Trick von Continental 02.06.2017, 08:01 Uhr

Mit diesem Ladegerät können Elektroautos 150 km Reichweite in 5 min laden

Auf den Trick muss man erst mal kommen: Ingenieure von Continental haben ein Ladegerät erfunden, mit dem Elektroautos nicht nur jede Ladestation anfahren können, egal ob die Gleich- oder Wechselstrom liefert. Zugleich können sie zwölfmal schneller auftanken. Der Trick: Die Conti-Ingenieure nutzen den Antriebsstrang als Ladegerät.

Continental macht den Antriebsstrang zum Ladegerät: Damit sind Elektroautos auf alle Ladetechniken vorbereitet – vom ein- oder dreiphasigen AC-Laden bis hin zum schnellen DC-Laden. 

Continental macht den Antriebsstrang zum Ladegerät: Damit sind Elektroautos auf alle Ladetechniken vorbereitet – vom ein- oder dreiphasigen AC-Laden bis hin zum schnellen DC-Laden. 

Foto: Continental

Ladestationen sind nicht nur knapp in Deutschland. Viele kann der Fahrer eines Elektroautos auch gar nicht nutzen. Es gibt Stationen zum schnellen Gleichstromladen (DC-Laden) vor allem in der Nähe von Autobahnen, die aber nicht mit allen Fahrzeugen kompatibel sind. Und es gibt Ladesäulen zum  Wechselstromladen (AC-Laden) vor allem in den Städten.

Die sind dann aber nicht nur langsam, sondern auch noch ein- oder dreiphasig. „Heute steht der Fahrer eines Elektroautos oft vor der falschen Ladesäule und kann nicht so schnell laden wie er möchte“, sagt Oliver Maiwald, Innovationsleiter bei Continental. Was also tun?

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All Charge macht Laden zwölfmal schneller

Um das Laden von E-Autos zu vereinfachen, hat Continental eine Technik namens All Charge entwickelt. Ihr größter Vorteil: Der Fahrer muss sich um die Ladetechnik keine Gedanken mehr machen. „Sein Fahrzeug ist auf alles vorbereitet, von einphasigem über das dreiphasige AC-Laden bis zum schnellen DC-Laden“, sagt Maiwald.

Doch nicht nur das. Das System macht zudem schnelleres Laden möglich. „Der größte Vorteil des Systems macht sich bei urbanen AC-Ladestationen bemerkbar. Hier ist ein bis zu zwölfmal schnelleres Laden als heute möglich. Das bedeutet in Zahlen: War vorher an einer herkömmlichen AC-Ladestation eine Reichweite von rund 300 m pro Lademinute möglich, schafft die neue Technologie in der gleichen Zeit angeblich knapp 4000 m.

Continental macht den Antriebsstrang zum Ladegerät

Doch wie funktioniert die Technik? Im Grunde recht simpel: Anstatt zusätzliche Ladetechnik für die unterschiedlichen Arten von Ladestationen ins Auto zu integrieren, macht Continental den elektrischen Antriebsstrang zum universellen Ladegerät – also den Elektromotor und den Inverter, der zwischen Gleich- und Wechselstrom hin- und herwandelt. Einzige Zusatzkomponente ist ein DC/DC-Wandler, der die optimale Spannung zur Batterie hin regelt.

Netter Nebeneffekt: Es stehen dank der neuen Ladetechnik 230 V Wechselstrom zur Verfügung, um zum Beispiel einen Kühlschrank beim Camping zu betreiben.

Netter Nebeneffekt: Es stehen dank der neuen Ladetechnik 230 V Wechselstrom zur Verfügung, um zum Beispiel einen Kühlschrank beim Camping zu betreiben.

Quelle: Continental

Von einem einzigen Kabelanschluss am Fahrzeug führen zwei Strompfade zur Batterie: Entweder fließt Wechselstrom von der Ladesäule durch den E-Motor zum Inverter, der ihn in Gleichstrom für die Batterie umwandelt. Oder der Gleichstrom fließt von der Ladesäule durch den DC/DC-Wandler zur Batterie.

In Zukunft: 150 km Reichweite in fünf Minuten Ladezeit

Das All-Charge-System kann bis zu 800 V Spannung und Leistungen von derzeit 150 kW aufnehmen. Doch bis zu 350 kW für Premiumanwendungen sind denkbar, sagt Martin Brühl, verantwortlicher Experte für das Ladesystem bei Continental. „350 kW DC-Ladeleistung bringen immerhin rund 150 km Reichweite in fünf Minuten Ladezeit.“

Ein netter Nebeneffekt: Dem Fahrer stehen im Fahrzeuginneren 230 V Wechselstrom zur Verfügung, um zum Beispiel ein Laptop zu laden oder beim Camping einen Kühlschrank zu betreiben. Zu sehen ist das Ladesystem auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) 2017, die vom 14. bis 24. September in Frankfurt stattfindet.

Auf der letzten IAA hatte der Energiekonzern EnBW auch schon Straßenlaternen vorgestellt, die zugleich als Notrufsäulen und Zapfsäulen für Elektrofahrzeuge fungieren und nebenbei auch noch ein WLAN-Netz anbieten.

 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitete während seines Studiums der Kommunikationsforschung bei verschiedenen Tageszeitungen. 2012 machte er sich als Journalist selbstständig. Zu seinen Themen gehören Automatisierungstechnik, IT und Industrie 4.0.

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