Jetzt wird’s ernst: BMW startet Produktion von Wasserstoff-Pkw
Die meisten Autobauer haben den Wasserstoff-Pkw aufgegeben. BMW startet jetzt trotzdem die Produktion.
Vorserienproduktion im BMW-Werk Landshut: Eine Mitarbeiterin montiert den Energy Master für den iX5 Hydrogen.
Foto: Armin Weigel/BMW Group Werk Landshut
BMW hat im Werk Landshut die Vorserienproduktion für den iX5 Hydrogen gestartet. Dort entsteht jetzt der sogenannte Energy Master: eine zentrale Steuereinheit, die im Wasserstoff-Pkw das Zusammenspiel von Brennstoffzelle, Batterie und Elektromotor koordiniert. Es ist das erste Mal, dass BMW eine solche Komponente vollständig im eigenen Haus entwickelt und fertigt.
Damit hat BMW nun für die wichtigsten Bausteine des iX5 Hydrogen konkrete Produktionsstandorte benannt. Die Bayern liegen bei ihrer Wasserstoffstrategie auf Kurs. 2028 soll die Serienfertigung der Brennstoffzellensysteme im österreichischen Werk Steyr anlaufen.
Inhaltsverzeichnis
Was der Energy Master macht
Im iX5 Hydrogen sitzt der Energy Master auf dem kürzlich vorgestellten Wasserstoff-Flachspeicher. Er bündelt Energie- und Datenströme und steuert die Stromversorgung für Elektromotor und Bordnetz. Vereinfacht gesagt: Die Brennstoffzelle erzeugt Strom aus Wasserstoff, die Hochvoltbatterie fängt Lastspitzen ab. Der Energy Master entscheidet dann, wann wie viel Energie wohin fließt.
Josef Hochreiter, Leiter Wasserstofffahrzeuge bei BMW, erklärt es in einer Pressemitteilung vom 21. Mai so:
Der Energy Master ist eine Schlüsselkomponente: Er steuert die Hochvoltbatterie intelligent und sorgt gemeinsam mit dem Brennstoffzellensystem der dritten Generation für souveräne Fahrdynamik.

Das Besondere an der Konstruktion: Es handelt sich im Kern um dieselbe Steuereinheit, die auch in den batterieelektrischen Modellen der Neuen Klasse verbaut wird, also dem BMW iX3 und dem BMW i3. Für den Wasserstoffantrieb wurde sie angepasst; die Grundarchitektur ist identisch. Das erlaubt BMW, in Landshut beide Varianten auf parallelen Linien zu fertigen.
Landshut als Wasserstoff-Knotenpunkt
Das Werk in Niederbayern baut damit seine Rolle im Wasserstoffprogramm der BMW Group aus. Schon jetzt entstehen dort die Mediendruckplatte und das Stackgehäuse für die Brennstoffzelle des iX5 Hydrogen. Beide Komponenten sind für die Verteilung von Wasserstoff und Luft im Zellstapel (engl. Stack) zuständig.
Werkleiter Thomas Thym spricht von einer bewussten Bündelung: „Hier vereinen wir Entwicklung, Fertigungs-Know-how und industrielle Skalierung – für batterieelektrische Fahrzeuge ebenso wie für Wasserstoff-Brennstoffzellen.“
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bezeichnete den Start der Vorserie als „echten Meilenstein“ und verwies auf positive Effekte auf den Arbeitsmarkt in Niederbayern.

Zeitplan bestätigt: Serie ab 2028
Mit dem Anlauf in Landshut konkretisiert sich der Fahrplan für den iX5 Hydrogen. Die Frage, woher der Wasserstoff für die Entwicklung kommen soll, haben die Bayern bereits adressiert.
Die wichtigsten nächsten Stationen im Überblick:
- Das Werk Leipzig soll Mitte 2027 als weltweit erste Autofabrik an das nationale Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen werden.
- Die Serienfertigung der Brennstoffzellensysteme soll ab 2028 in Steyr beginnen.
- Ebenfalls ab 2028 soll der iX5 Hydrogen als reguläres Serienfahrzeug bestellbar sein. Es enthält dann den neuen Flachtank für bis zu 750 km Reichweite und die dritte Generation des Brennstoffzellensystems, das BMW gemeinsam mit Toyota entwickelt.
Jetzt wird es also tatsächlich ernst – und das in einem angespannten Marktumfeld. BMW investiert, mit über 273 Mio. € Fördermitteln vom Freistaat Bayern und dem Bund im Rücken. Gleichzeitig ist die Zahl der Wasserstofftankstellen in Deutschland binnen weniger Jahre von über 90 auf rund 50 gefallen. Neben BMW halten von den großen OEMs eigentlich nur noch Toyota und Hyundai am Wasserstoff-Pkw fest; die meisten europäischen Autobauer haben sich davon verabschiedet.
Nicht wenige in der Branche halten den Wasserstoff-Pkw für ein totes Pferd. BMW sattelt trotzdem auf.
Ein Beitrag von: