24.03.2016, 07:55 Uhr | 1 |

Airlander 10 Weltgrößtes Luftschiff bereitet sich auf Testflug vor

Er ist 92 m lang und somit das größte Luftschiff der Welt: der Airlander 10. In einem Hangar in England bereitet sich der weiße Gigant derzeit auf Testflüge vor. Militärs soll er unter anderem dadurch überzeugen, dass er selbst mit Schusslöchern weiterfliegen kann. 

Die Fotos aus dem Hangar des britischen Unternehmens Hybrid Air Vehicles (HAV) sind beeindruckend: Sie zeigen den Prototyp eines riesigen 92 m langen Luftschiffes namens Airlander 10, der rund 1,5 m über dem Boden schwebt und aussieht wie zwei miteinander verschmolzene Luftschiffe. Ingenieure pumpen derzeit über 36.000 m3 Helium in die Dreifachhülle des weißen Giganten, die ganz ohne Tragstruktur im Inneren auskommt.

Hybridluftschiff kann 10 t Ladung 3000 km weit transportieren

Der Airlander 10 ist ein sogenanntes Hybridluftschiff. Das bedeutet, dass er sich sowohl durch das Traggas Helium als auch mit Hilfe von Tragflächen in der Luft hält. Die Rümpfe mit ihren schwenkbaren Propellern erzeugten aerodynamischen Auftrieb, erklärte ein HAV-Sprecher dem Onlinemagazin Golem.de. „Dieser ermöglicht es den Airlandern, schwer zu starten und zu landen, während Luftschiffe nur Nutzlast entsprechend ihrem statischen Auftrieb tragen können.“

Für die Vorwärtsbeschleunigung in der Luft sorgen Propeller mit vier V8-Motoren, die das Luftschiff mit einer Beladung von bis zu 10 t auf eine Höchstgeschwindigkeit von 148 km/h beschleunigen. Die Reichweite gibt HAV mit 3000 km an. 

Airlander 10 fliegt selbst mit Schusslöchern weiter

Noch in diesem Jahr sollen erste Testflüge starten. Mit ihnen will HAV Transportfirmen und Militärs davon überzeugen, dass der 35 Millionen $ teure Airlander 10 eine wirtschaftliche Alternative zu Flugzeugen und Hubschraubern ist – unter anderem, weil er fast überall landen kann: auf Feldern, Eisflächen und sogar auf dem Wasser. „Sie können Fracht in abgelegene Gebiete bringen“, sagt HAV-Kommunikationschef Chris Daniels im Gespräch dem Onlinemagazin The Verge. Der Airlander sei aber auch für Rettungseinsätze und die Klimaforschung geeignet.

Und im Fall eines Angriffs ist das Hybridluftschiff angeblich besonders schadensresistent – dank einer Außenhaut aus knapp 3 mm starken Kohlefasern. „Sie könnten hunderte Löcher in die Hülle schießen, und trotzdem könnten sie noch vier oder fünf Stunden weiterfliegen“, erklärt Chefentwickler Mike Durham. Außerdem bliebe das Luftschiff selbst mit drei beschädigten Motoren einsatzbereit. Kaufargumente, die bei Entscheidern des Militärs anscheinend ziehen. „Es gibt mehrere Militärs aus der ganzen Welt, die interessiert sind“, gibt sich Daniels geheimnisvoll. „Wir können aber nicht sagen wer.“

Serienproduktion soll 2018 starten 

Einen ersten Prototyp des Airlanders 10 hatte HAV übrigens im Auftrag des US-Rüstungskonzerns Northrop Grumman für die US-Luftwaffe entwickelt, die das Luftschiff ab 2013 zur Aufklärung in Afghanistan einsetzen wollte.

Videoquelle: Hybrid Air Vehicles

Die Luftwaffe stellte das Projekt dann aber ein und HAV entschloss sich dazu, das Luftschiff zurückzukaufen und zum Transportschiff weiterzuentwickeln. Das könnte sich gelohnt haben, sofern die Prognosen des Unternehmens zutreffen. Es rechnet damit, in den nächsten 20 Jahren 600 Exemplare mit einem Gesamtwert von 50 Milliarden $ abzusetzen. 2018 soll die Serienproduktion starten. 

Längst schon startklar ist hierzulande der Zeppelin NT. Er ist 75 m lang, startet mit Propellern und fliegt in der Bodenseeregion in etwa 300 m Höhe Leute spazieren.  

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Von Patrick Schroeder
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kommentare
02.04.2016, 16:53 Uhr Progetti
Luftschiffe sollten für die Löschung von Waldbränden nicht nur mit aerodynamischem, sondern auch mit variablem statischem Auftrieb ausgestattet werden, weil sie große Lasten transportieren können. Sie fliegen zwar langsam aber löschen wegen der großen Löschmittel- Menge sehr effizient.

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