Verkehrsminister Schnieder kündigt Gesetz für kommerzielle Drohnenflüge an
Deutschland soll zum Leitmarkt für autonomes Fahren werden und den professionellen Einsatz von Drohnen. Was technisch möglich ist und wo Deutschland aktuell steht, ist auf der Messe Xponential Europe izu sehen.
Regelmäßige Flugvorführungen von Drohnen unterschiedlicher Größe in Düsseldorf sollen bei der Bevölkerung Vertrauen in die Technologie schaffen. Sie gehören zum Programm der Messe Xponential 2026.
Foto: Martin Ciupek
Für Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, Schirmherr der Messe, gewinnen autonome Systeme seit seinem Amtsantritt im Mai 2025 an Bedeutung. In einer seiner ersten Amtshandlungen erteilte er mit seinem Ministerium der HGK Shipping die Erlaubnis für den Testbetrieb ferngesteuerter Binnenschiffe in deutschem Kanalnetz. „Das ist die Vorstufe einer weitergehenden Automatisierung der Navigation mit großem Potenzial“, erklärte er jetzt anlässlich der Eröffnung der Xponential Europe 2026.
Vor dem Hintergrund von Personalmangel sieht er darin insbesondere beim Fernsteuern von Schubverbänden auf Wasserstraßen großes Potenzial. Auch das im Juli 2025 gestartete Projekt zum automatisierten Zugbetrieb zwischen Deutschland und dem Hafen Rotterdam durfte Schnieder seitens der Bundesregierung bekannt geben.
Inhaltsverzeichnis
- Rechtsrahmen zur Teleoperation auf Straßen: Vorstufe zum autonomen Fahren
- Intergration von Drohnen im Luftverkehr: Verkehrsminister plant Gesetz bis Ende 2026
- Sicherheit im Luftverkehr: Bemannte und unbemannte Luftfahrt müssen zusammenarbeiten
- Wettbewerb bei autonomen Systemen: Wehrtechnik dominiert diesmal in Düsseldorf
- Lieferketten sind für Hersteller ein strategisches Thema
- Zwiespalt zwischen Regulierung und Entwicklungstempo bei autonomen Lösungen
- Internationale Zusammenarbeit gegen chinesische Dominanz
Rechtsrahmen zur Teleoperation auf Straßen: Vorstufe zum autonomen Fahren
Wichtig ist für den Bundesverkehrsminister darüber hinaus die seit 1. Dezember 2025 geltende Straßenverkehr-Fernlenk-Verordnung (StVFernLV). Sie schafft einen Rechtsrahmen für die Erprobung teleoperierter Kraftfahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr. „Die Erkenntnisse und Erfahrungen, die dabei gesammelt werden, helfen auf dem Weg zum vollständig autonomen Fahren“, zeigt er sich überzeugt. Nun gelte es „Business Cases für diejenigen zu schaffen, die solche Fahrzeuge produzieren“ und „Daten zu sammeln, die für die KI unverzichtbar sind, um die Systeme immer besser zu machen“.
Auch den Luftverkehr hat der Bundesverkehrsminister im Blick. „Die neuen Möglichkeiten und Chancen dieser Technologien wollen wir nutzen“, erklärte er auf der Messe Xponential vor internationalen Vertretern der Branche. Senkrechtstarter und landefähige Luftfahrzeuge, die auch als VTOL (Vertical Take-Off and Landing) bezeichnet werden, gelte es dazu sicher in den Luftraum zu integrieren. Er denkt dabei vor allem an Anwendungen wie Rettungseinsätze, Warentransporte, Inspektionen, Vermessungsarbeiten, die Landwirtschaft aber auch den Schutz kritischer Infrastrukturen.

Intergration von Drohnen im Luftverkehr: Verkehrsminister plant Gesetz bis Ende 2026
Technisch könnten sich deutsche Unternehmen nach Auffassung des Bundesministers dabei mit Unternehmen aus den USA, China und anderen Hochtechnologieländern messen. „Das sind ideale Voraussetzungen, um Deutschland zum Leitmarkt für die unbemannte Luftfahrt und die ‚Advanced Air Mobility‘ zu machen. Dieses Ziel hat die Bundesregierung im ‚U-Space‘-Konzept verankert“, so Schnieder. Daran arbeite man zusammen mit der Branche.
Zur Rolle der U-Spaces für das Verkehrsmanagement sagte er in Düsseldorf: „Das sind klar definierte Lufträume, in denen unbemannter und bemannter Luftverkehr gleichzeitig stattfinden sollen. Diese Räume sind die Vorläufer der ‚Advanced Air Mobility,‘ also eines Luftverkehrssystems, in dem Drohnen und VTOLs überall selbstverständlich dazu gehören.“ Damit sollen wichtige Erkenntnisse zur Steuerung und Kommunikation der Verkehrsteilnehmer untereinander gewonnen werden.
Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) habe dazu einen Gesetzentwurf erstellt. Im nächsten Schritt sollen andere Ressorts informiert werden, bevor der Vorschlag ins parlamentarische Verfahren geht. Er hofft darauf, dass Deutschland bis Ende des Jahres als erster EU-Mitgliedsstaat ein Gesetz zur Einrichtung solcher U-Spaces habe.
Sicherheit im Luftverkehr: Bemannte und unbemannte Luftfahrt müssen zusammenarbeiten
Für Bundesminister Schnieder steht dabei die Sicherheit im Mittelpunkt: „Für die digital gesteuerten Luftfahrzeuge brauchen wir neue automatisierte Systeme zur Luftraumüberwachung sowie stabile Öko- und Kommunikationssysteme.“ Eingesetzt würden dafür sogenannte „Unmanned Traffic Management Systeme“. Sie überwachen und kontrollieren den Drohnenverkehr in den U-Space-Lufträumen. „Dafür müssen sie eng mit den bestehenden Air Traffic Management Systemen der traditionellen bemannten Luftfahrt zusammenarbeiten. Beide Systeme müssen also miteinander verbunden und technisch integriert werden. Klare Abläufe sind zum Beispiel bei einem Notfall dringend nötig“, so Schnieder zu den Herausforderungen.
Aus nächster Nähe gibt es Drohnen aktuell am Rheinufer neben dem Messegelände in Aktion zu sehen. Modelle unterschiedlicher Hersteller starten hier noch überwacht von einer oder auch mehreren Personen zu Rundflügen. Zur Sicherheit mit dabei ist bei den größeren Drohnen immer auch eine Hülse, in der sich ein Fallschirm befindet.
Wettbewerb bei autonomen Systemen: Wehrtechnik dominiert diesmal in Düsseldorf
In der Messehalle wird deutlich, wie umkämpft der Markt für Drohnen und autonome Fahrzeuge und Boote inzwischen ist. Zwischen Modellen deutscher Unternehmen wie Diehl Defence, Quantum Systems sowie Rheinmetall sind auch Lösungen und Hightech-Komponenten aus China, Israel, Lettland, Spanien, Taiwan, Tschechien und der Ukraine und den USA zu bestaunen.
Deutlich stärker als noch im Vorjahr stehen dabei militärische Lösungen im Vordergrund. Dazu gehören neben den im Kriegseinsatz erprobten Produkten aus der Ukraine beispielsweise auch die senkrecht startenden Drohnen vom Typ Shield AI V-BAT. Aufgestellt sind sie etwas größer als ein Mensch und haben ein Startgewicht von bis zu 78 kg. In der Ukraine werden die Modelle des US-Unternehmens eingesetzt um feindliche Ziele zu markieren.
Eine Besonderheit bei Shield AI ist das KI-gestützte ViDAR. Das ist ein Multisensorsystem mit optischen Kameras (Ultra HD) und Infrarotsensoren für die Detektion von Objekten bei Tageslicht sowie in Dunkelheit. Laut Unternehmen vereinfacht ein KI-Modell die Suche nach bestimmten Objekten. Das können gepanzerte Fahrzeuge sein, aber auch Schlauchboote oder Schiffbrüchige auf hoher See. Vergleichbar zu ChatGPT reiche für eine Suche ein Kommando in natürlicher Sprache, wie „zeige mir alle roten Fahrzeuge im Suchgebiet“.
So überrascht es nicht, dass Shield AI mit der US-Firma Palantir zusammenarbeitet, die auf die Analyse großer Datenmengen spezialisiert ist. Kernprodukte der Drohnentechnologie stammen aus Europa und den USA, ist am Messestand zu erfahren. Auf Komponenten aus Asien werde verzichtet.
Lieferketten sind für Hersteller ein strategisches Thema
Generell sind Lieferketten auf der Messe ein wichtiges Thema. Das gilt beispielsweise auch für die Modelle der deutschen Rüstungsunternehmen Rheinmetall und Diehl. Beide zeigten unter anderem auch Drohnen zum Schutz vor fremden Drohnen. Das sind kleine Fluggeräte, die besonders schnell sind und fremde Objekte entweder mit einem integrierten Sprengkopf oder einem Fangnetz attackieren können.
Bei den Lieferketten geht es dabei nicht nur um Komponenten, sondern auch um Rohstoffe. Besonders im Fokus stehen beispielsweise die Seltenen Erden. Das sind Materialien, die vor allem aus China kommen und für die Permanentmagnete in den Elektromotoren benötigt werden.
Eine Alternative aus Deutschland konnte sich Bundesverkehrsminister Schnieder auf der Xponential am Stand von Cast Coil aus Münster ansehen. Anstatt Spulen aus Kupfer zu wickeln, gießt das Unternehmen diese aus Aluminium. Das ist in Europa in großen Mengen vorhanden. Gleichzeitig spart es gegenüber gewickelten Spulen aus Kupfer Gewicht. Erste Motoren hat damit die Firma Lenord+Bauer aus Oberhausen realisiert. Auch diese sind in Düsseldorf zu sehen.

Zwiespalt zwischen Regulierung und Entwicklungstempo bei autonomen Lösungen
Regulierung darf aber nicht zur Hürde werden, wenn Europa in dem Markt für autonome Systeme und Drohnen erfolgreich sein will. Darüber sind sich Hersteller und Branchenverbände auf der Messe Xponential einig. Den Spagat zwischen Sicherheit und Innovationsgeschwindigkeit machte beispielsweise Forian Gueillermet, der geschäftsführende Direktor der European Union Aviation Safety Agency (EASA) deutlich: „Wir neigen dazu zuerst zu regulieren“. Erst dann komme der Betrieb. Dagegen werde z.B. in den USA zunächst getestet, bevor Regulierungen entwickelt würden. Da gebe es in Europa Verbesserungspotenzial.
Internationale Zusammenarbeit gegen chinesische Dominanz
Im globalen Wettbewerb richtet sich der Blick der internationalen Akteure aktuell allerdings eher auf China. Das machte Michael Robbins, President und CEO der weltweit größten Organisation für unbemannte und autonome Systeme AUVSI deutlich. Der Reserveoffizier der US-Navy verwies auf die Überkapazitäten, die China in den Bereichen Elektromobilität und Robotik aufgebaut habe. Dazu komme die Dominanz bei den zur Produktion notwendigen Rohstoffen. „Kein Land kann allein dagegenhalten“, mahnte er und forderte eine stärkere „Zusammenarbeit vertrauenswürdiger Partner“. Unternehmen aus demokratischen Ländern müssten jetzt zusammenarbeiten, um Demokratie zu sichern, so sein Appell.
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