Iron Man auf Tauchstation 08.06.2016, 11:31 Uhr

US Navy erprobt Taucherhelme mit erweiterter Realität

Taucher der US Navy bekommen durch ihr Sichtfenster unter Wasser bald mehr zu sehen als nur die reale Unterwasserwelt. Technisch auf Augenhöhe mit dem Filmheld Iron Man haben sie Echtzeitdaten zu ihrer Tauchmission direkt vor Augen. Ein neuartiges Head-up-Display, das direkt in den Taucherhelm integriert wird, macht das möglich.

Prototyp eines Taucherhelms mit integriertem Divers Augmented Vision Display (DAVD). Damit hat der Taucher alle möglichen Daten vor Augen, die er während der Tauchmission braucht. 

Prototyp eines Taucherhelms mit integriertem Divers Augmented Vision Display (DAVD). Damit hat der Taucher alle möglichen Daten vor Augen, die er während der Tauchmission braucht. 

Foto: Richard Manley/US-Navy

Techniker der US Marine arbeiten im Naval Surface Warfare Center Panama City Division in Florida an einem Head-up-Display für Taucher. Ihre Entwicklung heißt Divers Augmented Vision Display (DAVD) und ist ein durchsichtiges, hochauflösendes Display, das direkt in einen Taucherhelm integriert wird und das Sichtfenster des Tauchers ergänzt.

Der Taucher hat alle möglichen Daten, die er auf seiner Tauchmission braucht, direkt vor Augen. Man könne sich das so vorstellen wie in einem Iron-Man-Film, sagt Ingenieur und Projektleiter Dennis Gallagher.  

Alle Daten auch beim Tauchen im Blick

Ein Head-up-Display ist eine spiegelnde Scheibe, auf die ein Bild projiziert wird. Der Nutzer kann durch die Scheibe seine Umwelt und gleichzeitig die Informationen sehen, die in seinem Sichtfeld auf die Scheibe projiziert werden, ohne dass er den Blick abwenden muss.

In Cockpits von Flugzeugen werden solche Display bereits seit Jahrzehnten eingesetzt, aber auch Pkw werden immer häufiger mit solchen Frontscheibendisplays ausgestattet, auf denen der Fahrer zum Beispiel Navigationsdaten im Blick hat, ohne die Augen von der Fahrbahn nehmen zu müssen.

Das Display im Taucherhelm mit Informationen der Sonarsysteme.

Das Display im Taucherhelm mit Informationen der Sonarsysteme.

Quelle: Richard Manley/US-Navy

Das Head-up-Display der Navy platziert alle möglichen Echtzeitdaten direkt vor den Augen des Tauchers: Die Informationen der Sonarsysteme, Tauchplatzbeschreibungen, Diagramme, sogar Textnachrichten, Fotografien und AR-Videos können auf dem Display abgelesen werden. Die Wahrnehmung des Tauchers ist der Point-of-View-Perspektive in einem Videospiel ähnlich. Dabei kann der Taucher das Display an- oder ausschalten und die Daten an verschiedenen Stellen auf dem Display platzieren.

Effektiv auf Tauchmission

Haben die Taucher unter Wasser zusätzlich solche Echtzeitdaten auf dem Schirm, könnten sie ihre Mission effektiver und sicherer ausführen und zielsicherer navigieren, heißt es bei der Navy. Das Display erweitere das Situationsbewusstsein der Taucher und verbessere ihre Genauigkeit bei der Navigation zu Schiffen, untergegangenen Flugzeugen oder anderen Zielen.

Denkbare Einsatzbereiche sind Missionen zur Instandhaltung von Schiffen, Unterwasseranlagen oder auch Rettungsaktionen. Der Einsatz im kommerziellen Tauchen wird ebenfalls nicht ausgeschlossen.

Laborsimulation: So würde der Taucher auf seinem Display im Helm, ein auf dem Meeresboden liegendes Flugzeug angezeigt bekommen. 

Laborsimulation: So würde der Taucher auf seinem Display im Helm, ein auf dem Meeresboden liegendes Flugzeug angezeigt bekommen. 

Quelle: Richard Manley /US-Navy

Gleichzeitig arbeitet man bei der Navy an der Entwicklung und Verbesserung von Sensoren, die das Divers Augmented Vision Display mit Daten versorgen sollen. Gedacht wird bei den Militär an ein hochauflösendes Miniatursonar und verbesserte Unterwasser-Videosysteme. Damit sollen Taucher selbst dann effektiv unter Wasser agieren, wenn die Sichtweite gegen Null tendiert.

Gallagher und sein Team haben das Display mehr als 20 Navy-Tauchern aus verschiedenen Bereichen demonstriert. Nun arbeite man an Komponenten, die sowohl in Taucherhelmen als auch in Tauchermasken integriert werden könnten. Im Oktober soll das System unter Wasser erprobt werden. 

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