Robotik 04.05.2026, 16:00 Uhr

Humanoide Roboter im Einsatz: Wo können sie Fachkräfte ersetzen?

Am Flughafen Tokio Haneda starten humanoide Roboter bald ihren ersten Einsatz im Flugbetrieb. Zeichnet sich hier ein globaler Trend ab?

Humanoider Roboter in der Automobilfertigung

n der Automobilfertigung gehören Roboter längst zum Alltag – humanoide Modelle werden derzeit für weitere Einsatzfelder erprobt.

Foto: Smarterpix/Prostock-studio

Am Flughafen Tokio Haneda starten Japan Airlines und das Technologieunternehmen GMO AI & Robotics im Mai 2026 ein mehrjähriges Pilotprojekt mit humanoiden Robotern. Sie sollen bei Bodenabfertigungsarbeiten körperlich belastende Aufgaben übernehmen, etwa Gepäckcontainer bewegen.

Ziel ist, zu prüfen, wie humanoide Roboter sich in die bestehende Infrastruktur einfügen, ohne dass Förderanlagen oder Flugzeuge umgebaut werden müssen. Der Test läuft zunächst bis 2028 und soll zeigen, ob sich ein dauerhaftes Einsatzszenario mit messbarer Entlastung der Beschäftigten etablieren lässt.

Fluglinien unter Druck: Sind humanoide Roboter die Lösung?

Fluglinien stehen zunehmend unter Kostendruck. Auf der einen Seite stehen schwankende Passagierzahlen, auf der anderen Seite steigen Betriebskosten, und der zunehmende Fachkräftemangel macht auch vor der Luftfahrtbranche nicht Halt. Schon heute sind bestimmte Aufgaben an Flughäfen ausgelagert: An einigen deutschen Flughäfen übernehmen zum Beispiel externe Dienstleister die Sicherheitskontrollen – unter der Fachaufsicht der Bundespolizei.

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Für die Besatzung eines Flugzeugs sowie zahlreiche Aufgaben eines Flughafenbetriebs sind Fachkräfte erforderlich: von Pilotinnen und Piloten über Mechatronikerinnen und Mechatroniker, die sich um Anlagen oder Komponenten an den Gebäuden sowie an den Flugzeugen kümmern, bis hin zu Fluglotsinnen und -lotsen, die im Kontrollturm eines Flughafens die Start- und Landeerlaubnis erteilen.

Hinzu kommen Tätigkeiten in der Bodenabfertigung, die zwar teilweise schon automatisiert, aber immer noch körperlich anstrengend sind. Dieses Spannungsfeld verstärkt die Suche nach neuen Lösungen, wie humanoide Roboter sie bieten könnten.

Roboter machen sauber und sortieren das Gepäck

Im ersten Schritt visualisieren die Projektpartner alle Arbeitsabläufe rund um das Flugzeug, um genau die Tätigkeiten zu identifizieren, bei denen Roboter sicher eingesetzt werden können. Danach folgen Tests in realitätsnahen Szenarien auf dem Vorfeld, bevor die humanoiden Roboter schrittweise in den regulären Betrieb eingebunden werden.

Geplant ist, dass sie sich um das Gepäck kümmern; es perspektivisch nicht nur sortieren, sondern auch ins Flugzeug laden und darüber hinaus Tätigkeiten wie das Reinigen der Kabine übernehmen. Menschen sollen dabei nicht ersetzt, sondern von schwerer, monotoner Arbeit entbunden werden, sodass sie sich stärker auf sicherheitskritische Entscheidungen und den Kontakt zu Passagieren konzentrieren können.

Die ganze Branche schaut auf Tokio

Wenn der Test in Tokio erfolgreich ist, wollen Japan Airlines und GMO die Lösungen auf weitere Flughäfen innerhalb Japans und möglicherweise auch international ausrollen. Dabei sollen langfristig weitere Dienste rund um das Flugzeug, etwa das Bedienen von Bodenfahrzeugen, von humanoiden Robotern übernommen werden.

Für die Branche könnte dies ein Baustein sein, um trotz steigender Löhne wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Projekt am Flughafen Tokio wird daher weltweit als Modellprojekt beobachtet, das zeigen soll, ob Roboter in komplexen, sicherheitsrelevanten Umgebungen zuverlässig arbeiten können.

Welche Roboter-Typen gibt es?

Humanoide Roboter sind menschenähnlich gebaut: mit Rumpf, Kopf, Armen und Beinen unterscheiden sie sich deutlich von klassischen Industrierobotern mit fest montierten Roboterarmen. Einige Modelle sind klar industriell ausgelegt und tragen schwere Lasten oder bedienen Maschinen, andere sind auf Interaktion spezialisiert und unterstützen als Servicekräfte, Empfangsroboter oder Assistenzsysteme.

Hier die wichtigsten Kategorien, in die Roboter eingeteilt werden:

  • Mobile Roboter, zum Beispiel Drohnen, sind unter anderem dazu da, Güter oder Personen zu transportieren. Sie können sich zu Land, in der Luft, auf See und unter der See bewegen.
  • Serviceroboter dienen dazu, vollautomatisierte Dienstleistungen zu erbringen. Man findet sie vor allem in der Gastronomie, in der Freizeit und im Gesundheitswesen. Sie können sich auf Rädern fortbewegen, setzen auf modulare Greifsysteme oder spezielle Sensoranzüge, über die Menschen sie fernsteuern.
  • Industrieroboter sind schon seit den 1970er-Jahren im Einsatz. Sie sind meist fest installiert, teilweise aber auch auf Plattformen oder Wagen montiert, sodass sich der Einsatzort verändern lässt. Dank künstlicher Intelligenz (KI) werden sie immer vielseitiger, was auch die Zusammenarbeit mit Menschen auf neue Level hebt.
  • Humanoide Roboter ähneln im Bewegungsapparat dem Menschen. Der aufrechte Gang unterscheidet sie von allen anderen Roboterarten. Auch sie sind dank KI immer besser einsetzbar, weil sie zunehmend Bewegungen planen, ihre Umgebung erkennen und auf unvorhergesehene Situationen reagieren können.

Hier sind humanoide Roboter bereits Alltag

Schon heute sind humanoide Roboter in verschiedenen Bereichen im Einsatz, wenn auch meist noch in Pilotprojekten. In der Industrie testen Unternehmen sie in der Logistik, etwa beim Kommissionieren von Waren in Lagern oder beim Materialtransport in Fabriken. Auch in der Qualitätssicherung sind sie zu finden.

In der Gesundheitsbranche nutzen Pflegeeinrichtungen in Japan bereits solche Roboter, die bei der Essensausgabe und der Unterhaltung von Bewohnerinnen und Bewohnern (soziale Roboter) unterstützten. In Deutschland werden ebenfalls soziale Roboter und Serviceroboter in der Pflege getestet, die beispielsweise auf Anfrage ein Getränk bringen. Auch für Wartungsarbeiten auf der ISS waren besondere humanoide Roboter im Einsatz. Erste Prototypen befinden sich in der Testphase, um im Katastrophenschutz bei gefährlichen Einsätzen als erste vor Ort sein zu können.

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es noch für humanoide Roboter?

In Zukunft könnten humanoide Roboter noch viel breiter eingesetzt werden, etwa im Gesundheitswesen und in der Pflege, wo sie Medikamente verteilen oder Patientinnen und Patienten betreuen. In Pflegeeinrichtungen könnten sie schwere Hebearbeiten übernehmen, Bewohnerinnen und Bewohner an Übungen erinnern oder nachts Kontrollgänge machen, während Pflegekräfte mehr Zeit für persönliche Zuwendung gewinnen.

Im Einzelhandel wären sie eine Unterstützung, indem sie Regale auffüllen oder einfache Fragen von Kundinnen und Kunden beantworten. In der Landwirtschaft wären Einsätze beim Ernten empfindlicher Früchte oder beim Überprüfen von Anlagen denkbar. Und das sind nur ein paar der Beispiele.

Womit beschäftigt sich die Forschung?

Trotzdem ist noch kein flächendeckender Einsatz humanoider Roboter in Sicht. Die meisten Projekte befinden sich in der Pilot- und Testphase. Die Forschung zu humanoiden Robotern konzentriert sich derzeit auf drei große Themenfelder: Bewegung, Wahrnehmung und Zusammenarbeit mit Menschen. Forschende arbeiten daran, dass Roboter schneller, stabiler und energieeffizienter laufen, Treppen steigen oder Leitern nutzen können.

Gleichzeitig werden Sensorik und künstliche Intelligenz weiterentwickelt, damit Roboter ihre Umgebung besser dreidimensional erfassen, Hindernisse vermeiden können und Menschen sicher erkennen. Darüber hinaus untersuchen Teams, wie Roboter intuitiv mit Menschen interagieren, Körpersprache interpretieren und im Team arbeiten können, ohne Unfälle zu verursachen.

Welche Ergebnisse erwarten Fachleute in naher Zukunft?

Weltweit gibt es zahlreiche Forschungsprojekte, in denen Unternehmen und Hochschulen gemeinsam Prototypen entwickeln. Ergebnisse zeigen, dass moderne Systeme bereits mehrere Stunden autonom arbeiten können, aber noch anfällig für Störungen sind, etwa bei schlechten Lichtverhältnissen oder unerwarteten Hindernissen.

In naher Zukunft rechnen Fachleute mit mehr Praxistests in realen Umgebungen, ähnlich wie am Flughafen Tokio. Ihr Ziel: Aus den gesammelten Daten bessere Algorithmen zu entwickeln, Sicherheitsstandards zu verfeinern und wirtschaftliche Kennzahlen zu erheben. Parallel wird an neuen Materialien geforscht, etwa an weicheren, nachgiebigen Robotergelenken, die die Verletzungsgefahr im Kontakt mit Menschen senken.

Aktuelle Studie zur Robotik-Branche prognostiziert enormes Wachstum

Die Studie „Humanoid Robots 2026 – The Convergence Moment for a New Market“ von Roland Berger sieht die Robotik-Branche vor einem massiven Wachstumsschub. Demnach könnten Hersteller von humanoiden Robotern bis 2035 Umsätze von 300 Mrd. bis 750 Mrd. US-Dollar erzielen, abhängig vom Tempo des Markthochlaufs.

Langfristig schätzen die Autorinnen und Autoren, dass der Marktwert der Branche bis 2050 auf zwei Billionen bis vier Billionen US-Dollar anwachsen könnte, vergleichbar mit der heutigen Automobilindustrie. Grundlage dieser optimistischen Szenarien sind sinkende Hardwarekosten, leistungsfähigere künstliche Intelligenz und ein globaler Trend zu mehr Automatisierung.

Humanoide Roboter – ein Teil der Lösung

Laut der Studie könnten Regionen mit hohen Lohnkosten und schrumpfender Erwerbsbevölkerung besonders von humanoiden Robotern profitieren. Dazu zählen viele Industrieländer in Europa, Nordamerika und Ostasien, in denen bereits heute Personal fehlt, während gleichzeitig hohe Qualitätsanforderungen und Sicherheitsstandards gelten.

Ein zentrales Ergebnis der Analyse sind die erwarteten Betriebskosten humanoider Roboter. Für fortgeschrittene Systeme werden langfristig etwa zwei US-Dollar pro Stunde kalkuliert, wobei Anschaffung, Wartung, Energie und Software eingerechnet sind. Selbst wenn diese Werte nur in idealen Szenarien erreicht werden, lägen die effektiven Arbeitskosten deutlich unter typischen Löhnen in vielen Hochlohnländern. Damit könnten Roboter vor allem dort wirtschaftlich interessant werden, wo hohe Personalkosten auf repetitive, körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten treffen – etwa in Logistikzentren, der Fertigung oder eben an Flughäfen. Humanoide Roboter könnten ein Baustein sein, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, seien aber keinesfalls die alleinige Lösung.

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

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