24.07.2015, 14:18 Uhr | 0 |

Deutsche Top 3 Deutsche Studenten beim Mikrosystemtechnik-Wettbewerb iCan ganz vorne

Eine Preisverleihung mit Déjà-vu: Das zweite Jahr in Folge räumten deutsche Studenten beim internationalen Mikrosystemtechnik-Wettbewerb iCan in Alaska die ersten drei Plätze ab. Mit Ideen zu sauberem Trinkwasser, einem pfiffigen Laufschuh und einem ungewöhnlichen Duschkopf. 

Sieger des iCan-Wettbewerbs in Alaska
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Drei deutsche Stundenteams aus Bremen, Karlsruhe und Freiburg belegten die ersten drei Plätze beim weltweiten iCan-Wettbewerb in Alaska.

Foto: VDE

Der deutsche Ingenieur-Nachwuchs setzte sich beim iCan-Wettbewerb in Anchorage gegen die Konkurrenz aus neun Ländern durch. An iCan, was für „International Contest of Application in Nano-micro Technology“ steht, beteiligten sich Teams aus den USA, Japan, Neuseeland, Polen, Taiwan und der Volksrepublik China. Doch an die Ideen aus Deutschland kam für die internationale Jury nichts heran.

So sicherten sich den ersten Preis fünf Studenten der Universität Bremen, vom Institut für Mikrosensoren, -aktoren und -systeme. Ihre Erfindung namens Scipio (SCIentific Purirication IndicatOr), ein schmales Röhrchen, könnte den Zugang zu sauberem Trinkwasser in Entwicklungsländern erleichtern. Denn in vielen Regionen ist mit Keimen belastetes Wasser ein Riesenproblem: Magen-Darm-Erkrankungen und eine hohe Kindersterblichkeit sind die Folgen.

Sensor testet keimfreies Trinkwasser

Um das zu ändern, haben die Bremer Studenten die bekannte Methode zur Wasserdesinfektion mit Hilfe von Sonnenlicht weiterentwickelt: Dabei wird Wasser in eine transparente PET-Flasche gegeben und für sechs Stunden in die Sonne gelegt. Das UV-Licht tötet Keime und Krankheitserreger ab. Allerdings verlängern Wolken oder eine zerkratze Flasche die benötigte Reinigungszeit.

Wenn jemand das Wasser dann nach sechs Stunden trinkt, kann es also immer noch keimbelastet sein, so dass er doch krank wird. Mit Scipio, einem kleinen Röhrchen voll Elektronik und Sonsorik, kann man über einfache Piktogramme sehen, ob und wann die Keime verschwunden sind. Das macht es sogar Kindern und Analphabeten möglich, ihr Trinkwasser selbst ohne Hilfe anderer zu reinigen. Außerdem besitzt Scipio keine Verschleißteile und kann über viele Jahre wiederverwendet werden.

Laufschuh mit variabler Dämpfung stärkt Gelenke

Über die Erfindung des Karlsruher Teams JoinWatchR, das den zweiten Platz belegte, dürften sich Jogger freuen. Denn die Studenten vom Institut für Mikrostrukturtechnik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelten einen Laufschuh, der sich meldet, wenn die Gelenke zu sehr belastet werden.

 

Dazu messen Sensoren in der Ferse des Schuhs zum Beispiel die Beschleunigung und die Neigung. Die Daten werden von einem Mikrochip gesammelt und drahtlos an das Smartphone des Läufers gesendet. Wenn der Träger die Info bekommt, dass die Gelenke zu sehr belastet werden, kann er seinen Laufstil ändern. Außerdem hat der Schuh eine variable Dämpfung, die über eine Handy-App eingestellt werden kann: Ob Asphalt, Beton, Steine – das ist alles kein Problem.

Duschkopf kann Wassertemperatur und Durchfluss messen

Gut nutzen ließe sich im Anschluss ans Joggen die Erfindung des Teams aus Freiburg. Die Studenten des Instituts für Mikrosystemtechnik Imtek an der Universität Freiburg machten mit dem Projekt Smart Shower den dritten Platz. Es handelt sich um einen energieautarken Duschkopf, der für den Wasserverbrauch sensibilisieren soll.

Denn während woanders Wassermangel herrscht, verbraucht jeder im Deutschland täglich durchschnittlich 122 l. Und beim Duschen rauscht viel zu viel durch. Doch der Duschkopf der Nachwuchsingenieure kann den Durchfluss sowie die Wassertemperatur messen.

Die ermittelten Daten werden drahtlos auf ein Display übertragen, so dass man jederzeit über seinen Energie- und Wasserverbrauch informiert ist. Man kennt dann auch die Kosten fürs Duschen. Außerdem entwickelt das Team gerade eine App, die eine Übersicht über den gesamten Wasserverbrauch liefern soll.

Teams qualifizieren sich bei Vorentscheidung in ihren Ländern

Beim iCan, der seit 2009 ausgerichtet wird, können Studierende im Gebiet der Mikro- und Nanotechnologien mitmachen. Es sollen funktionstüchtige Prototypen von mikrosystemtechnischen Sensoren uns Steuerungsmechanismen für den Alltag entwickelt werden. Der Wettbewerb wurde schon in Peking, Barcelona und im japanischen Sendai ausgetragen. Dieses Mal in Anchorage hatten insgesamt 80 Studenten in 19 Teams aus zehn Ländern mitgemacht. Die ersten Preisträger bekamen 2000 $, die zweiten 1000 $ und die dritten 500 $.

Qualifiziert hatten sich die Teams bei Vorentscheidungen in ihren Ländern, in Deutschland beim Cosima-Wettbewerb, der vom Verband der Elektrotechnik und Elektronik (VDE) mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) betreut wird. Ende Oktober werden auf dem MikroSystemTechnik Kongress in Karlsruhe die nächsten drei Studententeams für den iCan 2016 ausgesucht. Ob die Deutschen dann dass dritte Mal in Folge Mikrosystemtechnik-Weltmeister werden?

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Von Lisa von Prondzinski
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