Nachfolge 06.05.2011, 19:53 Uhr

Büroübernahme als Karrierechance für Ingenieure

Im Schnitt 3000 Büros stehen bundesweit jährlich zur Übernahme an. Gerade für ambitionierte Ingenieure ist der Einstieg in eine Partnerschaft oder Nachfolge eine Alternative zum Angestelltenverhältnis. Branchenexperte Werner Preißing gibt Tipps, worauf Übernehmer achten sollten.

Für Friedrich Haindl ist in drei Jahren Schluss. Der Inhaber von Haindl und Kollegen übergibt 2014 sein Ingenieurbüro, das seit 100 Jahren in Familienbesitz ist, an seine drei besten Mitarbeiter. „Weil ich in der Familie niemanden gefunden habe, der weitermachen will, habe ich mir einfach passende Nachfolger gesucht“, sagt der 60-jährige Münchner.

Wobei ihm die nun folgende Generation nicht einfach so über den Weg lief und der Übergabeprozess gut geplant sein muss. Aber mit Georg Dordea, Marcus Scholz und Michael Weinbrenner stünden drei Diplom-Ingenieure in den Startlöchern, die fachlich und persönlich in der Lage seien, die langjährige Bürotradition fortzuführen, meint Haindl.

Was für die Haindl-Nachfolger gilt, ist eine Option für viele angestellte Ingenieure in Führungspositionen. „Die guten Leute arbeiten nicht auf ewig als einfache Angestellte“, erklärt Werner Preißing.

Der Unternehmer-Berater kümmert sich seit 30 Jahren um Nachfolgefragen bei Ingenieur- und Architekturbüros und hat dazu mehrere Fachbücher geschrieben. Die Erfahrung hat den 63-jährigen Mainzer gelehrt, dass ambitionierte Mitarbeiter immer häufiger eine Büroübernahme als möglichen Karriereschritt ins Auge fassen. Was seiner Meinung nach durchaus eine gute Alternative zur Existenzgründung sei, zumal florierende Büros gar nicht so teuer seien wie landläufig angenommen.

Und der Markt ist da: Insgesamt gibt es in Deutschland rund 92 000 Ingenieur- und Architekturbüros. Allerdings in unterschiedlicher Größe. Etwa 80 % aller Büros haben weniger als fünf Mitarbeiter. Nur 1 % hat mehr als 50 Angestellte. Der Rest liegt dazwischen.

Geht man von einem durchschnittlichen Bürolebenszyklus von rund 30 Jahren aus, stehen jährlich grob über den Daumen gepeilt knapp 3000 Übergaben an. Preißing erläutert, auf was Ingenieure achten sollten, wenn sie ein bestehendes und eingeführtes Büro übernehmen wollen. „Lediglich 20 % der Nachfolge hat mit Zahlen zu tun. 80 % ist Kommunikation“, sagt der Berater.

Denn wenn etwa ein ermittelter Bürowert dem Abgeber zu niedrig, den Nachfolgern allerdings viel zu hoch erscheint, müsse beiden Seiten vermittelt werden wie der Kaufpreis zustande kommt.

Um festzustellen, ob ein Büro in der Lage ist, in Zukunft Gewinne zu erzielen, fasst man daher die wichtigsten betriebswirtschaftlichen Faktoren zusammen: Der Substanzwert belegt, was an Betriebsausstattung vorhanden ist, etwa Räume, EDV und Datenbanken.

Im Organisationswert erkennt man, wie gut interne Abläufe definiert sind. Der Praxiswert zeigt, wie viel Euro das Büro erwirtschaftet hat. Eine Vorausschau der zu erzielenden Honorare und Umsätze bündelt schließlich der Auftragswert. Betrachtet werden die Art der Kundenbeziehungen, Engagement der Mitarbeiter, Führungsstil des Chefs, Rechnungswesen, räumliche Lage und die Anzahl der Auftraggeber. „So ergibt sich für alle Seiten ein ganzheitliches Bild des Büros“, verdeutlicht Preißing. Vorbehalte könnten durch diese Transparenz ausgeräumt werden.

In einem Simulationsmodell könnten auch Entwicklungsszenarien des Büros abgebildet werden. Schätzt ein Nachfolger eine halbe Million Euro als Kaufpreis zu hoch ein, könne ihm gezeigt werden, dass dahinter womöglich eine äußerst attraktive Rendite steckt. Oder es muss dem Übergeber verdeutlicht werden, dass seine Forderung zu hoch ist, wenn der Auftragsbestand nicht griffig ist, weil erwartete Honorare Mutmaßungen sind und eine vertragliche Fixierung fehlt. „In der Regel weichen die Preisvorstellungen aber nur geringfügig ab, wenn zuvor der Bürowert analysiert wurde“, sagt Preißing.

Auch Haindl ließ seinen Bürowert ermitteln. Wichtig scheint dem Übergeber allerdings auch ein konkreter Zeitplan zu sein, der die Übergabe zügig und klar regelt. „Nach maximal drei Jahren muss alles über die Bühne sein und die abgebende Generation das Büro verlassen haben“, meint der Münchner. Bereits zu Beginn dieser Phase sollte das Büro Mitarbeiter, Kunden, Banken und andere Geschäftspartner über den Generationswechsel informieren. Preißing schlägt vor, alle Übergabepunkte in einem Partnerschaftsvertrag zu regeln, den dann die Steuerberater beider Parteien prüfen können.

Gerade für die Nachfolger sei es zudem wichtig, in der Startphase die finanziellen Spielräume nicht abzuwürgen. Deshalb rät der Experte, genau zu definieren, wann und wie der Kaufpreis abzugelten ist. Ob in einer Summe oder als Rentenzahlung, komme auf die Liquidität der Käufer an, aber auch auf den Lebensplan des Abgebers. Denn Steuergeschenke sollten vermieden werden. Geld zur Finanzierung einer Übernahme böten Landesbanken oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

MICHAEL SUDAHL

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