Stromversorgung: Afrika und Asien 17.06.2011, 12:10 Uhr

Offgrid-Markt bietet Chancen für deutsche Hersteller

Rund 1,5 Mrd. Menschen auf der Welt leben ohne elektrischen Strom – vor allem im ländlichen Afrika und Südasien. Jenseits bestehender Netze für Strom zu sorgen, dieser sogenannte Offgrid-Markt erschließt ländliche Gebiete und bietet Chancen für deutsche Hersteller.

„Afrika wird sein flächendeckendes Stromnetz bekommen“, ist Hansjörg Gabler, Berater am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Baden-Württemberg, überzeugt. Seit dem Aufbau der Mobilfunknetze herrsche ein ungeheurer Aufbruchsgeist, zumal die Besitzer von Mobiltelefonen Strom zum Aufladen der Geräte brauchten. „Überall werden deshalb Pläne für einen Netzausbau geschmiedet.“

Wo kein Stromnetz vorhanden ist, ist der Markt der sogenannten Offgrid-Systeme. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen. Besonders erfolgreich sind seit einigen Jahren Anlagen, die nur wenige Watt leisten und lediglich Leselampen, Radios oder Handys mit Strom versorgen.

Offgrid-Markt: Kleinstkraftwerke produzieren Strom für den Hausgebrauch

Diese Kleinstkraftwerke für den Hausgebrauch bestehen nur aus einer Solarzelle – in die eine Batterie integriert ist – und einem Anschluss für den Verbraucher. Etwas komfortablere Lösungen haben auch Lade-
regler und separate Batterien. So können verschiedene Geräte, die an den Speicher angeschlossen werden, den Strom nutzen. Die Weltbank schiebt mit ihrer Initiative „Lighting Africa“ auf dem afrikanischen Kontinent diesen Markt an (s. Kasten).

„So etwas kann sich auch eine Familie leisten, für die etwas Größeres aus Geldgründen nie in Frage käme“, so Tobias Zwirner, Geschäftsführer des Memminger Distributors Phaesun, der auf einer Konferenz des Ostbayerischen Technologie-Transfer-Instituts zur ländlichen Entwicklung in Ulm das Sundaya-System präsentierte. Zwirners Firma vertreibt seit zehn Jahren Solarlösungen für den Süden. „Wir wachsen damit jedes Jahr 10 % bis 20 %“, sagte er.

Ultium vom asiatischen Hersteller Sundaya besteht aus einem kleinen Solarmodul (zwischen 3 W und 12 W) mit eingebauter Batterie. Dieses wird direkt oder über eine Verteilerdose an ein bis vier Leuchtstofflampen angeschlossen. Außerdem lässt sich auch ein kleiner Wechselrichter für andere Verbraucher anschließen. Der Preis: unter 100 €. Phaesun vertreibt das Produkt in Mosambik und in 34 anderen südlichen Ländern, wo man mit Partnern komplette Geschäftskonzepte wie Solarshops entwickelt.

Auf dem Ulmer Kongress präsentierte auch der Newcomer Fosera sein PSHS (Pico Solar Home System): ein 5-W-Modul, eine oder mehrere Batterien sowie Anschlüsse für unterschiedliche Verbraucher. Das deutsch-thailändische Unternehmen, eine Universitätsausgründung, entwickelt in Ulm, fertigt in Thailand und beschäftigt heute fünf Mitarbeiter. Geschäfte macht man derzeit in Afghanistan oder Mosambik.

Offgrid: Größere Versorgungssysteme für Dörfer, Minigrids oder Solar Home Systems

Deutsche Photovoltaikunternehmen bauen aber vor allem größere Versorgungssysteme für Dörfer, Minigrids oder Solar Home Systems. Im Branchenverband BSW (Bundesverband Solarwirtschaft) haben sich 35 Offgrid-Anbieter in einer separaten Gruppe organisiert, um die sich seitens des Verbandes Rafael Wiese kümmert.

Nach wie vor läuft ein Großteil des Geschäfts im Süden über Entwicklungs- oder Finanzierungsinstitutionen. „Das größte Problem in vielen Ländern ist die fehlende Rechts- und Investitionssicherheit“, sagte BSW-Vertreter Wiese. „Finanziell rechnet sich Solarenergie langsam gegenüber dem immer teureren Diesel.“

Für Offgrid produzieren bekannte Player wie Steca, Juwi, Solarworld oder SMA, aber auch stille Größen wie Phocos, seit seiner Gründung im Jahr 2000 weltweit führend bei Lade-
reglern und anderem Elektronik-
equipment für Kleinanlagen.

Potenzial des Offgrid-Marktes wird auf etwa 3 Mrd. € im Jahr 2011 geschätzt

Hinzu kommen Spezialisten wie Lorentz, ein Hersteller solar betriebener Pumpen und Bewässerungssysteme, oder die Aachener Firma Elgris, die Hybridlösungen, also eine Solarmodul mit einem Dieselgenerator, für Offgrid-Telekommunikationsanlagen baut. Und im Berchtesgadener Land fertigt die Elektro-Mechanik Meisl GmbH klimatisierte geschützte Offgrid-Kompaktschränke für alle elektronischen Komponenten einer solaren Hybrid-Erzeugungsanlage.

Hansjörg Gabler vom ZSW schätzt das weltweite Potenzial des Offgrid-Marktes auf grob 3 Mrd. € im Jahr 2011.

Deutsche Unternehmen, die im Süden erfolgreich aktiv sein wollen, sollten sich aber beeilen, denn dort wachsen rasch eigene Anbieter heran. Beispiel Bangladesch: Dort läuft eine äußerst erfolgreiche Elektrifizierungskampagne für die ländlichen Regionen. Nur zwei der mehreren Dutzend zertifizierten Laderegler- und Wechselrichterhersteller stammen aus Deutschland. „Die meisten Anbieter sind innovative heimische Firmen“, sagte Shariar A. Chowdhury, Direktor des Zentrums für Energieforschung an der privaten United International University in Dhaka, Bangladesch.

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