05.04.2017, 08:29 Uhr | 0 |

Arctic World Archive In der Bibliothek für den Weltuntergang lagern Daten für danach

Sollte wirklich ein Mensch den Atomkrieg oder den Einschlag eines Mega-Asteroiden überleben, dann findet er hoffentlich eine ganz bestimmte Höhle auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen im Polarmeer. Dort gibt es das Arctic World Archive. In dieser Weltuntergangs-Bibliothek liegt das Wissen der Menschheit für den Wiederaufbau einer Zivilisation. Auf analogem Filmmaterial.

Arctic World Archive
Á

In dieser stillgelegten Kohlengrube befindet sich das Arctic World Archive. 500 bis 1.000 Jahre lang können hier auf Filmrollen gespeicherte Daten sicher "überleben". 

Foto: Store Norske

Es sind äußerst unangenehme Szenarien wie Naturkatastrophen, Super-GAUs oder ein vernichtender Atomkrieg, die hinter der Idee des arktischen Weltarchivs stehen. Hinterlegt werden können dort in eisiger Kälte Filme, auf denen wichtige Informationen über das Leben auf der Erde gespeichert sind. 500 bis 1.000 Jahre soll die von der Firma Piql entwickelte analoge Speichertechnik haltbar sein und die Daten abgerufen werden können.

Digitale Dateien werden auf spezielle Filmrollen gedruckt

Als Kunden hat Piql vor allem Staaten im Visier. Sie können zum Beispiel Informationen zum Klima, zur Geschichte des Landes, zu technischen Erfindungen und zu kulturellen Errungenschaften in der Arktis hinterlegen. Bis jetzt haben Brasilien und Mexiko den Service des Archivs in Anspruch genommen.

Zu den hinterlegten Daten sollen die brasilianische Verfassung und Dokumente aus der Zeit der Inkas gehören. Die Informationen auf den Filmen können laut Piql weder bearbeitet noch von Hackern angegriffen werden. Ihre Art der Speicherung sei sicherer als das Archivieren auf Festplatten.

Die digitalen Dateien werden auf hochauflösende mikrographische Filmrollen gedruckt. Der Auftraggeber kann wählen zwischen der Archivierung als Computer-lesbare digitale Daten, Menschen-lesbarem Text oder als Bild. Aufbewahrt werden die Filme in der sogenannten piqlBox.

Laut wired.de beträgt die Temperatur in der stillgelegten Kohlegrube außerhalb der Stadt Longyearbyen zwischen -10 und -5 °C. Der Datenbunker reicht weit in den Berg hinein.

Zum Abrufen der Daten müssen diese dekodiert werden

Piql will das Archiv über ein Glasfasernetz mit dem Internet verbinden, damit Kunden, die ihre Daten dort speichern, Zugriff anfordern können. Anleitungen zum Abrufen der Daten sind in Textform auf den Film geschrieben.

Die Informationen sind vollständig durchsuchbar wie auf anderen digitalen Speichertechnologien. Dafür müssen die Daten vom piqlreader dekodiert werden. Oder von einem kompatiblem digitalen Scanner mit der opensource Dekodierungssoftware der Firma wiederhergestellt werden.

Tresor mit Saatgut aus aller Welt gleich nebenan

Die Firma Piql hofft, dass bald noch weitere Regierungen folgen werden und ihre Nationalarchive in Norwegen sichern. Zum Arctic World Archive passt, dass ganz in der Nähe das Global Seed Vault angesiedelt ist. Dieser Tresor mit Saatgut aus aller Weltist ein Projekt des Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt.

Die unabhängige internationale Organisation verfolgt das Ziel, die Vielfalt an Sorten des Saatgutes von Nutzpflanzen zu bewahren und verfügbar zu halten, um die Ernährung der Weltbevölkerung sicherzustellen.

Datenspeicher für die Ewigkeit

Viele Forscher beschäftigen sich damit, wie man das Wissen der Menschheit auch für nachfolgende Generationen abrufbar halten soll. So haben Ingenieure der TU Delft einen Datenspeicher gebaut, dessen kleinste Informationseinheit ein einzelnes Atom ist. Dieser Superspeicher hat damit eine Speicherdichte, die etwa 500-mal höher ist, als bei den besten heutigen Festplatten. Alle Bücher der Welt haben Platz auf der Größe einer Briefmarke.

Forscher der Universität Southampton haben einen Speicherchip entwickelt, der prinzipiell ewig halten und dabei ebenfalls unglaubliche Mengen Daten speichern kann. Er ist so groß wie eine Zwei-Euro-Münze, wurde „Supermans Memory Crystal“ genannt und hat bei 190 °C eine Lebensdauer knapp unter 14 Milliarden Jahren.

Anzeige
Von Martina Kefer
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden