22.10.2014, 12:08 Uhr | 0 |

Maschinenbau-Gipfel in Berlin Maschinenbauer beschäftigen so viele Mitarbeiter wie seit 20 Jahren nicht mehr

Der deutsche Maschinenbau geht mit positiven Aussichten ins kommende Jahr. „Wir wachsen“, sagte VDMA-Präsident Reinhold Festge auf dem 7. Maschinenbau-Gipfel in Berlin. Die Branche beschäftige derzeit mehr als eine Million Menschen, so viele, wie seit 1993 nicht mehr.

Mitarbeiter der VEM Sachsenwerk bei der Montage eines sechs Megawatt Windkraftgenerators i
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Mitarbeiter der VEM Sachsenwerk arbeiten an der Montage eines sechs Megawatt Windkraftgenerators im Werk in Dresden: Die Maschinenbauer erwarten im nächsten Jahr ein Wachstum von einem Prozent.

Foto: dpa/Arno Burgi

Die Maschinenbau-Branche blickt trotz der allgemein trüben Konjunkturaussichten optimistisch in die Zukunft. „Wir gehen nicht zurück, sondern wir wachsen“, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Reinhold Festge, am Mittwoch auf dem Maschinenbau-Gipfel in Berlin. Er betonte, dass aktuell erstmals seit 1993 wieder mehr als eine Million Menschen in dieser Branche einen Arbeitsplatz haben. Es sind mit genau 1,008 Millionen Menschen sogar 18.000 mehr als im Vorjahresmonat. „Auf dem ersten Blick mag dieser Aufbau nicht so recht zum erwarteten mageren Produktionsplus passen“, so Festge.

VDMA erwartet ein Prozent Wachstum im nächsten Jahr

Doch die Maschinenbauer treffen mit den Neueinstellungen Vorkehrungen gegen den allgemein erwarteten Fachkräftemangel. Keine Branche beschäftigt in Deutschland mehr Menschen als der Maschinenbau. So sind in der Elektroindustrie nur rund 850.000 Menschen in Lohn und Brot, in der Kraftwagenindustrie sind es gut 720.000 Menschen, in der chemischen Industrie sind nur knapp 300.000 Menschen beschäftigt.

Es sind zum Teil widersprüchliche Botschaften, die vom Maschinenbau-Gipfel ausgehen. So peilen die deutschen Maschinenbauer in diesem Jahr einen um vier Milliarden Euro auf 210 Milliarden Euro ansteigenden Rekordumsatz an. Trotz dieser Bestmarke bekräftigte Festge das erst im Juli drastisch von drei auf ein Prozent nach unten korrigierte Produktionswachstum.

Delle durch Ukrainekrise und Russland-Sanktionen

Gründe für diese Korrektur sind die Ukrainekrise und die Sanktionen gegen Russland. So sank das Exportvolumen bis Ende Juli um rund 500 Millionen Euro auf 87,7 Milliarden Euro. Festge, der im normalen Beruf Geschäftsführender Gesellschafter beim nordrhein-westfälischen Maschinenbauer Haver & Boecker ist, hofft für 2015 auf ein Produktionsplus von preisbereinigt zwei Prozent und setzt auf die drei Zukunftsmärkte China, USA und Afrika.

„Afrika: Ein Kontinent mit Potenzial“ war eines der großen Themen auf dem ersten Gipfeltag, neben dem Freihandelsabkommen TTIP und dem Zukunftsthema Industrie 4.0. Festge hatte kurz vor dem Gipfel die Unternehmer in den VDI nachrichten aufgerufen, sich stärker in Afrika zu engagieren. „Das Geschäft ist dort schwer, aber wir müssen es anfangen. Es gibt auch für mittelständische Maschinenbauer sehr gute Marktchancen, die genutzt werden müssen“, sagte Festge den VDI nachrichten. „Ich bin jetzt seit 17 Jahren in Afrika unterwegs. Jedes Mal, wenn ich dort bin, ärgere ich mich, wenn ich auf Chinesen und Inder treffe und die Deutschen aus Angst vor Krankheiten, mangelndem Komfort oder aus anderen Gründen lieber zu Hause bleiben.“

Jetzt gelte es, neue Chancen zu nutzen, weil beispielsweise der Ruf chinesischer Investoren immer schlechter werde. „Die Chinesen bekommen in Afrika zunehmend ein schlechtes Image, weil sie nicht nachhaltig arbeiten und weil sie gerne nur eigene Leute einsetzen“, so Festge. „Insbesondere sind sie nicht bereit, die einheimische Bevölkerung auszubilden oder anzulernen. Die Staatspräsidenten ärgern sich darüber.“

Gabriel fordert von der Branche mehr Engagement für Industrie 4.0

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel forderte die Branche auf, sich stärker für Industrie 4.0 zu engagieren. Sonst stelle sich die Frage: „Wer ist Innovationstreiber? Sind wir das oder einige Konzerne anderswo, die über Big Data verfügen?". Und weiter: „Das US-amerikanische Magazin Newsweek schrieb, 'erkenne das Problem, analysiere es und löse es' sei eine typisch deutsche Verhaltensweise. Dann ist der Maschinen- und Anlagenbau im besten Sinne typisch deutsch", lobt der Wirtschaftsminister die gesamte Branche.

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Von Detlef Stoller
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