Maschinenraumbrand 28.01.2026, 15:00 Uhr

MS „Thames Highway“: Was der Blackout über die Havarie verrät

Ein Feuer, kein Strom, keine Kontrolle: Was hinter dem Blackout der Thames Highway steckt und warum Notstrom nicht immer hilft.

Im Einsatz bei einem Maschinenbrand an Bord des Autotransporters „Thames Highway“: der Seenotrettungskreuzer HAMBURG der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS)

Im Einsatz bei einem Maschinenbrand an Bord des Autotransporters „Thames Highway“: der Seenotrettungskreuzer HAMBURG der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

Foto: Die Seenotretter – DGzRS

Ein Maschinenraumbrand vor Borkum setzte den Fahrzeugtransporter Thames Highway außer Gefecht. Das Schiff verlor schlagartig die elektrische Versorgung. Die Folge war ein vollständiger Blackout – und damit der Verlust jeder Manövrierfähigkeit. Der Vorfall zeigt exemplarisch, wie verwundbar selbst große Seeschiffe sind, wenn zentrale Systeme gleichzeitig ausfallen.

Feuer mit bordeigener CO2-Löschanlage bekämpft

Der Brand brach im Maschinenraum aus, also dort, wo bei konventionell angetriebenen Frachtschiffen die zentralen Energiequellen zusammenlaufen. Hier stehen nicht nur Haupt- und Hilfsdiesel. Hier befinden sich auch Generatoren, Schaltanlagen, Kabeltrassen, Steuer- und Überwachungssysteme. Gerät dieser Bereich außer Kontrolle, betrifft das fast immer mehr als nur den Antrieb.

Nach Angaben der Einsatzkräfte wurde das Feuer mit der bordeigenen CO₂-Löschanlage bekämpft. Dieses System ist Standard auf Handelsschiffen. Es verdrängt Sauerstoff aus dem betroffenen Raum und erstickt so den Brand. Der Preis ist hoch: Während der Löschung darf sich niemand im Maschinenraum aufhalten, und viele Systeme müssen zwangsläufig abgeschaltet werden.

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Blackout heißt: kein Strom, keine Kontrolle

Der Begriff Blackout wird im maritimen Kontext oft verkürzt verwendet. Technisch bedeutet er den vollständigen Ausfall der elektrischen Energieversorgung an Bord. Davon betroffen sind nicht nur die Hauptmaschine oder die Propelleranlage. Auch Ruder, Bugstrahlruder, Navigationssysteme, Kommunikation, Pumpen und Hilfsaggregate hängen am Bordnetz.

Fällt dieses Netz aus, ist ein Schiff faktisch steuerlos. Genau das geschah bei der Thames Highway. Das Schiff konnte weder Fahrt machen noch aktiv manövrieren. Es musste vor der Küste notverankert werden, bevor Schlepper es später nach Emden brachten.

Warum Redundanzen nicht immer helfen

Große Seeschiffe verfügen in der Regel über mehrere Generatoren und ein separates Notstromsystem. Diese Redundanzen sollen genau solche Szenarien abfedern. Dennoch kommt es immer wieder zu vollständigen Blackouts. Der Grund liegt meist nicht im einzelnen Aggregat, sondern in der Systemkopplung.

Ein Brand kann Kabeltrassen beschädigen, Schaltschränke außer Gefecht setzen oder Sensorik lahmlegen. Selbst wenn ein Notstromgenerator technisch einsatzbereit ist, kann er wirkungslos bleiben, wenn die Verteilung oder die Steuerung ausfällt. In solchen Fällen ist Energie vorhanden, erreicht die Verbraucher aber nicht mehr kontrolliert.

Ob und warum das Notstromsystem der Thames Highway versagte oder bewusst abgeschaltet wurde, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Für die Bewertung des Vorfalls ist diese Frage jedoch zentral.

Keine Hinweise auf die Ladung als Brandursache

An Bord des Schiffes befanden sich rund 1300 Fahrzeuge, darunter mehrere hundert Elektroautos. Entsprechend schnell tauchte die Frage auf, ob die Ladung mit dem Brand in Verbindung stehen könnte. Dafür gibt es derzeit keine Hinweise.

Der Brand entstand im Maschinenraum, nicht auf den Fahrzeugdecks. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Zwar gelten Lithium-Ionen-Batterien bei Bränden als besondere Herausforderung, doch sie spielen hier nach aktuellem Kenntnisstand keine Rolle.

Typisches Muster bei Maschinenraumbränden

Der Ablauf des Ereignisses folgt einem bekannten Muster. Zunächst der Brand in einem hochsensiblen Bereich. Dann die automatische oder manuelle Abschaltung von Systemen. Schließlich der Verlust der elektrischen Versorgung und damit der Kontrolle über das Schiff.

Solche Kettenreaktionen sind schwer zu stoppen, sobald sie einmal eingesetzt haben. Genau deshalb gelten Maschinenräume als einer der kritischsten Bereiche an Bord. Brandschutz, Überwachung und Wartung haben hier höchste Priorität.

 

Eine Einsatzkraft wird nach Abschluss des Einsatzes per Winsch an Bord geholt

Eine Einsatzkraft wird nach Abschluss des Einsatzes per Winsch an Bord geholt.

Foto: Havariekommando

Ein Fall für die Unfalluntersuchung

Noch ist unklar, was den Brand ausgelöst hat. Möglich sind technische Defekte, Leckagen, Materialermüdung oder elektrische Fehler. Erst eine detaillierte Untersuchung kann klären, welche Komponente versagte – und ob organisatorische oder technische Schwachstellen eine Rolle spielten.

Für die maritime Technik liefert der Fall dennoch schon jetzt wichtige Erkenntnisse. Er zeigt, wie schnell selbst moderne Schiffe in einen Zustand geraten können, in dem Redundanzen nicht mehr greifen. Und er macht deutlich, dass der Blackout nicht das eigentliche Problem ist, sondern das Ergebnis einer Kette von Systemausfällen.

Was für ein Schiff ist die „Thames Highway“?

Bei der MS „Thames Highway“ handelt es sich um einen Ro-Ro-Fahrzeugtransporter in der 150-Meter-Klasse (rund 150 m Länge, etwa 25 m Breite). Laut öffentlich zugänglichen Schiffsdatenregistern wird der Frachter unter der IMO-Nummer 9316294 geführt und fährt unter der Flagge der Bahamas.

Ein Schiff dieser Größe ist zwar noch weit entfernt von diversen Megacarriern und Containerschiffen, aber dennoch groß genug, dass Maschinenraum, elektrische Energieverteilung und Hilfssysteme (z.B. Pumpen, Kühlung, Hydraulik) eng aneinandergekoppelt sind. Dadurch kann sich ein lokaler Defekt in einem einzelnen System schnell auf weitere Bereiche ausweiten – und die Lage an Bord insgesamt kippen.

 

 

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

  • Silvia Hühn

    Silvia Hühn ist freie Redakteurin mit technischem Fokus. Sie schreibt unter anderem über die Rekorde dieser Welt und verfasst Ratgeber.

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