20.08.2014, 15:14 Uhr | 0 |

Strom-Bojen gebaut Schwimmende Kleinkraftwerke erobern Donau und Rhein

Eine elegante Lösung, Fließgewässern kinetische Energie zu entziehen, hat die österreichische Firma Aqua Libre gefunden: die Strom-Boje. Mit dieser Innovation wird nun die Donau in der Wachau östlich von Wien zum Energieerzeuger. 

Strom-Boje
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Die Strom-Boje aus Österreich liefert bei einer Strömungsgeschwindigkeit von 3,3 Meter pro Sekunde eine Nennleistung von 70 Kilowatt.

Foto: Aqua Libre

Das Mini-Kraftwerk ist kaum zu sehen, weil es sich meist unmittelbar unter der Wasseroberfläche befindet. Zunächst ist geplant, einen kleinen Park von acht dieser Strom-Bojen zu errichten.

Das am Donaugrund befestigte Kleinkraftwerk erinnert eher an ein im Wasser liegendes U-Boot, als an eine Boje. Das hat System: Denn Gewicht, die Länge der Kette, der Aufhänge-Punkt im Fluss, der Auftrieb der Strom-Boje und der Strömungsdruck in der Donau gewährleisten bei Normalwasserständen, dass sich die Strom-Boje immer in der stärksten Strömung knapp unter der Wasseroberfläche selbstständig ausrichtet.

Strom für etwa 75 Durchschnittshaushalte

Das optimiert die Stromernte: Die Boje liefert mit ihrem Rotor von 250 Zentimetern eine Nennleistung von 70 Kilowatt bei einer Strömung von 3,3 Metern pro Sekunde. So kann sie je nach Standortqualität bis zu 300 Megawattstunden im Jahr produzieren, was für etwa 75 Durchschnittshaushalte ausreichend ist. Ein Bojen-Park im Fluss kann damit ganze Gemeinden mit Strom versorgen.

Bei Hochwasser senken die Aqua Libre Mitarbeiter die Boje ab, damit sie nicht durch das vorbeirauschende Treibgut beschädigt wird. Bei Normalpegeln schützt ein selbstreinigender Rechen aus Stahlseilen den Einlauf und den Rotor der Strom-Boje wirkungsvoll vor kleinerem und auch vor großem Treibgut. Gleichzeitig dient dieser Rechen Schwimmern und Sportbooten als Schutz vor einer Berührung mit dem Rotor.

Boje ist fischfreundlich konzipiert

Der Rotor dreht sich langsam, mit 50 bis 120 Umdrehungen pro Minute. So können Fische, die durch die Strom-Boje hindurch schwimmen, diese auch gefahrlos passieren. Montiert ist der zweiflügelige Rotor aus Aluminium oder Bronze an einem Rahmen aus hochwertigen Stahlrohen und -profilen.

Elf Meter lang ist die Strom-Boje aus Österreich, hat eine maximale Breite von 5,5 Metern und bringt 6,4 Tonnen auf die Großwaage. Solange die Wassertiefe nicht unter drei Meter sinkt, liefert dieses stählerne U-Boot zuverlässig Strom. Darauf legt der Erfinder der Strom-Boje ganz besonderen Wert. „Das rennt 8750 Stunden im Jahr“, rechnet Fritz Mendl vor und fügt dann schelmisch hinzu: „Die restlichen zehn Stunden lassen wir uns offen für die Wartung.“ Die in sich geschlossene Anlage ist auf eine Lebensdauer von mindestens 175.000 Stunden ausgelegt.

Der Katamaran kann bis zu 100 Bojen betreuen und warten

Für die Wartung seiner Strom-Bojen hat Aqua Libre inzwischen einen Katamaran umgebaut, der in seinem Vorleben Fracht transportierte. Aus dem ursprünglich schlichten Transportschiff „EDITH“ wurde ein vielseitig verwendbares über zehn Knoten schnelles Forschungsschiff. Bis zu 100 Strom-Bojen in einem Park kann der Katamaran im Jahr betreuen und warten.

Zwischen Assmannshausen und Lorch bei Bingen am Rhein hält die Firma „Stromboje Mittelrhein“ es für möglich, mit 340 der Bojen aus Österreich ein knappes Drittel des jährlichen Strombedarfs des Rheingau-Taunus-Kreises umweltfreundlich zu erzeugen. Denn dort zwischen den Stromkilometern 529 und 655 weist der Rhein die stärkste Strömung auf und bietet sich förmlich an für die umweltfreundliche Art der Stromversorgung mit den Bojen.

„Schade, dass ich schon 66 bin“

Strom-Bojen-Erfinder Fritz Mondl denkt allerdings an weitaus größere Entfernungen für den Einsatz seiner Mini-Kraftwerke, als den Rhein bei Bingen: „Die Leute aus Papa-Neuguinea haben erzählt, sie haben eine Jahresniederschlagsmenge von sechs Meter. Zum Vergleich, wir haben 300 Millimeter. Sie haben 20 Mal so viel Wasser wie wir. Sie haben auch kein Hochwasser in dem Sinn, es ist immer hoch. Bei denen haben Flüsse, die so lang sind wie die Donau, nicht 1800 Kubikmeter, sondern 5000 oder 7000 Kubikmeter Wasserführung.“ Dann fügt er an: „Schade, dass ich schon 66 bin, jetzt fängt das Leben, ganz nach Udo Jürgens, erst richtig an.“

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Von Detlef Stoller
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