Empfindlicher Detektor 02.12.2019, 07:00 Uhr

Sprengstoffe mit schwarzem Silizium erkennen

Sicherheitskontrollen am Flughafen könnten vielleicht in Zukunft rascher über die Bühne gehen. Denn ein leistungsstarker, empfindlicher Sensor erkennt verdächtige Chemikalien, ohne falschen Alarm auszulösen.

Hund als Spürnase

Signalisiert der Detektor am Flughafen Sprengstoffe, rücken Hunde aus. Empfindlichere Systeme auf Siliziumbasis könnten das Prozedere vereinfachen.

Foto: panthermedia.net/liudmilachernetska@gmail.com

Kaum reist man mit der großen Spiegelreflex-Kamera und mit ein paar lichtstarken Objektiven in Urlaub, geht es beim Sicherheitscheck zur Sache: Das dickwandige Gehäuse aus Aluminium gewährt nur unzureichende Einblicke – die Röntgenstrahlung bei der Kontrolle hat vergleichsweise wenig Energie. Schon folgt ein Test auf Sprengstoffe.

Denn wer mit explosiven Substanzen hantiert, hinterlässt Spuren am Koffer oder an Geräten. Sicherheitspersonal wischt mit einem Teststreifen über Oberflächen und über die Hände. Anschließend untersuchen Hochgeschwindigkeits-Gaschromatographen die Probe in 15 bis 18 Sekunden. Sie sollen Mengen ab 100 Piktogramm detektieren. Besteht dann noch Unsicherheit, kommen Hunde zum Einsatz.

Das Prozedere kostet Zeit; Sicherheitskontrollen entwickeln sich zum Nadelöhr der Passagierabfertigung. Deshalb haben australische und russische Wissenschaftler einen hochempfindlichen Sensor auf Basis von schwarzem Silizium entwickelt. Ihr Gerät ist in der Lage, Spuren von Nitroaromaten zu erkennen und kann zur Identifizierung der meisten Sprengstoffe oder hochgiftigen Schadstoffe für medizinische und forensische Untersuchungen eingesetzt werden.

Behandlung der Oberfläche macht Silizium empfindlich

Der neuartige Sensor basiert auf schwarzem Silizium. Was verbirgt sich dahinter? Diese Oberflächenmodifikation kristallinen Siliziums ist seit Mitte der 1980er-Jahre bekannt. Durch chemisches Ätzen, durch den Beschuss mit hochenergetischen Ionen oder ultrakurzen Laserpulsen entstehen nadelförmige Strukturen auf der Oberfläche. Sie verringern die Reflexion von Licht stark. Das Material ist deshalb nicht mehr metallisch glänzend, sondern schwarz.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Stadt Freiburg-Firmenlogo
Ingenieur*in / Techniker*in / Meister*in Elektrotechnik als Projektleitung Stadt Freiburg
Freiburg Zum Job 
Staatliches Baumanagement Hannover-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Hannover
Hannover Zum Job 
Koehler Paper-Firmenlogo
Produktionsingenieur (m/w/d) Papier Koehler Paper
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur - Oberbauleiter Rohbau (m/w/d) Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur/Bautechniker - Bauleiter Rohbau (m/w/d) Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG
Stuttgart Zum Job 
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur/Bautechniker - Bauleiter Rohbau (m/w/d) Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 
Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d) Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Ingenieur Mikroelektronik - Hochfrequenztechnik / Messtechnik (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 
Hirschvogel Holding GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker als Planer Qualitätsmanagement für Kundenprojekte (m/w/d) Hirschvogel Holding GmbH
Denklingen Zum Job 
Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY-Firmenlogo
Scientist for FPGA-based RF signal processing and control (m/f/d) Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY
Hamburg Zum Job 
JOST-Werke Deutschland GmbH-Firmenlogo
Manager Testing & Prototyping Global | Mechanical Systems (m/w/d) JOST-Werke Deutschland GmbH
Neu-Isenburg (bei Frankfurt a. M.) Zum Job 
Landkreis Reutlingen-Firmenlogo
Leitung (w/m/d) des Kreisbauamtes Landkreis Reutlingen
Reutlingen Zum Job 
kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH-Firmenlogo
Bautechniker (m/w/d) kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH
Ingolstadt, Taufkirchen, Freising, Eichstätt Zum Job 
Markt Bad Abbach-Firmenlogo
Sachgebietsleitung Hochbau und Gebäudeunterhaltung (w/m/d) Markt Bad Abbach
Bad Abbach Zum Job 
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Projektleitung Großprojekte Wasserwerke (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 
Sweco GmbH-Firmenlogo
Teamleitung Verkehr & Wasser (w/m/x) Sweco GmbH
Hannover Zum Job 
Stadtwerke Strausberg GmbH-Firmenlogo
Techniker Stromnetz - Netzkoordination & Digitalisierung (m/w/d) Stadtwerke Strausberg GmbH
Strausberg Zum Job 
Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter (m/w/d) im Stahlbau Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG
Karlsruhe Zum Job 
Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Lehrkraft (m/w/d) Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen Zum Job 

Die Forscher arbeiteten mit einem chemischen Ätzverfahren; sie setzten Sauerstoff und Schwefelhexafluorid ein. Nach dem Ätzen wurde die Oberfläche mit einer Monoschicht aus Carbazol-Molekülen bedeckt. Dieser Prozess wird als chemische Funktionalisierung bezeichnet, da gebundene Moleküle dem Substrat neue Eigenschaften verleihen: nämlich die Fähigkeit, Nitroaromaten an der Oberfläche zu binden und zu konzentrieren. Die Carbazol-Monoschicht macht das Gerät empfindlich gegenüber so weit verbreiteten, in Sprengstoffen vorhandenen Chemikalien wie Nitrobenzol, o-Nitrotoluol, 2,4-Dinitrotoluol oder ähnliche Molekülen. Er reagiert jedoch nicht auf – zumindest unter pyrotechnischen Aspekten – harmlose Stoffe wie Benzol, Toluol, Tetrachlormethan, Methanol, oder Ethanol.

Aus dem Detektor und weiteren elektronischen Komponenten entwickelten die Forscher eine Sensorplattform. Sie identifiziert Nitroaromaten, indem sie Veränderungen im Lumineszenzspektrum von Carbazol registriert. Das klingt kompliziert. Zur Auswertung ist aber nur ein Computer mit der Steuersoftware erforderlich – Ingenieurwissen braucht man nicht.

Extrem variabler Messbereich bei hoher Empfindlichkeit

Bei den Tests zeigten sich weitere, äußerst wünschenswerte Eigenschaften: Nanostrukturiertes, schwarzes Silizium, das als Basis für das Gerät verwendet wird, besitzt eine hohe Empfindlichkeit und einen beispiellosen dynamischen Messbereich. Im Labor ist der Sensor in der Lage, Informationen über das Vorhandensein von verdächtigen Molekülen in Flüssigkeiten oder Gasen zu liefern.

„Die Kombination einzigartiger morphologischer und optischer Eigenschaften von schwarzem Silizium zusammen mit einfach zu implementierenden Methoden der Oberflächenchemie ermöglichte eine bisher unerreichte Empfindlichkeit“, fasst Alexander Mironenko zusammen. Er forscht am Far Eastern Branch of the Russian Academy of Sciences in Wladiwostok. Mironenko: „Unser Sensor ist in der Lage, nitroaromatische Verbindungen in Konzentrationen bis in den PPT-Bereich, also Parts per Trillion, nachzuweisen.“ Ein extrem breiter dynamischer Messbereich wird durch die einzigartige, „stachelige“ Morphologie von schwarzem Silizium verursacht. Das führt zur ungleichmäßigen Verteilung von Carbazol-Molekülen – und damit zu unterschiedlich empfindlichen Stellen auf der Oberfläche.

Einsatz auch in der Umwelttechnik denkbar

Den Wissenschaftlern zufolge sollte die Herstellung der neuen Plattform im Vergleich zu etablierten Technologien recht günstig sein. Darüber hinaus kann der gleiche Sensor mehrfach verwendet werden.

Die Einsatzmöglichkeiten beschränken sich keineswegs auf Gepäck- oder Personenkontrollen. „Nitroaromatische Verbindungen sind in Abwässern von Lackieranlagen oder Militäranlagen zu finden und stellen eine große Gefahr für die Umwelt dar“, erklärt Alexander Kuchmizhak von der Far Eastern Federal University in Wladiwostok. Damit sei der Nachweis eine wichtige Aufgabe: sowohl, um Kontaminationen aufzuspüren, als auch, um zu sehen, ob Industriebrachen erfolgreich saniert worden sind. Die neue Technologie eignet sich ebenfalls für Gassensoren, um Kontaminationen in der Luft aufzuspüren.

Mehr zum Thema Sprengstoff-Nachweis:

  • Cyber-Heuschrecke spürt Sprengstoff auf
  • Elektronische Nano-Nase riecht noch besser als ein Spürhund
  • Wie die britische Regierung den Bombenlegern auf die Spur kam

Ein Beitrag von:

  • Michael van den Heuvel

    Michael van den Heuvel hat Chemie studiert. Unter anderem arbeitet er für Medscape, DocCheck, für die Universität München und für pharmazeutische Fachmagazine. Seit 2017 ist er selbstständiger Journalist und Gesellschafter von Content Qualitäten. Seine Themen: Chemie/physikalische Chemie, Energie, Umwelt, KI, Medizin/Medizintechnik.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.