Bei Schaeffler montieren Humanoide, was andere Roboter bewegt
20. Oktober 2026

In einer neuen Schaeffler-Fabrik in China montieren sechs humanoide Roboter Komponenten für weitere Humanoide. An derselben Linie soll sich zeigen, wie zuverlässig die Maschinen ihre antrainierten Fähigkeiten im Produktionsalltag einsetzen können.
Sechs humanoide Roboter, fünf Montagestationen und Bauteile für weitere Roboter: Schaeffler hat im chinesischen Taicang eine Fabrik eröffnet, in der Humanoide unter anderem Gelenkmodule montieren. Nach Unternehmensangaben beginnt dort die Serienfertigung dieser Komponenten. Die Roboter stellen Teile bereit, sortieren und montieren sie. Zu ihren Aufgaben gehören außerdem das Prüfen, Kennzeichnen und Verpacken.
Auf rund 7500 m² vereint die sogenannte Lighthouse Factory die Montagelinie mit einem Trainings- und Datenerfassungszentrum, einer Plattform für digitale Zwillinge und einem Rechenzentrum. Schaeffler will dort Komponenten produzieren und zugleich den Einsatz humanoider Roboter unter realen Fertigungsbedingungen erproben.
„Mit der Lighthouse Factory in Taicang schaffen wir etwas, das es im globalen Netzwerk von Schaeffler bisher nicht gab: einen geschlossenen Fertigungskreislauf, in dem Humanoide Komponenten für Humanoide montieren“, sagt Jochen Schröder, Vorstand für Produktion, Supply Chain Management und Einkauf, in der Pressemitteilung zur Eröffnung vom 20. Oktober 2026.
Inhaltsverzeichnis
Antriebe für bewegliche Arme und Beine
Schaeffler beschreibt das Konzept mit dem Satz „Humanoide fertigen Humanoide“. Die angekündigte Serienfertigung betrifft allerdings Komponenten für die Maschinen, keine vollständigen Roboter.
Dazu zählen lineare und rotative Aktuatoren. Diese Antriebseinheiten erzeugen geradlinige Bewegungen oder Drehbewegungen. Sie ermöglichen beispielsweise, dass ein Roboter seinen Arm anhebt oder ein Gelenk beugt. Welche technischen Lösungen Schaeffler dafür entwickelt, zeigt der Antriebsbaukasten für humanoide Roboter.
Die neue Fabrik verbindet die Herstellung solcher Komponenten mit ihrer praktischen Erprobung in automatisierten Abläufen. Schröder erklärt dazu in derselben Mitteilung: „Wir verbinden in der Lighthouse Factory jahrzehntelange Fertigungskompetenz mit Physical AI und digitalen Zwillingen.“ Mit „Physical AI“ sind KI-Systeme gemeint, die Informationen aus ihrer Umgebung verarbeiten und daraus physische Handlungen ableiten – etwa das Greifen und Positionieren eines Bauteils.
Änderungen erst virtuell testen
Ein digitaler Zwilling bildet die Abläufe der Montagelinie am Computer ab. Sensoren erfassen unter anderem die Montagegenauigkeit, die Dauer einzelner Arbeitsschritte, den Energieverbrauch und den Zustand der Anlagen.
Auf dieser Grundlage lassen sich Änderungen zunächst virtuell testen, bevor sie in die reale Fertigung übernommen werden. Schaeffler will so Entwicklungszeiten verkürzen und die Abläufe stabilisieren. Daten aus Simulation, Training und Produktion sollen außerdem dabei helfen, die Fähigkeiten der Roboter weiterzuentwickeln.
Vom Training direkt an die Montagelinie
Im angeschlossenen Trainingszentrum üben die Humanoiden Tätigkeiten wie Sichtprüfungen, Materialtransporte und das Nachfüllen von Teilen an Produktionslinien. Die Trainingsumgebungen orientieren sich laut Schaeffler an den Bedingungen in den rund 100 Werken des Unternehmens.
An der Montagelinie lässt sich anschließend überprüfen, ob die trainierten Abläufe auch unter Produktionsbedingungen funktionieren. Kunden und Partner sollen den Standort ebenfalls nutzen können, um ihre Systeme zu trainieren und zu testen.
Aufträge über rund 400 Millionen Euro
Schaeffler verfolgt im Robotikgeschäft zwei Ziele: Das Unternehmen will Komponenten liefern und humanoide Roboter in seinen eigenen Werken einsetzen. Zum Ausbau dieses Geschäfts gehört auch die im März bekannt gegebene Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller Leju Robotics.
Die Aufträge im Geschäft mit humanoider Robotik beziffert Schaeffler auf rund 400 Millionen Euro. Diese Zahl hatte das Unternehmen bereits am 13. Oktober veröffentlicht. Im dritten Quartal kamen zwei Kunden aus der Region Greater China hinzu.
Quellen
- Schaeffler: Pressemitteilung zur Eröffnung der Lighthouse Factory in Taicang, 20. Oktober 2026. Grundlage für Standortdaten, Produktionsabläufe und die wortgetreuen Zitate.
- Schaeffler: Vorläufige Zahlen für die ersten neun Monate 2026, 13. Oktober 2026. Bestätigt die rund 400 Millionen Euro und die zwei zusätzlichen chinesischen Kunden.
- Schaeffler: Partnerschaft mit Leju Robotics, 2. März 2026. Hintergrund zur Zusammenarbeit in China.































