
Bei einem schweren Zugunglück in Spanien sind am Mittwochmorgen (28. Oktober) mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Zwei Hochgeschwindigkeitszüge stießen auf der Strecke zwischen Madrid und Sevilla zusammen. Mehrere Waggons entgleisten, zwei stürzten eine Böschung hinunter. Zahlreiche Fahrgäste wurden verletzt. Warum es zu dem Unfall kam, ist noch unklar.
Der Zusammenstoß ereignete sich um 8:54 Uhr bei Urda in der Provinz Toledo. Beteiligt waren ein AVE-Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe und ein Zug des privaten Anbieters Iryo. Der spanische Infrastrukturbetreiber Adif sperrte nach dem Unfall die Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Madrid und Andalusien.
Was ist bei dem Zugunglück passiert?
Nach Angaben des spanischen Rettungsdienstes ereignete sich der Unfall am Streckenkilometer 118 zwischen den Ortschaften Mora, Orgaz und Urda. Adif spricht von einem Auffahrunfall. Ein Zug soll demnach mit einem vorausfahrenden Zug zusammengestoßen sein.
Nach ersten Informationen aus dem spanischen Verkehrsministerium könnte der AVE von Renfe von hinten auf den Iryo-Zug aufgefahren sein. Dabei entgleisten mindestens zwei Wagen des Iryo-Zuges und stürzten eine Böschung hinunter.
Ob einer der Züge unmittelbar vor der Kollision stand oder langsam fuhr, ist noch nicht gesichert. Auch die Geschwindigkeiten der beiden Züge zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes sind bislang nicht bekannt.
Die Folgen sind schwer. Nach Angaben der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha, auf die sich die Nachrichtenagentur EFE beruft, wurden mindestens 30 Menschen getötet. Verletzte wurden in Krankenhäuser nach Toledo, Ciudad Real und Alcázar de San Juan gebracht. Dort wurden planbare Operationen vorübergehend ausgesetzt, um Kapazitäten für die Unfallopfer freizumachen.
Welche Rolle spielte die Zugsicherung?
Der Zusammenstoß wirft eine zentrale technische Frage auf: Wie konnten sich zwei Züge auf derselben Strecke so nahekommen, dass einer auf den anderen auffuhr?
Auf Hochgeschwindigkeitsstrecken überwachen technische Systeme die Fahrt der Züge. Sie sollen unter anderem verhindern, dass ein Zug eine zulässige Geschwindigkeit überschreitet oder ohne entsprechende Fahrterlaubnis in einen gesperrten Streckenabschnitt fährt.
Ein wichtiges System dafür ist ETCS, das European Train Control System. Es überwacht die Einhaltung von Geschwindigkeitsgrenzen und Fahrterlaubnissen. Reagiert der Lokführer nicht rechtzeitig auf eine erforderliche Geschwindigkeitsreduzierung, kann das System automatisch eine Bremsung auslösen.
Damit ETCS seine Aufgaben erfüllen kann, benötigt es Informationen über die zulässige Fahrt. Die Stellwerkstechnik und die Einrichtungen zur Gleisfreimeldung spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie erfassen, welche Streckenabschnitte belegt sind, und sichern die Fahrwege.
ETCS ist allerdings kein Hindernisradar. Das System erkennt nicht selbstständig jeden Gegenstand oder jedes Fahrzeug auf dem Gleis.
Welche Sicherungstechnik auf dem betroffenen Streckenabschnitt installiert war und welche Funktionen zum Unfallzeitpunkt aktiv waren, ist für die Rekonstruktion entscheidend. Allein aus dem Zusammenstoß lässt sich noch nicht schließen, dass ein technisches Sicherheitssystem versagt hat.
Was können die Ermittler aus den Zugdaten ablesen?
Um den Unfallhergang zu klären, müssen die Ermittler die letzten Minuten vor der Kollision rekonstruieren.
Dabei sind insbesondere die aufgezeichneten Geschwindigkeiten und Bremsvorgänge wichtig. Auch die erteilten Fahrterlaubnisse und die Daten der Zugbeeinflussung können Aufschluss geben. Sie zeigen beispielsweise, welche Geschwindigkeit ein Zug fahren durfte und ob eine Bremsung eingeleitet wurde.
Hinzu kommen die Aufzeichnungen aus der Betriebszentrale und die Untersuchung der beschädigten Fahrzeuge. Zusammen mit den Spuren an der Unfallstelle lässt sich daraus der Ablauf des Zusammenstoßes rekonstruieren.
Bereits im Januar ereignete sich ein schweres Zugunglück in Spanien
Der Unfall bei Urda erinnert an die Eisenbahnkatastrophe vom 18. Januar 2026 bei Adamuz in der Provinz Córdoba. Auch damals waren ein Zug des privaten Betreibers Iryo und ein AVE-Zug von Renfe beteiligt.
Der Ablauf war jedoch anders. Bei Adamuz entgleisten zunächst die hinteren Wagen eines Iryo-Zuges. Sie gerieten auf das benachbarte Gleis und kollidierten dort mit einem entgegenkommenden Renfe-Zug. Dessen vordere Wagen stürzten anschließend eine Böschung hinunter.
Die Ermittlungen richteten sich damals unter anderem auf einen möglicherweise beschädigten Schienenverbund. Über diese technische Spur berichtete ingenieur.de im Beitrag „Defekter Schienenstoß? Neue Spur im Zugunglück bei Córdoba“.
Während beim Januarunglück die mögliche Rolle der Gleisinfrastruktur im Mittelpunkt stand, geht es beim aktuellen Unfall zunächst um den Ablauf einer mutmaßlichen Auffahrkollision. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Unglücken ist nicht belegt.
Hochgeschwindigkeitsverkehr nach dem Unfall unterbrochen
Nach dem Zusammenstoß stellte Adif den Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und Andalusien ein. Davon sind wichtige Verbindungen in den Süden Spaniens betroffen, darunter Züge nach Sevilla, Córdoba und Málaga.
Renfe bietet betroffenen Reisenden kostenlose Umbuchungen und Stornierungen an. Gleichzeitig wurden Rettungskräfte aus mehreren Orten zur Unfallstelle geschickt. Im Einsatz waren unter anderem Feuerwehr, Katastrophenschutz, Rettungshubschrauber und mobile medizinische Einheiten.
Wann der Zugverkehr wieder aufgenommen werden kann, hängt von den Bergungsarbeiten und der anschließenden Überprüfung der beschädigten Strecke ab.
Quellen


























