15.04.2014, 14:30 Uhr | 0 |

Smart Highway Glühende Straßenmarkierungen sorgen nachts für Licht

Das, was da nachts auf zwei 500 Metern langen Streckenabschnitten einer niederländischen Straße grünlich glüht, ist kein Versehen. Es ist auch kein Kunstprojekt – zumindest nicht in erster Linie. Es ist die Straßenbeleuchtung. Und wenn es nach Daan Roosegaarde geht, ist es noch mehr: die Zukunft. 

Die Spezialfarbe des Erfinders Daan Roosegaarde leuchtet nachts grün
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Eine Spezialfarbe absorbiert tagsüber das Sonnenlicht. In der Dunkelheit kann sie dann bis zu acht Stunden lang grün leuchten. Sie könnte zukünftig besonders Straßen beleuchten, an denen es keine Lampen gibt. 

Foto: Smarthighway

Während jahrzehntelang vor allem das Auto Ziel von Innovationen im Straßenverkehr war, hat sich der niederländische Erfinder und Künstler Daan Roosegaarde auf die Straße konzentriert. Smart Highway heißt sein 2012 erstmals vorgestelltes Projekt, das Straßen intelligenter, effizienter und sicherer machen soll. Mit seinen Ideen trifft er offenbar den Nerv der Zeit: 2013 gewann Smart Highway den internationalen INDEX:Award für „Design für ein besseres Leben“ in der Kategorie „Community“.

Neuartige Farbe speichert Licht

Die leuchtende Straßenmarkierung auf den beiden jeweils 500 Meter langen Abschnitten einer Landstraße bei Oss in der niederländischen Provinz Nordbrabant ist jetzt als erstes Teilprojekt in die Testphase gegangen. Anstelle von konventionellen, strombetriebenen Lampen soll die Straßenmarkierung bei dem Glowing Lights getauften Vorhaben den Autofahrern den Weg weisen und gleichzeitig für Licht sorgen. 

Um die Fahrbahnmarkierung zum Leuchten zu bringen, hat Roosegaarde in Zusammenarbeit mit seinem Partner, dem niederländischen Bauunternehmen Heijmans, eine Farbe entwickelt, in die spezielle Partikel eingemischt werden. Diese absorbieren tagsüber das Sonnenlicht und geben es bei Dunkelheit über einen Zeitraum von rund acht Stunden wieder ab. Dabei leuchtet die Farbe grünlich. Die Fahrbahnmarkierung sei eine Möglichkeit für Straßen, an denen es keine konventionelle Fahrbahnbeleuchtung durch Lampen gebe, erklärt er. Das Bauunternehmen Heijmans fügte hinzu, das Projekt mache die Straßen sicherer und poetischer. 

Straßen, die mitdenken

Die selbstleuchtende Fahrbahnmarkierung ist längst nicht alles, was dem findigen Niederländer zum Thema Straße einfällt. Denkbar sei auch temperaturempfindliche Farbe, erklärt er eine weitere Idee im Rahmen von Smart Highway. Damit könnten Warnzeichen wie zum Beispiel Schneeflocken auf die Fahrbahn gemalt werden, um Autofahrer auf mögliche Glätte hinzuweisen. Ein weiteres Stichwort ist das Laden von Elektroautos per Induktion – während der Fahrt.

Einen wiederum ganz anderen Ansatz als Glowing Lights verfolgt Straßenbeleuchtung, die sich der aktuellen Verkehrslage anpasst – Interactive Light. Hierbei schalten Lampen sich per Sensor bei herannahenden Fahrzeugen an und später wieder aus. Den Strom dafür liefern Windrädchen am Straßenrand, die den Fahrtwind nutzen. 

Ebenfalls verkehrssensibel stellt sich Roosegaarde eine weitere Form der Fahrbahnmarkierung vor: Bei hohem Verkehrsaufkommen verwandelt sich eine normalerweise gestrichelte Linie in eine durchgehende, um die Fahrzeugströme besser zu kanalisieren. 

Leuchtende Pflanzen könnten den Weg markieren

Noch viel weiter geht ein Ansatz zur Straßenbeleuchtung, der sich die Natur zum Komplizen macht – mit ein wenig menschlicher Nachhilfe. Irgendwann, so Roosegaardes Vision, sollen leuchtende Pflanzen den Weg markieren. Dafür habe er jetzt eine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Biotechnologie-Unternehmen Bioglow vereinbart, wie er dem britischen Design- und Architekturmagazin Dezeen verriet.

Bioglow war es gelungen, einer Tabakpflanze den Stoff einzupflanzen, der unter anderem Glühwürmchen glühen lässt. Das Ergebnis ist eine leuchtende Tabakpflanze. Wenn dieses Verfahren auf Bäume übertragbar ist, könnten Straßen in Zukunft von leuchtenden Alleen gesäumt sein. 

Vieles von dem, was Daan Roosegaarde sich im Rahmen von Smart Highway hat einfallen lassen, soll in den kommenden Jahren zumindest testreif sein – das jedenfalls hat er bei der ersten Vorstellung des Projekts 2012 angekündigt. Was die Kosten betrifft, schweigt er sich allerdings aus.  

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Von Judith Bexten
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