Strategie für die Karriere 16.09.2022, 09:43 Uhr

Fehler im Job: So lernen Sie daraus

Von Fehlern profitieren? Das geht! Wie geht Fehlermachen richtig? Wie entwickelt man eine gute Fehlerkultur? Warum ist Demut dabei wichtig? Wie erfolgreiches Lernen aus Fehlern wirklich gelingen kann, erklärt Christoph Seckler, Professor an der ESCP Business School in Berlin.

Fehler im JOb können jedem passieren. Dann kommt es darauf an, wie man damit am besten umgeht. Foto: Panthermedia.net/AntonLozovoy

Fehler im JOb können jedem passieren. Dann kommt es darauf an, wie man damit am besten umgeht.

Foto: Panthermedia.net/AntonLozovoy

ingenieur.de: Woran mangelt es hierzulande an der Fehlerkultur?

Prof. Seckler: Oft mangelt es bei der Fehlerkultur an den einfachen Dingen: Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen, anstatt die Schuld bei anderen zu suchen. Klare und hohe Ziele zu setzen, anstatt einfach mal durchwurschteln. Und die Sicherheit zu haben, auch mal unangenehme Themen ansprechen zu können, anstatt einfach seinen Mund zu halten. Ohne das Übernehmen von Verantwortung, das Setzen von klaren und hohen Zielen und der Etablierung einer offenen Gesprächskultur wird es schwierig, konstruktiv und effektiv mit Fehlern umzugehen.

Christoph Seckler leitet seit 2019 den Lehrstuhl für Entrepreneurial Strategy an der ESCP Business School in Berlin. Er forscht zu Entrepreneurship und speziell zum Lernen aus Fehlern und zu Fehlermanagementkultur. Vor seiner wissenschaftlichen Laufbahn arbeitete er für die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Foto: Christoph Seckler

Christoph Seckler leitet seit 2019 den Lehrstuhl für Entrepreneurial Strategy an der ESCP Business School in Berlin. Er forscht zu Entrepreneurship und speziell zum Lernen aus Fehlern und zu Fehlermanagementkultur. Vor seiner wissenschaftlichen Laufbahn arbeitete er für die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Foto: Christoph Seckler

Was halten Sie von der gerade in technischen Berufen häufig geforderten Null-Fehler-Toleranz?

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Das kommt darauf an, wofür dieser Maßstab gelten soll. Null-Fehler-Toleranz beim einzelnen Mitarbeiter ist schlicht nicht möglich. Wir alle machen Fehler, ob wir es wollen oder nicht. Im Schnitt sind es drei bis sechs Fehler pro Stunde. Sprechen wir von einer Null-Fehler-Toleranz am Ende eines Produktionsprozesses, ist das ein hohes und ambitioniertes Ziel für ein Team oder ein Unternehmen. Es ist möglich, ein quasi perfektes Produkt zu liefern; hierzu müssen allerdings die zwangsläufig im Prozess auftretenden Fehler schnell und effektiv gemanagt werden – und dafür müssen sie angesprochen werden können.

Fehler im Job müssen angstfrei angesprochen werden

Wie entwickelt man eine gute Fehlerkultur?

Insbesondere Führungskräfte können eine wichtige Rolle spielen. Seien Sie ein Vorbild. Sprechen Sie über eigene Fehler, zeigen Sie, dass Sie aus eigenen Fehlern gelernt haben, und gehen Sie auch Fehlerrisiken ein, um ein höheres Ziel erreichen zu können. Coachen Sie Ihre Mitarbeiter Fehler richtig einzuordnen. Verdeutlichen Sie, dass Fehler nicht nur an der Person liegen, sondern auch am System. Erklären Sie, dass Fehler sowohl negative (etwa Zeitverlust, Qualitätsprobleme) als auch positive Konsequenzen (etwa Lernen, Innovation) haben können. Und vor allem: Machen Sie es möglich, dass Fehler angstfrei in der Organisation angesprochen werden können. Denn die Konsequenzen der Fehler hängen vor allem davon ab, wie sie gemanaged werden. Seien Sie auch ein Förderer. Ermutigen Sie ihre Mitarbeiter auch neue Wege zu gehen und clever zu experimentieren. Wenn Sie die Rolle eines Vorbilds, eines Coaches und eines Förderers spielen, etablieren Sie ein Fehlermanagement-Mindset, was die Grundlage für eine gemeinsame Fehlermanagement-Kultur ist.

Welche Eigenschaften sind entscheidend, um gut mit Fehlern umzugehen?

Unsere Forschung an der ESCP Berlin mit den Kollegen anderer Hochschulen zeigt: Demut ist eine ganz entscheidende Eigenschaft dafür, um gut mit Fehlern umzugehen. Menschen, die demütig sind, hinterfragen sich eher und denken mehr über sich und das eigene Handeln nach. Demütige Menschen sind sich ihrer selbst bewusst (und durchaus auch selbstbewusst), aber sind sich dadurch auch ihrer Unzulänglichkeiten bewusst. Zu wissen, was man nicht weiß – oder eben kann – ist ganz zentral für eine gute Fehlerkultur.

Ihre Praxistipps: Wie geht Fehlermachen richtig?

Fehlermachen geht richtig mit dem Fünf-Sterne-Prinzip. Erstens, antizipieren Sie, dass Fehler passieren. Nutzen Sie beispielsweise Pre-Mortems, also Analysen vor dem metaphorischen Ableben eines Prozesses oder Projekts, um mögliche Fehlerquellen zu antizipieren. Zweitens, korrigieren Sie Fehler umgehend. Oft ist es die Verkettung von Fehlern, die zum Scheitern führt. Drittens, kommunizieren Sie Fehler. Fehler anzusprechen ist ganz wesentlich, um sie gemeinsam zu bewältigen und aus ihnen zu lernen. Viertens, lernen Sie aus Fehlern. Überlegen Sie, ob der Fehler durch einen Fehler im System verursacht wurde, und wenn ja, verändern Sie es. Fünftens, gehen Sie Fehlerrisiken ein. Neue innovative Produktideen sind risikobehaftet und gehen oft schief. Trauen Sie sich trotzdem, diese Risiken einzugehen, wenn Sie etwas Innovatives erschaffen wollen – es gibt auch aus der Wissenschaft Hilfestellungen und Anleitungen, um in unsicheren Situationen Innovationen zu erschaffen.

Welche Probleme und Hürden gibt es, wenn es darum geht, aus Fehlern zu lernen?

Obwohl der gute Umgang mit Fehlern scheinbar auf ganz einfachen Handlungen beruht, gibt es trotzdem große Probleme und Hürden im Umgang mit ihnen. Wir sprechen ungern über unsere eigenen Fehler. Keiner steht gerne blöd da. Auch wird oft nicht gut aus Fehlern gelernt. Anstatt Fehler zu analysieren und entsprechend zu handeln, werden lieber Erfolge analysiert. Auch Fehlerrisken einzugehen ist für viele schwer. Gerade in Deutschland vermeiden wir gerne Unsicherheit und halten deswegen lieber an Altbewährtem fest, anstatt mal etwas Neues und Riskantes auszuprobieren. Das jedoch hemmt uns und die Innovationskraft.

Ein Beitrag von:

  • Chris Löwer

    Chris Löwer arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freier Journalist für überregionale Medien. Seine Themenschwerpunkte sind Wissenschaft, Technik und Karriere.

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