
Von der Formula Student über die Automobilindustrie in die Robotik. So lässt sich die rasante Entwicklung des Münchener Start-ups DeepDrive in einem Satz beschreiben. Am 21. Oktober 2026 gab das bis dahin auf die Automobilindustrie fokussierte Unternehmen den Einstieg in die Robotik bekannt.
Zwei Rotoren erhöhen die Drehmomentdichte im Robotergelenk
Kernprodukt ist in beiden Anwendungsbereichen ein Doppelrotor-Motor, der nach eigenen Angaben für eine höhere Drehmomentdichte sorgt. Die ist wichtig für kompakte Robotergelenke. Das Motorkonzept besteht aus einem patentierten Radialflussmotor mit zwei Rotoren. Der Stator sitzt dabei zwischen einem inneren und einem äußeren Rotor und treibt beide gleichzeitig an.
Die 2021 von Absolventen der Technischen Universität München (TUM) gegründete DeepDrive GmbH hat daraus bisher einen Radnabenmotor, einen Zentralantrieb und einen Generator für Range-Extender entwickelt. Der Radnabenmotor IW 2000 erreicht z. B. laut Datenblatt kurzzeitig bis zu 180 kW Spitzenleistung und ein Drehmoment von 2000 Nm. Inklusive Umrichter wiegt er 34 kg.
Investoren aus der Automobilbranche fördern das Start-up bei der Motorentwicklung
Unterstützt wird das Start-up von zwei großen Namen der Branche. Seit 2021 arbeitet BMW mit DeepDrive zusammen und testet die Antriebe in eigenen Fahrzeugen. Auf dem Prüfstand gelang dort nach BMW-Angaben der Nachweis, dass das Konzept realisierbar ist. Mit Continental entwickelt DeepDrive nach Angaben des Automobilzulieferers seit 2023 einen Radnabenantrieb mit eingebauter Trommelbremse. Die Wagniskapitalfirmen beider Konzerne, BMW i Ventures und Co-pace, haben sich 2024 an der Finanzierungsrunde über 30 Mio. € beteiligt.
Diesen Oktober verkündete das Start-up gleich zwei neue Meilensteine. So gab DeepDrive am 8. Oktober 2026 bekannt, ein weltweit tätiger Fahrzeughersteller habe DeepDrive als Großserienlieferanten nominiert. Die Produktion soll 2028 anlaufen. Den Namen des Kunden, das Modell und die Motorvariante nennt DeepDrive allerdings nicht.
Eine Unternehmenssprecherin sprach gegenüber „auto-motor-und-sport“ von „mehreren Hunderttausend Einheiten über die Laufzeit des Projekts“. Gefertigt werden soll nach dem Prinzip „lokal für lokal“, dafür baut DeepDrive ein Team in Shanghai auf. Die Grundlagenentwicklung soll in München bleiben.
Vier kompakte Antriebe für die Robotik
Nun, knapp zwei Wochen später verkündete DeepDrive, sich auch an Robotikfirmen zu richten. Erste Muster für Roboteraktuatoren gebe es bereits. Konkrete Partner in Europa, den USA und China werden aber nicht genannt. Auf der Website listet DeepDrive vier Aktuatoren und verspricht zwei- bis dreimal so viel Spitzendrehmoment.
Der stärkste Antrieb kommt demnach auf ein maximales Drehmoment von 500 Nm bei einem Gewicht von 2 kg. Der mit 1,2 kg leichteste Antrieb kommt auf maximal 300 Nm. Alle Antriebe besitzen laut Hersteller eine Schnittstelle zum Echtzeit-Ethernet-Feldbussystem. Eine CAN-FD-Schnittstelle ist optional.






























