Simulation und KI 18.09.2025, 14:30 Uhr

Virtuell und real: Porsche testet den Cayenne unter Extrembedingungen

Beim Cayenne Electric setzt Porsche mehr denn je auf digitale Tests. Aber am Ende zählt immer noch der Mensch: In den letzten Erprobungsfahrten treiben die Ingenieure das SUV bis ans Limit.

Porsche

Porsche Cayenne: von der virtuellen Simulation zum realen Test.

Foto: Porsche AG

Der neue Cayenne Electric wurde mit Hilfe digitaler Entwicklungsmethoden konzipiert und anschließend umfassend im Realbetrieb getestet. Seine Weltpremiere ist für Ende des Jahres geplant. Das vollelektrische SUV wird dann neben den bestehenden Verbrenner- und Hybridmodellen erhältlich sein.

„Dieses Projekt war das erste, bei dem wir direkt von der digitalen Gesamtfahrzeugerprobung in die Vorserienfertigung übergegangen sind“, sagt Dr. Michael Steiner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Mitglied des Vorstandes, Forschung und Entwicklung. Die aufwendige „Baustufe“ mit speziell gebauten Prototypen war diesmal nicht nötig: Etwa 120 Testfahrzeuge konnten durch digitale Modelle ersetzt werden. Schon in der Konstruktionsphase nutzten die Ingenieure virtuelle Prototypen für erste Testfahrten am Computer.

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&Porsche-Ingenieure überwachen die virtuelle und reale Erprobung des Cayenne Electric und sorgen dafür, dass Fahrzeugleistung und Thermomanagement perfekt abgestimmt sind.

Foto: Porsche AG

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Digitale Entwicklung mit Turboeffekt

Simulation und KI haben die Fahrzeugtests bei Porsche deutlich verändert und beschleunigt. Grundlage dafür sind drei Dinge: digitalisierte Strecken von der Nordschleife bis zum Stadtverkehr, das Know-how der Weissacher Ingenieure aus jahrzehntelanger Praxis und die enorme Rechenpower moderner Systeme. So ließ sich der Cayenne nicht nur am Computer abbilden, sondern gleich virtuell erproben. Schon in der frühen Entwicklung konnten die Experten per Virtual Reality erste Eindrücke sammeln und Bauteile flexibel anpassen. Später wurden die digitalen Ergebnisse durch Tests mit realen Komponenten bestätigt.

Dafür hat Porsche einen völlig neuen Verbundprüfstand entwickelt. Dort können Antrieb, Batterie, Energiemanagement und Ladesystem gemeinsam unter realitätsnahen Bedingungen getestet werden. Vier leistungsstarke Synchronmotoren simulieren unterschiedliche Fahrbahnen, Beschleunigungswiderstände sowie Kräfte beim Bremsen und Rekuperieren. Ingenieur Marcus Junige erklärte, die Technik sei so ausgereift, dass sich sogar verschiedene Asphaltarten oder Reifenschlupf nachbilden lassen. Auch die Umgebungsbedingungen können vollständig simuliert werden.

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Der Porsche Cayenne Electric wird sowohl virtuell als auch unter realen Bedingungen getestet – von Dauerläufen über Extremklima bis hin zu digitalen Simulationen.

Foto: Porsche AG

Virtuell ans Limit

„Unsere Versuchsprogramme sind vom Anspruch her im Wettbewerb einmalig“, erklärt Junige. Am Limit auf der Nürburgring-Nordschleife – und das schon virtuell. Der digitale Prototyp liefert alle Daten, die in Echtzeit in den Prüfstand eingespeist werden. Junige betont, dass das Fahrzeug jederzeit volle Leistung bringen muss, sobald der Fahrer sie abruft. Besonders das Thermomanagement ist eine Herausforderung: Heizung und Kühlung der Batterie sind stärker ausgelegt als bei jedem bisherigen Elektro-Porsche, um die Energie immer optimal zu steuern. Während der gesamten Runde werden die Prüfstand-Werte ständig mit dem digitalen Zwilling abgeglichen – und die Simulation ist mittlerweile so präzise, dass kaum noch Anpassungen nötig sind.

So genau die Simulation auch arbeitet – die letzte Feinabstimmung machen immer noch die Ingenieure.

„In der Realität kann nur der Mensch den letzten Feinschliff geben“, erklärt Sascha Niesen, Teamleiter Erprobung Gesamtfahrzeug im Porsche-Entwicklungszentrum Weissach. Gerade auf Rennstrecken wird deutlich, wie wichtig die Erfahrung der Testfahrer ist, um Fahrverhalten und Steuerung optimal abzustimmen. Der Cayenne Electric wird in allen Situationen geprüft – in der Stadt, auf der Autobahn und im Gelände. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Lademanagement. „Egal wie der Cayenne vorher bewegt wurde, er muss immer für das Schnellladen konditioniert sein“, erklärt Ingenieur Marcus Junige.

Besonders anspruchsvoll sind Tests unter extremen Klimabedingungen. In heißen Regionen wie den Golfstaaten oder dem US-Death Valley mussten Klimaanlage und Thermomanagement von Batterie und Antrieb bei bis zu 50 Grad Celsius volle Leistung zeigen. In Skandinavien bei minus 35 Grad standen Kaltstart, Heizung, Traktion, Handling, Bremsverhalten und die Fahrdynamik-Systeme auf dem Prüfstand. Bei beiden Extremen musste der Cayenne Electric zudem schnell laden können – kaum ein Hersteller stellt seine Fahrzeuge in dieser Hinsicht so auf die Probe wie Porsche.

Porsche

Cayenne Electric Prototyp, Erprobung, 2025.

Foto: Porsche AG

Extremtests für den Cayenne Electric

Bei den Dauerläufen simulieren die Ingenieure ein komplettes Fahrzeugleben unter extremen Bedingungen – härter, als die meisten Kunden je erleben. Innerhalb weniger Monate legen die Autos im Schichtbetrieb mehr als 150.000 Kilometer zurück – in der Stadt, auf Landstraßen und Autobahnen.

Vom Crashlabor über Dauerläufe bis zu Prüfungen unter Extrembedingungen kombinieren die Teams digitale Planung und reale Tests. Dadurch arbeiten die Entwicklungsprozesse präziser, die Entwicklungszeit des Cayenne Electric verkürzte sich um rund 20 Prozent, und gleichzeitig sinkt der Materialaufwand.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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