Pilotprojekt von Siemens 16.11.2015, 15:50 Uhr

Wie Züge: Elektro-Lkws sollen mit Oberleitungen fahren

Elektro-Lkws mit Stromabnehmern, die auf der Autobahn unter Oberleitungen fahren? Klingt verrückt, könnte in Deutschland aber bald Realität werden. Siemens hat die Technologie entwickelt und sucht Partner für ein Pilotprojekt. 

Siemens-Teststrecke in Templin-Groß Dölln: Ein Scania-Lkw zieht elektrische Energie aus einer Oberleitung. 

Siemens-Teststrecke in Templin-Groß Dölln: Ein Scania-Lkw zieht elektrische Energie aus einer Oberleitung. 

Foto: Siemens

Autofahrer aufgepasst! In Deutschland könnte es bald E-Lkws zu sehen geben, die auf der rechten Fahrbahnspur unter Oberleitungen fahren. Genau wie Züge. „Wir sind bereit zur öffentlichen Erprobung“, sagt Siemens-Projektleiter Martin Birkner.

Transportunternehmen können sich für Pilotstrecke bewerben

Schon 2017 könnte eine erste Pilotstrecke auf öffentlicher Straße Realität werden: Das Bundesumweltministerium hat vor einigen Tagen ein entsprechendes Förderprogramm auf den Weg gebracht. Interessenten für eine Teststrecke sollen eine Projektbeschreibung bis Ende Februar 2016 einreichen.

Im zweiten Halbjahr könnte dann die konkrete Planung beginnen, sagt Randolf Schließer, der sich im Auftrag des Ministeriums beim Projektträger VDI/VDE Innovation + Technik um das Vorhaben kümmert. Aus seiner Sicht wäre es am besten, wenn Anlagenbauer, Transportunternehmen und Bundesländer zusammen eine Bewerbung abgäben.

Lkw koppeln sich automatisch an Oberleitung an

Und wie funktioniert das System? Kernelement ist ein intelligenter Stromabnehmer, der einem Hirschgeweih ähnlich sieht und auf dem Lkw-Dach montiert ist. Er erkennt, ob auf dem aktuell befahrenen Streckenabschnitt eine Oberleitung vorhanden ist, und ermöglicht das automatische An- und Abbügeln bis zu einer Geschwindigkeit von 90 km/h.

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Der Hirschgeweih-ähnliche Stromabnehmer bügelt sich automatisch an die Oberleitung an. Der Hybrid-Lkw fährt dann mit seinem E-Motor und schaltet den Dieselmotor ab. 

Der Hirschgeweih-ähnliche Stromabnehmer bügelt sich automatisch an die Oberleitung an. Der Hybrid-Lkw fährt dann mit seinem E-Motor und schaltet den Dieselmotor ab.

Quelle: Siemens

Unter der Oberleitung schalten die Hybrid-Lkw dann ihre Dieselmotoren ab, wechseln auf E-Motoren und fahren emissionsfrei. Auch Überholen funktioniert problemlos. Der Stromabnehmer senkt sich, sodass der Fahrer auf die Überholspur ausscheren kann. Für die kurze Zeit sorgt dann eine Batterie für die Stromversorgung.

Bislang hat der Konzern das System auf einer 2,2 km langen Teststrecke in Templin-Groß Dölln – 60 km nördlich von Berlin – erprobt. Ein weiteres Pilotprojekt läuft in Schweden.

Güterverkehr wird bis 2030 um 40 % wachsen

Doch warum ist der eHigway überhaupt so interessant? Weil die Bundesregierung damit rechnet, dass der Güterverkehr bis 2030 um rund 40 % wächst. Das Problem: Nach ihrer Prognose wird die Bahn nur ein Fünftel des Zuwachses übernehmen können, sodass in Zukunft deutlich mehr Lkws auf den Straßen fahren werden.

Zusätzlich zum Elektromotor verfügen die Lkw über einen leistungsstarken Dieselmotor für nicht elektrifizierte Strecken. Mit optimalem Wirkungsgrad treibt dieser Motor auf dem Fahrzeug einen Generator an, mit dem der Strom für den Antrieb des Elektromotors erzeugt wird. Bei Überholmanövern oder auf nicht elektrifizierten Strecken können die Fahrzeuge auf konventionellen Dieselbetrieb oder optional auf Versorgung durch einen Energiespeicher umschalten.

Zusätzlich zum Elektromotor verfügen die Lkw über einen leistungsstarken Dieselmotor für nicht elektrifizierte Strecken. Mit optimalem Wirkungsgrad treibt dieser Motor auf dem Fahrzeug einen Generator an, mit dem der Strom für den Antrieb des Elektromotors erzeugt wird. Bei Überholmanövern oder auf nicht elektrifizierten Strecken können die Fahrzeuge auf konventionellen Dieselbetrieb oder optional auf Versorgung durch einen Energiespeicher umschalten.

Quelle: Siemens

Dabei gilt es, den CO2-Ausstoß im Zaum zu halten. „Der Hybrid ist der erste Schritt auf dem Weg zu elektrisch angetriebenen Fahrzeugen, die eine immer wichtigere Rolle bei der Entwicklung des nachhaltigen Güterverkehrs spielen“, sagt Roland Edel, Technologiechef der Mobilitätssparte von Siemens.

Und Oberleitungen sind deswegen die geeignete Lösung, weil Akkus für lange Gütertransporte noch nicht leistungsstark genug sind. Und wie teuer ist das? Laut Birkner gehen bisherige Studien davon aus, dass ein Kilometer Autobahnelektrifizierung bis zu 2,5 Millionen € kostet.

 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitete während seines Studiums der Kommunikationsforschung bei verschiedenen Tageszeitungen. 2012 machte er sich als Journalist selbstständig. Zu seinen Themen gehören Automatisierungstechnik, IT und Industrie 4.0.

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