Seefahrt 14.03.2025, 13:00 Uhr

Containerfrachter „Solong“ bewusst auf Kollisionskurs gebracht?

Nach dem schweren Schiffsunfall in der Nordsee vor dem britischen Hafen Hull haben die britischen Behörden den Kapitän des Containerfrachters „Solong“ verhaftet. Gegen den 59 Jahre alten Mann wird den offiziellen Angaben zufolge wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.

Tanker Stena Immaculate

Der Tanker Stena Immaculate nach der Kollision mit dem Containerfrachter Solong.

Foto: picture alliance / empics/Danny Lawson/PA Wire

Nach der Kollision eines Frachters mit einem US-Tanker am Dienstag vor der britischen Ostküste wurde der russische Kapitän des Containerschiffs „Solong“ festgenommen. Die Ursachen für den Zusammenstoß der beiden Schiffe mit einem Todesopfer bleiben weiter unklar. Eine größere Umweltkatastrophe scheint vorerst abgewendet. Das 140 m lange Containerschiff der Hamburger Reederei Ernst Russ war mit dem unter US-Flagge fahrenden Tanker „Stena Immaculate“ kollidiert. Ein Besatzungsmitglied der „Solong“ wird seither vermisst. Beide Schiffe gerieten in Brand. Das Mehrzweckschiff „Mellum“ des Deutschen Havariekommandos unterstützt die Bergungsarbeiten des niederländischen Spezialunternehmens Boskalis.

Containerschiff fuhr mehr als zwei Stunden mit hoher Geschwindigkeit auf den Tanker zu

Warum die „Solong“ mit dem 183 m langen Tanker kollidierte, ist bislang unbekannt. Den Angaben der britischen Schifffahrtsbehörde zufolge befand sich der Containerfrachter  auf dem Weg von dem englischen Hafen Grangemouth nach Rotterdam, als das Unglück geschah. Der Tanker „Stena Immaculate“ lag zur gleichen Zeit mit acht weiteren Schiffen vor Anker knapp außerhalb der Sichtweite des britischen Hafens Hull. In einer von dem Schiffsportal vesselfinder.com zusammengestellten Aufzeichnung der AIS-Daten ist zu erkennen, dass die „Solong“ über mehr als zwei Stunden lang mit einer Geschwindigkeit von 16 Knoten (ca. 30 km/h) geradewegs auf den Tanker zugefahren ist. In der Vergrößerung der Aufzeichnung entsteht der Eindruck, dass die Kurslinie den Frachter an dem Tankschiff vorbeigeführt und zwischen den ankernden Schiffen hindurchgeführt hätte.

Tanker driftete in den Fahrweg des Containerschiffs

Etwa 15 min vor der Kollision scheint sich die „Stena Immaculate“ aber langsam in Bewegung zu setzen und in die Kurslinie der „Solong“ zu driften. Eine Reaktion der „Solong“ ist auf den Aufzeichnungen zunächst nicht zu erkennen. Erst wenige Minuten vor dem Zusammenstoß scheint der Containerfrachter wie in den internationalen Kollisionsverhütungsregeln vorgeschrieben zu seiner Steuerbordseite (rechts in Fahrtrichtung) auszuweichen. Üblicherweise sind Berufsschiffe mit radargestützten Kollisionswarngeräten ausgestattet, die bereits auf einer Distanz von mehreren Kilometern einen drohenden Zusammenstoß anzeigen.

Die britischen Behörden schließen nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen aus, dass die „Solong“ bewusst auf den Kollisionskurs gebracht wurde. Nähere Angaben zu dem verhafteten Kapitän machten die Behörden nicht. Unbestätigten Angaben zufolge gehört die unter US-Flagge fahrende „Stena Immaculate“ zu einer Flotte von etwa zehn Tankschiffen, die das US-Verteidigungsministerium zur Versorgung international operierender US-Militäreinheiten gechartert hat. Den AIS-Daten zufolge befand sich das 183 m lange Schiff auf dem Weg von Griechenland zu dem britischen Hafen Killingholme, der wie der Hafen von Hull an der Humber-Mündung und nur wenige Kilometer von der Unglücksstelle entfernt liegt.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Clees Wohnimmobilien GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Clees Wohnimmobilien GmbH & Co. KG
Düsseldorf Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Head of Sales and Project Management (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
ERGO Group AG-Firmenlogo
Technischer Objektmanager (m/w/d) ERGO Group AG
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Stadt Hemer-Firmenlogo
Architekt/in bzw. Ingenieur/in (w/m/d) für unseren Hochbau in Vollzeit oder Teilzeit Stadt Hemer
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Maschinenbauingenieur (m/w/d) im Bereich Digitale LED-Anlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
ASG Abwasserentsorgung Salzgitter GmbH-Firmenlogo
Geschäftsführung (m/w/d) der Abwasserentsorgung ASG Abwasserentsorgung Salzgitter GmbH
Salzgitter Zum Job 
Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende-Firmenlogo
Projektingenieur:in Brückenbau Hamburg Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende
Hamburg Zum Job 
Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d/) Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Fachgruppenleiter / Fachgruppenleiterin (w/m/d) Klimatechnik im Gebäudemanagement Baden-Baden SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Baden-Baden Zum Job 
Excelitas Deutschland GmbH-Firmenlogo
Qualitätsingenieur (w/m/d) Produktentwicklung Excelitas Deutschland GmbH
Feldkirchen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung Umweltplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur mit Projektverantwortung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Experte / Expertin Bauwesen (w/m/d) in der Abteilung Gebäudemanagement / Verwaltung Mainz SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Bauprojekte Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG
Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB)-Firmenlogo
Projektleitung (m/w/d) für Hochbaumaßnahmen (Architekt/in o. Ingenieur/in) Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB)
Frankfurt (Oder) Zum Job 
Universitätsklinikum Leipzig-Firmenlogo
Projektleitung / Fachingenieur (m/w/d) - Schwachstromtechnik im Bereich 5 - Bau und Gebäudetechnik Universitätsklinikum Leipzig
Leipzig Zum Job 
ai6 SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
Entwickler Mechanik / Konstruktion (m/w/d) ai6 SOLUTIONS GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Key Account Manager Sicherheit und Verteidigung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH-Firmenlogo
Elektroingenieur (m/w/d) Produktindustrialisierung J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH

Deutschland gut aufgestellt bei Containerschiffen

Containerfrachter wie die „Solong“ gehören zu den Stärken der deutschen Reedereien. Mit 612 Schiffen stellen sie 8,7 % der weltweiten Containerflotte. Nachdem Deutschland jahrzehntelang die Nummer eins in diesem Bereich war, wurden sie inzwischen nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) von der Schweiz und China überholt. In der Schweiz hat die Mediterranean Shipping Company MSC ihren Sitz. Das weltgrößte Schifffahrtsunternehmen verfügt allein über 810 Containerfrachter.

Internationale Konflikte belasten globalen Warenverkehr

Die meisten Schiffe der deutschen Reeder fahren wie die in Portugal registrierte „Solong“ unter ausländischer Flagge. Nur wenige 100 der insgesamt 1764 Schiffe sind im deutschen Schiffsregister eingetragen. Dennoch haben die Frachter nach Überzeugung des VDR eine hohe Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Nach Angaben des Reederverbandes  werden rund 62 % der deutschen Exporte und 60 % der Importe auf dem Seeweg transportiert.

Dass viele der Containerschiffe mittlerweile in China gebaut werden, könnte für die hiesigen Reeder wie auch ihre internationalen Wettbewerber in naher Zukunft zum Problem werden. Laut VDR plant die neue US-Regierung, auf in China gebaute Schiffe beim Anlaufen von US-Häfen millionenschwere Gebühren zu erheben.

Ohnehin hat die weltweite Schifffahrt bereits heute unter internationalen Konflikten zu leiden. Zunehmende internationale Spannungen stören dem VDR zufolge wichtige internationale Handelswege vom Südchinesischen Meer über die Straße von Taiwan bis hin zu den Gewässern rund um das Schwarze und Rote Meer. Für Reedereien bedeute dies nicht nur längere Handelswege und höhere Betriebskosten, sondern insbesondere eine erhebliche Planungsunsicherheit im globalen Warenverkehr.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Heumer

    Der Autor hat mehr als zehn Jahre als Redakteur und Redaktionsleiter für verschiedene Tageszeitungen gearbeitet. Seit 1998 ist er freiberuflich mit den Schwerpunkten Wirtschaft, Technik und Wissenschaft für Magazine, Agenturen, Tageszeitungen und fachlich geprägte Medien tätig.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.