18.09.2014, 13:10 Uhr | 0 |

Konzeptschiff ReVolt Mit sechs Knoten elektrisch und autonom von Hafen zu Hafen

ReVolt heißt die Innovation, mit der es gelingen soll, den Handel auf See umweltfreundlicher und sicherer zu gestalten. Das Schiff soll vollkommen autonom von Hafen zu Hafen schippern und von einem Elektromotor angetrieben werden.

Konzeptschiff ReVolt
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Alle Mann von Bord: Das Konzeptschiff ReVolt kommt ohne Besatzung aus. Der steile Bug reduziert den Wasserwiderstand und hilft, Energie zu sparen.

Foto: DNV GL

Auf unbemannten Schiffen kann es kein menschliches Versagen geben. Mit dieser Logik im Hinterkopf ist jetzt die weltweit größte Schiffs- und Offshore-Klassifikationsgesellschaft DNV GL gestartet und hat ReVolt entwickelt – ein Schiff, das ökologischer, intelligenter und sicherer ist als konventionell angetriebene und eben auch von Menschenhand betriebene Schiffe. ReVolt arbeitet völlig eigenständig, ist zu einhundert Prozent batteriebetrieben und zudem hocheffizient.

Prototyp in Oslo im Testlauf

Das Konzeptschiff ReVolt befindet sich derzeit in der Testphase. „Der Bau und Betrieb dieses Schiffes wäre mit heutiger Technik möglich. ReVolt soll Hersteller, Werften und Reeder dazu anregen, neue Lösungen für eine sichere und nachhaltige Zukunft zu entwickeln“, sagt Hans Anton Tvete, Senior Researcher bei DNV GL. Derzeit existiert nur ein Prototyp des autonomen Frachters. Er ist drei Meter lang und wird seit Frühjahr 2014 im Fjord bei Oslo getestet. Dieses Modellschiff ist noch nicht komplett autonom unterwegs. Doch DNV GL arbeitet daran, den Computerkapitän an Bord zu bringen, der mit GPS, Radar, Lidar, und Kameras ausgestattet ist. „Solche Technologien sind bereits bei selbstfahrenden Autos im Einsatz“, so Tvete. „Nun wollen wir sie zusammenführen, um Schiffen eine Vorstellung für ihre Umgebung zu geben.“

Automatische Steuerung ist komplex

Das ist alles andere als trivial: Denn ein Schiff fährt nicht auf einer definierten Straße, sondern schaukelt im Rhythmus der Wellen auf und ab, rollt seitwärts und führt Winkelbewegungen aus. Die Steuer-Software muss all diese Einflüsse auf das Schiff berücksichtigten.

„Es ist ein visionäres Projekt mit einem langen Zeithorizont“, sagt deshalb auch Tvete von DNV GL. „Aber die technischen Bausteine, um es zu verwirklichen, gibt es schon heute.“

Elektromotor setzt 60 Prozent des Stroms in Vortrieb um

ReVolt soll nicht mit Schweröl oder Schiffsdiesel fahren, sondern mit Strom aus einer drei Megawatt starken Riesenbatterie. Das birgt gleich mehrere Vorteile: Zum einen sinken die Wartungskosten, da der Elektroantrieb mit weniger beweglichen Teilen auskommt. Zum anderen setzt der Elektromotor 60 Prozent des Stroms in Vortrieb um. Bei einem konventionellen Dieselmotor werden nur 15 Prozent der im Schweröl enthaltenen Energie in den Vortrieb umgesetzt.

Robo-Schiffe als Ersatz für Lkws an der Küste

Der DNV GL geht es zunächst um küstennahe Einsätze. Die Re Volt wäre mit einer Breite von 14,5 Metern und einer Länge von 60 Metern zunächst nur ein recht kleines Schiff. Es könnte nur 100 Standardcontainer tragen. Mit der Kraft aus der Batterie käme die Re Volt auch allenfalls 100 Seemeilen weit, das sind umgerechnet 185 Kilometer. Für den DNV-Experten Tvete ist das kein Hindernis, er sieht die Robo-Schiffe eher als Ersatz für Lkw: „Entlang der Küste könnten automatische Schiffe Güter transportieren oder Autos von einer Seite des Fjords zur anderen übersetzen.“

Ohne Personal gelingt umweltschonende Entschleunigung

Damit entfällt ein ganz wesentlicher Faktor der Preisbildung im maritimen Transportwesen: die Personalkosten. Das ermöglicht eine umweltschonende Entschleunigung. Das Schiff soll mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nur sechs Knoten fahren und hat dadurch einen geringeren Wasserwiderstand als andere Schiffe. Diese sind im Normalfall mit 8,7 Knoten unterwegs.

Dank dieser Geschwindigkeitsreduzierung konnten die Ingenieure das Schiff mit einem geraden, senkrechten Bug ausstatten, wodurch sich der Wasserwiderstand über das gesamte Profil des Schiffes weiter verringert und Energie gespart wird.

Bis zu 34 Millionen US-Dollar Kosten einsparen

Die Experten von DNV GL haben errechnet, dass durch den alternativen Antrieb und den Wegfall der Kommandobrücke sowie der dadurch vergrößerten Ladefläche ein Riesen-Einsparpotential entsteht. In Kombination mit den geringeren Betriebs- und Wartungskosten kann ein ReVolt-Schiff während seiner rund 30-jährigen Lebensdauer im Vergleich zu einem dieselbetriebenen Schiff bis zu 34 Millionen US-Dollar an Kosten einsparen.

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Von Detlef Stoller
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