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23.04.2015, 11:12 Uhr | 0 |

Alternativen zu G36 rar Von der Leyen will Sturmgewehr der Bundeswehr austauschen

Nach langem Streit scheint eine Entscheidung gefallen: Die Bundeswehr wird das Sturmgewehr G36 abschaffen. Eindeutig belegt sind die Mängel der leichten Waffe aber immer noch nicht. Der Hersteller wehrt sich weiter. Und Alternativen sind rar.

Sturmgewehr G36
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Ein Bundeswehrsoldat in der Nähe von Charrah Darreh nahe Kundus mit einem Sturmgewehr G36 im Anschlag: Bei Hitze und im Dauerfeuer soll die Standardwaffe der deutschen Streitkräfte nicht treffsicher sein.

Foto: dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat eine auf den ersten Blick eindeutige Entscheidung getroffen. Das G36 habe in der Bundeswehr keine Zukunft mehr, sagte sie vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestages. Aber mit dem Zusatz: „in der jetzigen Konstruktion“. Das eröffnet eine durchaus größere Tür für den Hersteller Heckler & Koch, weiterhin Lieferant des leichten Sturmgewehres zu sein, mit dem fast jeder Bundeswehrsoldat ausgestattet wird.

Die Einschränkung, die die Ministerin gemacht hat, ist wichtiger, als es in den bisherigen Kommentaren erscheint. Denn sie spricht deutlich dafür, dass von der Leyen offene Kritik am Hersteller scheut. Und auch dafür, dass sie dessen Argumentation nicht einfach vom Tisch wischen kann.

Scharfer Gegenangriff vom Hersteller

Bei äußerer Hitze oder Dauerfeuer soll die Treffgenauigkeit des Gewehres um fast die Hälfte sinken, hatten Tests der amtlichen Prüfstelle ergeben. Und das liege an der Konstruktion des Laufes, der nicht ausreichend hitzebeständige Kunststoffe enthalte. Heckler & Koch beharrt seinerseits darauf, dass mangelhafte Munition die Ungenauigkeiten auslöse. Außerdem erklärt der Produzent des G36, dass sein Gewehr eben für bestimmte Zwecke gedacht und dafür vor rund 20 Jahren konstruiert worden sei.

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Von Journalisten umzingelt: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gibt am 22. April 2015 in Berlin nach der Beratung des Verteidigungsausschusses über das Gewehr G36 ein Statement ab. 

Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Andreas Heeschen, Miteigentümer des Unternehmens, griff in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung jüngst zu einem plastischen Bild: „Wer als Single ein Cabrio kauft und dann jahrelang damit fährt, kann sich doch nicht nach Hochzeit und vier Kindern plötzlich beim Hersteller beschweren und sagen: Das ist ein Mist-Auto – wir passen da nicht rein."

Opposition verlangt Antworten

Was er damit meint, ist klar: Die Entwicklung des Gewehrs, das schon seit 1997 bei der Bundeswehr eingesetzt wird, stammt aus ganz anderen Zeiten. Lange und kampfintensive Auslandseinsätze unter klimatischen Bedingungen wie in Afghanistan oder Somalia waren alles andere als normal. Erst seit 1992 gab es  überhaupt Bundeswehreinsätze jenseits der Landesgrenzen, nachdem der Bundestag die Möglichkeit nach heftiger Debatte geschaffen hatte.

G36 war bereits 2010 in der Kritik

Die Opposition im Bundestag verlangt nun Antworten auf die Frage, warum das Gewehr denn so lange benutzt wurde, obwohl Mängel doch schon bekannt gewesen seien. Möglicherweise muss sich von der Leyen sogar einem Untersuchungsausschuss stellen, in dem dann allerdings ihre Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg und Thomas de Maizière die schwierigere Rolle haben dürften. In ihre Amtszeit fällt das Bekanntwerden der fatalen Testergebnisse, aus denen sie allerdings keine Konsequenzen zogen. Erstmals im Jahr 2010 sollen im Ministerium entsprechende Daten vorgelegen haben.

„Mit Schrottgewehr nach Afghanistan“

Von der Leyen will nun handeln. Der Halbsatz „in der jetzigen Konstruktion“ könnte aber bedeuten, dass Heckler & Koch eine neue Variante anbietet. Denn nach Einschätzung von Experten gibt es auf dem Markt nicht wirklich Alternativen, die sich unmittelbar als Ersatz anbieten.

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Das Standardgewehr der Bundeswehr soll ausgetauscht werden. Unklar ist bislang gegen welche Waffe. 

Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Der politische Streit wird unterdessen weitergehen – schon deshalb, weil die Verunsicherung in der Truppe immer größer werden dürfte. Jan van Aken, der für die Linke im Verteidigungsausschuss sitzt, sagte heute im WDR-Hörfunk: „Das Problem ist ja, dass Soldaten zum Beispiel nach Afghanistan geschickt werden und dort kämpfen sollen, und die haben möglicherweise ein Schrottgewehr dabei.“

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Von Werner Grosch
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