Anzeige

Roboter sprintet 100 m in 8,86 s, beim Ladekabel wird es kompliziert

25. August 2026

100-m-Lauf bei den World Humanoid Robot Games in Peking
100-m-Lauf bei den World Humanoid Robot Games in Peking. Der humanoide Roboter Tiangong Ultra (der weiße Roboter im Hintergrund) hat bei diesem Wettbewerb eine Zeit von 8,86 s erreicht. Foto: picture alliance / Xinhua News Agency | Ju Huanzong
Tiangong Ultra schafft 100 m inzwischen in 8,86 s. Bei den World Humanoid Robot Games zeigt sich aber auch, was deutlich schwieriger ist: E-Autos laden, USB-Stecker verbinden oder Werkzeuge sicher bedienen.
Anzeige
Anzeige


Am 22. August sorgte Tiangong Ultra bei den World Humanoid Robot Games in Peking zunächst mit 9,39 s über 100 m für Aufsehen. Später meldete Entwickler X-Humanoid für denselben Abend bereits einen Lauf in 9,32 s. Drei Tage danach fiel die nächste Marke: Am 25. August absolvierte Tiangong Ultra ein Halbfinale in 8,86 s, wie Reuters berichtet.

Damit benötigt der humanoide Roboter für 100 m inzwischen 0,72 s weniger als Usain Bolt bei seinem Weltrekordlauf 2009. Rechnerisch entspricht die neue Zeit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 40,6 km/h. Bolts Durchschnitt lag bei seinem Lauf in 9,58 s bei rund 37,6 km/h.

Anzeige
Anzeige

Ein Weltrekord im Sinne der Leichtathletik ist die Roboterzeit natürlich nicht. Mensch und Maschine treten unter völlig unterschiedlichen Bedingungen und Regeln an. Wie schnell die Entwicklung vorangeht, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahr trotzdem: Bei den ersten World Humanoid Robot Games 2025 benötigte Tiangong Ultra für die 100 m noch 21,50 s.

Die fünf Tage dauernden Roboterspiele bestehen allerdings längst nicht mehr nur aus Rennen, Fußball oder Kampfsport. Von insgesamt 51 Disziplinen sind 21 sogenannte Szenariowettbewerbe. Dort geht es um Aufgaben aus Industrie, Haushalt, Handel, Büro, Hotel oder Rettung.

Eine davon findet an zwei Ladesäulen und drei Elektroautos statt. Der Auftrag an den Roboter klingt zunächst überschaubar: ein Elektroauto laden. Gerade solche Aufgaben zeigen jedoch, wie viel Wahrnehmung, Feinmotorik und Ablaufplanung ein humanoider Roboter benötigt.

Anzeige
Anzeige

Inhaltsverzeichnis

Erst die Ladeklappe öffnen, dann muss wirklich Strom fließen

Das offizielle Regelwerk beschreibt den Ablauf bis ins Detail. Für den Wettbewerb stehen zwei Ladesäulen mit angeschlossenen Ladekabeln und drei Fahrzeuge bereit. Die Roboter haben für die gesamte Prüfung maximal 30 Minuten Zeit.

Im ersten Abschnitt muss der Roboter zur Ladesäule gehen, den Ladestecker entriegeln und aus seiner Halterung nehmen. Anschließend trägt er ihn zum ersten Fahrzeug und öffnet dessen Ladeklappe.

Anzeige
Anzeige

Dann folgt der eigentliche Anschluss: Der Stecker muss korrekt in die Ladebuchse eingeführt werden. Punkte gibt es erst, wenn das System tatsächlich einen Ladevorgang erkennt.

Damit ist die Aufgabe noch nicht beendet. Der Roboter muss den Ladestecker wieder entriegeln und aus dem ersten Fahrzeug ziehen, die Ladeklappe schließen und anschließend ein zweites Fahrzeug anschließen.

In einem weiteren Abschnitt muss er einen Stecker aus einem dritten Fahrzeug entfernen, dessen Ladeklappe schließen und den Stecker wieder an der Ladesäule ablegen.

Auch das Kabel selbst gehört zur Aufgabe. Es darf am Ende nicht deutlich verdreht sein, über den Boden geschleift werden oder in den Fahrzeugbereich hineinragen.

Fallenlassen kostet Punkte

Fallenlassen kostet Punkte

Die Wertung zeigt, worauf es bei der Aufgabe ankommt.

Allein für das korrekte Einstecken des Ladesteckers in das erste Fahrzeug und das Herstellen des Ladevorgangs gibt es 40 Punkte. Weitere 40 Punkte bringt das Abziehen des Steckers vom ersten Fahrzeug. Auch das korrekte Anschließen des zweiten Fahrzeugs wird mit 40 Punkten bewertet.

Wer mit dem Roboter ein Auto oder eine Ladesäule rammt, verliert jeweils 20 Punkte. Ein fallengelassener Ladestecker kostet fünf Punkte.

Werden Fahrzeug, Ladesäule oder Ladestecker beschädigt, wird das Ergebnis komplett gestrichen.

Die Aufgabe verlangt damit wesentlich mehr als das Ausführen einer vorgegebenen Armbewegung. Der Roboter muss Objekte erkennen, seine Position zum Fahrzeug bestimmen, Stecker und Buchse zueinander ausrichten, Kontaktkräfte kontrollieren und mehrere Arbeitsschritte nacheinander ausführen.

Reuters beschreibt gerade solche praktischen Prüfungen als eine der größeren Herausforderungen der Spiele: Schnelle Bewegungen lassen sich inzwischen beeindruckend demonstrieren. Schwieriger sind Aufgaben, bei denen Wahrnehmung, präzise Manipulation und der Umgang mit Fehlern zusammenspielen.

Autonom fahren bringt doppelt so viel

Eine wichtige Besonderheit unterscheidet diesen Test vom 100-m-Sprint.

Die 100 m müssen 2026 vollständig autonom gelaufen werden. Beim E-Auto-Laden dürfen die Teams dagegen zwischen vollständiger Autonomie und Fernsteuerung wählen.

Das schlägt sich direkt in der Wertung nieder: Ein vollständig autonom absolvierter Durchgang erhält den Gewichtungsfaktor 1,0, ein ferngesteuerter nur 0,5.

Greift ein Team während eines zunächst autonom gestarteten Versuchs manuell ein, wird der komplette Lauf anschließend nach den Regeln für Fernsteuerung bewertet.

Der Wettbewerb prüft damit nicht nur, ob ein Roboter den Ladestecker mechanisch handhaben kann. Er macht auch einen Unterschied zwischen einem System, das den Arbeitsablauf selbstständig bewältigt, und einem Roboter, dessen Bewegungen ein Mensch vorgibt.

Für industrielle Anwendungen ist diese Unterscheidung zentral. Auch das Fraunhofer IPA sieht bei aktuellen humanoiden Robotern noch große Unterschiede zwischen spektakulären Demonstrationen und tatsächlicher Praxistauglichkeit. Das Institut hat deshalb sechs Kriterien entwickelt, mit denen sich humanoide Roboter systematisch bewerten lassen.

Ein USB-Stecker ist noch einmal eine eigene Disziplin

Das Anschließen eines Elektroautos ist nicht mit einem weiteren Wettbewerb zu verwechseln, der ebenfalls bei den Spielen stattfindet: „Cable Connection“.

Hier geht es ausschließlich um die Geschicklichkeit der Hände.

Auf einem Arbeitstisch liegen verschiedene Stecker und Kabel, darunter USB und USB-C. Der Roboter muss sie erkennen, aufnehmen und in den jeweils passenden Anschluss stecken. Innerhalb von fünf Minuten zählt die Zahl der erfolgreich hergestellten Verbindungen.

Das Regelwerk ordnet diesen Test den Wettbewerben für geschickte Roboterhände zu.

Andere Aufgaben sind ähnlich nah an alltäglichen Arbeitsabläufen. Bei einer Disziplin muss ein Roboter mit einer medizinischen Pinzette einzelne Sojabohnen aus einem Behälter nehmen und in einen zweiten legen. Bei anderen Prüfungen kommen Akkuschrauber, Hammer, Flaschenöffner oder Cuttermesser zum Einsatz.

Damit testen die Veranstalter Fähigkeiten, die ein Sprint kaum abbilden kann: kontrolliertes Greifen, genaues Positionieren, Werkzeuggebrauch und das Zusammenspiel von Bildverarbeitung und Bewegung.

Von sechs auf 21 Praxistests in einem Jahr

Die Verschiebung im Programm ist deutlich. Bei der ersten Ausgabe der World Humanoid Robot Games 2025 gab es sechs Szenariowettbewerbe. In diesem Jahr sind es 21. Gleichzeitig stieg die Gesamtzahl der Disziplinen von 26 auf 51.

Neben dem Laden von Elektrofahrzeugen gehören dazu unter anderem Einzelhandel, industrielle Montage, Verpackung, Büroarbeit, Haushaltsaufgaben, Hotelservice, Bibliotheksarbeit und Rettungseinsätze.

Einige Prüfungen finden nicht nur auf klassischen Wettkampfflächen statt. Roboter müssen beispielsweise Aufgaben in Bibliotheken oder Hotelzimmern bewältigen.

Insgesamt sind für die Spiele 1301 einzelne Wettbewerbe beziehungsweise Wettkampfsessions angesetzt. Gemeldet haben sich 666 Teams mit 2056 Robotern. Die Teilnehmer kommen aus 16 Ländern.

China testet Humanoide für konkrete Arbeitsabläufe

Die Aufgaben passen zu Chinas Strategie für humanoide Robotik. Im Mittelpunkt steht zunehmend die Frage, wie sich die Maschinen außerhalb kontrollierter Vorführungen einsetzen lassen.

Dafür sind Szenarien interessant, die sich an heutigen Arbeitsplätzen orientieren. Ein humanoider Roboter soll sich in einer Umgebung bewegen und mit Gegenständen umgehen können, die ursprünglich für Menschen entwickelt wurden.

Genau hier liegt ein mögliches Argument für die menschenähnliche Bauform: Produktionshallen, Treppen, Türen, Werkzeuge oder Fahrzeuge müssten nicht vollständig an eine Maschine angepasst werden. Ob daraus wirtschaftliche Anwendungen entstehen, hängt allerdings nicht nur davon ab, ob ein Roboter einzelne Aufgaben grundsätzlich bewältigen kann. Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit, Energieverbrauch und Kosten spielen ebenfalls eine Rolle.

Auch deutsche Unternehmen testen humanoide Roboter bereits in Produktion und Logistik.

Parallel entsteht ein Markt für die benötigte Hardware. Humanoide benötigen zahlreiche kompakte Gelenkantriebe, in denen Motor, Getriebe, Sensorik und Elektronik auf engem Raum zusammenspielen. Schaeffler entwickelt dafür inzwischen eine eigene Antriebsplattform für humanoide Roboter.

Die Hardware ist nicht das einzige Problem

Bei Chinas Robotikentwicklung fallen derzeit vor allem spektakuläre Bewegungen auf. Roboter laufen, springen, tanzen oder kämpfen. Die 8,86 s von Tiangong Ultra zeigen, wie weit sich die Dynamik zweibeiniger Systeme inzwischen steigern lässt.

Eine hohe Laufgeschwindigkeit bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein System auch komplexe Arbeiten zuverlässig erledigen kann.

Werner Kraus vom Fraunhofer IPA sieht gerade bei der Autonomie noch Nachholbedarf. Nach mehreren Messe- und Firmenbesuchen in China sagte er gegenüber VDI nachrichten, die „Intelligenz der Humanoiden“ hinke der Hardware hinterher. Bei vielen Vorführungen werde Teleoperation eingesetzt. ingenieur.de hat mit Kraus ausführlich darüber gesprochen, was hinter Chinas Robotik-Offensive steckt.

Auch die World Humanoid Robot Games machen diese Trennung sichtbar. Beim 100-m-Lauf ist vollständige Autonomie vorgeschrieben. Beim Laden eines Elektroautos darf dagegen weiterhin ein Mensch fernsteuern – allerdings mit deutlich schlechterer Wertung.

Der Unterschied ist bemerkenswert: Tiangong Ultra benötigt für 100 m inzwischen 8,86 s. Für die vollständige Ladeprüfung stehen den Robotern bis zu 30 Minuten zur Verfügung.

Die 8,86 s stammen zudem erst aus einem Halbfinale. Die World Humanoid Robot Games laufen noch bis zum 26. August 2026. Die Bestmarke kann sich damit noch einmal verschieben.

Quellen



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige