifikationen sollten entsprechend ausgespielt werden. Das gilt etwa für Fremdsprachen, selbst geleistete Weiterbildungen oder besondere EDV-Kenntnisse.

In Zeiten konjunkturellen Abschwung haben technische Einkäufer kurioserweise die besten Chancen auf eine gute Stelle. Denn in solchen Zeiten müssen Unternehmen insbesondere bei der Produkt- und Materialbeschaffung sparen.

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Von Julia Klinkusch

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