Studien für Autosalon Paris 22.09.2014, 11:09 Uhr

Renault und Citroën machen VWs 1-Liter-Auto Konkurrenz

Die französischen Autohersteller Renault und Citroën stellen auf dem Pariser Autosalon äußerst energieeffiziente Kleinwagen vor, die mit dem 1-Liter-Auto von VW konkurrieren können. Zumindest in der Theorie, denn während VWs XL1 bereits in Mini-Auflage durch die Weltgeschichte kurvt, sind die sparsamen Franzosen bisher nur Studien. Aber die haben es in sich. 

Die Kleinwagenstudie C4 Cactus Airflow 2L von Citroën speichert Energie in einem Druckspeicher. Der Verbrauch des Autos soll bei zwei Litern auf 100 Kilometern liegen. Vorgestellt wird die Studie auf dem Autosalon in Paris.

Die Kleinwagenstudie C4 Cactus Airflow 2L von Citroën speichert Energie in einem Druckspeicher. Der Verbrauch des Autos soll bei zwei Litern auf 100 Kilometern liegen. Vorgestellt wird die Studie auf dem Autosalon in Paris.

Foto: Citroën

Das Rennen um ein tragfähiges Konzept für das 1-Liter-Auto gleicht der Suche nach dem heiligen Gral: Wird doch beides als Heilbringer und Garant für Gesundheit und Wohlergehen für die Menschheit gehandelt. Nachdem VW seinen jüngsten Beitrag zur Debatte, den zigarrenförmigen Zweisitzer XL1, jetzt in einer Kleinstserie von 50 Exemplaren auf den Markt gebracht hat, machen auch Renault und Citroën einen Vorstoß in diese Richtung gemacht.

Renault stellt Eolab vor

Auf dem Pariser Autosalon vom 4. bis 19. Oktober will Renault seine Studie Eolab vorstellen. Der Kleinwagen, der einem Clio ähnlich ist, verbraucht laut Hersteller tatsächlich nur 1 Liter Benzin auf einer Strecke von 100 Kilometern. Das erreichen die Franzosen durch eine alltagstaugliche, aber besonders aerodynamische Form – der cw-Wert liegt bei 0,235- Außerdem senkt sich der Wagen bei hohen Geschwindigkeiten bis zu 25 Millimeter ab und wird noch windschlüpfriger.

Auf dem Pariser Autosalon vom 4. bis 19. Oktober will Renault seine Studie Eolab vorstellen, die nur einen Liter Benzin verbrauchen soll.

Auf dem Pariser Autosalon vom 4. bis 19. Oktober will Renault seine Studie Eolab vorstellen, die nur einen Liter Benzin verbrauchen soll.

Quelle: Renault

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Die Reifen mit einer Breite von 14,5 Zentimetern tun mit ihrer geringen Auflagefläche ihr Übriges. Dazu kommt weitestgehende Leichtbauweise: Die Karosserie besteht aus Aluminium und Magnesium, die Windschutzscheibe ist extradünn und die Heckscheibe wird aus Kunststoff gefertigt. Insgesamt bringt der kleine Renault 955 Kilo und damit etwa zehn Prozent weniger als ein Serien-Clio auf die Wage – und da sind die rund 150 Kilo für den Hybridantrieb und die Batterie schon mit eingerechnet.

Elektroantrieb und Benzinmotor arbeiten zusammen

Die elektrische Reichweite des Hybrid-Autos liegt bei 60 Kilometer. Dank dieser Strecke drückt Renault den Verbrauch auf unter einen Liter. Um diese Strecke mit einem vergleichsweise kleinen Lithium-Ionen-Akku von 6,7 kWh zu schaffen, setzt der Eolab auf Bremskraftrückgewinnung. Der Elektromotor von 40 kW beziehungsweise 54 PS beschleunigt den Wagen auf bis zu 120 km/h. Wenn die Elektroenergie verbraucht ist, kommt der Benzinmotor mit einer Leistung von 57 KW oder 78 PS zum Zuge.

Citroën hat die Aerodynamik des C4 Cactus Airflow gegenüber dem Serienmodell um 20 Prozent gesteigert. Zum Beispiel wurden die klobigen Rückspiegel durch filigrane Kameras ersetzt.

Citroën hat die Aerodynamik des C4 Cactus Airflow gegenüber dem Serienmodell um 20 Prozent gesteigert. Zum Beispiel wurden die klobigen Rückspiegel durch filigrane Kameras ersetzt.

Quelle: Citroën

Im Idealfall erreicht der Wagen so einen Verbrauch von etwa einem Liter für 100 Kilometer – geringfügig mehr als der XL1 von VW mit seinen 0,9 Litern (nach Angaben des Herstellers), der mit einem ähnlichen Prinzip unterwegs ist. Für den Schluck zusätzlichen Treibstoff bekommt man mit dem Renault jedoch ein Auto, das auch so aussieht wie ein solches und nicht wie eine fahrende Zigarre mit gerade mal zwei Plätzen – zumindest theoretisch, denn noch handelt es sich beim Eolab nur um eine Studie.

Citroëns Spar-Cactus speichert Energie in einem Druckspeicher

Die Kleinwagenstudie C4 Cactus Airflow 2L des Landsmanns Citroën macht sich ein Hydrauliksystem mit Druckspeicher für überschüssige Energie zunutze, um auf einen Verbrauch von 2 Litern auf 100 Kilometern zu kommen, fährt dabei jedoch an sämtlichen Steckdosen vorbei. Der Wagen, eine Weiterentwicklung der aktuellen C4-Cactus-Serie, nutzt den Hybridantrieb nur zur Verwertung der Energie, die durch die Rückgewinnung der Bremskraft entsteht. Ansonsten möchte der Dreizylindermotor gern mit Benzin gefüttert werden und bringt 60 kW bzw. 82 PS auf die Straße – eine Leistung, die laut Citroën mit einem 110-PS-Diesel vergleichbar ist.

Im Renault ersetzen zwei kleine Kameras die Rückspiegel und senden das Bild auf ein Display. Auch Citroën setzt auf diese neue Technik. 

Im Renault ersetzen zwei kleine Kameras die Rückspiegel und senden das Bild auf ein Display. Auch Citroën setzt auf diese neue Technik.

Quelle: Renault

Wie bei seinem Kollegen aus dem Hause Renault haben die Ingenieure auch hier am Gewicht geschraubt: Der Fünfsitzer wiegt gerade mal 865 Kilo. Dazu kommen neue Schürzen, Schweller und eine Tieferlegung. Zusammen mit den Kameras, die die Außenspiegel ersetzen, verringert sich der Luftwiderstand um satte 20 Prozent im Vergleich zum Serien-Cactus. Noch leichter geht’s durch Leichtlaufreifen voran, die ebenfalls ihren Sparbeitrag liefern.

Soweit, so sparsam – ob und gegebenenfalls wann die Energiesparversionen aus Frankreich auf den Straßen anzutreffen sein werden, steht noch in den Sternen. Bisher gibt es die Wagen nur als Prototypen. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass Einzelheiten der Studien in die kommenden Modelle der jeweiligen Hersteller einfließen werden.

 

Ein Beitrag von:

  • Judith Bexten

    Judith Bexten ist freie Journalistin. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Technik, Logistik und Diversity.

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