Brückenabsenkung 18.07.2022, 16:21 Uhr

1500-Tonnen-Koloss präzise geführt

Im Zuge einer Autobahnsanierung musste in Norddeutschland eine Brücke abgesenkt werden. Die ansonsten dafür verwendeten Kunststoff-Gleitplatten eigneten sich dafür allerdings nicht. Schließlich gelang die Brückenabsenkung mithilfe einer Sonderlösung.

Sonderrollen führen das 1.500 Tonnen schwere Brückenteil präzise. Foto: Blickle

Sonderrollen führen das 1.500 Tonnen schwere Brückenteil präzise.

Foto: Blickle

Im Rahmen des Bauvorhabens „Achtstreifige Erweiterung der A7“ im Raum Hamburg stand Strabag vor der Herausforderung, ein 53 Meter langes und 1500 Tonnen schweres Brückenstück über mehrere Tage hinweg Stück für Stück abzusenken. Der Betonkoloss muss dabei exakt in Position gehalten werden und darf weder in Quer- noch in Längsrichtung Spielraum haben.

Bisher verwendete das Unternehmen dafür Gleitplatten aus dem Hochleistungskunststoff Polytetrafluorethylen (PTFE), der besser unter seinem Markennamen Teflon bekannt ist. Die PTFE-Platten bereiteten aber Probleme: Zum einen drang immer wieder Luft zwischen Stahlträger und Platte ein, weswegen die Gefahr bestand, dass die Brücke ins Pendeln gerät. Zum anderen musste der Vorgang unterbrochen werden, weil sich die Platten verklemmten, wenn die Absenkung nicht an allen Seiten präzise genug erfolgte.

Klare Anforderungen

Eine Alternative, so die Überlegung der Bauexperten, könnten Rollen sein, die die Brücke prozesssicher an Stahlträgern entlang nach unten führen. Deswegen wandte sich Strabag an die Werkvertretung Wache, die Blickle seit 35 Jahren in der Region Hamburg und Schleswig-Holstein repräsentiert. Die Vorgaben waren klar definiert: Es galt, eine geringe Bauhöhe und Laufflächenbreite von unter 200 Millimetern einzuhalten. Die Tragfähigkeit pro Rolle sollte mindestens sechs Tonnen betragen. Um Toleranzen auszugleichen, war ein Federweg zwischen zehn und 20 Millimetern gefordert.

Sonderrollen und Federn aus Kunststoffen

Die Entwicklungsabteilung von Blickle präsentierte schließlich eine Sonderlösung, die alle Strabag-Anforderungen erfüllt. Die Rolle besteht aus hochwertigem Gusspolyamid und ist mit Härte 80 Shore D bruchsicher. Darüber hinaus besitzt sie einen sehr geringen Rollwiderstand und ist abriebfest.

Zum Ausgleich von Toleranzen hat Blickle vier Polyurethan-Federn (PU) verwendet.

Rollen in Längs- und Querrichtung

Zwischen vier senkrecht stehenden Stahlträgern arbeiten hydraulische Heber, die das Autobahnstück langsam absenken. An der Brücken-Unterseite sind spezielle Konstruktionen befestigt – sogenannte Stahlknaggen. Diese Stützen übertragen einen Teil der Brückenlast auf die senkrecht stehenden Stahlträger.

Blickle hat insgesamt 16 Sonderrollen in diesen Knaggen verbaut, jeweils acht in Längs- und Querrichtung. Die Rollen liegen durch die Lastübertragung präzise an den Stahlträgern an. Die spezielle Anordnung der Rollen hält das Brückenstück exakt in Position.

Prozesse verbessert

Im Vergleich zu den bis dato verwendeten PTFE-Platten konnte Strabag den komplexen Absenkprozess deutlich verbessern. Die Sonderrollen gleiten an den Stahlträgern ohne Widerstand entlang ohne dass sich das Brückenstück verklemmt.

Die spezielle Anordnung der Rollen hält das Brückenstück exakt in Position.

Foto: Blickle

„Die Federeigenschaft der Rollen sorgt beim Absenken für mehr Sicherheit“, beschreibt die Projektplanung bei Strabag den Prozess. . Toleranzen in der Oberflächenstruktur der Träger werden dabei problemlos ausgeglichen, Darüber hinaus lassen sich durch spezielle Verstellmuttern an den PU-Federn Feinjustierungen beim Absenken einfach und schnell vornehmen.

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Von Blickle / Karlhorst Klotz

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