Eingewebte Wearables 14.03.2017, 07:43 Uhr

Eine Jacke von Levi’s und Google, mit der man telefonieren kann

Blöd, wenn man gerade auf dem Fahrrad sitzt und das Handy klingelt. Wer künftig eine Jeansjacke von Levi’s trägt, braucht nur über den Ärmel streichen, um das Gespräch anzunehmen. Denn die Jacke hat Google mitentwickelt. Sie enthält leitfähige Fäden.

Google und Levi's haben einen Jeansstoff entwickelt, über den sich ein Smartphone steuern lässt. Kommt ein Anruf rein, leuchtet ein Button auf. Dann genügt ein Streichen über den Stoff mit der Hand und das Gespräch wird angenommen.

Google und Levi's haben einen Jeansstoff entwickelt, über den sich ein Smartphone steuern lässt. Kommt ein Anruf rein, leuchtet ein Button auf. Dann genügt ein Streichen über den Stoff mit der Hand und das Gespräch wird angenommen.

Foto: Levi Strauss

Und die Jacke, mit der man ein Smartphone steuern kann, ist nicht etwa Zukunftsmusik. Der vor zwei Jahren vorgestellte smarte Jeansstoff kommt schon im Herbst in Jackenform auf den Markt. Zunächst nur in den USA und für stolze 350 Dollar. Aber die Produktpalette soll schnell ausgeweitet werden. Vor allem Funktionstextilien haben Levi Strauss und Google im Blick.

Auf dem Fahrrad Smartphone per Jacke steuern

Dabei sind Radfahrer eine erste große Zielgruppe der Commuter Trucker Jackets. Auch Radfahrer sollen wie Autofahrer während der Fahrt nicht zum Handy greifen. Zu sehr ist man vom Verkehr abgelenkt, und bremsen oder einem Hindernis ausweichen ist mit nur einer Hand am Lenker fast unmöglich.

Am Unterarm ist eine Manschette mit der Elektronik befestigt, die von Google entwickelt wurde. Sie stellt per Bluetooth die Verbindung zum Smartphone her.

Am Unterarm ist eine Manschette mit der Elektronik befestigt, die von Google entwickelt wurde. Sie stellt per Bluetooth die Verbindung zum Smartphone her.

Foto: Levi Strauss

Und wie funktioniert die smarte Jacke? Im unteren linken Ärmel sind leitfähige Metallfäden in den Stoff eingewebt. Diese wiederrum sind mit einer berührungsempfindlichen Manschette im Ärmel verbunden, die per Bluetooth die Verbindung zum Smartphone aufbaut.

Die Manschette verfügt über einen Button, den man ebenfalls antippen kann und der zum Beispiel aufleuchtet bei einem ankommenden Gespräch. Klingelt nun das Telefon, braucht man nur auf den Stoff tippen, um das Gespräch anzunehmen oder abzulehnen. Möglich sind auch Wischbewegungen, um zum Beispiel das nächste Musikstück anzuwählen, um die Navigation zu steuern oder die Lautstärke zu verändern.

Vor allem Radfahrer, die beim Radeln kein Smartphone in der Hand halten sollen, haben Google und Levi Strauss als Kunden im Blick.

Vor allem Radfahrer, die beim Radeln kein Smartphone in der Hand halten sollen, haben Google und Levi Strauss als Kunden im Blick.

Foto: Levi Strauss

Das Ganze funktioniert aber nur dank einer App, die dazu auf dem Smartphone installiert werden muss. Sie soll auch den Zugriff auf weitere Programme ermöglichen, etwa auf Spotify und Google Maps. Derzeit soll Google mit weiteren App-Anbietern zusammen arbeiten, um die Angebote rasch zu erweitern.

Die Stromversorgung im Ärmel übernimmt eine kleine Batterie im Button. Sie soll zwei Tage lang halten.

Google will Hardware in einem Knopf unterbringen

Die von Google entwickelte, in der Jacke installierte Technik ist so klein, dass sie auch in einem Jackenknopf untergebracht werden kann. Das ist praktisch, weil die Elektronik im Gegensatz zu den Metallfäden nicht mitgewaschen werden darf. Also wird der Button oder eben Jackenknopf einfach entfernt, und schon kann die Jacke gemeinsam mit der ganz normalen Wäsche in der Maschine landen.

Touchpadgewebe von Google: Die Elektronik ist so klein, dass sie für den Träger kaum zu spüren ist. 

Touchpadgewebe von Google: Die Elektronik ist so klein, dass sie für den Träger kaum zu spüren ist. 

Foto: Google

Schon seit mehreren Jahren arbeiten Levi’s und Google im Project Jacquard an textilen Wearables für den Alltag. Dabei ist es das Ziel, dass die Technik gar nicht auffällt. Und das ist mit der Jeansjacke, die aussieht, wie jede andere Jacke von Levi’s, auch gelungen.

Verkauft wird die smarte Jacke über Levi’s Shops, nicht in Computer-Läden. Wann die Jacke auch in Deutschland zu haben ist, steht noch nicht fest.

 

Weitere Produkte in Planung

Die Jeansjacke ist natürlich erst der Anfang. Ist die Technik demnächst in einem Knopf untergebracht, können Business-Anzüge ebenso ausgerüstet werden wie Funktionskleidung.

Später soll die Elektronik auch in Funktionstextilien eingebaut werden.

Später soll die Elektronik auch in Funktionstextilien eingebaut werden.

Foto: Levi Strauss

Und wenn der Akku stören sollte: Forscher der Arizona State University (ASU) in Tempe bei Phoenix haben eine Lithium-Ionen-Batterie entwickelt, die sich um mehr als 150 Prozent ihrer ursprünglichen Größe dehnen lässt. Sie ist damit flexibel und stört noch weniger. Ideal für Textilien.

Von Axel Mörer-Funk Tags:

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