East River Skyway 25.09.2014, 06:55 Uhr

Per Seilbahn dem New Yorker Verkehrsinfarkt entfliehen

Eine Seilbahn zur Entlastung des Verkehrs im Big Apple – das schlägt ein New Yorker Immobilienmakler vor. Entsprechende Pläne, wie Manhattan, Queens und Brooklyn verbunden werden könnten, hat er bereits vorgelegt. Mit dieser Idee ist er nicht allein: Weltweit entstehen derzeit innerstädtische Seilbahnen.  

Daniel Levy, Geschäftsführer der Immobilienfirma CityRealty, hat den Vorschlag für die Seilbahn gemacht. Sie könnte mehr als 5000 Menschen pro Stunde über den Eastriver bringen. 

Daniel Levy, Geschäftsführer der Immobilienfirma CityRealty, hat den Vorschlag für die Seilbahn gemacht. Sie könnte mehr als 5000 Menschen pro Stunde über den Eastriver bringen. 

Foto: East River Skyway

New York ist nicht nur irgendeine Stadt, für viele Menschen ist sie die Stadt schlechthin: lebendig, pulsierend, immer in Bewegung – und voll. Vor allem zu den Stoßzeiten sind die Lebensadern dieser Metropole, die Straßen und U-Bahnen, nahezu verstopft. Selbst wer noch niemals in New York war, kennt die Straßen, auf denen trotz unzähliger Spuren nichts mehr geht, aus Filmen. Ausweichen auf die U-Bahn ist nur bedingt möglich, einzelne Linien sind so stark frequentiert, dass noch nicht einmal mehr zusätzliche Züge eingesetzt werden können.

Wenn unter und auf der Straße alles ausgereizt ist: Warum nicht einfach nach oben ausweichen? Eine Seilbahn muss her, hat Daniel Levy, Geschäftsführer der Immobilienfirma CityRealty, jetzt vorgeschlagen. Noch hat niemand den Bau beschlossen oder überhaupt ernsthaft darüber beraten, doch aus dem Stadium der reinen Idee ist das Projekt mit dem Namen East River Skyway schon längst hinaus: Es gibt bereits Pläne, mögliche Streckenführungen und eine grobe Berechnung der Kosten.

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Gondel soll Manhattan und Brooklyn verbinden

Levys Vision ist dreistufig. In der ersten Phase verbindet eine Gondel die Lower East Side Manhattans mit dem Brooklyn Navy Yard und überquert dabei den East River. Unterwegs können Passagiere an zwei Stationen im Brooklyner Stadtteil Williamsburg ein- oder aussteigen. Zwischen den beiden Stationen auf der Ost- und der Westseite des Flusses liegen gerade einmal dreieinhalb Minuten Fahrzeit. Eine Seilbahn wäre also schnell – und verschaffte den Benutzern zudem einen anderen Blickwinkel auf ihre Stadt.

Die Gondelroute soll in drei Bauphasen entstehen, die jeweils zwischen 60 und 100 Millionen Euro kosten. Kritiker bemängeln die Streckenführung, die an den Bedürfnissen der Pendler vorbeigehe. 

Die Gondelroute soll in drei Bauphasen entstehen, die jeweils zwischen 60 und 100 Millionen Euro kosten. Kritiker bemängeln die Streckenführung, die an den Bedürfnissen der Pendler vorbeigehe.

Quelle: East River Skyway

In weiteren Phasen könnten Verbindungen nach Queens im Norden und dann zurück nach Manhattan (Phase 2) sowie direkt von den Navy Yards Richtung Westen, ebenfalls über den East River nach Manhattan, folgen; ebenfalls mit bis zu drei Zwischenstationen. Die Kosten beziffert Levy mit knapp 60 bis 100 Millionen Euro pro Phase. Damit läge der Preis für eine Seilbahn auf jeden Fall deutlich unter den für New York kaum bezifferbaren Kosten für neue Straßen oder gar U-Bahn-Linien – ganz abgesehen davon, dass niemand weiß, wo und wie man diese in die nahezu komplett zugebaute Stadt integrieren sollte.

Ein Seilbahnsystem wäre dagegen minimalinvasiv, wie der deutsche Verkehrsexperte Heiner Monheim in einem Bericht des Online-Portals Green Wiwo erklärt. Es ließe sich leicht auf- und bei Bedarf auch wieder abbauen, sei leise und emissionsarm. Mehr als 5000 Menschen könnten pro Stunde mit einer solchen Seilbahn über den East River reisen, so Daniel Levy: Eine Gondel fasst bis zu 48 Menschen, und alle 30 bis 40 Sekunden könnte eine solche abfahren.

Kritik an der Streckenführung

Natürlich gibt es auch Kritik: Eine Seilbahn mit der von Levy vorgesehenen Streckenführung verbände nahezu nur direkt am Wasser gelegene Stationen, die genauso gut per Schiff zu bedienen seien – weiter in der Stadt gelegen sei nur die Endhaltestelle Delancey des allerersten Streckenabschnitts. So ginge die Bahn an den Bedürfnissen eines Großteils der Pendler vorbei, berichtet zum Beispiel das US-Online-Portal wired.com.

In London ging 2012 die Emirates Air Line in Betrieb, eine Seilbahn, die die Stadtteile Greenwich und Docklands verbindet und dabei die Themse überquert. 

In London ging 2012 die Emirates Air Line in Betrieb, eine Seilbahn, die die Stadtteile Greenwich und Docklands verbindet und dabei die Themse überquert.

Quelle: Flickr/Eugene Regis

Damit würde nur ein Teil der New Yorker Bevölkerung profitieren – und zwar die relativ wohlhabende Bevölkerung des Stadtteils Williamsburg. Diese Gegend sei bereits jetzt den Reichen vorbehalten, und ein Seilbahnprojekt würde die Attraktivität und damit die Wohnkosten noch stärker steigern. Kein Wunder, heißt es, dass eine Vision dieser Art ausgerechnet aus einem Immobilienbüro stammt.

Die Seilbahn befände sich in guter Gesellschaft

Neu ist die Idee, Seilbahnen auch in Städten einzusetzen, nicht – schon längst ist Gondel nicht nur Wintersportlern in den Bergen als Transportmittel vorbehalten, obwohl die beiden Marktführer auf diesem Gebiet, Doppelmayr und Leitner, aus dem Alpenraum stammen. In der türkischen Hauptstadt Ankara hat jüngst eine Seilbahn eröffnet, schreibt Green Wiwo, im brasilianischen Rio de Janeiro, im venezolanischen Caracas und in anderen Städten gibt es diese Systeme ebenfalls. Hamburg wiederum hat sich gegen ein solches Projekt entschieden – zu touristisch und zu wenig alltagstauglich fand die Bevölkerung eine Seilbahn über die Elbe.

Und selbst in New York gibt es bereits eine Seilbahn: Die Roosevelt Island Tramway, die Roosevelt Island mit Manhattan verbindet. 1976 wurde sie ursprünglich als Provisorium gebaut, weil sich der Bau der U-Bahn-Linie unter dem East-River hindurch verzögerte. Nachdem die Bahn 1989 doch eröffnet wurde, blieb die Seilbahn, wird heute aber hauptsächlich von Touristen genutzt.

 

Ein Beitrag von:

  • Judith Bexten

    Judith Bexten ist freie Journalistin. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Technik, Logistik und Diversity.

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