Sicherheitslücke bei Uconnect 27.07.2015, 14:08 Uhr

Nach Hack: Fiat Chrysler ruft 1,4 Millionen Fahrzeuge zurück

Krisenstimmung bei Fiat Chrysler: Der Konzern ruft 1,4 Millionen Fahrzeuge zurück, nachdem Hacker aus der Ferne einen Jeep Cherokee während der Fahrt über das Infotainmentsystem Uconnect gesteuert hatten. Zudem muss der Konzern eine Rekordstrafe wegen fehlerhafter Rückrufe zahlen. 

Jeep Cherokee: Hackern ist es gelungen, das Fahrzeug über das Infotainmentsystem Uconnect zu steuern. Jetzt gibt es ein Sicherheitsupdate.

Jeep Cherokee: Hackern ist es gelungen, das Fahrzeug über das Infotainmentsystem Uconnect zu steuern. Jetzt gibt es ein Sicherheitsupdate.

Foto: Fiat Chevrolet

Fiat Chrysler reagiert mit dem Rückruf von 1,4 Millionen Fahrzeugen auf ein Hackermeisterwerk von Charlie Miller und Chris Valasek: Den Sicherheitsforschern ist es vor einer Woche gelungen, das Infotainmentsystem Uconnect zu hacken. Aus 15 km Entfernung ließen sie einen fahrenden Jeep Cherokee verrückt spielen. Sie steuerten Bremsen, Lenkung, Scheibenwischer und Klimaanlage. Das brachte den Fahrer so aus dem Konzept, dass die Fahrt im Graben endete.

Ein Glück: Mit dem Hack wollten die Forscher nur auf gefährliche Sicherheitslücken aufmerksam machen. Am Steuer saß ein Autor des Fachmagazins Wired, der in das Spiel eingeweiht war. Passiert ist ihm nichts. Für Fiat Chrysler war das Kunststück allerdings ein Schlag in die Magengrube.

Update unterbindet Hackerangriffe per Internet

Die Möglichkeit, sich in das Infotainmentsystem übers Internet einzuwählen und die Steuerung eines Chryslers zu übernehmen, wollen die Chrysler-Ingenieure nun mit dem Update beseitigen.

Vom Rückruf sind mehrere Modelle aus den Baujahren 2013 bis 2015 betroffen: My Chrysler 200, 300, Dodge Charger Sedan und Dodge Challenger, Dodge Durango, MY Dodge Viper, Ram Pickup 1500, 2500 und 3500, Ram Chassis Cab 3500, 4500 und 5500, Jeep Grand Cherokee und Cherokee.

Pick-Up-Truck Dodge Ram: Fiat Chrysler kauft nach einer erfolglosen Reparaturwelle hunderttausende Fahrzeuge wegen Probleme mit der Lenkung zurück.

Pick-Up-Truck Dodge Ram: Fiat Chrysler kauft nach einer erfolglosen Reparaturwelle hunderttausende Fahrzeuge wegen Probleme mit der Lenkung zurück.

Quelle: Fiat Chrysler

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Die Fahrzeugbesitzer erhalten einen USB-Stick, um die Firmware des Fahrzeugs zu aktualisieren. „Diese Maßnahmen blockieren den Fernzugriff auf bestimmte Fahrzeugsysteme und wurden am 23. Juli innerhalb des Mobilfunknetzes vollständig getestet und implementiert“, heißt es seitens Fiat Chrysler.

Deutsche Besitzer können aufatmen: Auf dem europäischen Markt sei das betroffene GSM-Mobilfunk-Modul zum Internetzugang nicht verbaut. Der Zugang geschah laut Fiat Chrysler über eine GSM-Schnittstelle im Fahrzeug, die es nur bei Autos auf dem amerikanischen Markt gibt. Laut Heise Online gilt das auch für die Konzernmarken Alfa Romeo, Lancia und Ferrari.

Fiat Chrysler muss Rekordstrafe zahlen

Der Rückruf nach dem Uconnect-Hack ist nicht das einzige Ärgernis, mit dem sich Fiat Chrysler herumschlagen muss: Der Konzern muss eine Rekordstrafe von 105 Mio. $ an das US-Verkehrsministerium zahlen und Hunderttausenden Autobesitzern ein Rückkaufangebot unterbreiten – wegen Fehler bei Rückrufaktionen, teilte die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA mit. Die Behörde hatte dem Autobauer unter anderem vorgeworfen, Kunden nicht frühzeitig über Rückrufaktionen informiert zu haben.

Der Pick-Up-Truck Dodge Ram krankt beispielsweise an einer defekten Lenkung, die Fahrer die Kontrolle über den Wagen verlieren lassen kann. Fiat Chrysler stimmte nach einer erfolglosen Reparaturwelle einem Rückkauf zu, um die Wagen von der Straße zu holen. Auch Besitzer alter Jeeps können ihr Fahrzeug für einen Preis über dem Marktwerk zurückgeben. Der Grund: Der Benzintank ist kaum geschützt, sodass der Wagen bei einem Auffahrunfall in Brand geraten kann.

 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitet als freiberuflicher Journalist für Zeitschriften und Onlinemagazine wie die VDI Nachrichten und Ingenieur.de.

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