Verordnung gegen Staus 13.02.2018, 13:01 Uhr

Kein Auto zusätzlich: Singapur stoppt Verkehrswachstum per Dekret

Bewohner von Metropolen wie Delhi oder Tokio können über das Verkehrsaufkommen in Singapur nur lachen. Und doch sind die 600.000 Autos Singapurs der Regierung des Stadtstaates schon zu viel, sie stoppt das Wachstum per Dekret. Ist Umweltschutz ohne Demokratie vielleicht einfacher?

Die Henderson-Fußgängerbrücke in Singapur: Die Stadt hat jetzt den Fahrzeugbestand eingefroren. Wer ein Auto kaufen will, muss ein anderes abschaffen.

Die Henderson-Fußgängerbrücke in Singapur: Die Stadt hat jetzt den Fahrzeugbestand eingefroren. Wer ein Auto kaufen will, muss ein anderes abschaffen.

Foto: Singapore Tourism Board

 

Singapur ist ja für strenge Regeln bekannt. So bekannt, dass Souvenirläden den Touristen dort sogar T-Shirts mit aufgedruckten Verbotsschildern verkaufen. „No chewing gum!“ und so etwas. Nun hat sich die Regierung des Stadtstaates wieder ein Verbot ausgedacht: Autos kaufen. Das darf man nur noch, wenn man zugleich eines verschrottet oder verkauft.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Energieversorgung Leverkusen GmbH & Co.KG-Firmenlogo
Technischer Netzanschlussplaner (m/w/d) Energieversorgung Leverkusen GmbH & Co.KG
Leverkusen Zum Job 
Christoph Schnorpfeil GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) Christoph Schnorpfeil GmbH & Co. KG
Christoph Schnorpfeil GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Kalkulator (m/w/d) Christoph Schnorpfeil GmbH & Co. KG
Energieversorgung Leverkusen GmbH & Co.KG-Firmenlogo
Ingenieur Versorgungstechnik/Energietechnik (m/w/d) Energieversorgung Leverkusen GmbH & Co.KG
Leverkusen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur Straßenbau und Infrastruktur (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Kempten Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Projektleiter Bau und Erhaltung Straßenbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Kempten Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur Elektrotechnik für Informationstechnik und -sicherheit (m/w/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
München Zum Job 
Christoph Schnorpfeil GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauabrechner (m/w/d) Christoph Schnorpfeil GmbH & Co. KG
Ziehm Imaging GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur (m/w/d) Hardware mit Schwerpunkt Schaltungstechnik Ziehm Imaging GmbH
Nürnberg Zum Job 
ALTUS-Bau GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur / Architekt als Bauleiter / Projektleiter (m/w/d) im Raum Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachen ALTUS-Bau GmbH
Lübeck Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
BIM-Manager (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
München Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur Straßenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Kempten Zum Job 
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Strategische*r Einkäufer*in Anlagenbau (m/w/d) Stadtwerke München GmbH
München Zum Job 
Keysight Technologies Deutschland GmbH-Firmenlogo
Senior Process and Development Engineer for High Frequency Solutions (m/f/x) Keysight Technologies Deutschland GmbH
Böblingen Zum Job 
Iventa Austria Personalwerbung GmbH-Firmenlogo
Wind and Site Engineer (m/f/d) Iventa Austria Personalwerbung GmbH
Hamburg Zum Job 
SWM Services GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur*in für Prozess- und Automatisierungstechnik MSR (m/w/d) SWM Services GmbH
München Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur als Außenstellenleiter (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieurin oder Ingenieur Ausstattung/Verkehr (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur konstruktiver Ingenieurbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieurin oder Bauingenieur Verkehrsplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes

Schon seit einiger Zeit hatte die Regierung die Wachstumsrate beim Kfz-Bestand auf 0,25 Prozent jährlich begrenzt. Nun aber gilt Nullwachstum. Die zuständige Verkehrsbehörde LTA („Land Transport Authority“) will Staus und Luftbelastung mit solchen Obergrenzen begrenzen. Das Motto lautet offenbar: Wehret den Anfängen. Denn von einem Chaos, wie es in asiatischen Metropolen normal ist, kann in Singapur keine Rede sein.

Autos können sich nur wenige leisten

Um das zu wissen, muss man sich nur die Zahlen anschauen: Etwa jeder zehnte der rund 5,6 Millionen Einwohner Singapurs hat statistisch gesehen ein eigenes Auto, die offizielle Zahl der Fahrzeuge liegt bei 575.000. Die anderen Bürger können es sich einfach nicht leisten, denn wegen der hohen Steuern und den vom Staat schon für das Kaufrecht erhobenen Gebühren kostet ein Pkw etwa dreimal so viel wie etwa in Deutschland. Ein neuer VW Golf ist also umgerechnet für etwa 70.000 Euro zu haben. Außerdem gibt es eine City-Maut, die die Betriebskosten in die Höhe treibt.

Autobahn in Singapur: Autofahren ist extrem teuer in dem Stadtstaat.

Autobahn in Singapur: Autofahren ist extrem teuer in dem Stadtstaat.

Quelle: MCI/Kommunikationsministerium

Die Behörde begründet ihren Schritt damit, dass man wenig Platz habe in Singapur. Der Stadtstaat hat mit seinen 720 Quadratkilometern etwas weniger Fläche als Hamburg (750). Der Vergleich mit der Hansestadt zeigt aber auch, dass das Problem aktuell jedenfalls eher in der Einwohnerzahl als in der Zahl der Autos liegt. Singapur beherbergt zwar mehr als dreimal so viele Menschen, aber trotzdem noch gut 200.000 Autos weniger als Hamburg.

Die Bürger müssen nicht gefragt werden

Die Behörden in Singapur erkennen aber auch einen Trend, der beispielsweise in Deutschland längst abgeflaut ist: Autos werden zunehmend zum Statussymbol. Und wenn irgendwann jeder zweite ihrer Bürger, wie in Deutschland, eines hätte, wären das 2,4 Millionen. Dieser Entwicklung will die Regierung nun frühzeitig Einhalt gebieten.

Das geht relativ einfach, weil Singapur ein sehr eigenes Verständnis von Demokratie hat, maßgeblich geprägt von Kuan Lee Yew, der mehr als 40 Jahre lang regiert und der einmal sagte: „Hätte ich in Singapur die absolute Macht und müsste die repräsentierten Bürger nicht fragen, ob sie das, was gemacht wird, mögen, dann könnte ich ohne Zweifel viel effektiver in ihrem Interesse regieren.“

U-Bahn-Station in Singapur: Die Stadt setzt seit Jahren auf die Förderung von Bussen und Bahnen. Der Autoverkehr wird stark reglementiert.

U-Bahn-Station in Singapur: Die Stadt setzt seit Jahren auf die Förderung von Bussen und Bahnen. Der Autoverkehr wird stark reglementiert.

Quelle: Land Transport Authority Singapore

So richtig dolle gefragt werden die Bürger aber eben auch nicht. Ab sofort gilt also per Dekret: Die Zahl der Autos wird auf dem heutigen Stand eingefroren. Zugleich baut die Regierung den Öffentlichen Nahverkehr weiter aus. Bis zum Jahr 2020 soll allein das Schienennetz auf 280 Kilometer ausgebaut werden. Dafür will Singapur umgerechnet rund 25 Milliarden Euro investieren. Die Stadt hat eines der weltgrößten U-Bahn- und Metronetze. Viele Linien sind sogar ohne Fahrer unterwegs.

Vielfach schneller als in Jakarta

In den vergangenen Jahrzehnten hat Singapur aber auch viel Geld in den Ausbau des Autobahnnetzes gesteckt. Auch deshalb kommt man in der Stadt noch heute mit einem Durchschnittstempo von 27 km/h voran. Das ist deutlich mehr als in London (19) und gar um ein Vielfaches schneller als Jakarta, wo in der Rushhour ein Schnitt von 5 km/h gemessen wurde. Da braucht man dann wirklich kein Auto mehr.

Ein Beitrag von:

  • Werner Grosch

    Werner Grosch ist Journalist und schreibt vor allem über Technik. Seine Fachgebiete sind unter anderem Elektromobilität, Energie, Robotik und Raumfahrt.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.